Elin Bedelis - Pyria

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»Nur war Machairi kein normaler Umstand. Machairi war wie Regen, der in den Himmel fiel oder Feuer unter Wasser: denkbar, aber eigentlich ausgeschlossen.«
Nur knapp haben sie die Flucht aus der brennenden Stadt überlebt und schon nimmt Machairi seine Gefährten mit auf die nächste schicksalhafte Reise. Die tückische Idylle der entlegenen Insel Skîl trennt die ungleiche Gruppe und bald kommen Erinnerungen ans Licht, die keiner von ihnen je preisgeben wollte. Pyria stehen dunkle Zeiten bevor und das wahre Ziel des Messerdämons ist noch wahnsinniger, noch gefährlicher und noch schwerwiegender als jedes zuvor. Machairis Motive sind nicht was sie zu sein schienen und bald ist nicht einmal mehr Leén sicher, ob der Schatten ein Mensch oder ein Monster ist. Am Rande ihrer Kräfte ist seinen Gefährten bald nur noch eines klar: Ihr aller Schicksal liegt allein in einem weißen Handschuh.
~
Der zweite Teil der Pyria Trilogie
mit einigen Antworten, mehr Fragen,
mehr Charakterentwicklung
mehr Protagonisten
mehr Blick in die Vergangenheit
mehr Dunkelheit
mehr Göttern
mehr Schauplätzen: von tropischen Wäldern über düstere Ödnis zu verschneiten Bergen
mehr Pyria!

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»Bitte beeilt Euch, Hoheit.« Der Magier riss sie aus ihren Gedanken und legte die Kleider auf das Bett. »Wir erwarten Euch draußen.« Kurz blieb er noch stehen, wie ein Diener, der weitere Befehle erwartete, und Koryphelia schloss erneut, dass man ihn in einem reichen Haushalt zum Diener erzogen hatte oder er anders mit der Oberschicht in Berührung gekommen war. Ein solches Verhalten gehörte bedauerlicherweise nicht zum Grundwissen eines Bürgers.

»Danke«, sagte sie und der Cecilian verschwand mit einer weiteren Verneigung. Es hatte den willkommenen Nebeneffekt, dass sie sich wieder etwas mehr fühlte wie sie selbst. Vielleicht fehlte ihr der Respekt sogar, auch wenn es furchtbar nervenaufreibend sein konnte, niemandem in die Augen blicken zu können. Das Gefühl schwand, als sie sich in die Kleider zwängte. Sie sonderten einen ausgesprochen abstoßenden Geruch nach Färbemitteln ab und fühlten sich hart und schwer auf der Haut an. Außerdem war es kein Kleid, sondern nur eine Tunika, und entriss sie damit erneut der behaglichen Gewohnheit. Eine Hose mochte praktisch sein, war aber keineswegs damenhaft. Wenigstens war das Oberteil lang genug, um ihr fast bis zu den Knien zu reichen. Es war überraschend, dass die Zhaki solche Kleidung bereitliegen hatten, schließlich mussten sie diese gestellt haben. Sie bezweifelte, dass Machairi einen Satz Ersatzkleider für alle Beteiligten in seinen Manteltaschen hatte. Doch lange Ärmel und Schwarz schienen etwa das Gegenteil dessen zu sein, was in diesem Klima angebracht war.

Eine unwillkommene Nervosität überkam die Prinzessin und paarte sich mit einer tiefen ruhelosen Anspannung, als sie aus dem Holzhaus trat und sah, dass sie bereits erwartet wurde. Die Harethi war in ähnliche Kleider gehüllt wie die Prinzessin selbst, auch wenn sie noch eine Tasche bei sich trug. Der Magier und die Faust standen wartend bei ihnen und der Messerdämon sprach in der Nähe mit Reolet, die heute weit weniger lächelte. Schweigen hüllte den Rest der Gruppe ein und die dunkle Haut der Harethi wirkte gräulich, weil sie so blass war. Koryphelia selbst gab sich Mühe, ihre Gedanken nun so weit wie möglich von ihrem Reiseziel fernzuhalten. So hatte sie es schon immer gemacht, wenn das Lampenfieber ihr sonst den Verstand geraubt hätte. Natürlich war dies kein Ball und die Palette an Fehlern, die sie machen konnte, viel größer, doch das Gefühl war sich dennoch ähnlich, auch wenn es albern wirkte.

Als Machairi wieder zu ihnen trat, waren selbst die beiden, die sie nicht begleiten würden, blasser als gewöhnlich, und eine unheimliche Ernsthaftigkeit lag ihnen auf den Zügen. Noch einmal musterte der Messerdämon die beiden Mädchen genau. Ob er nach etwas Bestimmtem suchte? Es war schwer zu sagen, ob er es gefunden hatte, als er sich nach einem nervenaufreibenden Augenblick abwandte. »Wenn wir in drei Tagen nicht zurück sind, macht ihr euch auf den Weg zurück nach Kefa«, sagte er zu den beiden Cecilian, die das Glück hatten, nicht mit ihnen kommen zu müssen.

»Humbug, wenn ihr nach drei Tagen nicht zurück seid, kommen wir euch holen!« Entschieden funkelte die Faust ihn an. »Du glaubst doch nicht, dass ich ohne dich nach Kefa zurückkehre und dem Fürsten erkläre, dass du in der Unterwelt verloren gegangen bist, oder?« Trotzig wie ein Kind schob sie das Kinn vor.

