Dietlinde Faber - Unsere Kindheit war anders

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"Für meine Kinder, meine Enkel, meinen Urenkel, damit nie vergessen wird, was Krieg bedeutet."
Die autobiografischen Erinnerungen an eine so anders verlaufene Kindheit wurden für die nachfolgenden Generationen geschrieben. Dieser Bericht von Bombennächten, vom Verlust der Heimat, vom Flüchtlingsdasein geht über das rein Biografische hinaus, er ist gleichzeitig das Beschreiben einer zu Ende gegangenen Epoche, deren letzte Zeugen aussterben.
Der 2. Weltkrieg, geschildert aus dem Erleben eines Kindes und wiedererlebt in der Erinnerung einer heute Fünfundsiebzigjährigen, war ein tief einschneidendes Geschehen, das alles prägte, vor allem im Leben der damals jungen Generation: die körperliche und seelische Entwicklung, die Pubertät und damit verbunden die Sexualität, die erste große Liebe, die Träume und Hoffnungen und nicht zuletzt die beschränkten Möglichkeiten einer Aus- und Weiterbildung.
Trotz allem enthält der Kindheitsbericht nicht nur Trauriges, auch Heiteres; und häufig auch die Situationskomik mancher schlimmen Begebenheit taucht in der Rückerinnerung wieder auf.
Dankbar sei vermerkt, dass die Neugier auf das Leben und die Freude am Leben nicht auf Dauer zerstört worden sind.

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Während wir die Fliegerangriffe im Keller abwarteten, hielt Trulle mit anderen Hausbewohnern das Dach nass, um den Brandbomben „der lieben Engländer" eine Chance weniger zu bieten.

Mit den Erinnerungen an Berlin ist auch die Erfahrung verbunden, dass Menschen sterblich sind. Wir Geschwister, die wir keine anderen Kinder zu Spielkameraden hatten, wohl auch aus diesem Grunde eine so enge Vertrautheit miteinander entwickelten, dass noch unsere späteren Ehepartner damit ihre Probleme bekamen, uns begegnete doch ab und zu im Treppenhaus ein kleines Mädchen. Dieses Kind erkrankte eines Tages an Diphterie, einer gefürchteten Krankheit, und starb auch daran. In Erinnerung ist mir die schreckliche Angst meiner Mutter geblieben. Jeden Tag wurden wir nach unserem Ausflug in den Park gewissermaßen in Sagrotan gebadet, durften weder Türklinken noch das Treppengeländer berühren. Wir erkrankten nicht. Insgesamt, so scheint mir, waren wir doch trotz aller Zartheit recht gesunde Kinder, wurden vom Vater auch zu regelmäßigen Arzt- und Zahnarztbesuchen angehalten, denen sich auch unsere Mutter fügen musste.

Noch litt niemand wirklich Not, noch gab es fast alles zu kaufen, und die Lebensmittel, die es nicht mehr gab, vermissten wir nicht. Noch versprach die Politik eine glänzende Zukunft, noch war man überzeugt, das neue Reich, die neue Welt lasse sich mit Hilfe aller verwirklichen, es gehörte nur Mut dazu, Tapferkeit und die anderen bewährten deutschen Tugenden, und zu diesen musste man nur rechtzeitig erzogen werden. Die Selbstbeherrschung war einer dieser Charakterzüge, die trainiert werden konnten.

Und so sehe ich meinen Bruder und mich im Wohnzimmer, wir stehen vor meinem Vater, er hatte jedem von uns einen Bleistift in die Hand gegeben, den wir mit ausgestrecktem Arm so halten mussten, dass die Spitze auf ihn zeigte. Unser Vater hielt eine Stoppuhr in der Hand, von der er ablas, wie lange jeder von uns seinen Bleistift in dieser Position halten konnte.

Aufruhr und Furcht erfüllten mich bei diesem Vorgang, mehr meines Bruders als meinetwegen. Ich konnte den Sinn nicht erkennen, ich wusste nicht, welche Folgen es haben würde, wenn wir den Bleistift vorzeitig sinken ließen, denn Folgen musste es doch haben, alles schien von großer Wichtigkeit zu sein. Fast war ich enttäuscht, als dann nichts geschah, mein Vater uns nur die Zeit angab, die wir ausgehalten hatten; aber die Zeit sagte uns nichts, sie drückte unsere Gefühle ja nicht aus, sagte nichts darüber, welche Ewigkeit wir ausgehalten hatten mit langsam schwer werdendem Arm.

