K.P. Hand - Herzbrecher

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Noch immer hat der Ermittler Norman Koch mit den Folgen seines letzten großen Jobs zu kämpfen, als ausgerechnet er über die Leiche eines Jungen stolpert. Obwohl sein Verstand am seidenen Faden hängt, beschäftigt er sich mit dem Fall. Es stellt sich heraus, dass der ermordete Junge irgendwie in Verbindung mit einem großen Verbrecherring steht, hinter dem Norman schon seit Jahren her ist. Um den oder die Täter zu finden, braucht er den Rat eines alten Bekannten, dem er vor Jahren das Herz gebrochen hat. Ganz zum Leidwesen seines Freundes kann Norman nicht verstecken, dass sein Herz noch immer für seine alte Flamme schlägt. Aber Eifersucht kann sich keiner der drei Männer im Moment erlauben, denn sie geraten ins Fadenkreuz skrupelloser Mörder, die nur darauf warten, sie in eine Falle zu locken …

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»Sieh her, mein Bruder«, sagte Brian lockend. Er packte mit einer Hand das Shirt der wimmernden Blondine und schnitt es mit dem Messer auf, darunter trug sie nichts, es wurden schöne, geradezu perfekte Brüste entblößt.

Das Opfer drehte den Kopf weg und schrie hinter dem Knebel.

Brian heizte das nur noch mehr an, das wusste Florenz.

»Sieh her. Wie schön sie ist«, sagte Brian und strich mit den Händen über ihre Brust. »Komm her, fühl es auch.« Er packte Florenz Hand und legte sie über die linke Brust der schreienden Blondine. Es war eine weiche, seidenglatte Brust, warm in seiner Hand.

»Fass sie an!«, hauchte Brian ihm zu und wollte ihn zu sich auf das Bett ziehen, aber Florenz versteifte sich.

»Nimm du sie zuerst«, sagte Brian mit einer Stimme, als würde er damit Florenz ein besonderes Geschenk machen. »Als Entschuldigung, weil ich dich in den letzten Tagen immer wieder genervt angefahren habe.«

Florenz stand wie versteinert da, die Hand reglos an der Brust einer unschuldigen Frau.

Ihm lag nicht viel an Frauen, er gehörte nicht zu jenen Männern, die für das schwache Geschlecht den Helden spielten um zum Stich zu kommen, aber sie war ein Nichts, ein Niemand, eine Unschuldige. Er würde keiner unschuldigen Frau etwas antun, das lag nicht in seinem Wesen.

»Nimm sie«, lockte Brian und strich ihm über den Nacken. »Nimm sie dir, Bruder.«

Florenz riss sich los und ging einige Schritte rückwärts. »Ich ... muss noch was erledigen.«

Brian sah ihn enttäuscht an. »Immer dieser Fleiß. Gönnst du dir denn nie Spaß?«

Nicht solchen, dachte Florenz, er schenkte seinem besten Freund aber ein belustigtes Schmunzeln.

»Ich wünsch dir hierbei noch viel Vergnügen.«

»Denk daran, dass wir heute wieder diesen Club besuchen müssen«, erinnerte Brian ihn streng, während er bereits die Jeans öffnete. »Dieses Mal kriegen wir den Verräter, das spüre ich. Heute ist ein guter Tag!«

Florenz nickte zwar, sagte jedoch: »Ich komme etwas später.«

Brian nickte halbherzig, er war schon voll und ganz in seinem Element. Doch bevor Florenz den Raum verlassen konnte, bat Brian: »Mach ein Foto, wenn ich sie nehme.«

Florenz stockte. »Ich sollte wirklich ...«

»Dauert nur eine Sekunde«, versprach Brian. »Halt nur für mich ihren gequälten Gesichtsausdruck fest, wenn ich das erste Mal in sie stoße.«

Florenz presste die Lippen aufeinander, griff aber zur Kamera.

10

In Leichenschauhäusern roch es immer irgendwie seltsam.

Das fand zumindest Norman, der sich einen Kaugummi zwischen die Zähne schob, damit er in dieser sterilen und nach Chlor riechenden Umgebung keinen Kaffeeatmen hatte.

Diese Räume hatten nicht nur den typischen Krankenhausgeruch, es war tatsächlich so, dass Norman glaubte, es würde hier nach Tod stinken. Nur leicht. Nach süßlichem Gestank des Todes. Aber das konnte unmöglich sein, vermutlich war es wieder nur Einbildung, weil er die vielen Leichen hinter den rostfreien Türen zum gruseln fand.

Luke, der Gerichtsmediziner, war noch immer mit der Obduktion der Jungenleiche beschäftigt, es würde dauern, bis der Bericht tatsächlich vollständig war. Aber bis dorthin konnte er Norman und Jan schon einmal das berichten, was er bisher herausgefunden hatte.

»Der Messerstich ging tief«, berichtete Luke ihnen, während beide mit blassen Gesichtern neben der Leiche eines Fünfjährigen standen und kein Wort herausbekamen. »Eine glatte Klinge, ich vermute ein handelsübliches Küchenmesser, das man in jedem Haushalt im Messerblock finden würde.«

Luke war mit seiner Glatze über den toten Körper gebeugt, Norman konnte die ›Bowlingkugel‹ im grellen Licht glänzen sehen.

