Umso größer war meine Überraschung, als Peter bei mir auftauchte und sagte, Sebas sei in Problemen.
„Du machst Witze.“
„Verfolgst du seine Facebook-Posts?“
„Eigentlich schon, absolut. In den letzten zwei, drei Wochen nicht mehr so. Ehrlich gesagt habe ich ihn auch aus meinem Newsfeed verbannt. Ich habe so viele Facebook-Freunde, dass ich einfach ein bisschen haushalten muss, okay? Aber jetzt tut es mir wahnsinnig leid. Ich hätte das nicht tun sollen, völlig klar.“
Peter erzählte mir, was los ist, alles sehr verwirrend und beunruhigend und also sehr willkommen. Ich war sofort bereit, zu helfen, aber weder Peter noch ich hatten eine Vorstellung davon, wie diese Hilfe aussehen könnte. War er nun entführt worden oder war es das nicht? Was war von seiner flehentlichen Bitte an Peter zu halten, um Gottes Willen nicht die Polizei einzuschalten? Abgesehen davon, dass man dieser Bitte natürlich unbedingt Folge zu leisten hatte? Wir verblieben schließlich so, dass wir noch zwei Tage warten und dann noch einmal Sebas’ Vater unsere Aufwartung machen.
Aber dann, am nächsten Tag, kam mein Ex-Lover Hubertus Link, was eine noch viel größere Überraschung war als der Auftritt von Peter. Ich hatte mal etwas mit ihm, aber nur sehr kurz und mit so wenigen Gefühlen wie mit keinem anderen davor, was natürlich auch eine interessante und gute Erfahrung war. Der Mann hat ein so großes Ego, aber eigentlich so, dass man sofort denkt, sein großes Ego ist in Wirklichkeit klein, was ich absolut nicht als Kritik meine, sondern im Gegenteil, ein kleiner Wicht, der sich aufschwingt zu einer respektablen Scheingröße, das hat erst einmal meine Anerkennung. Egal, das Gute an der Sache mit Link war die beidseitige Bereitschaft, Ungewöhnliches zu tun. Wie zum Beispiel was? Wie zum Beispiel: einen Einbruch vorzubereiten. Und ihn dann auch durchzuführen. Komplett okay für mich (weil: jung!), komplett peinlich für ihn (Begründung folgt). Wir drangen in eine Wohnung ein (Mietshaus, mehrere Parteien), die verblüffendste Erkenntnis war, wie leicht sich normale Türen öffnen lassen, nicht nur in Krimis, sondern eben auch in echt. Es war mitten am Nachmittag, nichts los, aber trotzdem. Der Kick bestand nicht darin, etwas zu klauen, sondern Sex zu haben in einem fremden Bett, Link spritzte mir diesmal nicht ins Gesicht, sondern auf das Laken, außerdem holten wir zwei Bier aus dem Kühlschrank und ließen die Tür offenstehen, damit er unkontrolliert abtauen kann. Erst später beschlich mich der Verdacht, dass das Ganze ein Fake war, also kein echter Einbruch in eine echt fremde Wohnung, sondern arrangiert, aber im Grunde glaube ich zu 55 zu 45 Prozent heute noch, dass die Dinge so waren, wie sie schienen, also echt. Anyway, die zwei Stunden waren wirklich ein großes Vergnügen, in Bettwäsche zu liegen, die nach Menschen riecht, die man nicht kennt, war eine Sensation, eine wirklich große Sache, die mich bis heute angenehm verfolgt. Wie unser Bild im Schlafzimmerspiegel und die Geräusche und der wahnsinnig traurige Schmutz in der Wohnung, der nichts mit mir zu tun hatte und mir doch so nahe ging.
Alles okay für mich, weil jung, aber warum ließ Manager Link sich auf so etwas ein? Er ist Vertriebsvorstand, verdient 600.000 Euro im Jahr, und hat mir seine Arbeitsweise einmal so beschrieben: „Ich bereite mich nie vor, nur zu AR-Sitzungen. Morgens holt mich ein Fahrer ab, danach zackzack ein Termin nach dem anderen. Ich bin vollkommen entspannt, ich habe keine Angst. Abends vor dem Schlafen: ein Glas Whiskey.“ Vollkommen entspannt, always on und der Beweis dafür, dass man auch ohne Social Media ein Kommunikations-Junkie sein kann. Einmal war ich zwei Stunden mit ihm im Auto, davor die Sorge, bisschen sehr lang, zwei Stunden ohne Sex mit ihm, wie soll das funktionieren?, aber es funktionierte federleicht, ständig rief ihn irgendjemand auf seinem Smartphone an, und wenn ihn mal fünf Minuten keiner anrief, rief er eben jemanden an. 90 Prozent der Gespräche waren informeller Natur . Ein ständiges Abchecken. Link in seinem Element, aber ganz offensichtlich reicht das alles nicht. Der Mann ist nie zufrieden, es wohnt keine ewige Unzufriedenheit in ihm, sondern sie wütet . Er wirkt ständig bereit, ohne genau zu wissen, wofür. Wahnsinnig anstrengend.
Bei seinem Besuch war er irre aufgeregt, das war schön, irgendwie war es so, als zerfiele er vor meinen Augen. Ob ich bei etwas mitmachen würde, von dem er mir nicht exakt erklären könne, worum es sich handle? Was mir vielleicht sogar obskur vorkäme? Ich lachte so, wie er es erwartet hatte, und sagte das, was er hören und ich sagen wollte:
„Am liebsten bin ich bei Sachen dabei, bei denen ich nicht genau weiß, worum es sich handelt. Die eine hidden agenda haben. Im Ernst: Ich wüsste nicht, was ich lieber machen würde.“
„Okay, meine Liebe, dann pass mal schön auf.“
Es ging, anfangs gähnte ich leicht, um einen Post auf Facebook. Aber dann: Um einen Post IM NAMEN SEBAS. Das klang sehr okay. Eine halbe Stunde komponierten wir zusammen, dann stand der Song in seinen Grundzügen. Die Ausarbeitung danach allein. Und jetzt schauen wir, was und ob etwas passiert. Wir werfen einen Stein in den See und beobachten die Wellen. Die Wellen sind die Schönheit; deine.
Lovely Roswitha, ist sie wirklich so gut und nett? Was sie ganz sicher ist: angenehm. Keine Bedrohung! Und das ist ein Vorteil, so groß und schön duftend, dass man ihn nicht hoch genug bewerten kann. Jeder Blick, der auf uns fällt, scannt uns ab nach Schwächen und Angriffspunkten, wir sind ein Opfer, potenziell oder echt. Roswitha sieht deine Schwächen auch, vielleicht sogar besser als fast alle anderen, aber sie verzeiht dir alles und sofort. Ihr fehlt das Killer-Gen, und das spürst du und suchst ihre Nähe.
Roswitha hat mehr Erfolg bei Männern, als sie haben sollte, wenn nur das Aussehen zählte. Sie ist keine Trophäe, die du stolz ausführen kannst, aber du weißt, wenn ihr allein seid, erfüllt sie dir Wünsche, die du vor anderen Frauen verbergen musst. Sie blickt in deinen Abgrund, sie sieht deinen Schatten und heißt ihn willkommen. Du liegst am Boden und sie beißt nicht in deine ungeschützte Kehle.
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