Natürlich bleiben Eltern von Anfang an die wichtigste Bezugsperson im Leben eines Säuglings und Kleinkinds, besonders die Mutter, die ständig im direkten Kontakt zu dem Neugeborenen steht und durch ihr Verhalten die Reaktionen des Säuglings mit bestimmt. Dabei lässt sich in der ersten Zeit kaum vermeiden, dass auch der Stress und die Müdigkeit, die Erschöpfung und andere Alltagsprobleme nicht einfach verdrängt werden können. Dennoch ist die Zuwendung durch die Mutter entscheidend dafür, wie schnell das Kind lernt, seine Umwelt wahrzunehmen und Vertrauen zu entwickeln. Im Zusammenspiel aller Anlagen, des Reifeprozesses und der Erfahrungen wird ein Kind nach und nach immer komplexer denken, wenn auch auf kindliche Weise. Die Entwicklungsstufen sind dabei relativ klar vordefiniert und treffen dann, mit kleinen Unterschieden und Zeitverzögerungen, auf fast alle Säuglinge und Kleinkinder zu.
Bereits von der Geburt an ist das Kind neugierig und versucht seine Umgebung zu entschlüsseln. Während die körperliche Entwicklung sehr schnell voranschreitet, lernt der Säugling gleichzeitig, die Umgebung nicht mehr als Bedrohung wahrzunehmen, sondern Vertrauen zu fassen. Das Baby beginnt bereits, nach dem Finger der Eltern zu greifen, die Stimme der Mutter zu erkennen und wird dann immer aktiver. Bald nimmt es Geräusche deutlicher wahr und kann Gegenstände klar unterscheiden, auch das Lächeln der Eltern richtig deuten.
Das Greifen nach Gegenständen fördert die Muskelausbildung, dabei erforscht das Baby genau seine Umwelt und steckt sich dann auch vieles gleich in den Mund. Der Körper wird langsam kräftiger, die Bewegungen können allmählich einfacher gesteuert werden. Das bedeutet auch, dass beim Liegen auf dem Bauch ein Abstützen mit den Unterarmen möglich wird oder das Kind heftig strampelt.
In dieser Phase lernen Säuglinge, den Kopf selbstständig zu halten und können auch häufiger auf den Schoß genommen werden und das Gesicht dann seitlich drehen. Das wiederum ermöglicht noch einmal besser, die Umwelt zu beobachten und zu erfassen. Die visuellen Sinne entwickeln sich, auch weiter entfernte Dinge können erkannt werden. Das Baby richtet dabei ein Lächeln bereits gezielt auf bestimmte Bezugspersonen.
Etwa im 5. Monat wird die Bewegung stärker und der Säugling versucht, sich selbstständig zu drehen. Das Interesse an der Umwelt ist stark gestiegen. Das Packen von Gegenständen ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem gezielten Greifen. In dieser Phase beginnen Babys, Gefühlsregungen zu unterscheiden. Sie begreifen allmählich, wann jemand mit einem liebevollen oder strengeren Tonfall spricht, können auch vertraute und fremde Personen auseinanderhalten. Schon hier ist es daher wichtig, darauf zu achten, mit welchem Ton man zu dem Kind spricht. Dazu erfasst es sehr wohl alle Emotionen und Gefühlsregungen der Mutter.
Bald beginnen die neugierigen Bewegungen. Das Baby setzt sich selbstständig auf und beginnt zu krabbeln und seine Umwelt zu erkunden. Es ist ihm möglich, das Gleichgewicht besser zu halten und auch das Greifen klappt noch besser. Erste Versuche, sich über Laute auszudrücken, erfolgen, bis dann das erste Wort erklingt. Die Vorbereitung darauf ist natürlich, dass Eltern viel mit dem Kind sprechen, seine Aufmerksamkeit auf Gegenstände und Personen richten und alles erklären. Der Wissensdrang ist dabei hoch. Aus dem Wunsch, Sprache zu hören, wird der Wunsch, selbst zu kommunizieren. Das erfolgt zunächst in Signalen und dann mehr und mehr in Lauten und Worten. Auch schauen Babys immer auf die Mimik desjenigen, der sich mit ihm beschäftigt. Das erste Wort ist für die Eltern dann eine der schönsten Überraschungen.
Für die Sprachentwicklung entscheidend ist die elterliche Zuwendung. Das Sprechenlernen ist ein emotionaler Vorgang, wobei auch Eltern lernen müssen, die kindlichen Signale richtig zu deuten und darauf angemessen zu reagieren. Ist das nicht der Fall, kann es sein, dass die sprachliche Entwicklung sehr verzögert stattfindet. Fehlen die geeigneten Kommunikationssignale, reagiert das Baby darauf mit Weinen und Protest.
