Die ältesten Hanf-Funde in Europa stammen aus Deutschland, sie sind rund 5.500 Jahre alt und kommen aus dem Raum Eisenberg (Thüringen).
Hanf im Mittelalter und der Neuzeit
Hanf war auch aus den folgenden Epochen nicht wegzudenken, denn nun wusste man auch die Stängel zu Seilen, Tauen und Segeln zu verarbeiten. Ohne die reißfeste Hanffaser hätte man zum Beispiel den Langbogen als Waffe gar nicht verwenden können.
In der Schifffahrt war Hanf deshalb so beliebt, weil es resistenter gegenüber dem salzigen Meerwasser ist und sich auch weniger mit Wasser vollsaugt wie Baumwolle. Flachsleinen wiederum verrottet rasch, wenn es längere Zeit feucht ist, im Gegensatz zur Hanfleinwand.
Das Öl der Hanfsamen verwendete man als Speise- und Lampenöl, und schließlich entdeckte man auch in Europa den Hanf zur Papierherstellung, wie es in China bereits längst gang und gäbe war. Die Spanier waren die Ersten, Deutschland folgte 1290 mit der ersten Papiermühle in Nürnberg.
Berühmte Druckwerke wie die Gutenberg-Bibel oder die amerikanische Unabhängigkeitserklärung sind auf Hanfpapier verewigt.
Und wenn wir schon bei besonderen Einzelstücken aus Hanf sind: Auch die erste Jeans, von Levi Strauss im Jahre 1870 produziert, entstand aus Hanf.
Der Hanfanbau wird verdrängt
Während man in Venedig noch auf die Qualität der Hanfseile baute, entdeckte man in Südwestdeutschland etwas Rentableres: Den Anbau von Tabak. Auch für die Seilerei wurde ein anderer Rohstoff bedeutsam, und zwar die Fasern des Agavenbaums, als Sisal bekannt.
Mitte des 20. Jahrhunderts setzte die Bekleidungsindustrie immer mehr auf Kunstfasern, es wurden auch immer wieder Anti-Cannabis-Kampagnen laut, der Diplomat Harry J. Anslinger spielte diesbezüglich zum Beispiel eine große Rolle.
In den USA setzten sich führende Industrielle aus der Baumwoll- und Pharmaindustrie für die Einführung einer Hanfsteuer ein. Schließlich wurde auch ein Hanfanbauverbot erlassen. Kurze Bedeutsamkeit erlangte der Hanfanbau noch einmal in der Zeit des zweiten Weltkrieges, als Rohstoffknappheit herrschte und die Armee strapazierfähige Kleidung benötigte.
Erst in den 1990-er Jahren erlebte Hanf in der Landwirtschaft ein Revival, der Anbau wird auch kontinuierlich gesteigert, dennoch ist die Nachfrage immer noch größer als das vorhandene Angebot.
Die Nutzung ist immer noch dieselbe, denn immer noch sind die Hanfseile den Baumwollseilen qualitativ überlegen, und auch die Papierindustrie profitiert von der Haltbarkeit.
Hanf kommt auch in der chemischen Industrie zur Anwendung als Basis für Farben, Lacke, aber auch Waschmittel.
Das weltweite Interesse am Hanfanbau führte dazu, dass mit dem Stand 2017 52 Nutzhanf-Sorten zum Anbau in der Europäischen Union erlaubt sind.
Nutzhanf ist besonders beliebt als nachwachsender Rohstoff, die Zucht ist problemlos und es können alle Pflanzenteile verwertet werden. Die Pflanze ist höchst resistent gegenüber Schädlingen, pflegeleicht und im Anbau werden keine Herbizide benötigt.

Hanffeld im Frankenwald (Foto: frankenwaldhanf.de)
2. Der Hanf in der Medizin
Schon seit vielen Jahrhunderten werden Cannabinoide, welche aus dem Medizinalhanf (Cannabis) gewonnen werden, in Medizin und Pharmakologie angewandt. Die ersten Hinweise auf die Verwendung von Cannabis stammen von den alten Ägyptern aus dem 16. Jahrhundert. Auch der chinesische Urkaiser Shennong erwähnte den Medizinalhanf in seinem Heilpflanzenbuch. Das Harz der Cannabisblüte wurde damals unter anderem für Gicht, Rheuma, diverse Frauenleiden, Verdauuungsprobleme und sogar Geistesabwesenheit eingesetzt.