Geblieben ist mir, wohl von dieser Episode herrührend, ein tiefes Misstrauen gegen feierliche Rituale kirchlicher oder weltlicher Art, deren Sinn und Zweck so oft undurchschaubar sind. Wie oft bin ich ihnen in meiner Religion noch begegnet, bis ich mich endlich auch davon befreit habe.

Selbstbeherrschung wurde auch anders erzwungen, mein Bruder war hierbei öfters als ich das Opfer. So wurden ihm, dem Unruhigen, einmal mit einem dünnen Zwirnsfaden die Beine während des Mittagessens an ein Tischbein des großen Esszimmertisches gebunden, auch diesmal ohne bekannt zu geben, was geschehen würde, wenn der Faden reißt. Ich erinnere mich, dass ich nicht weiteressen konnte, denn die Tränen stiegen mir in die Augen. Natürlich gab es keine Strafen, als der Faden tatsächlich riss. Insgesamt wurden wir liebevoll erzogen und umsorgt, was allerdings solche Szenen nicht ausschloss, die gehörten wohl zum Erziehungsprogramm der damaligen Zeit.

Da fand ich es schon weniger schlimm, dass meinem Bruder, dem Linkshänder, eines Tages ein eigens für ihn angefertigtes Lederband, fast eine Art steifer Handschuh, so um die linke Hand befestigt wurde, dass er diese nicht mehr gebrauchen konnte, er also zum Greifen nur noch die rechte Hand hatte. Auf diese Weise sollte er zum Rechtshänder umerzogen werden. Die Prozedur hatte immerhin noch etwas Sportliches, wurde auch in vielfältiger Weise von meinem pfiffigen Bruder unterlaufen.

Inwiefern dies alles bei ihm Nachwirkungen zeigte? Manchmal haben wir, viele Jahre später, darüber gesprochen und sind zu der Einsicht gekommen, dass uns diese Erziehung einerseits Kummer erspart hat, weil uns unsere Disziplin vor so mancher Unüberlegtheit bewahrte, dass sie uns aber auch ein ganzes Stück Leben nicht leben ließ, das sich andere ohne großes Überlegen zugestanden haben, nicht selten auf unsere Kosten.

Mehr beschäftigt mich die Frage, weshalb unser so geliebter und bis zuletzt bewunderter Vater solche Handlungen einleitete und ausführte. Als Antwort kann ich mir nur denken, dass er, der damals noch so überzeugte und begeisterte Anhänger des Führers und seiner Ideen, keinerlei Gedanken daran verwendete, wieweit diese Erziehung sinnvoll war und was sie wohl bei seinen Kindern auslöste.

Die Rolle meiner Mutter ist mir hierbei unklar, ich weiß nur, sie duldete es, ob sie es gut hieß, darüber nachdachte, ich weiß es nicht.

Während bei meinen Eltern noch der unanfechtbare Glaube an eine glorreiche Zukunft herrschte, waren meine Großeltern väterlicherseits von Anfang an davon überzeugt, dass von diesem Adolf nur Unheil ausgehen werde. Mutig versuchte jeder auf seine Art als überzeugter Katholik das Tagesgeschehen mit seinem Gewissen in Einklang zu bringen: mein Großvater als Lehrer, Großmutter in ihrem Familienalltag. Bisweilen nahm das Aufbegehren meiner temperamentvollen Großmutter sogar gefährliche, ja heroische Züge an, so, als sie die zweimaligen Versuche, vor ihrem Haus eine Hitlereiche zu pflanzen, mit großem Pomp und weißgekleideten Jungfrauen, dass sie diesen Versuch dadurch vereitelte, indem sie den neugesetzten Baum jeweils in der darauffolgenden Nacht mit Petroleum begoss. Der Erfolg blieb nicht aus, der Baum ging ein, und man suchte für das dritte Bäumchen einen neuen Standort.

