Anna Lohg - Am Rande. Eine Bemerkung

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Üppig mit überflüssigen akademischen Abschlüssen dekoriert macht sich eine Aushilfe auf den Weg, den feinen Unterschied zu suchen. Wer maßt sich eigentlich an, den zu vergeben? Und überhaupt: Was soll das?
Die Suche führt zurück zu den Großeltern, hatten die sich doch zu Herrenmenschen erklären lassen. Deren Kinder riefen anschließend die Emanzipation aus, während die Gleichberechtigung bis heute nicht verwirklicht ist. Die nachfolgende Generation ließ sich dann über den Schulhof hetzen, den besten Noten hinterher. Kein Wunder, wenn die heute gebannt auf wirklich jedes Ranking starren. So geht es stets darum, irgendwen zum besseren Menschen zu küren – als ob es sowas gäbe. Und jene, die bei diesem Wettbewerb am Rande stehen, dürfen im günstigsten Fall die Drecksarbeit erledigen.
Und am Ende hat sich mal wieder eine Aushilfe um alles gekümmert: endlich ist der feine Unterschied gefunden, den keiner haben will.
Entlang von Heimat und Fremde, Armut und Reichtum, Gastarbeitern und Eliten ist dies eine wahre Geschichte – mit all ihren erbärmlichen Wendungen.

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"Aus gutem Haus.", sagtest Du, während Du die junge Frau in Gedanken weiter betrachtetest, um sie sodann mit mir zu vergleichen, wie ich so da stand, im Türrahmen mit einem Pinsel auf dem Kopf. "Sehr gut erzogen."

Diese grobe Skizze sollte völlig genügen und ich konnte die junge Frau ebenfalls in Gedanken sehen. Ihre Haarfarbe war gleichgültig, die Farbe der Augen oder was sie sonst noch von mir unterschieden hätte. Aus gutem Haus und sehr gut erzogen meinten die Merkmale eines Archetypus, Soziologie im ersten Semester über die feinen Unterschiede. Diesen Klassiker habe ich nie gelesen, nur drin geblättert, ich gebe es zu, dennoch hat das Werk auch mein Augenmerk auf den Habitus der so genannten besseren Gesellschaft gelenkt. Es sind die Kriterien der Auslese, wie Erkennungszeichen mit denen gewährleistet wird, dass alle hübsch auf ihren Plätzen bleiben. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.

Das ist uns beiden vermutlich fein säuberlich durch den soziologisch verseuchten Kopf gegangen, während wir uns dort in Deiner Küche gegenüber standen. Diese junge, wohl erzogene Frau aus gutem Haus spukte durch unsere Gedanken und mit ihr all die feinen Unterschiede zwischen gesellschaftlichen Klassen und den unsichtbaren Barrieren dazwischen. Aber die gäbe es doch heute kaum mehr, im Verschwinden begriffen, vielleicht vor ein paar Jahrzehnten noch, als Bourdieu seine Untersuchung machte, obendrein in Frankreich, bekannt und berüchtigt für seine Eliteschulen. Aber hierzulande, heutzutage gäbe es doch für alle die gleichen Chancen, wenigstens die eine oder andere Aufstiegschance für jene die sich anstrengen, sowas wie Leistungsgerechtigkeit. Die Kriterien der Auslese wären andere, auf den aristokratischen Gestus käme es doch nicht mehr an, nicht hier, nicht jetzt, auf gar keinen Fall in Deiner Küche!

Doch ich stand Dir genau gegenüber in meiner zu großen Hose, und es war als solltest Du eine Wahl treffen zwischen mir und diesem manierlich Geschöpf. Auf Deinem Gesicht konnte ich deutlich einen Schreck ablesen.

"Du hast keine Manieren.", stelltest Du plötzlich fest. Tatsächlich war es Dir eine schlichte Feststellung, keinesfalls eine Beleidigung.

Ausgerechnet Du, vor der Wahl stehend, solltest Dich für die junge Frau entscheiden. Kaum wegen ihren ordentlich gekämmten Haaren hattest Du Dich für sie entschieden, nicht wegen ihrem brillianten Intellekt, noch weniger wegen ihren soziologischen Standpunkten, nein, Du hattest Dich für die junge Frau entschieden wegen ihren Manieren! Das sollte Dich mehr erschüttern als mich, wenigstens in dem Moment. Wir, so dachtest Du bestimmt, wir kannten doch die feinen Unterschiede und wir würden uns davon nicht beeindrucken lassen. Doch im dirketen Vergleich eben dieser feinen Unterschiede solltest Du erweichen, dieser Gestus, der nicht Dein eigener ist, sollte Dich überzeugen.

Das kann ich sogar verstehen, ohne damit zu meinen, dass ich mich ebenso für die angeblichen Manieren entschieden hätte. Aber so ein Habitus aus gutem Haus kann durchaus ganz eindrücklich ausfallen, letztlich ist er etwas Besonderes, schon weil es vergleichsweise nicht viele dieser guten Häuser gibt und darin nicht um jeden Preis die vermeintlich gute Erziehung gelingt.

Mir ist klar, dass es bei den Manieren nur vordergründig mit einer zahmen Frisur und einer passenden Hose getan ist. Die Verkleidung ist bloß ein erstes sichtbares Zeichen, allerdings nicht zu unterschätzen. Die Texturen sind wichtig, die Makellosigkeit eines Stoffes, der Glanz der Fäden, die Reinheit eines Webmusters, die Sorgfalt der Nähte, die Spuren des Gebrauches und der tadellose Sitz eines jeden einzelnen Kleidungsstücks. Das sind Äußerlichkeiten die einen Eindruck ergeben, so wie die Haut, ob sie glatt ist, sorgenfrei gefaltet, wenn sie geschont werden konnte, hat sie keine Schwillen, Beulen, grob verheilte Narben. Zähne, Nägel, Haare all das zusammen ergibt einen sichtbaren feinen Unterschied. Aber wäre es das alleine, es ließe sich mehr oder weniger gekonnt nachahmen.