Da viele Sinne aktiviert sind, um das Sprechen zu lernen, hilft es Kindern, wenn Eltern von Anfang an mit ihnen sprechen, ihnen vorsingen, mit ihnen lachen, auf Dinge zeigen und diese benennen, Ereignisse erklären, Geschichten erzählen und Trost spenden. Das Ausdrücken von Worten hängt natürlich mit dem Hören zusammen und mit der Art, wie sie sprachlich und emotional vermittelt werden. Die Stimme der Mutter hat dabei eine entscheidende Rolle. Der Säugling gewöhnt sich an die ganz eigene Sprachmelodie und entwickelt das Vertrauen dadurch, dass es sich an die Stimme gewöhnt.
Es ist dabei schon erstaunlich, wie schnell ein Kind lernt und sich entwickelt. Das betrifft motorische Fähigkeiten, das Sitzen-, Krabbeln- und Gehen-Lernen, das Sprechenlernen, das Trinken- und Essenlernen. Die zeitliche Spanne ist von Kind zu Kind verschieden. Schon hier werden wichtige Grundlagen für das weitere Leben erworben. Die körperlichen Anlagen, die eigenen Erfahrungen, die Zuwendung der Eltern und die Eindrücke der Umwelt sind dabei entscheidende Faktoren für die kindliche Entwicklung und deren Verlauf.
2.2 Vom Säugling zum Kleinkind
Nach und nach wird der Nachwuchs immer selbstständiger und entwickelt eine eigene Persönlichkeit. Das frühkindliche Temperament steht dabei noch nicht direkt im Zusammenhang mit dem wahren Charakter.
Zwar sind biologisch manche Dinge von vorneherein festgelegt, darunter der Körperbau, die Augenfarbe, die Neigung zu Krankheiten, bestimmte Begabungen oder die Intelligenz; die Persönlichkeit selbst kann jedoch entscheidend mit durch die Erziehung gefestigt werden.
Einen eigenen Charakter hat ein Kind im Grunde erst dann, wenn es reif für den Kindergarten ist. Die Persönlichkeit wird entsprechend zum Teil durch die Gene und zum Teil durch die Umwelt und Erziehung geprägt. Jede Persönlichkeit ist durchaus formbar, kann erweitert oder verändert werden. Das ist zwar nicht im völligen Gegensatz möglich, jedoch in einer günstigen Lenkung, so dass selbst ein introvertiertes Kind Selbstbewusstsein lernen kann oder Konzentrationsschwächen ausgeglichen werden können.
Gleiches gilt für die Intelligenz und Leistungsfähigkeit. Auch wenn die Voraussetzung für das tiefere Denken und die Intelligenz angeboren ist, bestehen dennoch Möglichkeiten, die Eigenschaften zu fördern. Dabei sollten Eltern ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen nicht zu stark auf das Kind projizieren. Gerade im Kleinkindalter ist jedes Kind bereits ein eigenständiges Wesen, wobei es wichtig ist, nicht das zu fördern, was gewünscht wird, sondern das, was objektiv betrachtet für das Kind sinnvoll ist. Das betrifft eine Begabung, bestimmte Fähigkeiten oder auch allgemeine Entwicklungsfortschritte.
Verkehrt ist es, bestimmte Persönlichkeitsmerkmale konsequent korrigieren zu wollen. Das überfordert Kleinkinder häufig, daher sollten sich Eltern immer bewusst machen, dass sie zwar vieles beeinflussen, jedoch einen Menschen nicht völlig umkehren können. Eine Begabung kann gefördert werden, dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass nicht jeder als Genie auf die Welt kommt und erfolgreich wird. Über die Förderung kann ein Kind jedoch etwas lernen, in dem es sehr gut wird, besonders wenn es selbst dazu bereit ist und am Lernen Freude hat.
In der Phase zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr lernt und wächst das Kind ständig an seiner Umwelt. Die ersten Eindrücke werden relativ unbelastet und frei von Ängsten aufgenommen. Erst mit wiederholten Vorgängen, die auch schlechte Erfahrungen beinhalten, entwickeln sich Gefühle wie Enttäuschung und Furcht, gleichzeitig kristallisiert sich auch die Unterscheidung von Besitzverhältnissen heraus. Das Kind erkennt sich selbst und stellt sich dabei natürlich auch direkt in den Mittelpunkt. Alles, was ihm geschieht, steht im unmittelbaren Zusammenhang mit ihm, auch wenn es nicht der Fall ist. Die emotionale Kompetenz muss erst gelernt werden, auch die Fähigkeit, Gefühle und Situationen richtig zu deuten, negative Emotionen zu überwinden oder sich in andere hineinversetzen zu können.
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