Sie nahm einen Schluck aus der Kaffeetasse, die sie in der Hand hielt und setzte sich an ihren Schreibtisch. Sie wickelte eines ihrer Lieblingsbonbons aus dem glänzenden Papier.
„Was steht bei dir heute an?“, fragte sie und blickte ihn gleich darauf erschrocken an. „Oh Pardon, jetzt habe ich einfach Du gesagt, bitte entschuldigen Sie!“
„Aber nein“, Perrec lachte und ging mit ausgestreckter Hand auf sie zu, „das ist mir sogar viel lieber!“
Nathalie gab dem Inspektor gerade ein Küsschen auf die Wangen, als Malbert den Raum betrat. Beiden war klar, dass ein Kommentar nicht lange auf sich warten lassen würde.
„Oh là là, da bin ich wohl mitten in eine Verbrüderungszeremonie geraten.“
Er grinste seine Kollegen an und schlenderte betont langsam zu seinem Platz. Perrec sah Nathalie an, dass sie nur mühsam eine bissige Bemerkung unterdrücken konnte und war selbst kurz davor, etwas zu erwidern. Doch er hatte sich gestern vorgenommen, sich von Malbert nicht provozieren zu lassen. Er würde seinen Kollegen so gut es eben ging ignorieren und gleichzeitig versuchen, gut und effektiv mit ihm zusammenzuarbeiten. Wie das gehen sollte war ihm selbst noch ein Rätsel, aber man würde sehen. Perrec ging zu seinem Schreibtisch und zog die unterste Schublade auf, um seine Umhängetasche darin zu verstauen. Er kramte Handy und Notizblock daraus hervor, als ihm etwas einfiel.
„Malbert“, rief er zu seinem Kollegen hinüber, ohne etwas an seiner gebückten Haltung zu ändern, „Madame le Commissaire bat mich, Ihnen auszurichten, dass Sie jetzt schon zu ihr ins Büro kommen sollen.“
Er hörte, wie ein Stuhl heftig nach hinten geschoben wurde und schon in der nächsten Sekunde fühlte er Malberts Atem dicht an seinem Ohr.
„So so, Madame lässt mich nun schon über den lieben Loïc zu sich zitieren? Auf neue Kollegen, die sich als allererstes bei der Chefin einschleimen, können wir gut verzichten.“ Er zog geräuschvoll die Nase hoch, bevor er sich wieder aufrichtete. „N‘est-ce pas, Nathalie, so ist es doch?“ Beifall heischend schaute er sich zu seiner Kollegin um, doch die bedachte ihn nur mit einem mitleidigen Blick.
„Komm wieder runter, Malbert“, sagte sie in einem Ton, als würde sie zu einem ungezogenen Kind sprechen. „Wir kennen deine seltsamen Anfälle. Erst gestern hast du uns eine tolle Show geboten. Ich bitte dich, kratze alle grauen Zellen zusammen, die du finden kannst und konzentriere dich auf deine Arbeit, anstatt hier den Oberfiesling zu geben.“
Mit einer lässigen Geste nahm sie das tragbare Telefon aus der Station und steckte es sich an den Gürtel. „Ich bin für eine Weile bei den Kollegen von der IT. Offenbar haben die etwas Interessantes auf Michel Souliacs Computer gefunden.“
Sie ging aus dem Raum, ohne Malbert auch nur eines Blickes zu würdigen. Perrec hielt den Atem an und fragte sich, was nun wohl geschehen würde. Er konzentrierte sich auf seinen Bildschirm, der ihm mit einem satten Blauton den Ladeprozess anzeigte und wappnete sich innerlich gegen eine weitere Tirade von Malbert. Doch es blieb still. Als er sich umwandte sah er, dass der Kollege ohne ein Wort den Raum verlassen hatte. Er seufzte und beschloss, nicht weiter über den Vorfall nachzudenken. Es gab Wichtigeres. Er zog sich seinen Notizblock heran und blätterte eine Weile, bevor er gefunden hatte, was er suchte. Dann nahm Perrec den Telefonhörer auf und rief Suzanne Hérault an.
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