J.D. David - Sonnenfeuer

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Der junge Soldat Daron kehrt seiner Heimat den Rücken, die nach dem Tod des letzten Königs in Chaos versinkt. Als er viele Jahre später nach Valorien reist, sieht er das Land zerrissen zwischen seinen Herzogen und Adeligen. Doch die wahren Feinde stehen außerhalb der Grenzen des Landes. Ihr Verlangen nach Macht geht weit über die Herrschaft eines einzelnen Königreiches hinaus. Die Legende einer Nachfahrin des Königs ist die einzige Hoffnung, die dem Volk bleibt. Diese, und eine große Kraft alter Tage, der sich auch Daron bemächtigt hat.

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„Ja, sehr gut. Majestät, seid Ihr bereit?“

Man merkte, wie Hega um Fassung rang, sich dann aber aufrichtete und ihren Rücken durchstreckte. Sie strich über ihr Kleid und wirkte von einem Moment auf den anderen wieder wie eine wahre, würdevolle Königin. Sie schaute Taskor direkt in die Augen.

„In Ordnung, General Graufels. Dann zeig mir, dass es gerechtfertigt war, dein Leben zu schonen. Bring mich und die Prinzessin aus Härengar.“

Der Rauch lag tief über der Stadt und zog auch in die kleine Gasse, in die sie aus der Burg traten. Taskor schaute sich zu allen Seiten um, bevor er die beiden Frauen hinauswinkte. Beide hatten sich unscheinbare Umhänge umgeworfen, um im besten Fall unentdeckt zu bleiben. Zögerlich folgte als letztes der junge Benno.

„Wir versuchen einen Weg nach Norden zu finden, um dort aus der Stadt zu fliehen.“, erklärte Taskor der Königin und schaute zum Himmel. Es war nicht viel zu sehen, aber zwischen den Rauchschwaden waren die Strahlen der Mittagssonne zu erahnen. Also wandte er sich in die entgegengesetzte Richtung und lief los.

Im Prinzip war die Lage, wie die Königin gesagt hatte, fast ausweglos. Die kaiserlichen Truppen hatten die Tore im Süden und Osten niedergerissen und marschierten durch die Straßen der Stadt, um den letzten Widerstand niederzuschlagen. Gleichzeitig hatte eine Flotte des Kaisers den Hafen erst verschlossen und setzte dann zum Angriff von See aus an. Der Belagerungsring umschloss Härengar auch im Norden, aber hier waren deutlich weniger Soldaten zu sehen gewesen. Mit ein bisschen Glück konnten sie vielleicht dort hindurch schlüpfen, um dann… ja, um dann wohin zu gehen? Doch Taskor konnte sich nur einen Gedanken auf einmal erlauben. Aktuell musste er sich nur darauf konzentrieren, aus der gefallenen Stadt zu fliehen.

„Nicht so schnell, General Graufels.“, hörte er die Stimme des jungen Soldaten Benno. Er drehte sich um und erkannte, dass er in Gedanken verloren einen zu scharfen Schritt angeschlagen hatte, dem die Frauen nicht folgen konnten. Er hielt inne und wartete, bis sie aufschlossen. Sonya stützte ihre Mutter, die immer noch schwach wirkte. Wohl ob des Rauches, genauso wie der Trauer und Angst, die sie empfand.

„Entschuldigung, Majestät. Geht es?“, fragte er dann die Königin. Hega nickte zaghaft.

„Ja, Taskor, lass uns weitergehen.“

„Vorsicht!“, hörte Taskor noch den warnenden Ruf des jungen Soldaten. Blitzartig stellte er sich schützend vor die Königin und spürte gerade noch den Bolzen der Armbrust, der wenige Finger entfernt an seinem Gesicht vorbeiflog. Er riss die Klinge aus seiner Scheide und schaute die Straße hinunter, um die Situation zu analysieren.

Am Ende der Gasse standen sechs oder sieben Soldaten in den roten Farben des Kaiserreiches. Die Truppen schienen sich langsam aufzuteilen, um die Gassen zu durchkämmen. Zu ihrem Glück hatte nur einer der Männer eine Armbrust, die er gerade versuchte nachzuladen. Dennoch waren es sechs gegen einen, denn Taskor ging davon aus, dass der junge Benno kaum eine Hilfe war. Eine schwierige Aufgabe. Aber keine Unmögliche. Und eine Alternativlose.

„Benno, führ die Königin und Prinzessin weiter nach Norden. Kargats Hoffnungen ruhen auf dir. Ich werde die hier aufhalten.“, befahl der General dem Jungen. Hega schien noch etwas einwenden zu wollen, aber Taskor lief in seiner schwarzen Rüstung bereits auf die Feinde zu. Er mobilisierte seine letzten Kräfte.

Krachend schlug sein Stahl auf den großen Schild des ersten Soldaten. Doch er ließ dem Feind keine Zeit zu kontern. Bevor dieser sein Schwert nach vorne stoßen konnte, führte Taskor einen seitlichen Hieb aus, der über den Rand des Schildes schliff und die Schulter des Feindes aufriss. Mit Schmerzensschreien ging der Mann zu Boden.

