Elin Bedelis - Pyria

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»Nur war Machairi kein normaler Umstand. Machairi war wie Regen, der in den Himmel fiel oder Feuer unter Wasser: denkbar, aber eigentlich ausgeschlossen.«
Nur knapp haben sie die Flucht aus der brennenden Stadt überlebt und schon nimmt Machairi seine Gefährten mit auf die nächste schicksalhafte Reise. Die tückische Idylle der entlegenen Insel Skîl trennt die ungleiche Gruppe und bald kommen Erinnerungen ans Licht, die keiner von ihnen je preisgeben wollte. Pyria stehen dunkle Zeiten bevor und das wahre Ziel des Messerdämons ist noch wahnsinniger, noch gefährlicher und noch schwerwiegender als jedes zuvor. Machairis Motive sind nicht was sie zu sein schienen und bald ist nicht einmal mehr Leén sicher, ob der Schatten ein Mensch oder ein Monster ist. Am Rande ihrer Kräfte ist seinen Gefährten bald nur noch eines klar: Ihr aller Schicksal liegt allein in einem weißen Handschuh.
~
Der zweite Teil der Pyria Trilogie
mit einigen Antworten, mehr Fragen,
mehr Charakterentwicklung
mehr Protagonisten
mehr Blick in die Vergangenheit
mehr Dunkelheit
mehr Göttern
mehr Schauplätzen: von tropischen Wäldern über düstere Ödnis zu verschneiten Bergen
mehr Pyria!

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Immer wieder wurde Gwyn von einem Zittern durchfahren, sah das Land hinter sich schwinden und wünschte sich jetzt schon zurück. Sein Blick fiel zu dem gigantischen Vulkan und über die saftige Natur und er bedauerte es, dass er sich nicht in der reichhaltigen Unberührtheit verloren hatte. Als das Beiboot gegen das Schiff stieß, war Gwyn bereits so übel, dass er sich über die Reling erbrochen hätte, wenn er nicht ewig nichts gegessen hätte. So konnte er unmöglich eine Leiter hinaufklettern, ganz davon abgesehen, dass er das mit gefesselten Händen ohnehin nicht konnte. Vielleicht sollte er das Schiff in Flammen setzen, solange die Küste noch erreichbar war. Allerdings saßen sie dann mit den ganzen Soldaten auf der Insel fest, denn von dem Handelsschiff, mit dem sie gekommen waren, fehlte jede Spur. Er befürchtete schon, dass sie ihn vielleicht einfach irgendwie hinaufzerren würden, ohne Rücksicht auf seine Knochen oder die Fee, von der sie nichts wussten. Stattdessen verließen alle bis auf einen das Boot über die Leiter und Gwyn saß noch immer da. Etwas neugierig und hauptsächlich mit ziemlich mulmigem Gefühl beobachtete er, wie der letzte Verbleibende von oben Seile auffing und sie am Beiboot befestigte. Er war also nicht nur hier, um Gwyn zu bewachen, was ohnehin unnötig war, weil der Zhaki auf Gedeih und Verderb nicht mit gefesselten Händen ins Wasser gesprungen wäre. Selbst ohne Fesseln hätte er es wahrscheinlich nicht gewagt. Als wasserscheue Person war er kein besonders guter Schwimmer. Trotzdem versprachen Schiffe Unheil, das bewies sich hier nun erneut.

Das Beiboot wurde mit den beiden Männern nach oben gezogen. Gwyn konnte nur hoffen, dass die Taue fest genug waren. Ein kleines Bötchen, das in der Luft schaukelte, war fast noch schlimmer als ein Bötchen, das auf Wellen schaukelte, denn Bötchen waren nicht dafür gedacht, in der Luft zu hängen. Jetzt würgte der Zhaki doch. Es war nichts da, was er hätte erbrechen können, deshalb spuckte er nur einmal über die Reling und bekam einen angewiderten Blick von der Wache zugeworfen. Es war ihm ganz egal, was ein Soldat über seine Seetauglichkeit dachte.

Tatsächlich war er geradezu erleichtert, als man ihn unsanft aus dem Beiboot zerrte und an Deck des Schiffes beförderte. Immerhin war das groß genug, dass es im seichten Wasser vor der Küste nicht so sehr schaukelte und sich der Boden wenigstens einigermaßen stabil anfühlte. Sogar die Fee schaffte es rechtzeitig, sich wieder festzuhalten, und er hätte sich beinahe fassen können, hätte man ihn nicht sofort auf die Luke zugestoßen, die unter Deck führte.

Im Bauch eines Schiffes waren seine Beklemmungen unerträglich. Bei ihrer Überfahrt von Om’falo aus war es nicht ganz so schlimm gewesen, weil er ohnehin nicht klar im Kopf gewesen war und so sehr in sich versunken kaum gemerkt hatte, dass er sich auf einem Schiff befunden hatte. Jetzt war er leider wieder so klar, dass es ihm sehr bewusstwurde, aber noch nicht wieder genug bei sich, um sich dem mit nötiger Beherrschung zu stellen. Angst überrollte ihn und er wollte den Mann, der ihn die Stiege hinabzwang, anflehen, ihn doch lieber an den Mast zu fesseln. Leider wusste er es besser. Er hatte keine Wünsche zu äußern.

Mehrere Decks wurde er hinuntergeschubst und als sie schließlich die Brig erreichten waren Gwyns Knie so weich, dass sie bei jedem Schritt einknickten. Ein belustigtes Schnauben kam von der Wache, die eine Zelltür entriegelte, die Gwyns Selbstbeherrschung überschritt. Wie gelähmt starrte er auf den dunklen Raum jenseits des Gitters und ihm entfuhr ein Wimmern. All die traumatischen Erinnerungen an Schiffe drängten sich in seinen Kopf und machten das Atmen unmöglich.

»Hör auf zu heulen«, blaffte der Soldat ihn an und eine kräftige Ohrfeige brachte Gwyns Wange zum Glühen. Er schnappte nach Luft und spürte jetzt erst selbst die Tränen, die unaufhaltsam seine Wangen hinabrannen. Ehe er sich versah, wurde er kraftvoll in die Zelle gestoßen, stolperte, konnte sich nicht halten und fiel zu Boden. Nur knapp rettete sich die Fee, unsichtbar im Dunkel des Raumes, unter seinem Hemd hervor, bevor sie von seinem Körper zermalmt werden konnte. Das Gitter fiel geräuschvoll ins Schloss und Gwyn hörte sich selbst schluchzen. Mit einem Kopfschütteln verschwand die Wache, ließ ihn allein in der Dunkelheit der Zelle und kümmerte sich nicht darum, dass der gefangene Sklave von einer Panikattacke überrollt wurde.

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