J.D. David - Sonnenfeuer

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Der junge Soldat Daron kehrt seiner Heimat den Rücken, die nach dem Tod des letzten Königs in Chaos versinkt. Als er viele Jahre später nach Valorien reist, sieht er das Land zerrissen zwischen seinen Herzogen und Adeligen. Doch die wahren Feinde stehen außerhalb der Grenzen des Landes. Ihr Verlangen nach Macht geht weit über die Herrschaft eines einzelnen Königreiches hinaus. Die Legende einer Nachfahrin des Königs ist die einzige Hoffnung, die dem Volk bleibt. Diese, und eine große Kraft alter Tage, der sich auch Daron bemächtigt hat.

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„Ich weiß es nicht. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Wenn unsere Worte des Friedens kein Gehör finden, werden wir diese Mauern mit dem Schwert in der Hand verteidigen.“, sagte Alois entschlossen.

„Wenn wir dann noch Männer auf den Mauern haben.“, merkte Wieland schmerzlich an und schaute sich um. Alois nickte zustimmend. Er hatte das Eisentor noch nie so leer gesehen, wie in den letzten Monaten.

„Du hast Recht, wir sollten Burg Eisentor wieder stärker besetzen. Ich werde nach meiner Ankunft in Elorath nach den Rittern des Reiches schicken. Denen, die noch übrig sind. Vielleicht erkennen selbst Celan in seinem Hochmut und Forgat in seinem Wahn, dass ein Fall des Eisentors gravierender ist, als jeder Kampf, den wir innerhalb Valoriens führen können.“

Wieland schaute skeptisch. War es nicht der Herzog von Tandor, der zumindest in großem Verdacht stand, schon den ersten Fall der Grenzfeste begünstigt zu haben? Dennoch wagte er es nicht dem Reichsverweser zu widersprechen. Das Wesen von Alois, das über die Zeit immer wieder zwischen strenger Entschlossenheit und naiver Vergebung gegenüber anderen schwankte, war vielleicht der Grund, wieso das Reich noch nicht vollkommen in Flammen versunken war. Ein jähzorniger Mann wie der einstige Reichsverweser Heinrich von Goldheim hätte schon längst einen großen Krieg gegen Celan geführt. Vielleicht auch gegen Forgat. Doch Alois hatte selbst in den schwersten Stunden einen Ausgleich mit den Herzögen gesucht. Selbst einigen Eroberungen Tandors stattgegeben, wenn ein Gegenangriff nicht erfolgsversprechend war. Umso entschlossener hatte er die verbleibenden Länder der Kronlande verteidigt. Vielleicht war es gerade diese Unberechenbarkeit, die Celan, den ewig strategisch Berechnenden, bisher von einem endgültigen Sieg abgehalten hatte.

„Sieh!“ Die Stimme von Alois riss Wieland aus seinen Gedanken. Er hatte dem Ritter und Reichsverweser seine Bedenken nicht mitgeteilt. Es war wohl besser so. Dann lenkte dieser aber die Aufmerksamkeit auf die Brücke. Auch Wieland erkannte, wie das Tor auf der kargatianischen Seite geöffnet wurde und ein einzelner Wanderer auf die große Brücke über den Calas trat.

„Ein Reisender, der wie gerufen kommt.“, antwortete Wieland. „Womöglich bringt er Neuigkeiten aus dem Süden.“

Alois nickte. „Ja, wenn sich schon mal ein Wanderer hierher verirrt, sollten wir auf gute Nachrichten hoffen.“, sagte er und ging mit Wieland den Wehrgang hinunter. Nur wusste er leider selber nicht genau, was er als gute Nachrichten erhoffte. Einen Sieg Kargats? Eine Niederlage? Oder einfach ein endloser Krieg, der das Nachbarland beherrschte, so wie die Herzöge Valoriens dieses Land in ihren Händen und im Krieg hielten.

„Halt. Nenn deinen Namen und dein Belangen, wenn du das Eisentor nach Valorien durchschreiten willst.“, hörte Daron die feste Stimme einer Wache und legte den Kopf in den Nacken. Die Mauern ragten hoch aus dem Tal des Flusses hinaus und im Licht der Sonne konnte er die Konturen des Mannes nur erahnen, der ihn angesprochen hatte. Um ihn ein bisschen besser zu sehen, wenn er antwortete, legte er seine Hand auf die Stirn und schirmte seine Augen gegen die hellen Sonnenstrahlen ab.

„Mein Name ist Daron. Ich bin einfacher Wanderer aus Vadenfall, einer großen Stadt im Ylonischen Bund. Ich bin auf der Reise, um alle Länder dieser Welt kennen zu lernen.“, rief er entgegen. Es war am einfachsten, sich als Wanderer auszugeben. Und nicht zu sagen, dass er aus dem Kaiserreich stammte. Denn der Ruf des ehrgeizigen Kaisers und seiner schlagkräftigen Armeen eilte ihm voraus.