Der Triumph war für Taskor allerdings von kurzer Dauer. Mit einer Bewegung nach rechts versuchte er, der Speerspitze eines Angreifers auszuweichen. Jedoch waren seine besten Tage lange her, und die eiserne Spitze schlug in die Seite seiner Rüstung und verbeulte das Metall, sodass ihm die Luft genommen wurde. Gerade noch rechtzeitig konnte er sein Schwert hochreißen, um einen Hieb eines anderen Soldaten abzuwehren. Aus dem Augenwinkel erkannte er, wie der Kaiserliche mit der Armbrust diese neu geladen auf ihn anlegte.

Nur ein Feind. Er hatte nur einen Feind niederringen können, bevor das Ende kam. Ein erbärmliches Ende. Vielleicht hatte er Benno zumindest genug Zeit erkauft, damit dieser Hega und Sonya in Sicherheit bringen konnte. Dann hörte er das Klacken der Armbrust und einen Schrei.

Der Bolzen schlug neben Taskor in der Mauer ein, und wie er wandten sich auch seine beiden Feinde erschreckt um. Man erkannte noch die blutige Klinge, die dem Armbrustschützen aus der Brust ragte, bevor er zu Boden fiel und den Blick auf einen stämmigen Mann freigab. Seine Arme und Schultern waren kräftig, sein Haar kurz, militärisch und grau, und sein Gesicht entstellt von mehreren Narben und einer Augenklappe. Mit einer schnellen Bewegung zog er die Klinge aus dem Leib des Mannes und baute sich vor dem nächsten Feind auf.

Taskor nutzte den kurzen Moment der Unaufmerksamkeit seiner Feinde. Mit einem Ausfallschritt nach vorne griff er den Speerträger an, verringerte so den Abstand und machte die Waffe des Feindes nutzlos. Der Holzschaft der Waffe splitterte, als der Soldat diese zur Verteidigung in die Höhe riss, um die Klinge Taskors abzublocken. Der nächste Hieb der Klinge war tödlich.

Aus dem Augenwinkel erkannte er eine weitere Gestalt, die in den Kampf eingriff. Sie sprang vom Dach eines kleinen Hauses, das an der Gasse lag, und setzte mit schnellen Schlägen einer feinen Waffe dem Feind zu. Die Klinge war aus dreieckigem Stahl, fein, aber anscheinend scharf und spitz. Der Mann trug Kleidung aus Stoff, die wohl einst edel gewesen war, nun aber durchgetragen wirkte. Auf dem Kopf trug er einen Hut mit einer Feder. Seine schwarzen Haare fielen lang unter diesem hervor und wurden von einem säuberlichen Spitzbart untermauert.

Das Blatt hatte sich gewendet. War es gerade noch ein Kampf sechs gegen eins gewesen, waren es nun drei gegen drei. Und das Überraschungsmoment auf der Seite der Kargatianer. Taskor wusste noch nicht, was er von der fremden Hilfe halten sollte, doch mit Genugtuung stellte er fest, wie sie mit gemeinsamen Kräften die restlichen Feinde innerhalb weniger Momente niedermachten.

Als der letzte kaiserliche Soldat tot zu Boden fiel, nahm sich Taskor nur kurz Zeit durchzuschnaufen. Dann hob er sofort die Klinge und richtete diese auf die beiden Fremden. Sein Blick ging kurz die Gasse hinunter. Zu seiner Überraschung waren die beiden Damen und Benno noch immer am Ende der Gasse. Allerdings waren auch sie nicht mehr alleine. Neben Hega stand eine junge Frau, vielleicht zwanzig Jahre alt, die in dunklen Farben gekleidet war. Ihre dunkelbraunen Haare waren zusammengebunden, am Gürtel trug sie neben einem Schwert mehrere Dolche und Messer. Und eine Klinge hielt sie dem jungen Benno an den Hals. Daneben war ein Mann, der wie ein Gaukler gekleidet war, mit einer Glockenmütze auf seinen roten Haaren. Er lief etwas hektisch um die kleine Gruppe. Es war aber offensichtlich, dass die beiden Gestalten zu den beiden Kämpfern gehörten, die ihnen gerade noch geholfen hatten.

„Im Name der Krone, senkt sofort eure Waffen ihr Lumpen.“, knurrte Taskor bedrohlich zu den beiden Männern, die bei ihm standen. „Und befehlt eurer Freundin das Gleiche.“, fügte er warnend hinzu.

Ob nun durch seine Befehle oder nicht, die beiden Männer steckten ihre Klingen in der Tat in den Gürtel. Nur die Frau schien keine Anstalten zu machen, Benno und die Damen aus ihrer Kontrolle zu lassen.

„Also, mein Herr.“, sagte der Fechter mit dem charakteristischen Bart mit einer leichten Verbeugung. „Wie mir scheint, steht Ihr nicht in der besseren Verhandlungsposition, um solch gewagte Forderungen zu formulieren. Der Wert der Krone hat in Kargat in den letzten Stunden leider rapide abgenommen.“

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