1 ...6 7 8 10 11 12 ...20 Oxo war mit seinen Erklärungsversuchen noch immer nicht weiter. Er druckste noch etwas herum, aber dann sagte er endlich, „folgt mir bitte! Ich möchte euch etwas zeigen.“
Sie verließen den Raum, ließen die Techniker zurück und schritten einen langen Korridor entlang.
Mit leisem zischen öffnete sich eine Schleuse und offenbarte eine tiefschwarze Finsternis vor ihnen. Oxo trat zuerst hindurch und hinein in die Schwärze, die Kids hinterher. Mit einem weiteren zischen fuhr sie wieder zu. Erst dann schaltete sich das Licht ein; flackernd erhellten sich die Wände, der Boden, die Decke. Wie mit einem Dimm Schalter geregelt, wurde es merklich heller, steigerte sich sogar bis ins grelle hinein.
Die Kids blinzelten ins Licht. Sie brauchten einige Sekunden, sich daran zu gewöhnen. Dann fanden sie sich in einem schneeweißen Raum wieder. Der Boden, die Wände, die Decke, alles war schneeweiß und strahlte in diesem grellen Licht.
„Wo sind wir hier?“
„Oh, das ist nur ein weiterer Raum in unserem Raumfahrtzentrum. Das wirklich interessante, der Grund unserer Anwesenheit befindet sich hinter einer der Wände. Computer, öffne bitte die Fächer eins bis vier!“
An der Wand ihnen direkt gegenüber bildeten sich tiefe Spalten. Zuerst waren es nur minimale Helligkeitsunterschiede, die wie flache Schattierungen anmuteten, dann erlosch das Licht dort völlig und offenbarte dunkle Flächen. Die sofort in die Wand eingefahren wurden, sodass sich den verblüfften Kids jetzt so etwas wie Schränke darboten. Schränke, in denen besagte Raumfluganzüge standen. Wie in einem Modegeschäft aufgereiht präsentierten sie sich der kaufbereiten Kundschaft.
Marcel trat einen Schritt darauf zu, dann einen weiteren. Schließlich entwich ihm ein beeindrucktes pfeifen. Er hatte mit plumpen, schwerfälligen, riesigen Anzügen gerechnet. Tatsächlich waren sie jedoch ganz anders. Sie wirkten so dünn und leicht, als könnten sie in ihnen joggen. Der Stoff hauchdünn, wirkte federleicht. Sollten sie etwa mit diesen dünnen Dingern durchs All fliegen?
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf drehte er sich zu Oxo um und sah ihn ernst an. Und wo befindet sich an diesen Dingern überhaupt der Antrieb?
Auch die anderen sahen ihn an. Ihre Blicke waren schwer zu definieren. War das nun nur Unglaube und Faszination, oder mischte sich da auch noch Entsetzen darunter? Einerseits waren diese Raumfluganzüge wahre Wunderwerke. Die Anzüge für die Astronauten auf der Erde waren schwerfällige, plumpe, ungelenke Ungetüme. Diese jedoch nicht. Aber andererseits vermittelte dieses robuste, dieses monströse auch Sicherheit. Sollten sie sich wirklich nur mit einem Jogginganzug bekleidet in das lebensfeindliche All wagen?
„Keine Sorge“, begann Oxo, der ihre Blicke richtig deutete; anscheinend war sein Emotionschip wieder besser justiert, „der Anzug ist absolut sicher. Nicht gefährlicher als der Aufenthalt an Bord eines Raumkreuzers.“ Dann hielt er abrupt inne.
Nicole, Mike, Jenni und Robin horchten auf. Ihnen kam es so vor als überlege Oxo wie er weitermachen sollte, als suche er nach den richtigen Worten.
„Der Antrieb?“, fragte Marcel. „Was ist mit dem Antrieb?“
Oxo blickte ihn ernst an. Deswegen hatte er eben gestockt.
„Bei meinen Berechnungen war das Gewicht des Fluggerätes immer der entscheidende Faktor für den Hyperflug. Eure Jäger sind einfach zu schwer. Es war mir unmöglich die Austrittskoordinaten exakt zu bestimmen. Scheinbar willkürlich endete der Flug an den verschiedensten Orten. Wenn ich das Gewicht jedoch drastisch reduzieren würde, wenn ich es auf euer Körpergewicht beschränke, plus dem des Antriebes und des Anzugs, dann haben wir eine Chance. Die Berechnungen gestalteten sich viel einfacher. Ich habe es mehrmals durchgerechnet. Der Hyperflug endet theoretisch immer an dem Punkt, den ich beabsichtigt habe.“
Bis eben hatte er sie. Aber nun schrillten ihre Alarmglocken laut.
„Was heißt theoretisch?“, intonierten die vier wie aus einem Mund. Nur Marcel ahnte es bereits.
