J.D. David - Sternenglanz

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Obwohl die Schlacht um Valorien gewonnen ist, beginnt der Krieg gegen das übermächtige Kaiserreich für die junge Königin Luna gerade erst. In einem unerbittlichen Kampf für die Freiheit ihres Volkes muss sie sich dabei auf alte Freunde und einstige Feinde verlassen. Mit Hilfe der Elfe Yatane an ihrer Seite stellt sie sich der Dunkelheit entgegen – und realisiert, dass die Finsternis sich auch bedrohlich um ihre eigene Seele legt, während größere Mächte um das Gleichgewicht der Welt kämpfen.

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„Yatane? Schläfst du eigentlich jemals?“ Die müde Stimme der Königin klang an das Ohr der Elfe. Yatane drehte sich zu Luna um.

„Weniger als du auf jeden Fall. Und wenn wir morgen eine ordentliche Strecke zurücklegen wollen, dann solltest du nun genau das wieder tun.“, mahnte sie die Königin mit einem Zwinkern.

„Ich kann gerade nicht. Alles dreht sich in meinem Kopf.“, antwortete sie.

„Ist es wegen…?“, fragte Yatane, aber die Königin schüttelte den Kopf.

„Nein. Es ist eher wegen all dem, was vorgefallen ist. Arthur hatte mir die besten seiner Männer ausgesucht. Handverlesen aus Freital und anderen freien Dörfern während der Besatzungszeit. Er hat sie alle verloren. Zuletzt Rogard. Aber auch davor. All diese Menschen in Sonnfels. Innerhalb eines Augenschlages wurden sie getötet.“, sagte sie nachdenklich. Yatane nickte verständnisvoll, kam aber nicht zu einer Antwort, bevor Luna weitersprach. „Aber weißt du, was mich am meisten beschäftig?“

Die Elfe schüttelte den Kopf. „Nein, sag.“

„Wenn ich das Schwert in der Hand habe – Zeitensturm – dann fühle ich mich, als könnte ich ähnliches vollbringen. Als könnte ich solche Mächte haben, wie dieser Mann in den Schatten.“, sprach sie leise. Dann blickte sie Yatane in die Augen. „Sag, kanntest du den Mann? Diesen Elf? Wieso ist er mit dem Kaiser verbündet?“

Yatane wandte den Blick wieder ab und schaute ins Feuer. Sie zögerte. Luna war natürlich eine Freundin. Aber auch ein Mensch. So jung. Sie konnte nicht verstehen, was es hieß, so vieles schon gesehen zu haben. Und diese Wahrheit…

Sie seufzte. „Sein Name ist Tanatel.“, sagte sie.

Luna nickte erst und grübelte dann kurz. „Tanatel? Wie der Elfenfürst von dem du mir erzählt hast?“

Yatane nickte nur, aber Luna setzte sich schlagartig auf und schaute die Elfe verwirrt an. „Aber… wenn er… wieso? Wieso sollte er dem Kaiserreich helfen?“

Yatane schüttelte erneut den Kopf und blickte noch immer ins Feuer. „Das weiß ich nicht.“, sagte sie. Dann schaute sie in den Wald. „Willst du dir ein bisschen die Füße vertreten, bevor du weiterschläfst. Vielleicht hilft das?“, bot sie der Königin dann an. Luna nickte. Obwohl sie den ganzen Tag marschierten, fühlte sie sich in diesem Moment in der Tat danach, sich etwas zu bewegen. Vielleicht würde es dann wieder besser funktionieren, mit dem Schlafen. Immerhin waren die Nächte lang, und es gab keinen Grund, übermäßig zu eilen.

Sie standen auf, Yatane legte Luna einen weiteren dicken Mantel um, und liefen dann langsam in den Wald. Die Elfe nickte einem der vier Männer von Adrian, die sie begleiteten, beruhigend zu, als er auf sie zukam. Er war gerade zur Wache eingeteilt. „Wir sind gleich zurück.“, sagte die Elfe beruhigend und ging dann ohne weitere Worte mit Luna an ihm vorbei.

„Aber es muss doch einen Grund geben.“, sagte Luna schließlich, als sie schon mehrere Schritte gelaufen waren.

„Pass auf, wo du hintrittst.“, mahnte Yatane. Man konnte den Waldboden im Schein von Mond und Sternen gut sehen, denn der schneebedeckte Boden schien im Licht der Nacht fast zu leuchten.

„Ich meine, wenn er ein Fürst der Elfen ist, sollte er nicht Alydan dienen? Oder einen Spross des Weltenbaums schützen?“, hakte Luna nach.

„Ja, das sollte er. Aber für Tanatel ist alles anders gekommen.“, antwortete Yatane.

„Was meinst du damit?“, fragte Luna nach. „Was ist anders gekommen?“

Yatane schüttelte den Kopf. Sie konnte eine gewisse Traurigkeit nicht verbergen. Die Geschehnisse waren hunderte Jahre her, hatten sich aber fest nicht nur in ihr Gedächtnis, sondern in das Gedächtnis ihres ganzen Volkes festgesetzt.