Ach, meine Großeltern, noch spielten sie kaum eine Rolle in meinem Leben, obgleich ich für meine Großmutter schon damals Bewunderung empfand. Später habe ich von ihr gelernt, wie man sich tapfer bei Schicksalsschlägen verhält, die Freude am Leben nicht verliert. Ich habe von ihr auch übernommen, wie man sich mit Charme und Zähigkeit durchsetzt. Ihre frühe Liebesgeschichte zu einem Tunichtgut, dem Bruder meines Großvaters, den sie nicht heiraten durfte, diese traurige und nur jeweils in Bruchstücken angedeutete Liebesgeschichte bewegt mich bis heute. Mein Großvater war ein Leben lang stolz darauf, sie durch die Ehe mit ihm, dem Ehrbaren, vor einer großen Dummheit bewahrt zu haben.

Wieweit die bedrohlicher werdenden politischen Geschehnisse je Gegenstand der Gespräche zwischen meinen Eltern wurden, kann ich nicht wissen. Aber ich denke mir, dass meine unpolitische Mutter gar nicht erfahren wollte, was sich in Wahrheit ereignete. Sie wird wohl die stets rosarot gefärbten offiziellen Nachrichten für das allein Gültige genommen haben. Ansonsten ging es uns ja gut, noch gut.

Anders mag es wohl meinem Vater ergangen sein. Erste Zweifel müssen ihn schon damals gequält haben, was den künftigen Verlauf, vielleicht sogar das Ende des „Tausendjährigen Reiches“ betraf. Eine Szene ist mir noch so lebendig in Erinnerung, als habe sie sich erst gestern abgespielt: Mein Vater, meine Mutter und wir Kinder im Schlafzimmer der Wohnung in Berlin, mein Vater versucht meiner Mutter die Handhabung einer Pistole zu erklären, damit sie erst uns, dann sich selbst erschießt, falls die Russen Berlin erobern würden. Das Bild an sich löst keinen Schrecken aus, wohl auch damals nicht, es wirkte, anders als das Anpassen der Gasmasken, spielerisch, nicht bedrohlich. Wahrscheinlich wussten wir Kinder auch nicht, dass die Folge von Erschießen der Tod ist. Das helle Schlafzimmer ist mir in Erinnerung geblieben, Vater und Mutter am Fenster, im Sonnenlicht.

Eine andere Erinnerung taucht auf, die mich tief beeindruckt hat. Es ist der 20. April l943, Hitlers Geburtstag. Mein Vater hatte mich mitgenommen zur Reichskanzlei, mich ganz alleine. Hier fand in den Abendstunden ein Fackelzug statt. Vor dem Gebäude drängten sich die Menschen, und ich durfte von Vaters Schultern aus das Geschehen verfolgen. Oben, auf dem Balkon, stand der Führer, wahrscheinlich hatte er, wie immer, den rechten Arm ausgestreckt, aber er beeindruckte mich nicht, viel faszinierender war das Schauspiel, das auf dem Platz stattfand: Musik, Fackeln, Aufmärsche der Hitlerjugend mit Fahnen und dann die BDM-Mädchen, in dunklen Röcken und weißen Söckchen, die blonden Haare zu Zöpfen geflochten. Ach, wie beneidete ich sie um diesen Auftritt, nichts wünschte ich mir sehnlicher, als dabei sein zu dürfen. Als hätte der Vater meine Wünsche erraten, sagte er: „Siehst du, Piepe (sein Kosename für mich), bald wirst auch du dabei sein“. In dieser Nacht erschien es mir doch eine arge Strafe, so lange auf das Großsein warten zu müssen. Noch Jahre später war es mein Wunsch, die blonden Haare in Zöpfe geflochten zu tragen, aber seltsamerweise konnte es mein aus dem Krieg heimgekehrter Vater nicht leiden, er wollte immer eine andere Frisur an mir sehen, und so flocht ich mir die Haare manchmal erst, wenn ich auf dem Weg in die Dorfschule von Linden war. Ob ihn in diesem Falle die Erinnerung in anderer Weise eingeholt hatte?

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