»Ich gehe nicht verloren«, antwortete der Schatten scharf. Es war interessant, dass die Faust erneut so besorgt um Machairis Gesundheit schien, auch wenn der das nicht zu schätzen wusste.

»Das sagst du jetzt«, fauchte die Faust und man konnte ein Flackern von Angst darin hören.

»Gina.« Die klare Stimme wurde noch eisiger und Koryphelia verfolgte die Situation etwas pikiert. »Du gehst nicht in die Unterwelt.« Der Befehl hatte so viel Nachdruck, dass mehr dahinterstecken musste als reines Prinzip. Vielleicht hatte er noch eine Aufgabe in Kefa für sie, wer wusste schon, wie weit ein Verbrecher wie er plante.

»Wehe, du kommst nicht zurück«, knurrte sie und die Prinzessin wunderte sich, ob das wirklich eine Zustimmung gewesen sein konnte. Was sie allerdings viel mehr beschäftigte, war die Aussage, dass sie drei Tage brauchen konnten, um zurückzukehren. Ohne echten Grund hatte sie geglaubt, dass sie vielleicht einen Tag fort sein mochten. Wie groß konnten die Hallen von Ebos‘ Reich schon sein, auch wenn zahlreiche gequälte Seelen dort unten vegetierten?

Es gab keinen echten Abschied, keine großen Worte, keine Umarmungen. Von dem Magier kam ein knappes »Viel Glück« und die Faust nickte ihnen mit bitterem Gesichtsausdruck zu. Dann begann ihre Reise und die Prinzessin hätte, ebenso wie die Harethi, alles darum gegeben hierbleiben zu können.

Die Vulkaninsel war ein wundervoller Ort oder vielmehr eine Ansammlung wundervoller Orte. Die Natur wusste eine solche Vielfalt aufzuweisen, das Koryphelia sie niemals hätte erträumen können. Schon die Farben waren atemberaubend. Abertausende von Blüten und einzigartigen Pflanzen berührten ihren Weg zwischen saftigen Bäumen und exotischen Tieren. Ein süßer Duft lag in der Luft und bizarre Wesen tummelten sich hier. Die meisten von ihnen waren kaum mehr als ein Schatten oder ein Rascheln im Gebüsch, doch manche schienen in keiner Weise menschenscheu. Ein kleiner schwarzgelber Affe schwang sich durch die Bäume über ihnen und ein pelziges Flughörnchen streifte Koryphelias Schulter, bevor es zu einem neuen Baum sprang. Kunterbunte Vögel glitten durch die Luft oder saßen zwischen den Sträuchern und alles brummte vor Leben. Immer weiter hielten sie auf den Vulkan zu und die Erde unter ihnen wurde steiniger. Faszinierend roter Fels lag unter der ergrauten Haut und glasklare Wasserläufe suchten sich ihren Weg durch Ritzen und Fugen. Bald stiegen auch Wolken warmen Wasserdampfes aus Löchern im Gestein auf und dampfende Wasserbecken waren in der Ferne zu erkennen. Hier und da erstreckten sich noch immer saftige Grünstriche und in der Ferne konnte man das Meer glitzern sehen. Nichts an dieser Schönheit ließ vermuten, welchem Ziel sie sich näherten, und Koryphelia konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wo der ominöse Eingang liegen mochte.

Sie sprachen nicht. Machairi wählte seine Worte ohnehin sparsam, die beiden Mädchen waren zu eingenommen von der Schönheit um sie herum und selbst wenn dem nicht so gewesen wäre, hätten sie wohl nicht gewusst, worüber sie reden sollten. Koryphelia konnte die Harethi dabei beobachten, wie sie ab und an den Blick von der atemberaubenden Natur um sie herum losriss, um nachdenklich den Schatten zu mustern, der ihnen unermüdlich voranschritt. Ob er wohl wirklich kein Interesse an dem Paradies hier hatte? Anspannung ging von ihm aus, ergriff auch das Herz der Prinzessin, und je weiter sie gingen, desto weniger konnte sie die Schönheit genießen. Ihr Ziel drängte sich mit belastender Vehemenz wieder in ihren Kopf und schließlich erdrückte das Schweigen sie zu sehr. »Welch bittere Ironie, dass ein Tor zur Unterwelt inmitten solcher Schönheit liegt.«

Machairi ignorierte sie, aber Rish löste den Blick vom Krater des Vulkans über ihnen und wandte sich stattdessen der Prinzessin zu. »Stimmt. Auch wenn ich das gar nicht so überraschend finde… ganz im Sinne des Gleichgewichts.«

Schmunzelnd nickte Koryphelia. »Ein Hort der Dunkelheit, weit ab jeder Zivilisation und umgeben von schier unwirklicher Schönheit.« Noch einmal sah sie sich um und beobachtete einen kleinen Vogel, der eine Nuss gegen den roten Stein schlug. Jeden Moment erwartete sie, alles um sie herum könnte zerfallen. Es wirkte nicht unwahrscheinlich, dass es sich um nichts als ein Trugbild handelte, das mit einem Wimpernschlag vergehen könnte.

»Was meinst du, wie es aussehen wird?«, fragte die Harethi dann und ließ den Blick über die Umgebung schweifen. Inzwischen hatten sie einen echten Aufstieg angetreten und das Gehen wurde anstrengender.

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