K.P. Hand - Herzbrecher

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Noch immer hat der Ermittler Norman Koch mit den Folgen seines letzten großen Jobs zu kämpfen, als ausgerechnet er über die Leiche eines Jungen stolpert. Obwohl sein Verstand am seidenen Faden hängt, beschäftigt er sich mit dem Fall. Es stellt sich heraus, dass der ermordete Junge irgendwie in Verbindung mit einem großen Verbrecherring steht, hinter dem Norman schon seit Jahren her ist. Um den oder die Täter zu finden, braucht er den Rat eines alten Bekannten, dem er vor Jahren das Herz gebrochen hat. Ganz zum Leidwesen seines Freundes kann Norman nicht verstecken, dass sein Herz noch immer für seine alte Flamme schlägt. Aber Eifersucht kann sich keiner der drei Männer im Moment erlauben, denn sie geraten ins Fadenkreuz skrupelloser Mörder, die nur darauf warten, sie in eine Falle zu locken …

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War Norman es seiner früheren Beziehung zu Alessandro nicht schuldig, das er jetzt alles tat, damit er ihm verzieh?

Er ging weiter, verließ das Wohnzimmer und schaltete die Deckenlampe aus, sodass nur noch die LEDs in den Medienschränken leuchteten.

Norman ging ins Schlafzimmer, das genau wie der Rest der Wohnung in Schwarz und Weiß gehalten war und wenig Persönliches beinhaltete. Bis auf zwei Gemälde an den Wänden besaß Norman keinerlei Dekor oder sonstigen Schnickschnack. Keine Fotos von Freunden oder Bekannten, keine Auszeichnungen, keine Diplome, Pokale, nichts. Er mochte es einfach und schlicht. Modern, aber schlicht. Wer in seine Wohnung trat, musste sich vorkommen wie in einem Musterausschnitt in einem Möbelhaus, nur mit noch weniger Dekoration. Keine Zierkissen auf dem Bett, keine Vasen oder Skulpturen auf den Kommoden. Einfach ein Raum mit Möbeln. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Norman warf sein Jackett auf das gemachte Bett, knöpfte sein Hemd auf und warf es zusammen mit den Socken, die er abstreifte, auf den Wäschekorb, der seit Tagen überquoll.

Nasse Handtücher darin sorgten allmählich dafür, dass es im Zimmer etwas zu müffeln begann, wie auf einem alten, feuchten Dachboden, wo sich in irgendeiner Ecke ungesehen Schimmel ausbreitete.

Norman war eigentlich ein sauberer Mensch, und ordentlich. Es sei denn er litt, dann ging alles gleichzeitig den Bach runter. Er hatte einfach nicht den Antrieb, sich um den Haushalt oder auch nur um sich selbst zu kümmern. Menschen, die schon einmal in Selbstmitleid gebadet hatten, verstanden ihn sicher gut. Dieses lustlose Gefühl und die Gedanken, das ohnehin alles sinnlos und scheiße war, halfen eben nicht gerade dabei, sein Leben in der Spur zu halten.

Norman setzte sich auf die Bettkante und rieb sich das Gesicht. Er hörte, wie im Badezimmer das Wasser abgestellt wurde. Er vermisste das Rauschen aus der Dusche, dass ihm kurz die Illusion vorgegaukelt hatte, er befände sich an einem Strand mit rauschenden Wellen.

Urlaub täte ihm tatsächlich gut. Doch er hatte seit sieben Jahren die Stadt wegen Enio Martin nicht verlassen. Er hatte ihn so unbedingt dingfest machen wollen, doch dieses Vorhaben entglitt ihm mehr und mehr.

Scheiß drauf, sagte er sich, er würde ihn schon noch bekommen. Ob früher oder später, dieser Wichser würde ihm nicht durch die Lappen gehen. Nicht, solange Alessandro durch ihn in Gefahr war. Und wenn Norman es letztlich selbst regeln musste, indem er mit gezogener Waffe die Villa stürmte und Enio umbrachte. Das würde Alessandro ihm zwar nie verziehen, immerhin war Enio immer noch sein großer Bruder, aber Norman würde es tun, wenn es sonst keine andere Möglichkeit mehr gab. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass er für den Erfolg tötete.

Jan betrat das Zimmer, das blondierte Haar noch nass und ein weißes Handtuch um die Hüften geschlungen.

»Ich habe übrigens bereits Mattis und Niccis Geburtsurkunden angefordert«, berichtete er, während er um Norman herumging und eine blumig riechende Lotion auf den muskulösen Oberarmen verteilte. »Mit viel Glück liegen beide morgen schon auf unserem Tisch.«

Norman hörte ihm nur halb zu, er erwiderte lediglich: »Du brichst die Regeln.«

Jan kletterte hinter ihn auf das Bett und umschlang ihn von hinten mit einem Arm, der sich quer über Normans Brust legte. »Entschuldige, du hast Recht. Sprechen wir nicht über die Arbeit.«

Er begann, Normans Hals hinab zu küssen, bis zum Schlüsselbein, zur Schulter und wieder zurück, während seine Hände über Normans nackte Brust wanderten, die er bald unbedingt mal wieder enthaaren sollte.

