Totenstille durchdrang die kleine Trauergruppe, die vorbei an den Gräbern der Ahnen und der lang verstorbenen Honoratioren des Landkreises zum Ausgang und ins Leben zurückstrebte. Das Laub, gelb, rot und braun, verwelkt und vielfach schon verrottet, raschelte bei jedem Schritt unter ihren Füßen und war das einzige Geräusch, das zu vernehmen war.
Der alte Teil des Friedhofs, ein Stück abseits, war derer zu Sipplingsberg sowie den hiesigen Landräten und den Bürgermeistern der Umgebung vorbehalten. Früher, bis vor zwei Generationen, bis zu Raymond-Lazares Großvater, hatten hier, auf dem Gemeindefriedhof, ausschließlich die Ehefrauen der Landgrafen, die Nachkommen ohne Erbanspruch und die früh verstorbenen Kinder derer zu Sipplingsberg ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die Landgrafen, die in Amt und Würden verstorben waren, waren in einer Gruft neben dem Landhaus zur letzten Ruhe gebettet worden. Doch Raymond-Lazares Großvater hatte diese Tradition durchbrochen. Er hatte verfügt, neben seiner ersten Frau, die ebenfalls viel zu jung verstorben war, beigesetzt zu werden. Und nichts anderes hatte Raymond für sich im Sinn. Allein dieser Gedanke gab ihm die nötige Kraft weiterzugehen.
Raymond hatte sich für den letzten Gang hinter seiner Frau Regen gewünscht, dunkle Wolken, aus denen es unablässig herabschütten sollte. Ein entsetzlich törichter Wunsch, dennoch … Der Himmel sollte mit ihm weinen, mit ihm trauern, sollte auch zeigen, dass es ihm leidtat. Aber nicht einmal von dort erfuhr er ein kleines Stück Mitgefühl für dieses … dieses abgrundtiefe und gnadenlose Unrecht.
Die Sonne schien von einem strahlend blauen Himmel, und dieser neunzehnte November war ein ausgesprochen schöner, beinahe »angenehmer« Spätherbsttag. Auch das würde er ihm da oben, wie auch immer er sich nannte, nicht vergessen, nie verzeihen.
In der einen Woche, seit seine Mel nicht mehr bei ihm war, war sein Herz hart und kalt geworden, war alles, was einem Gefühl glich, in ihm gestorben. Er konnte und wollte es nicht verhindern, und er hatte nicht vor, irgendetwas daran zu ändern. Das schwor er sich.
Und um allen zu zeigen, dass er seinen Weg in Zukunft allein gehen musste, auch weil ihm die Verlogenheit in all ihren Gesten, in den Gesichtern und sicherlich auch in ihren Gedanken zuwider war, löste er sich abrupt aus dem Arm seiner Mutter.
Die »Vorstellung« war beendet, sein Leben begann nun … allein.
Und das Baby, sein Kind, lag in seinem Bettchen im Landhaus und wartete. Auf den Vater. Seit Tagen schon … vergebens.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.