Ich ziehe an meinem Spliff und halte den Rauch drin, bis nichts mehr rauskommt. Die Amnesia White hat ihren Namen zu Recht. Wenn man das Zeug nicht gewöhnt ist, sollte man sich ein Namensschildchen um den Hals hängen, falls man sich sozusagen vergisst. Aber das gilt nur für Anfänger. Jedenfalls ist der Spliff eigentlich zu fett für einen allein. Mein Mund ist trocken, ich hab natürlich nichts zu trinken dabei, und das blöde Herzrasen ist auch eine Nebenwirkung, auf die ich verzichten könnte. Aber dieser fette, süße, glitzernde Amnesia-White-Zustand ist es wirklich wert. Schon beim ersten Zug setzt die Nebelmaschine ein. Ich lehne mich zurück und entspanne mich, zum ersten Mal seit vielen Tagen. Das Leben kann so schön sein. Und alle Träume werden wahr, mein ganz persönliches Kiffermärchen-Disneyland. Vor meiner Parkbank steht ein Engel. Er trägt ein weißes Gewand und sieht aus wie Anais. Anais, die schönste Frau, die ich je gesehen habe. Sie schaut mich einfach nur an und ich lächle. Es ist mir egal, wo Anais hier auf einmal herkommt. Sie ist da, und alles ist gut.
Ihre Haare sind durcheinander. Das wundert mich jetzt ein bisschen, normal ist sie immer perfekt gestylt. Ich würde mich gerne bewegen, aber es geht nicht. Ich bin verwirrt und starre sie einfach nur an. Der Gürtel um ihr Engelsgewand sieht aus wie ein durchsichtiger Plastikschlauch, was soll das denn? Und wenn ich genauer hinsehe, lächelt sie auch nicht. Sie sieht eher ziemlich sauer aus. Glaube ich zumindest, denn das mit dem genau hinsehen, ist schwer mit so viel Amnesia-Dunst rundherum.
„Gib mir deine Jacke, du Depp, jetzt mach schon. Dieses blöde Krankenhaus-Hemd ist hinten offen.“
Bevor ich etwas tun kann, krallt sie sich meine Lederjacke und schlüpft hinein. Ein wütender Engel mit Motorradjacke. Anais hat sich wohl in einer Zeitschleife verheddert, oder ich selbst, jedenfalls sieht sie jetzt gar nicht mehr so jung aus, sondern eher wie irgendwas über vierzig. Wem sieht sie nur ähnlich? Gleich habe ich es.
„Frau Grube?“, stammle ich.
„Für dich Ida. Und jetzt lass uns machen, dass wir hier wegkommen.“
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