kostenlos gestellt und das für nichts und wieder nichts,
weil sie die Heimat verlassen oder verloren haben.
Sie kommen mit Frauen und Kindern und bringen
noch die alten Menschen mit.
Dazu sprechen sie eine uns unbekannte Sprache
und krümmen keinen Finger,
dass sie ohne Arbeit das bessere Leben finden.
Der Mensch muss das Helfen wieder lernen,
wenn es um die Hungernden und die Kinder geht,
die das Zuhause und als Kinder ihre Eltern
verloren haben. So spricht ein kauender Politiker
vom vollen Tisch im Hause seiner Heimat.
Max und Otto:
Das verstehen wir nur zu gut,
denn auch uns fehlen die Väter oder
die Mütter, der Bruder oder die Schwester
und legen uns krumm, ihr seht’s an unserer Magerkeit.
Wir hungern uns durch Tag und Wochen,
und sind Menschen wie du und er,
wir sind Asylanten im eigenen Land,
das ist dir Politiker doch lange bekannt.
Paul:
Wir sind hier, denn uns beißen die Hunde,
der Hunger schwächt uns mehr mit jeder Stunde,
dabei sind wir verwandt um wenige Ecken,
haben als Kinder geteilt das Brot und die Decken.
Die Nachbarhilfe, die gute, stand jedem zu,
Einer sorgte für den andern und dessen innere Ruh
ob bei Tage oder Nacht, stets hielt einer Wacht,
denn das Leben braucht den andern, das wohlbedacht.
Wer andern im Geheimen die Zunge raussteckt,
Ist einer von den vielen, der nur an sich selber denkt
und den Mut nicht hat, über sich hinaus zu blicken,
um das Kind mit den großen Augen zu beglücken.
Ein Herr aus der Menge:
Immer das Gerede, und es tut sich nichts.
Es ist schon schlimm, wie voll sich das Mundwerk nimmt
mit den abgedroschenen Sprüchen von Gleichheit und Recht,
das ist, wenn es in die Praxis geht, doch nicht echt.
Denn in Wahrheit gilt die Gleichheit nur den Armen,
die das Dauerproblem mit dem fehlenden Brot und Geld längst haben,
dass da keiner dem andern auf den Teller sieht,
der ohne ein Krümel verlassen auf dem Tische steht.
Diese Gleichheit sieht man den Armen von weitem an,
so den Kindern mit den schmalen Gesichtern,
dass nichts zu verstecken ist, weil es nichts zu verstecken gibt,
was nur der notorische Rechthaber in Zweifel zieht.
Arme dünn, Beine dünn, nicht anders sind die langen Hälse,
das Leben quält die Armen, deren Schuld die Armut ist.
Dazu zählen, zur großen Schande sei’s gesagt, das Kind,
das in der Ecke hockt mit aufgebissener Lippe und schweigt.
Es sind die alten Unterschiede in so vielen Dingen,
dass sich der Wohlstand auf die Wenigen beschränkt,
während Hunger und Härte die Vielen bedrängt,
die mager und wehrlos ums nackte Überleben ringen.
Die Sprache von oben ist hart und rücksichtslos,
von unten kommt das Stöhnen zwischen Wort und Ruf.
Es ist das Bangen um den Erhalt des Provisoriums,
weil in ihm die Matratze für Kopf und Körper ist.
Hinzu kommt, dass die Gutgenährten sich tragen lassen
von den Mageren mit den dünnen Armen und Beinen,
den Ausgemergelten quasi auf den Schultern sitzen,
die sich unter den Lasten krümmen und zu Tode schwitzen.
Dass sich die Menschen durch Armut und Elend plagen,
sind Geschichten, die es schon aus dem Altertum beklagen,
wenn die Plebejer die langen Straßen pflastern,
während die Patrizier vom hohen Ross herunter lästern.
Die Welt ist geblieben, was sie war, vom gleichen Schlag,
das spüren Menschen der harten Arbeit Tag füt Tag.
Dafür danken die Wenigen von den Höhen der Geburt,
dass ihnen die Härte der Lasten abgenommen wurde.
Andere sind’s, sie sprechen von Vernunft und Gerechtigkeit,
was immer das ist, das der gründlichen Erklärung bedarf,
weil von Gerechtigkeit so wenig und vom Gegenteil so viel
zu sehen ist, dass der Zweifel mehr als nur berechtigt ist.