„Du hast einen langen Weg hinter dir, Reisender.“, hörte er die Antwort von den Zinnen. Dann tat sich erstmal nichts. Etwas unsicher stand Daron vor dem verschlossenen Tor. Die Wachen schienen nicht gewillt, ihm Einlass zu gewähren. Nun gut, im schlimmsten Fall würde sich seine Mission verzögern. Dann musste er eben nach Ostwacht weiter. Oder ein Schiff nach Lyth Valor suchen. Es gab genug Routen, um nach Valorien zu kommen, wenn man entschlossen genug war.

Doch dann hörte er zu seiner Überraschung Rufe aus der Burg. Er konnte die Worte hinter den Mauern nicht verstehen, hörte dann aber den mechanischen Laut des Riegels, der zurückgezogen wurde. Im nächsten Moment öffnete sich einer der Flügel mit einem Quietschen, sodass ein Spalt offen stand, weit genug, um hindurchzutreten. Unsicher ging er weiter auf das Tor zu und schritt dann schließlich hindurch.

Hinter dem schweren Eisentor standen drei Wachen mit Speeren in der Hand, die in skeptisch begutachteten. Sie trugen die dunkelblauen Wappenröcke Valoriens.

„Ein Reisender aus dem Ylonischen Bund?“, fragte einer der Männer mit hochgezogener Augenbraue und musterte Daron von Kopf bis Fuß. „Immerhin anscheinend unbewaffnet.“, stellte er fest, als auf einmal zwei weitere Männer hinzutraten und die Wachen respektvoll zurückwichen und sich verneigten.

Der jüngere der beiden Männer lief einen halben Schritt hinter dem Anderen. Seine dunkelbraunen Haare waren kurz geschoren, sein Gesicht pockenvernarbt, und dennoch war es der feste Blick, der ihm die Aura eines Anführers gab. Dies wurde auch durch die aufwändige Rüstung untermauert, die ihn als einen Adeligen auswies. Dennoch schien er dem älteren Mann untergeordnet, der weniger herrschaftlich, ja fast erschöpft wirkte. Trotz all der Jahre erkannte Daron den Ritter sofort. Alois von Schöngau.

„Verschwindet, ich übernehme das.“, herrschte der Kommandant seine Wachen an, die sich sofort wieder daran machten, das Tor zu verschließen und auf ihre Posten zu gehen.

Daron verneigte sich leicht vor den Männern. „Habt Dank, dass Ihr mich in Euer Land gelassen habt.“, sprach er Alois an. „Es ist mir eine Ehre und Freude, einem wahrhaften Ritter Valoriens zu begegnen.“

Alois hob skeptisch eine Augenbraue. „Woher weißt du wer ich bin?“, fragte er den Fremden. Daron ertappte sich, dass er mehr preisgegeben hatte, als vielleicht ratsam war. Natürlich, er würde das Bild des gelockten Ritters, der sich über die sterbende Ritterin von Mondschein gebeugt hatte, niemals aus den Erinnerungen verlieren. Aber er machte sich wohl in der Tat verdächtig, wenn er als Fremder die Adeligen Valoriens erkannte. Dann schaute er auf das Schwert, das Alois an seinem Gürtel trug. Eine silberne Scheide mit violetten Amethysten. Zweifellos eine meisterhafte Arbeit.

„Das weiß ich leider nicht, mein Herr. Doch die Geschichten über die legendären Ritter Valoriens erschallen weiter über die Grenzen Eures Reiches hinaus. Mein Name ist übrigens Daron.“, sagte er und verneigte sich erneut.

Alois Züge entspannten sich und er nickte. „Wohl wahr. Ich bin Alois von Schöngau, Ritter und Reichsverweser Valoriens. Dies ist Wieland von Felden, Kommandant von Burg Eisentor. Sag, Daron, du kommst aus dem Süden, oder? Kannst du uns Neuigkeiten über Kargat bringen? Wie steht der Krieg mit dem Kaiserreich?“

Daron senkte kurz den Kopf um zu überlegen. „Mein Herr, ich bin leider kein Stratege oder Krieger, um das beurteilen zu können.“, begann er zu sprechen. „Allerdings ist es deutlich, dass die Truppen unter der Sonne des Kaisers große Teile Kargats bereits besetzt halten. Ich selbst bin Soldaten aus dem Weg gegangen, aber die südlichen und östlichen Länder sind fest in der Hand der Kaiserlichen. Man sagt, es wird nicht mehr lange dauern, bis der Kaiser seine Hand auch nach weiteren Ländern ausstreckt. Die Angst, das nächste Ziel zu sein, ist in meiner Heimat, dem Ylonischen Bund, groß. Aber vielleicht richtet er seinen Blick auch nach Norden.“, sprach Daron wenig konkret. Natürlich wusste er es besser. Er wusste genau, wo die Soldaten standen. Aber eine Mischung aus Realität mit vagen Andeutungen sollte genug sein, um Alois von seiner Aufrichtigkeit zu überzeugen.

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