Es bestand kein Zweifel mehr, dies musste Mojje sein.
Mojje war einer der Tiefen, welcher aufgrund seiner Völlerei dazu verbannt wurde, jedem Menschen, der ihn mit einer Socke bewarf, für immer ein bestimmtes Objekt auszuwürgen, das dieser Mensch sich von ihm wünschte. Diese Objekte materialisierten sich einfach so in ihm, es gab keine logische Erklärung dafür. Er konnte nur wieder befreit werden, wenn jemand ihm in den Mund spuckte.
Das einzige Problem daran war, dass Gohrlack nicht wusste was, außer Essen, er von Mojje verlangen konnte und wie er ihn dazu bringen konnte, Gohrlack zu folgen, was die eigene Versklavung von Mojje dezent dämlich machte.
Also entschloss er sich, obwohl er so eine gute Gelegenheit dazu hatte, auf die Dienste von Mojje zu verzichten, und wollte ihm einfach so in den Mund spucken.
Allerdings, genau als er vor Mojje stand, der inzwischen bemerkt hatte, dass Gohrlack nicht der war, der ihn versklavt hatte, vermutlich durch den Geruch, wodurch er sein Klopapier-Gespucke eingestellt hatte, warf sich Älre, der anscheinend inzwischen wieder aufgewacht war, auf ihn.
„Du machst meinen Boden nach alle dem hier kaputt?!“ brüllte der inzwischen auf Gohrlack liegende Älre ihm ins Gesicht.
Gohrlack war zwar in der Lage, Älre von sich wegzustoßen, dieser stellte jedoch seine Aggressivität um keinen Deut ab und schlug sofort - nachdem beide wieder standen - nach Gohrlack, der mit einem Schritt zur Seite auswich, was darin resultierte, dass Älre in Mojjes immer offenen Mund stürzte und in das Vakuum darin gezogen wurde.
Alles war still.
Mojje wirkte glücklich darüber, dass er nun keinen Meister mehr hatte, er konnte nämlich auf eine perfekte sogar individuelle Genauigkeit erkennen, was seinen Mund betrat.
Zwar brauchte Gohrlack einige Minuten um sich mental wieder auf seine Reise einzustellen, er spuckte Mojje aber trotzdem nach kurzem Überlegen in den Mund.
Mojje rollte daraufhin so dermaßen hart gegen die Kellertür, dass das gesamte Haus anfing zu bröckeln.
Da die Tür aber offenstand, rannte Gohrlack davon, um nicht durch den bevorstehenden Zusammensturz des Hauses begraben zu werden.
Er ging also wieder seiner Wege, ganz normal, und entschied sich dafür, die eben geschehenen Ereignisse einfach zu vergessen, was sich bald als schwierige Aufgabe herausstellen sollte, da etwas aus dem Haus ihm Schritt für Schritt folgte und Gohrlack schon bald den wahren Horror von Klopapier erkennen sollte.
5 - Vermummte Gestalt mit Gewalt
Es waren keine 30 Minuten seit Gohrlacks letzter Begegnung mit komödiantisch übertriebener Gewalt und Hysterie vergangen, da sah dieser bereits seine nächste Herausforderung: ein paar Wegelagerer, die momentan dabei waren, einen Wagen Waisenkinder, die Schokoladenbüstenhalter – eine legendäre Süßigkeit – verkauften, zu überfallen.
Gohrlack war unentschlossen, ob er einen Umweg nehmen sollte, um sich nicht hiermit befassen zu müssen oder ob er einfach hindurchgehen sollte, während er dabei hoffte, dass er ignoriert werden würde. Er entschloss sich für Letzteres, was darin resultierte, dass er die Aufmerksamkeit der Wegelagerer auf sich zog.
Dadurch konnten die Waisenkinder einen Kampf anfangen, indem sie einem der Wegelagerer die Kniescheibe aus dem Bein schlugen, welche daraufhin in den Kehlkopf eines Anderen flog. Somit waren zwei der Wegelagerer ausgeschaltet, was die restlichen dazu bewegte, in die Richtung zu rennen, aus der Gohrlack kam.
Es zeigte sich erneut, dass Waisenkinder die niederträchtigsten und gewalttätigsten Individuen dieser Welt sind.
Und dankten die Gören ihm dann zumindest dafür, dass er die Wegelagerer abgelenkt hat?
Pustekuchen!
Sie wollten ihm lediglich ihre überteuerten Süßigkeiten verkaufen, von denen Gohrlack wusste, dass sie von irgendwelchen armen Sklavenerziehern gemacht worden sein mussten. Die Geschichte hinter diesen Produkten war also auf ganzer Ebene widerwärtig.
