Aufgrund der kleinen Wohnungen sind Fische übrigens ein beliebtes Haustier der Bewohner Hongkongs. Genauso gerne halten sie sich Singvögel. Dabei entwickeln Besitzer und Tier eine enge Beziehung zueinander, wie wir auf dem Bird-Market beobachten konnten. Mit ihren Käfigen treffen sich die Vogelbesitzer im Park, um ihren Lieblingen ein wenig frische Luft zu gönnen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Die Vogelkäfige stellten sie so nebeneinander, dass die Tiere sich gegenseitig zum Singen anregten. Das dabei entstehende Gezwitscher war ohrenbetäubend.
Hongkong Island ist das Geschäfts- und Handelszentrum der Stadt. In riesigen Wolkenkratzern mit Glasfassaden haben große asiatische Banken ihren Sitz. Mit einem Besucherausweis durften wir in der Bank of China bis in den 43. Stock fahren. Dort hatten wir einen wunderbaren Blick über die gesamte Insel. Im Gegensatz zum Festland ist Hongkong Island nicht flach. Nahezu alle Häuser sind auf einen großen Steilhang gebaut. Damit die Geschäftsleute in ihren feinen Anzügen und Kostümen nicht ins Schwitzen kommen, schlängelt sich ein Rollband, der Escalator, den Berg hinauf. Vormittags fährt es die Menschenmassen ins Tal und ab Mittag ändert es seine Laufrichtung. So mussten wir bei unserer Stadttour nicht die steilen Treppen hinaufsteigen, sondern wurden ganz bequem von A nach B befördert.
Einmal im Höhenrausch, wollten wir auch The Peak besichtigen. In rund 400 Metern Höhe hatten wir eine atemberaubende Sicht auf die Hochhäuser der Insel und die Skyline des Festlandes. Nach Sonnenuntergang bot sich uns ein noch viel spektakulärerer Anblick, da die meisten Wolkenkratzer beleuchtet wurden. Etwas schockierend war der Blick durch das Fernrohr der Plattform. Wir konnten direkt in die hell erleuchteten Wohnungen der Inselbewohner schauen und sie beim Kochen oder Fernsehen beobachten!
Eine Auszeit von all dem städtischen Trubel gönnten wir uns mit einem Trip zur Nachbarinsel Lantau. Hier ging es viel ruhiger zu. Der Verkehr auf den Straßen war überschaubar, die Menschen saßen gelassen im Schatten und Hunde streunerten durch die Straßen. Ziel unseres Besuchs war Tian Tan Buddha, der weltweit größte sitzende Buddha unter freiem Himmel. Die Statue thront auf einem Hügel, sodass wir zunächst 268 Stufen überwinden mussten. Die 53 Meter hohe Figur war wirklich beeindruckend. Aufgrund der Regenzeit hielt sich die Zahl der Touristen vor Ort in Grenzen. Die Atmosphäre war andächtig. Da der Buddhismus in Asien weit verbreitet ist, sahen wir viele betende Menschen rund um die Statue. Die Luft war geschwängert vom Geruch hunderter Räucherstäbchen, die überall vor sich hinqualmten. Auch riesige Stäbe mit einem Durchmesser von einem Oberschenkel steckten im Sand. Wahrscheinlich brannten sie tagelang.
Hongkong war für uns der perfekte Start für die Reise. Wir konnten einerseits in die asiatische Kultur eintauchen, andererseits ist die Stadt auf Touristen eingestellt und die Infrastruktur ist sehr gut ausgebaut, sodass Unternehmungen ohne Probleme auf eigene Faust realisiert werden konnten.
1. Hongkong gehört zwar seit 1997 zu China, hat sich aber durch seine Vergangenheit als europäische Kolonie eine ganz eigene Kultur bewahrt. So wunderte es uns nicht, auf Hongkong Island ein Chinatown zu finden. Schon nach kurzer Zeit waren wir in der Lage, die vielen Touristen aus China von den Einwohnern Hongkongs zu unterscheiden. Typische Erkennungsmerkmale der Chinesen waren Hello-Kitty-Accessoires, Digitalkamera und das allgegenwärtige Peace-Zeichen. Fotografiert wurde von den Chinesen übrigens alles. Ein beliebtes Motiv waren die hellhäutigen (Schönheitsideal!) Europäer. Auch ich wurde angesprochen und vielleicht steht jetzt ein Foto von mir in einem chinesischen Wohnzimmer.
2. Sehr beeindruckt waren wir von den vielen Shopping Malls. In der Canton Road reihen sich Geschäfte der erfolgreichsten Modemarken der Welt aneinander. Versace, Armani, Gucci und Co. haben sich hier Prunkbauten geschaffen. Die riesigen Läden sind gut besucht. Teilweise bildeten sich vor der Tür sogar Warteschlangen! Unser Eindruck war, dass vor allem die Bewohner aus der Mittel- und Oberschicht sehr viel Wert auf ihr Äußeres legen. Dabei bewiesen sie einen sehr guten Geschmack. Bei all den tollen Kleidchen, Blusen und Schuhen fiel es mir schwer, nicht selbst in einen Shopping-Rausch zu verfallen. Verzicht tut so weh!