„Seine Kraft wurde im gestohlen. Der Spross ist tot.“, sagte sie leise.

„Wie…?“, wollte Luna fragen, als sie sich auf einmal daran erinnerte, was ihr Elian und Siliva kurz nach ihrer Ankunft in Valorien gezeigt hatten. Ein Spross des Weltenbaums. Tot. „Liamtal.“, sagte sie leise.

Yatane nickte. „Ja. Tanatel war einst Fürst all dieser Länder, auf denen wir schreiten. Von Valorien bis zu allen Meeren reichte seine Heimat. Doch dies ist lange her.“

„Wie konnte der Spross getötet werden?“, fragte Luna nach.

Yatane hielt inne und drehte sich zu Luna. Sie lächelte die Königin an, aber es war ein trauriges Lächeln. „Durch eine Klinge. Die Macht der Magie wurde aus dem Land gezogen und ging in das Schwert über. Tanatel konnte sich nur einen Bruchteil der einstigen Kraft bewahren.“

Luna wollte gerade die nächste Frage stellen, als sie die Antwort schon erkannte. Sie blickte an sich hinunter. Wie selbstverständlich trug sie Zeitensturm an ihrem Gürtel. Seit der Nacht, in der es ihr der Wächter übergeben hatte, schien sie die Klinge nicht einmal weggelegt zu haben. „Zeitensturm. Die Magie, die ich nun wirke. Es ist seine Kraft.“

„Nur ein sehr kleiner Teil. Es würde Jahrhunderte und noch länger brauchen, um diese Macht wahrlich hervorrufen zu können.“, sagte Yatane.

„Aber dies war Gilberts Klinge…“, sagte Luna verwirrt. „Wieso hat er…?“

Yatane streichelte Luna sanft über die Schulter und wies ihr dann, langsam weiterzugehen. In einiger Entfernung erkannte die Königin eine kleine Lichtung, auf die sie zugingen.

„Einst herrschte Krieg zwischen den Menschen und uns Elfen. Ein furchtbarer Krieg. Wahrscheinlich kann man sagen, dass die Menschen gewonnen haben. Wenn es in solchen Kriegen überhaupt Sieger geben kann.“, sagte Yatane.

Luna wirkte noch immer verwirrt. „Du meinst, wir Valoren haben gegen die Elfen Krieg geführt? Ist das der Grund, wieso Tanatel uns nun bekämpfen will?“

„Vielleicht. Wie gesagt: Ich weiß es nicht.“, sagte Yatane.

„Aber das muss hunderte Jahre her sein. Kein Mensch, der gegen die Elfen die Klinge erhoben hat, lebt heute noch. Wir wussten ja nicht mal mehr, dass es euch gibt. Ihr wart in das Reich der Legenden verschwunden.“

„Ja, für euch vielleicht.“, antwortete Yatane ernst. „Aber von uns gibt es noch viele, die den Krieg und seine Folgen erlebt haben. Wir leben lange. Und wir vergessen nicht.“

Luna bemerkte den traurigen Ton der Freundin. Auf einmal hielt sie inne und drehte sich zur Elfe, schaute sie mit großen Augen an. „Du? Du warst damals in Valorien?“

Yatane nickte. „Es ist lange her, aber ich konnte nicht vergessen. Aber mach dir keine Sorgen Luna: ich erkenne, was die Zeit mit dem Land gemacht hat. Es gibt einen Grund, wieso die Elfen dir und deinem Volk gegen das Kaiserreich zur Seite standen. Zeiten ändern sich. Ihr Menschen ändert euch. Und du, Luna, Königin der Valoren, hast ein gutes Herz.“

„Es tut mir leid.“, sagte Luna leise und schaute zu Boden.

„Das muss es nicht.“, sagte Yatane und deute dann auf die Lichtung. „Komm nun. Ich glaube, da will uns jemand sprechen.“, sagte sie.

Luna schaute auf und erkannte dann auch auf der Lichtung einen Mann, der auf einem Holzstamm saß. An seiner Seite war ein Wanderstab gelehnt, ansonsten konnte sie nichts erkennen.

„Wer ist das?“, fragte sie überrascht.

„Das wirst du gleich sehen.“, sagte Yatane mit einem Zwinkern und ging dann mit Luna die letzten Schritte auf die Lichtung. Sie verneigte sich vor dem Elfen. „Mein Fürst: ich glaube Ihr kennt die Königin von Valorien noch nicht, obwohl sie doch so lange unser Gast in Alydan war.“

Die Sonne stand gerade am Höchsten Punkt, als sie das Stadttor von Härengar passierten. Gerne hätte sich Yatane die große Stadt angeschaut. Sie war immer neugierig, was die Menschen über die Zeit mit ihren Städten taten, wie sie sich über die Jahrzehnte und Jahrhunderte veränderten. Aber sie war so klug, sich unscheinbar zu verhalten und schaute hauptsächlich auf den Boden, das Gesicht in einer weiten Kapuze verhüllt. An der Seite von Arthur und Luna betraten sie die Stadt mit vielen anderen Reisenden, Bauern, und Kaufleuten, die in das Zentrum der jüngsten kaiserlichen Provinz kamen.

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