„Nun, es heißt, es wurde noch nie versucht.“
Diesmal zog sich das schweigen wesentlich länger hin. Ihre Blicke schwerer zu deuten. Der Unglauben, die Faszination viel ausgeprägter, aber auch ihr Entsetzen.
Das ganze irrsinnige Vorhaben nahm immer mehr Gestalt an. Nicht nur das sie mit einem Jogginganzug bekleidet durchs All sausen wollten, sie mussten das auch noch in einer unglaublichen Geschwindigkeit machen, ohne ihr Ziel dabei zu sehen. An einem Ort im All in den Hyperflug gehen, und an einem anderen wieder austreten. Sich dabei voll und ganz auf Oxos Rechenkünste verlassen.
„Und wo ist an diesem verdammten Ding nun eigentlich der Antrieb?“, frage Marcel.
„Im Moment sind diese beiden Komponenten noch nicht miteinander verbunden. Wie gesagt, das hat es bisher noch nicht gegeben. Wenn wir uns aber wirklich dazu entschließen müssen wir den Hyperantrieb noch in den Anzug integrieren.“
„Ganz ehrlich, Oxo. Für mich klingt das hier nicht so als hätten wir eine Wahl. Eher scheint es als wäre es beschlossene Sache. Was hat denn das Orakel dazu gesagt?“
Daraufhin räusperte sich Oxo verlegen. Eine Geste, bei der sofort alle Alarmglocken läuteten. Nicole und Jenni verschränkten die Arme vor die Brust, Mike und Robin stießen die Fäuste in die Hüfte und Marcel steckte seine in die Hosentasche. Auffordernd sahen sie ihn an.
„Das Orakel wurde dazu noch nicht befragt“, antwortete Oxo ausweichend.
„Was soll das heißen?“
„Das wir noch nicht dazu gekommen sind, es über diese Situation zu befragen. Erinnert euch! Unsere Rückkehr, dann war ich bis vor wenigen Tagen außer Gefecht, seither versuchen wir den Durchbruch durch die Barriere. Da war für eine Audienz noch keine Zeit.“
„Wir wissen also nichts?“
„Doch, wir wissen eine ganze Menge. Wir wissen jetzt, dass es uns möglich ist. Weiter wissen wir auch, was wir tun müssen, damit es uns gelingt.“
„Aber das Orakel …“, weiter kam Marcel nicht. Ihm fehlten die Worte. Ein hörbares schlucken entrang sich seiner Kehle.
Aha, schoss es Oxo durch den Kopf, darum geht es also. Sie haben Angst. Die Kids fürchten sich. Beim ersten Mal wussten sie was auf sie zukam. Da hatte sich das Orakel positiv geäußert. Wenn es hierbei noch nicht befragt wurde, bedeutete das, das alles passieren konnte.
„Wir brauchen es nicht mehr“, begann Oxo. „Ihr habt eindrucksvoll bewiesen, ihr seid die Auserwählten. Yxyndor hat euch unterschätzt und ihr habt ihm gelehrt, was das heißt. Jeder Bewohner Yxus kennt eure Namen. Es sind die Namen der Auserwählten.“
Wenn es nur so einfach wäre, dachte Marcel. Und ahnte gar nicht wie nah er damit an den Gedanken der anderen vier dran war. Auch sie hatten ihre Bedenken, allen voran natürlich Jenni und Nicole. Denn offensichtlich waren sie für den Hyperraumflug vorgesehen …
Oder …?
Aber seine Worte flößten ihnen auch Mut ein. Sie hatten Yxyndor schon einmal besiegt. Sie werden es wieder schaffen. Sie sind die Auserwählten.
„Wann wirst du die Anzüge konstruiert haben“, fragte Nicole, insgeheim auf einen längeren Zeitraum hoffend.
„Nur wenige Stunden“, machte ihr Oxo aber einen Strich durch die Rechnung.
„Dann ist es also abgemacht. Jenni und ich fliegen mit diesen Anzügen zu einem der Generatoren.“
„Halt! Moment! Wieso ihr? Warum nicht wir?“ Mike Stimme klang wütend.
„Ja, verdammt. Warum nicht wir“, wollte auch Robin wissen.
„Weil ihr Driver seid. Diese Aufgabe erfordert aber Piloten, nicht wahr?“ Marcel hatte zu allen gesprochen, allen voran zu Oxo.
„So ist es“, war dessen knappe Antwort.
„Was? Was soll denn dieser Mist?“
„Eine Prophezeiung des Orakels war es, dass ihr euch, sobald ihr euch für ein Fahrzeug entschieden habt, dieses beibehalten werdet. Und Nicole und Jenni haben sich nun mal für die Jäger entschieden.“
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