Bowlingkugel ... Norman schmunzelte in sich hinein. Alessandro hatte Lukes Glatze immer so bezeichnet. Norman fand den Vergleich noch heute lustig.

Der Gerichtsmediziner war klein, aber was ihm an körperlicher Größe fehlte, machte er mit seinem übergroßen Grips wieder wett.

»Dann war der Einstich die Todesursache«, stelle Jan fest. »Wie vermutete.«

»Der Stich ging ins Herz«, bestätigte Luke zwar. Doch er warf sofort ein: »Doch die Todesursache war eine Überdosis Heroin.«

Norman starrte seinen alten Bekannten fassungslos an. »Wie bitte?«

»Heroin«, wiederhole Luke, weil er glaubte, Norman hätte ihn akustisch nicht verstanden.

»Ich habe es gehört«, warf Norman ein. »Aber der Junge war fünf!«

Luke nahm sanft den kleinen Arm des toten Mattis in die behandschuhten Hände und hob ihn leicht an. Unter der grellen Lampe zeigte er Norman die winzige Einstichstelle einer Nadel.

»Ich vermute, der Täter muss es ihm verabreicht haben«, sagte Luke dann.

»Aber wozu?«, fragte Jan irritiert. »Warum sollte der Mörder einen Jungen high machen wollen?«

Norman musste nicht darüber nachdenken, und ihm wurde schlecht, als er begriff: »Damit Matti nichts mehr spürt.«

»Vermutlich«, sagte Luke nur dazu. Er stellte selten Vermutungen an, er legte nur die Fakten dar und überließ die Überlegungen anderen.

Die nächste Frage wollte Norman nicht über die Lippen, aber sie hatte ihn die ganze Nacht wachgehalten, weshalb er es einfach wissen musste: »Wurde er ... missbraucht?«

Luke sah Norman mit dem Blick an, wie es Ärzte taten, wenn es schlechte Neuigkeiten gab. Professionell. Emotionslos. »Ja«, bestätigte er.

»Dann haben wir eine Spermaprobe?«, fragte Jan hoffnungsvoll.

»Nein«, enttäuschte Luke ihn. Er nahm die Brille von der Nase und sah Jan und Norman nacheinander ernst an. »Ihr habt es mit jemanden zu tun, der entweder enorm penibel oder einfach sehr vorsichtig ist. Der Täter benutzte ein Kondom, ich konnte Rückstände davon im Rektum der Leiche feststellen. – Äußerlich allerdings: nichts. Nicht einmal Blutsspuren. Nur chemische Mittel, mit denen der Junge gewaschen wurde. Überwiegend mit Chloranteil, der teils die Haut angegriffen hat.«

Jan rieb sich grübelnd das Kinn, während er laut nachdachte: »Also entführt unser Täter den Jungen, bringt ihn zu einem unbekannten Ort, vermutlich zu sich nach Hause, spritzt ihm Heroin um ihn handlungsunfähig zu machen, vergeht sich an ihm und tötet ihn dann, ohne zu bemerken, dass der Junge bereits durch das Heroin gestorben war?«

Luke zuckte mit den Schultern. Nach einer kurzen Denkpause, berichtete er weiter, diesmal nur an Norman gewandt: »Der Täter vergriff sich erst nach Eintritt des Todes an dem Jungen.«

Norman runzelte die Stirn. »Bist du dir sicher?«

Luke nickte. »Hundertprozentig sicher. Die Verletzungen im Rektalbereich deuten daraufhin. Es geschah nicht, als der Körper noch lebte.«

»Haben wir es jetzt mit einem Pädophilen oder einem Nekrophilen zu tun?«, fragte Jan mehr sich selbst als Norman oder Luke.

Luke musterte ihn kurz mit einem Blick, der deutlich verriet, dass er nichts von Jan hielt. Aber das lag vermutlich nur daran, dass er Norman ein loyaler Freund war und es nicht mochte, dass ein jüngerer, ehrgeiziger Kollege aufgetaucht war und Norman verdrängen wollte. Außerdem hatte Luke noch nie viel von jungen und unerfahrenen Polizisten gehalten, als Norman damals aufgetaucht war, war es nicht anders gewesen, bis sie sich doch angefreundet hatten. Irgendwie. Irgendwann. So richtig wussten sie beide nicht, wie es dazu kommen konnte.

Luke war auch derjenige, der Norman die Erektionspillen besorgte. Netterweise ohne dumme Kommentare. Luke war einfach so. Irgendwie durch und durch so professionell, dass man selten ein Gefühl bei ihm ausmachen konnte. Wie bei einem Roboter.

»Ich habe etwas gefunden, das euch vielleicht weiterhilft«, sagte Luke plötzlich und trat neben den Kopf der Leiche.

Er nahm Mattis Kopf behutsam zwischen seine zwei Hände, als wollte er ihn nicht aufwecken, und drehte ihn nach links. Mit einem Zeigefinger klappte Luke das Ohr um und legte etwas frei.

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