Jan mochte keine Körperbehaarung, aber Norman hatte einfach schlicht und ergreifend keine Lust gehabt, sich darum zu kümmern. Es war nicht sein Problem, wenn es Jan störte.

Norman schloss die Augen und versuchte angestrengt, sich auf die Bemühungen des anderen Mannes einzulassen. Und es waren gute Bemühungen, Jan wusste, wie er Norman reizen konnte, wie er ihm Lust verschaffte. Doch Norman hatte schon zuvor bei der heißen Knutscherei mit Alessandro bemerkt, dass er heute mal wieder sein ›kleines Problem‹ hatte.

So sehr er es auch versuchte, er konnte es nicht erzwingen, egal, wie er es sich wünschte ...

Jans Hand glitt unter Normans Hosenbund direkt in Normans Boxer und umfasste Normans noch immer schlaffen Schwanz.

Auch alles Kneten, Streicheln und Massieren brachte Jan nicht weiter.

Norman atmete gereizt aus und Jan zog seine Hand zurück.

Ausatmend legte Jan sein Kinn auf Normans Schulter. »Norman ...«

»Nein, sag nichts«, bat Norman, während er vor sich hinstarrte.

Was war er nur für ein Schlappschwanz. Buchstäblich. Er war doch noch gar nicht so alt. Oder etwa doch?

Er war nur froh, dass es Alessandro vorhin nicht aufgefallen war. Bei Jan war es ihm fast egal, bis auf die Tatsache, dass er sich vorkam wie hundert Jahre alt.

»Das sind die Schlaftabletten«, glaubte Jan und streichelte Normans Arme.

Aber es waren nicht die Schlaftabletten. Er nahm sie nicht, gerade weil sie dafür sorgten, dass er keinen mehr hochbekam. Die Erektionsprobleme hatten allerdings schon vor Jahren angefangen, erst schleichend, dann immer häufiger. Er wusste gar nicht mehr, wie es war, mit einer Morgenlatte aufzustehen.

Verdammt!

»Wir könnten ja auch ...«

»Nein«, unterbrach Norman sofort Jans Versuch, diesen Abend noch zu retten.

»Ich mein ja nur, wir könnten ja auch mal tauschen.«

Nur damit er zum Schuss kam?

Normans Antwort auf diese Frage war stets dieselbe: »Ich ficke nur, und lasse mich nicht ficken.« Damit stand er auf und ging ins Badezimmer.

Das stimmte nicht einmal wirklich. Nur Jan würde er niemals diese Intimität schenken. Auf der Arbeit hatte Jan es geschafft, Norman zu dominieren, aber im Bett würde er niemals unter Jan liegen, oder vor ihm knien, egal, wie rum. Im Bett mit Jan galt für Norman nur: »Du tust, was ich verlange.«

Norman spritzte sich Wasser ins Gesicht und stützte sich dann eine Weile auf dem Waschbeckenrand ab. Er sah dabei zu, wie Wasser von Lippen und Nase ins Becken tropften, immer im gleichen Rhythmus.

Pitsch ... Patsch. Pitsch, Pitsch ... Patsch. Pitsch ... Patsch ...

Tief durchatmend schüttelte er die Scham ab und öffnete den Spiegelschrank über dem Becken. Er holte eine Pillendose hervor, die er hinter alten Seifen- und Cremetuben versteckte.

Er öffnete sie und schüttelte den Inhalt auf seine Handfläche. Es war die letzte blaue Pille.

Er warf sie ein und schöpfte ein Schluck Wasser aus dem Hahn in den Mund, um sie runter zu spülen.

Er wusste, dass es gefährlich war, er hatte diese Dinger nicht verschrieben bekommen, er hatte sie sich illegal von einem alten Freund besorgen lassen, weil es ihm zu peinlich war, wegen seiner Erektionsprobleme einen Arzt aufzusuchen.

Die Pillen waren nicht gerade harmlos. Bei ihm lösten sie nicht nur eine Erektion aus, sondern auch einen erhöhten Puls, sein Herz raste dann auf bedenkliche Weise.

Aber was soll’s? Gab es etwas Schöneres als beim Ficken zu verrecken?

Nicht für ihn.

Es würde kurz dauern, bis die Pille wirkte, aber das machte nichts. Dann würde er eben das Vorspiel ausdehnen.

9

»Wir sollten ein Zeichen setzen.«

Florenz sah seinen besten Freund verwundert an. »Wie meinst du das?«

Brian stand vor dem Spiegel in seinem Badezimmer, das an sein Schlafzimmer grenzte, und tupfte sich mit einem bereits blutgetränkten Stück Klopapier das Blut von der aufgeplatzten Lippe.

»Enio sitzt nur da und unternimmt nichts«, beschwerte sich Brian. »Wir sollten Sandro herbringen und ihn für seinen Verrat foltern, bevor noch gemunkelt wird, die Teiwaz würde weich werden.«

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