Gohrlack kaufte 10 Stück.
Pleite aber glücklich, durch das Vernaschen seiner erworbenen Schokoladenbüstenhalter, ging Gohrlack weiter seiner Wege und nahm die wunderschöne Waldlandschaft auf, in der er sich nun befand und die nur ungefähr zehn Meter entfernt von der Müllhalde begann, die einmal Älres Haus gewesen war.
Drei Minuten und fünf Schokoladenbüstenhalter später, die, wie sich herausstellte, lediglich nach der Körbchengröße A entworfen worden waren, merkte Gohrlack, dass sein Mobiltelephon fehlte, was natürlich ein Problem war, auch wenn ihm einfiel, dass er es bis jetzt kaum zu nutzen vermocht hatte. Aber der Gedanke, dass er dieses Telephon bald gegen das Neuere, kaum Bessere, umtauschen konnte, stimmte ihn letztendlich um und er ging den Weg zurück, den er gekommen war.
In der Ferne erspähte er etwas, dass ihn nicht mehr zu schocken vermochte aber trotzdem unerwartet kam. Ein großes Feuer und einige blutverschmierte Bäume waren alles, was er auf eine derartig große Distanz erkennen konnte. Bei näherer Betrachtung allerdings wurde ihm so einiges klar und noch viel mehr unklar.
Die Waisenkinder, die er bis eben dabei gesehen hatte, wie sie nach ihrem Triumph über die Wegelagerer Party machten, waren überall verteilt. Einige hingen in den Bäumen, einige waren mit ihren eigenen Gedärmen um diese herumgewickelt, und andere waren einfach nur in einander drin, auf eine Weise, die hier nicht näher beschrieben werden sollte.
Zwar war Gohrlack durch seine zuvor erlebten Tode und Morde dezent abgehärtet, aber dass sich jemand an Waisenkindern, den mitunter meist gefürchtetsten Individuen dieser Welt, auf eine derartige Art und Weise vergreifen konnte, hatte er nicht kommen sehen.
„Vielleicht war es ja Selbstverteidigung...“ sprach Gohrlack leise zu sich selber, während er die Suche nach seinem Telephon begann. Er fand zwar nach kurzer Zeit die Kiste, in welcher all das Geld, was die Kinder eingenommen hatten verstaut war, aber es gab keine Spur von seinem Mobiltelephon. Als er bei dem Kind angekommen war, dass bei dem Schokoladenbüstenhalterhandel am nächsten an ihm dran gewesen war, und das nun, warum auch immer, keinen Hintern mehr hatte, brüllte er die Worte:
„Na komm schon, einer dieser Dreikäsehochs muss es mir doch geklaut haben!“
Gohrlack Stimme wurde lauter und zorniger.
„OUZE!!“ Jemand schien über diese Szene gestolpert zu sein, was in Gohrlacks momentaner Position nicht unbedingt hilfreich war.
„Bei Kyarakur! Tragen Sie die Schuld an diesem Massaker?!“ brüllte der Mann auf seinem Einhorn, der grade den Weg entlang geritten kam.
Bevor Gohrlack antworten konnte, zog der Mann, welcher wie ein Ureinwohner unseres Südamerikas gekleidet war, einen Bogen, in dem bereits ein Pfeil gespannt war, und richtete diesen genau auf Gohrlack. Diesem blieben die Worte im Halse stecken, als er bemerkte, wie problematisch die Situation inzwischen war.
„Sie sind hier in meinem Gebiet: im Gebiet des Logloglolohloh.“ sprach der Mann. „Hier herrsche ich über Frieden und Krieg oder die Politik. Wie es mir scheint, so haben Sie nun eben eine äußerst grauenvolle Tat begangen, für die man Sie verurteilen muss. So bringe ich Sie nun in die Stadt, dessen Nähe mir am komfortabelsten ist: Saugmilch! Sie ist ungefähr 30 Minuten von hier entfernt. Dort werden Sie für eine Tat verurteilt, dessen Begehen man Ihnen nicht nachweisen kann und welche ich persönlich für sehr amüsant halte.“
Gohrlack begann zu antworten, als er endlich den Mut dazu gefunden hatte: „Aber sonderlich überzeugend klingt das jetzt nicht, muss ich gestehen.“
„Schweigt still!“ Logloglolohloh fing sichtlich an gereizter zu werden und schoss mit seinem Bogen einen Pfeil in einen Baum.
Kurze Zeit stand Gohrlack nur verwundert da über diese sinnlose Tat des Logloglolohloh, bis ihm ein totes Eichhörnchen auf den Kopf fiel. Es war nicht sonderlich schmerzhaft aber auch nicht sonderlich angenehm.
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