Sieht man die Toten, Menschen, die für’s Gute ihr Leben gaben,
dann glaubt man den Geboten: Du sollst nicht töten,
doch zweifelt am Menschen, dem es gilt, warum er’s weiter tut,
anstatt den Krieg zu hassen und nicht den Menschen.
Aus den Lehren wächst die Forderung der Jugend,
die junge Brücke der Verständigung nicht wieder zu sprengen,
sondern zu festiigen, zu beleuchten und gehsicher zu machen,
damit Menschen von beiden Seiten aufeinander zugehen können, um sich zu umarmen.
Versöhnung ist dringendst gefordert, dass Wert und Würde
ins Leben kommen, denn das Leben ist von kurzer Dauer, die nicht durch Hass und Mord noch weiter zu verkürzen ist,
dass sich der Geier in Menschengestalt am Profit noch länger überfrisst.
Max, Otto und Paul:
Das haben wir gelernt:
Die Jugend irrt in ihrem Streben,
dass der Meister ruft: Man sollt’ euch eine kleben,
denn für’s Leben, wie es ist, seid ihr noch zu dumm,
denn wenn’s drauf ankommt, bleibt ihr stumm.
Schlägt der Hammer die Schwere auf den Amboss,
dann schallt die Macht des Augenblicks tief ins Gehör.
Die Furcht brennt zur Angst und türmt sich hoch,
dass Meißelschläge die Form des Tages prägen.
Politiker:
Gebt endlich Ruh,
ich muss an den Schreibtisch zurück,
um an der Rede zu arbeiten,
die ich vor den Menschen der Verwaltung
zu halten habe.
Der Herr:
Ihr hört’s: Die Politik wird in
die Verwaltung getragen,
denn an die harte Arbeit kommt sie nicht heran.
Man kann sagen: Politik ist für die Sitzenden,
den Stehenden mit dem Meißel in der Hand
und den anderen mit den schlagenden Hämmern
hat sie nichts zu sagen.
Für den Wunsch nach Frieden dieser Zeit
Es rüttelt und schlägt ans Gittertor der Pforte,
das aus Eisen geschmiedet ist.
Haus und Scheune sind verschwunden, dazwischen lag der Krieg mit seinen Wunden.
Du weißt, die Pforte kann verschlossen sein,
dann ist der dicke Riegel vorgeschoben.
Durch die Nächte schlug es an den Riegel hart,
dass an Schlaf nicht mehr zu denken war.
Trifft der Morgenblick die Morgenblume,
dann ist sie die Mahnesrune im harschen Wetterbruch. Denn nicht alles steht, was stehen soll und ohne Tuch
nach durchkämpfter Nacht in Traum und Wirklichkeit.
Schwer liegt das Schweigen auf der Brust,
noch schwerer wiegt der Morgen,
wenn zu den ganz normalen Alltagssorgen
das Wort des Abschieds über deine Lippen kommt.
Du schautest zurück in letzte Stunden,
gabst weiten Raum der stillen Sehnsucht letzte Runden
für den Wunsch nach Frieden dieser Zeit.
Dem neuen Tag brennen die Augen entgegen,
macht schon das Gestern im Denken verlegen,
wie das Leben heute und morgen werden kann,
wenn nichts mehr steht, was hundert Jahre stand.
Aus der Dämmerung steigt das Licht in den Morgen,
wieviel mehr wär aus der Wahrheit in den Tag zu borgen,
um Fehler und Verfehlung von gestern zu meiden
und den Stolz zu spüren, wenn Tiere in Frieden weiden.
Es sollen Wiesen sein im frischen Morgentau,
dass sich junges Leben im Wohlbefinden stellt,
es sind die Tropfen an den Blättern und Gräsern,
sie fallen im All der Unschuld und rollen herab.
Ich sehe die frühen Menschen mit ihren Sorgen
in den von Müdigkeit tief geröteten Augen,
denn ihnen geht die Arbeit bis in die späten Stunden,
was über die Jahre kaum einer schafft mit den Runden.
Menschen blicken ernst und dunkel,
nicht einer sprüht Freude im Augenfunkel.
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