Arabische Ärzte entwickelten die Medizin aus der Antike weiter, sie verwendeten allerdings überwiegend Hanfsamen und deren Öl statt die Blätter der Pflanze. Die schmerzstillenden Eigenschaften von Cannabis waren damals bereits bekannt, ebenso wie die Wirksamkeit bei Hautkrankheiten oder bei Wurmbefall.
Als nächstes hielt die Cannabispflanze Eingang in die Klostermedizin, auch die bekannte Äbtissin Hildegard von Bingen heilte und behandelte damit Übelkeit und Magenschmerzen.
Dass Cannabis eine Bedeutung in der modernen Medizin bekam, verdanken wir dem irischen Arzt William Brooke O'Shaugnessy und seiner Stationierung in Kalkutta. Der lernte dort nämlich die schmerzstillende und muskelrelaxierende Wirkung des indischen Hanfs kennen und schätzen.
Im 20. Jahrhundert war die Wirkung cannabishaltiger Medikamente jedoch vielen Ärzten und auch der Pharmaindustrie suspekt. Man argumentierte, dass die Wirkung schwanke, die Medikamente schwierig zu dosieren seien und das Risiko von psychotropen Nebenwirkungen bestehe. 1925 wurde Cannabis durch einen Beschluss der Opiumkonferenz in Genf sogar weltweit verboten.
1961 wurde der Konsum im Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel wieder neu definiert. Da heute die Rechtslage rund um den Konsum von Cannabis, bzw. der Verschreibung cannabishältiger Medikamente in der EU sehr unterschiedlich definiert ist, widmen wir diesem Punkt im weiteren Verlauf ein eigenes Kapitel.
Es wurden 113 verschiedene Transformationsprodukte aus der Hanfpflanze identifiziert, die sogenannten Cannabinoide. Zu den bekanntesten gehören das Tetrahydracannabinol (THC), sowie das Cannabidiol (CBD). Um Cannabis medizinisch wirksam einsetzen zu können, ist es von Bedeutung, dass sich die beiden Stoffe THC und CBD gegenseitig ergänzen. Ärztlich verordnet werden können die Wirkstoffe einzeln oder gemeinsam. Schmerzlindernd wirken beide Cannabinoide, dem THC werden außerdem appetitanregende, muskelrelaxierende Wirkungen zugeschrieben. CBD hingegen wirkt angstlösend, krampflösend und schützt Nervenzellen und –fasern (neuroprotektiv).
Beispiele für Erkrankungen, bei denen Cannabinoide eingesetzt werden:
chronische Schmerzzustände,
schwere Depressionen und Burnout,
Angststörungen,
Multiple Sklerose,
gegen Übelkeit bei Chemotherapien,
Epilepsie,
Arthritis.
Warum ist der Einsatz von Cannabismedizin so umstritten?
Was wir bisher über die medizinische Wirkung von CBD und THC gehört haben, klingt durchwegs positiv. Jetzt stellt sich die Frage, wenn dem so ist, warum wird es so zögerlich verschrieben und unterliegt strengsten Reglements? Und wenn es schon so kompliziert ist, dass man die Medikation verschrieben bekommt, warum rauchen wir nicht einfach Cannabis, auch Gras oder Marihuana genannt?
Hinterfragen wir einmal das Gras rauchen. Eigentlich beantwortet sich die Frage bereits von selbst, denn wie wir wissen, ist Rauchen äußerst ungesund. Um an die Wirkstoffe der Pflanze zu gelangen, muss ein Verbrennungsprozess entstehen, und dessen Rückstände sind für unsere Atemwege schädlich. Unabhängig davon fällt der Konsum von Cannabis unter das Suchtmittelgesetz und ist somit illegal.
Beim Gras rauchen steht auch meistens die psychotrope Wirkung, das "Highgefühl", im Vordergrund. Bei Cannabismedikamenten tritt dieser Effekt gar nicht oder nur sehr schwach auf. Außerdem machen sie auch nach jahrelanger Anwendung nicht abhängig oder haben eine toxische Wirkung auf den Organismus.
Ein weiterer Punkt ist die Erbringung von wissenschaftlichen Beweisen über die Wirksamkeit von Cannabinoiden. Unbestritten haben Cannabinoide einen schmerzlindernden Effekt, dies wurde auch in Studien mit Tumorpatienten belegt. Allerdings handelte es sich bei dem in den Studien verabreichten Cannabis um pharmazeutisch hergestellte Medikation. Somit gibt es keinen wissenschaftlich belegten Nachweis der besagt, dass natürliches Cannabis, bzw. Marihuana den synthetisch hergestellten Wirstoffen überlegen ist.
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