J.D. David - Sternenglanz

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Obwohl die Schlacht um Valorien gewonnen ist, beginnt der Krieg gegen das übermächtige Kaiserreich für die junge Königin Luna gerade erst. In einem unerbittlichen Kampf für die Freiheit ihres Volkes muss sie sich dabei auf alte Freunde und einstige Feinde verlassen. Mit Hilfe der Elfe Yatane an ihrer Seite stellt sie sich der Dunkelheit entgegen – und realisiert, dass die Finsternis sich auch bedrohlich um ihre eigene Seele legt, während größere Mächte um das Gleichgewicht der Welt kämpfen.

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„Anscheinend wollen sie auch reden.“, bemerkte Wulfric als sich aus dem Heer etwa fünfzig Reiter lösten. Im Vergleich zu den Urben waren die Reiter der Peltamark schwer gerüstet. Jeder einzelne Reiter trug eine Plattenrüstung und, wie Narthas bemerkte, ein eigenes Wappen. Auch die dahinterstehenden Fußsoldaten trugen in Gruppen zu zehn bis zwanzig Mann verschiedene Banner, sahen ansonsten aber ärmlich aus, ausgerüstet mit Bögen, Äxten, einfachen Holzschilden, oder Speeren, jedoch ohne jegliche Rüstung. Das Banner des vordersten Reiters war dennoch am meisten zu sehen: ein schwarzer Turm auf hellblauem Grund, umrahmt von mehreren Weizenären.

„Halt!“, sagte Narthas auf urbisch und streckte die Faust in die Höhe. „Nur wir vier und zwei Bannerträger.“, sagte er und ritt mit Wanfried, Lokran, und Zirgas nach vorne, gefolgt von zwei Reitern, die das Banner des Khans und ein Sternenbanner Valoriens führten. Auch die gegenüberliegenden Reiter hielten inne und formierten sich ordentlich in drei Reihen, die Lanzen in die Höhe gerichtet. Neben dem Anführer lösten sich zwei weitere schwer gepanzerte Reiter, ein Bannerträger mit dem schwarzen Turm, und ein jüngerer Mann, der nur leicht gerüstet war. Narthas musterte sowohl die Armee als auch den Anführer, als sie näher aufeinander zukamen. Die etwa fünfzig schwer gerüsteten Reiter waren ohne Zweifel das Herzstück der Armee. Neben diesen gab es noch etwa achtzig weitere Reiter, die jedoch keine eigenen Banner trugen und deutlich leichter gerüstet waren. Außerdem wirkten sie jung. Daneben gab es noch dreihundert Fußsoldaten. Obwohl es Bauern wohl besser traf. Trotz der unterlegenen Position wirkte der Anführer selbstbewusst. Er blickte entschlossen zu Narthas und dem Khan direkt in die Augen. Seine hellbraunen Haare waren wie sein spitzer Bart ordentlich frisiert. Seine Plattenrüstung war aufwendig aus vielen Einzelteilen gefertigt. Auf dem Rücken trug er einen Wappenschild, am Schwertgurt eine breite Klinge.

Narthas hielt inne, als sie nur noch wenige Schritte trennten. „Ihr betretet die Länder der Peltamark, Urbe. In Adenurs Name, kehrt um oder findet den Tod!“, sagte der Mann bedrohlich in gebrochenem Urbisch. Erst jetzt blickte er zu Wanfried und bemerkte, dass der Ritter kein Urbe war. Auch das Banner hinter diesem ließ ihn stocken.

„Ihr sprecht nicht zufällig die Sprache Valoriens, mein Freund?“, fragte Wanfried mit ruhiger Stimme, um die Stimmung nicht weiter anzuheizen.

„Die Zunge Kargats. Ausreichend. Und Ihr seid?“, antwortete ihr Gegenüber nun nur an Wanfried gerichtet.

„Ich bin Wanfried von Tulheim, Freiherr von Tulheim, und Ritter Valoriens.“, antwortete er und nickte dann Narthas auffordernd zu. Dieser zog die Augen zusammen, blickte dann aber zu ihrem Gegenüber. „Narthas Khan, Sohn des Ikran.“, stellte auch er sich vor.

„Wir sind im Namen ihrer Majestät Königin Luna I. von Valorien unterwegs. Doch unser Augenmerk gilt nicht der Peltamark. Bietet uns freies Geleit, und keiner Eurer Männer wird zu Schaden kommen.“, bot Wanfried an. Der Ritter merkte, dass dies dem Khan neben ihm widerstrebte. Der Urbe hätte der Drohung wohl lieber mit einer eigenen Drohung geantwortet. Oder mit dem Schwert. Aber Wanfried hoffte, mit Diplomatie weiterzukommen. Denn der Adelige der Peltamark musste auch erkennen, dass es für ihn an diesem Tag nur zwei Möglichkeiten gab: Kapitulation oder Tod.

Ihr Gegenüber zog die Stirn zu Falten und musterte den Ritter und den Khan, bevor er antwortete. Schließlich nickte er Wanfried zu. „Arnold van Frega, Herzog von Frega und Seneschall der Ritter der Peltamark.“, stellte er sich vor. „Ich habe von Valorien gehört. Es liegt hinter Kargat und der Steppe der Urben, nicht wahr? Was macht ihr hier, in Beisein dieser…“ Er zögerte. Es hätten wohl viele Worte gepasst. Wilden. Barbaren. „…Urben.“, schloss er den Satz.

