J.D. David - Sternenglanz

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Obwohl die Schlacht um Valorien gewonnen ist, beginnt der Krieg gegen das übermächtige Kaiserreich für die junge Königin Luna gerade erst. In einem unerbittlichen Kampf für die Freiheit ihres Volkes muss sie sich dabei auf alte Freunde und einstige Feinde verlassen. Mit Hilfe der Elfe Yatane an ihrer Seite stellt sie sich der Dunkelheit entgegen – und realisiert, dass die Finsternis sich auch bedrohlich um ihre eigene Seele legt, während größere Mächte um das Gleichgewicht der Welt kämpfen.

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„Das würde ich gerne verhindern. Aber hier ist wohl kaum der Ort, dies weiter zu besprechen. Folgt mir in meine Burg, dann werden wir in Ruhe über euer Begehr sprechen können. Arnold war so freundlich, mir bereits einen Boten zu schicken.“, sagte er und wendete sein Pferd, um von Arnold, Narthas, und Wanfried gefolgt in die Feste einzureiten. Erst hinter den letzten Urben wendeten auch die Ritter der Peltamark und folgten der Gruppe in den Burghof.

Wanfried erinnerte die Feste des Erzherzogs ein bisschen an den Sitz des Herzogs von Rethas in Grünburg, obwohl dieser merkbar kleiner war. Sie war eine militärische Festung, allerdings weniger schwer befestigt als zum Beispiel Taarl oder Auenstein. Gleichzeitig war sie funktional und schlicht eingerichtet, nicht wie der Palast in Tjemin, mit seinen ausladenden Gärten. Auch der kleine Saal, in den sie Laurenz geführt hatte, war einfach eingerichtet. Ein runder Tisch für zehn bis zwölf Personen mit dem geschnitzten Wappen der Peltamark, ein Kamin, Schilde, Schwerter und Banner an den Wänden. Das war es.

Neben Erzherzog Laurenz und Herzog Arnold war noch ein dritter Pelte zu ihnen gestoßen. Ein alter Mann, dessen Kopf zwar keine Haare mehr hatte, der aber dafür noch dichte, weiße Koteletten aufwies. Herzog Karel van Hofsteede, Kanzler der Peltamark, und dafür verantwortlich für die Regierungsangelegenheiten des Landes. Sie waren auch zu dritt. Er, der Khan, und dessen Sohn. Ein ausgeglichenes Verhältnis für eine freundschaftliche Verhandlungen, zumindest erhoffte sich Wanfried dies. Er hatte in den letzten zwanzig Jahren genug für ein ganzes Leben gekämpft, als er sich mit den Schwarzen Pfeilen Herzog Celan widersetzt hatte. Umso mehr ärgerte es ihn, dass Königin Luna ihn bestimmt hatte, Narthas zu begleiten. Doch nun wollte er seine Rolle als ihr Botschafter auch wahrnehmen. Denn bald würden weitere Kämpfe auf sie warten, und gegen das Kaiserreich konnten sie fürwahr jeden Mann brauchen.

„Also, meine Gäste, wieso sollte ich euch gestatten, eure Truppen durch die Peltamark zu führen?“, fragte Erzherzog Laurenz, als sie sich gerade hinsetzten. Beiläufig fast, aber dennoch mit einer Schärfe, die scheinbar in der Herzlichkeit seines Ausdrucks unterging. Gleichzeitig winkte er zwei Diener herbei, die Wein ausschenkten.

Wanfried räusperte sich, wollte gerade sprechen, als sich Narthas leicht nach vorne über den Tisch lehnte. „Um dir einen Gefallen zu tun, Erzherzog. Denn dein kleines Land liegt leider im Weg meiner Horde. Allerdings verspüre ich keinen Drang danach, gegen euch in den Kampf zu ziehen. Ansonsten würden wir nur verbrannte Erde hinterlassen.“, erwiderte der Khan undiplomatisch.

Wanfried klopfte ihm auf die Schulter und zog ihn leicht zurück, versuchte ein Lächeln aufzusetzen. „Euer Gnaden. Der Khan brachte es in gewisser Weise auf den Punkt. Wir haben ein Heer gesammelt, allerdings hegen wir keine Feindschaft gegen die Peltamark. Lasst uns passieren, und wir werden weder euch noch eure Herzöge behelligen. Eine einfache Forderung.“

Laurenz schaute leicht nach unten, lachte leise und schüttelte den Kopf. Dann blickte er erst zu Arnold, dann zu dem alten Karel und sagte einige Worte in der peltischen Sprache.

„Keine einfache Forderung.“, antwortete dann Kanzler Karel. „Jahrhunderte griffen uns urbische Stämme an. Stets konnten wir sie abwehren, mit der Stärke der peltischen Ritter. Nun verlangt ihr, dass wir ohne Kampf hunderte urbische Reiter in die Peltamark lassen?“ Er schüttelte den Kopf. „Ich habe bereits gegen dein Volk gekämpft, Narthas, als du noch ein kleines Kind warst. Wieso sollte ich dir trauen?“, sprach er dann direkt den Khan an.