3. Das Must-Have-Accessoire ist in Hongkong das Smartphone. Ob jung oder alt – jeder hat eins. Sogar die Kleinsten tippen ganz gemütlich im Kinderwagen auf dem eigenen Handy rum. Passend zum Trend gab es überall kostenloses WiFi. Das Ganze ging soweit, dass sogar Telefonzellen mit passwortfreiem Internetzugang warben! Für uns war diese Besessenheit doch recht gewöhnungsbedürftig, da auch beim Laufen und Essen der Blick vieler Bewohner aufs Handy gerichtet war.
Ich habe mich verliebt! In Ubud! Der kleine Ort im Herzen von Bali ist einfach traumhaft. Saftig grüne Reisterrassen, Palmenhaine und Flusstäler prägen die Landschaft. Außerdem leben hier viele Maler, Steinmetze und Schnitzer, was abseits des geschäftlichen Treibens im Ortskern eine relaxte Künstler-Atmosphäre schafft.
Ubud ist damit das Gegenteil von Kuta, unserem ersten Ziel auf Bali. Einsame weiße Palmenstrände, die zum Entspannen einladen, fanden wir hier nicht. Stattdessen trafen wir auf Massen von Touristen und aufdringlichen Händlern. In Kuta reiht sich ein Laden an den anderen und von jedem (!) Verkäufer wurden wir angesprochen: „YES! Want transport/ massage/ watch …?“ Nerviger war da nur, dass es oft keinen richtigen Gehweg gab. So mussten wir ständig den laut knatternden Motorrollern ausweichen. Hinzu kam, dass der Weg mit riesigen Löchern gespickt war – ein wahrer Hindernislauf! Für uns stand daher sofort fest: Sachen packen und weg von hier!
Ubud besticht übrigens nicht nur durch seine landschaftliche Schönheit. Wir konnten hier auch jede Menge unternehmen. So waren wir gleich am ersten Tag im Affenwald. Dort leben rund 350 Affen, von denen wir einige zu Gesicht bekamen. Die Tiere laufen frei herum und stiegen dem ein oder anderem Touristen auch mal auf den Kopf, wenn sie mit Essbarem gelockt wurden. Die Raufereien, Spielchen und Kletterkünste der Affen waren für uns auf jeden Fall toll anzusehen.
Auch eine Wanderung abseits der Touristenpfade haben wir unternommen und dabei ein uriges Café mit Berugas (kleine Palmenpavillons, in denen man sitzend isst) inmitten der Reisfelder gefunden. Die Hügel um Ubud sind außerdem Motiv vieler Künstler. Ihre Ateliers besuchten wir in den nahe gelegenen Dörfern. Mit einem Maler kamen wir ins Gespräch und erfuhren, dass er an einem Bild in Größe einer Armspannweite rund eine Woche arbeitet. Angeboten hat er es uns für umgerechnet vier bis fünf Euro! Seine Arbeiten werden auch von Händlern im Ortskern verkauft. Dann kosten sie aber angeblich mehr als das Zehnfache. Der Maler erzählte uns, dass der Großteil des Geldes für die Ladenmiete und den Händler draufgeht. Er selbst erhalte nur einen Bruchteil. Unser Fazit nach dem Gespräch: Das Künstlerdasein in Ubud ist keine romantische Selbstverwirklichung sondern ein knochenharter Job.
In Ubud kann man auch viele interessante Touren buchen. Wir haben beispielsweise eine Radtour gemacht. Klingt in Anbetracht der Hitze anstrengend, ist es aber nicht. Wir wurden mitsamt der Räder auf einen Berg gefahren und dann ging es nur noch abwärts. Zwischendurch stoppten wir, um von den Balinesen mehr über ihr Leben im Dorf und über die Arbeit auf den Reisfeldern und Obstplantagen zu erfahren. Die Informationen über Alltag und Kultur waren sehr interessant (aber dazu später mehr).
Wie es sich für einen Bali-Aufenthalt gehört, liehen wir uns auch einen Motorroller aus. Leider hatten wir an diesem Tag etwas Pech mit dem Wetter. Zwar konnten wir noch bei schönstem Sonnenschein Balis zweitgrößten Tempel, den Pura Taman Ayun, besichtigen, doch am Nachmittag fing es plötzlich an heftig zu regnen. Nachdem wir knapp eine Stunde in einem Unterschlupf verharrt hatten, beschlossen wir trotz Platzregen nach Ubud zurückzufahren. Wie man zu zweit bei solchem Wetter am besten auf dem Motorrad vorankommt, hatten wir uns zuvor schon bei einigen vorbeifahrenden Balinesen abgeschaut. Daniel warf also den beiliegenden Regenponcho über, ich setzte mich hinter ihn auf den Roller und verkroch mich unter der Rückseite des Capes. Ich war damit im wahrsten Sinne des Wortes ein blinder Passagier!
Читать дальше