Die kostbarste Mitgift der vermeintlich guten Häuser ist das Gemüt, und das lässt sich nicht nachäffen, als sei die reichliche Ausstattung in jede Pore eingedrungen. Jede Faser drückt Zuversicht aus, wenn der Zweifel ein unbekannter Gast ist; die Augen strahlen, wenn sie nie eine Niederlage gesehen haben; die Bewegungen fließen, wenn sie keine Bedrohung kennen; die Gedanken können sich wohl ordnen, wenn sie frei von erdrückenden Sorgen sind. Es ist ein Ausdruck der Gewissheiten verheißt, als sei alles machbar, als gäbe es stets ein sicheres Ziel, wirkt genau das mitreißend, es wird verführend dem zu folgen, obschon unbeirrt meist nur Wahnsinnige sind. So ein Habitus aus gutem Haus ist wie ein Versprechen auf wahre Größe, überzeugend, imposant, majestätisch, denn wer in Watte gepackt ist, hat keine Angst davor, auf die Schnauze zu fallen, als ob das jeder könnte. Nur die Spitze der Nahrungskette gewährt eine solch gnadenlose Lässigkeit, erst wenn all Beutetiere restlos ausgerottet sind, gibt es einen ernsten Grund die Contenance zu verlieren.

Und dazu fielen Dir als erstes Manieren ein. Bei Manieren denke ich sofort an Tischsitten, an Regeln für ein affiges Gehabe, welches seinen Zweck verschleiert. Nach der Soziologie im zweiten Semester erfasste der Zivilisationsprozess auch die Reglementierung bei Tisch, allerdings ging es dabei weniger um ein manierliches Hantieren mit Messer und Gabel, als vielmehr darum, sich nicht im Streit um die größte Keule an Gurgel zu gehen. Danach meint zivilisiert nicht den Umgang mit dem Besteck, sondern das schnöd Friedliche, immerhin wird anderswo ausgesucht kultiviert mit den Fingern gegessen. Doch übrig geblieben sind offenbar nur die Manieren, als das alberne Getue mit welcher Hand das Messer geführt werden soll, dabei sei es gänzlich gleichgültig, wie die Keulen aufgeteilt werden. Der Zivilisationsprozess dürfte damit unweigerlich im Morast stecken bleiben, weil das Hauen und Stechen um das größte Stück Fleisch wieder ansteht, immerhin darf dann seelenruhig bei Tisch gerülpst, gefurzt und gekotzt werden.

Und Du solltest plötzlich feststellen, dass ich nicht aus gutem Haus sei, mir entsprechend diese Manieren abgingen, als hätte ich am Zivilisationsprozess nicht teilgenommen.

"Du hast dich auch hochgearbeitet.", sagtest Du anschließend mehr zu Dir selbst. "Wie ich.", hörte ich Dich murmeln. "Aus der Arbeiterklasse."

Diese kurzen, schwer hörbaren Fragmente reichten aus, um mir vorzustellen, wie Du Dich hochgearbeitet hattest. Du hättest um Deine Rechte gekämpft, Dich durch einzelne Schichten nach oben gebissen, um einen Status zu erlangen. Einen gesellschaftlichen Rang einnehmen, für den es als unsichtbares Abzeichen die scheinbar allgemeine Anerkennung gibt. Dafür wolltest Du studieren, aber das hätte in Deiner Familie nie zuvor jemand getan, das lag jenseits aller denkbaren Möglichkeiten. Als Kind der Arbeiterklasse war womöglich nicht einmal klar, ob Du überhaupt den nötigen Verstand für ein solches Abenteuer mitbringen würdest. Das Neugier und Eigensinn nichts mit sozialen Klassen zu tun haben, das hattest Du zwar geahnt, aber eben nicht gewusst. Den Unmut darüber, oder ist es sogar Wut, jemals geglaubt zu haben, Du seist als Arbeiterkind zum Studium nicht fähig, wolltest Du Dir bewahren. Doch jetzt solltest Du Dich dabei ertappen, mich zu benachteiligen, ein offensichtlich armes Kind aus der untersten Schublade, eindeutig an den fehlenden Manieren zu erkennen. Ausgerechnet Du, solltest ein reiches Kind aus den vermeintlich besseren Kreisen vorziehen.

Das war der Schrecken, der sich deutlich auf Deinem Gesicht abgezeichnet hatte, als sei Dir eine feste Überzeugung entglitten. In dem Moment dürfte Dir ebenso die soziologische Tragweite Deiner Entscheidung bewusst geworden sein, als hättest Du es gesehen, wie sich die gesellschaftlichen Kreise schließen und wie sie gleichsam ausgrenzend wirken. Zumindest habe ich es so gedeutet, als Du mich fragtest, ob ich auch einen Cognac möchte. Der sollte wohl den bitteren Beigeschmack übertünchen. Doch wohin mit all den schönen sozialen Wissenschaften, wenn diese junge Frau, selbstsicher, aufgeschlossen und wunderbar ungetrübt, Dich einfach nur an Deine Tochter erinnert hat? Beide fast gleich alt, beide aus gutem Haus, beide gut erzogen und Du wärest zu dem geworden, der Du nie sein wolltest. Prosit, es möge nützen.

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