„Eigentlich ist er nur hier, um auf mich aufzupassen.“, sagte Narthas mit einem Grinsen, was Lokran und Zirgas kurz zum Lachen brachte. „Ich führe meine Reiter nach Süden. Doch wie Wanfried sagte, gilt mein Zorn nicht der Peltamark. Wenn dir etwas am Leben deiner Männer liegt, Arnold van Frega, dann legt die Waffen nieder, senkt den Kopf und lasst mich und meine Männer passieren.“, sprach der Khan weiter, nun mit bedrohlichem Unterton. „Und ich reite hier im Namen des Herzogs Celan von Tandor. Wenn es dein Wunsch ist, soll dies der letzte Name sein, denn du in dieser Welt gehört hast.“, fügte er noch hinzu. Man erkannte, dass Arnold die Drohung durchaus verstand. Seine Miene versteinerte, er wirkte auch etwas blasser als zuvor. Sein bedrohliches Auftreten vorher war ein falsches Spiel gewesen. Er war sich sehr bewusst, dass seine eigene Armee eine Schlacht nur verlieren konnte. Doch dann fing er sich wieder.

„Wenn dies dein Wunsch ist, Urbe, dann will ich dem gerne nachkommen. Jeder meiner Ritter wird mit Freuden sein Leben für die Peltamark geben, aber mindestens fünf deiner Reiter mitnehmen. Wenn du dann mit dem verbliebenen Haufen durch unser Land reitest, wird dir jede Burg Drohung sein. Keine Nacht werdet ihr Schlafen, keine Stadt passieren können, keine Brücke wird euch zur Verfügung stehen. Und es gibt viele Burgen und Brücken in der Peltamark. Während ihr euch dann nach Süden quält, sammelt mein Herr, Erzherzog Laurenz, alle Männer der Peltamark in Tarvestdamm. Jeder Herzog, jeder Ritter, jeder Bauer der Peltamark wird von dem Massaker an der Belgafurt hören, von der Niederlage von Herzog Arnold. Jeder wird nach eurem Blut dürsten. Jeder wird einen heiligen Eid vor dem Vater Adenur schwören, uns zu rächen. Wenn ihr dann glaubt, endlich aus der Peltamark entkommen zu sein, werdet ihr das Glitzern tausender Rüstungen im Morgengrauen sehen und erkennen, dass dies der fatalste Fehler deines erbärmlichen Lebens war.“

Während er sprach legte der Herzog seine Hand an das Heft des schweren Schwertes. „Also Urbe, wenn du kämpfen willst: wir sind bereit.“

Narthas blickte ohne eine Regung zum Herzog. Dann grinste der Urbe. „Ihr Pelten seid doch nicht so weich, wie es heißt.“, sagte er und lachte auf. „Du hast Mut, Herzog Arnold. Viele Männer erzittern schon, wenn sie die Hufe meiner Reiter am Horizont hören.“

„Ich sammelte meine Männer, um mich euch entgegenzustellen.“, antwortete der Herzog von Frega entschlossen.

„In Ordnung, Herzog. Du hast mich überzeugt, dass ich dich am Leben lasse. Aber was kannst du mir bieten, wenn ich dir sage, dass ich nicht wieder umkehren werde.“

Die Miene des Herzogs entspannte sich etwas und er lockerte den Griff um sein Schwert. „Man trifft nicht aller Tage auf einen Urben, der verhandeln will.“

„Ich bin auch kein gewöhnlicher Urbe.“, stellte Narthas fest.

„Ihr könnte eure Bitte auf Durchmarsch dem Erzherzog vortragen. Er kann darüber entscheiden. Jedoch müsstet ihr mich dazu nach Tarvestdamm begleiten, Khan Narthas.“, antwortete der Herzog.

Narthas lächelte erneut und blickte zu Wanfried. Es war durchaus eine sinnvolle Lösung, wenn sie funktionierte. Natürlich wäre es ihnen ein leichtes, mit einem Angriff die Männer des Herzogs auszulöschen. Doch Arnold hatte Recht. Der Ritt durch die Peltamark konnte lange werden, wenn man nur Feinde hatte. Selbst wenn sie Kargat erreichten, wären sie stark geschwächt. So verloren sie nur einige Tage, während sich seine Reiter in der Steppe weiter sammelten und auf ihre Rückkehr warteten. Genau wegen solcher Schwierigkeiten hatten sie genug Zeit eingeplant, als sie aus Taarl losgezogen waren. Vor dem Frühjahr mussten und sollten sie Kargat nicht erreichen.

Also wandte sich Narthas wieder an den Herzog. „Ich nehme dein Angebot an. Mich begleiten der Ritter Wanfried, mein Sohn Lokran, und dreißig Reiter.“

„In Ordnung.“, akzeptierte Arnold. Die Eskorte der Urben hatte mehr symbolischen Charakter. Wenn der Herzog sie eine Falle führen wollte, wären selbst einhundert Mann nicht ausreichend.

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