„Ich dachte ich verhandele mit dir, Erzherzog.“, erwiderte Narthas nur. „Und für eine Ablehnung hätten wir den langen Ritt nicht auf uns nehmen müssen, dann hätten wir auch gleich gegen Herzog Arnold in die Schlacht ziehen können.“

„Aber dann hättet ihr meine Gastfreundschaft nicht genießen können.“, erwiderte Laurenz und erhob dann den Becher, um anzustoßen. „Also, worauf trinken wir? Auf meine Götter? Auf eure Geister? Auf das ferne Valorien, dessen Banner wir hier noch nie gesehen haben? Auf dessen legendäre Ritter?“, schlug er vor, trank dann aber einen Schluck, ohne einen konkreten Trinkspruch auszusprechen. Als er den Becher vom Mund absetzte war sein Blick härter. Kalt schaute er Wanfried an. „Oder darauf, dass ihr mir erzählt, wieso ihr wirklich so viele Männer durch mein Land führen wollt?“

Wanfried nickte dem Gastgeber zu und trank einen Schluck des Weines. Er schmeckte süßlich und gut. Erst dann antwortete er. „Das Kaiserreich der Sonne.“

„Nun kommen wir also zum Kern der Sache.“, sagte Laurenz und stellte den Becher wieder ab. „Kargat ist gefallen, nicht wahr? An meiner Grenze sehe ich noch öfter Soldaten mit den Farben des Reiches, aber aus dem Westteil des Landes hört man vom Wechsel der Macht.“

Wanfried nickte. „Kargat fiel vor fast zwei Jahren an das Kaiserreich. Härengar, die mächtige Hauptstadt des Königs, wurde überrannt. Im Osten, um Hoheneck, verblieben einige königstreue Rebellen. Aber das Königshaus ist ausgelöscht. Aus alten Zeiten hat die Krone Valoriens ein Anrecht auf den Thron Kargats. Wir haben die Armee des Kaisers aus Valorien zurückgeworfen, seine dunklen Mächte besiegt. Nun werden wir im Namen von Königin Luna auch Kargat befreien.“

„Und dafür sucht ihr freies Geleit durch die Peltamark, um einen Angriff aus mehreren Himmelsrichtungen einzuleiten.“, schlussfolgerte Arnold und schaute dann zu Lauren und Karel. „Ein guter Plan. Wenn ich genügend Männer hätte, wäre ich ähnlich vorgegangen. Besonders, mit so vielen Reitern.“

„Und Narthas, du dienst der valorischen Krone?“, fragte Laurenz verwundert. „Ich dachte ihr Urben wäret freie Männer in euren Steppen.“

„Die Schuld meines Vaters band mich an einen Mann in Valorien. Die Ehre gebot es mir, meine Klinge in seinem Namen zu führen.“, antwortete Narthas.

„Dein Vater war…?“, fragte Karel, doch wurde schnell von Lokran unterbrochen, dem Sohn Narthas.

„Ikran Khan, der große Khan der Urben, Herrscher der Steppe.“ Man erkannte, wie die Miene des alten Mannes versteinerte. Der Name schien auch nach so langer Zeit in den anliegenden Ländern der urbischen Steppe noch nachzuklingen. Statt aber den Urben zu antworten sprach er wieder in peltischer Sprache auf Laurenz ein, der aber nach einigen Worten den Kanzler mit einer Handbewegung zum Schweigen brachte.

„Gut, Ritter Wanfried. Beantworte mir dies: Wieso sollte ich den Zorn des Kaisers riskieren, indem ich Euch und Euren Männern freies Geleit durch die Peltamark gewähre?“, fragte er dann den rethanischen Ritter. Dieser schüttelte den Kopf und schnaubte vor Verbitterung.

„Euer Gnaden, wenn Ihr diese Frage stellt, kennt Ihr das Kaiserreich nicht oder habt es nicht verstanden.“, sagte er und blickte dann auf, Laurenz direkt in die Augen. „Der Kaiser richtet seinen Zorn nicht auf einzelne Länder. Der Blick des Kaisers liegt auf jedem freien Land dieser Welt. Der kaiserliche Frieden, wie seine Soldaten es nennen, soll in jedes Land getragen werden. Doch dies geschieht mit Eisen und Feuer, mit dunklen Mächten aus ältesten Tagen, denen sich kein Mensch entgegenstellen kann.“, fuhr er fort. Er atmete kurz durch. „Wenn wir den Kampf gegen das Kaiserreich nicht gewinnen, Euer Gnaden, so bin ich mir sicher, dass Ihr der letzte Erzherzog in der Geschichte der Peltamark sein werdet.“

Laurenz lauschte interessiert, zeigte aber außer einem leichten, verständnisvollen Nicken keine Reaktion. Er lehnte sich zurück und schien zu überlegen. Dann wandte er sich an Arnold.

„Was meinst du, Seneschall?“, fragte er absichtlich in der gemeinen Sprache, die auch Narthas und Wanfried verstehen konnten.

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