Es wird von niemandem verlangt, eine Vorzeigedame zu werden. Was ihr aber tun könnt, das tut auch. Mit aller Konsequenz. Man kann das schaffen und i h r we rdet es schaffen. Ich sage das aus der Erfahrung heraus. Es gibt wirklich viele Mädchen, die eine tolle Entwicklung in dieser Sache gemacht haben. Umgang färbt ab. Versucht euch möglichst oft mit Menschen zu umgeben, die gute Umgangsformen und Manieren haben, die intelligent sind und sich etwas auskennen in der Welt. Der Mensch neigt nämlich dazu, Verhaltensmuster aus seiner Umgebung anzunehmen. Im Guten wie im Schlechten.
Wie bereits angekündigt, möchte ich die Moralfrage als solche hier nicht ausführlich bearbeiten. Eine Pro- und Contra-Auflistung wird es von mir ohnehin nicht geben. Es ist sowieso eine Ansichtssache, und Meinungen gibt es ebenso viele wie Menschen. Nicht weil ich mich scheuen würde meine eigene Meinung hier zum Besten zu geben, sondern einfach, weil das zumindest in diesem Buch nicht Thema sein soll, vielleicht ja in einem anderen. Ich möchte auf die Grundsatzfrage in Punkto Moral auch deshalb nicht eingehen, weil ich davon ausgehe, dass mit dem Kauf dieses Buches der Schritt in eine bestimmte Richtung sowieso schon getan worden ist. Zudem liegt es mir wie schon gesagt fern, jemandem etwas ein- oder auszureden.
Eine Sache will ich jedoch los werden: Es verkauft niemand seinen Körper, seine Unschuld oder einen Teil von sich. Das ist Quatsch! Diese Überlegungen rühren aus den Kreisen der unwissenden, unbeteiligten Außenstehenden. Teilweise auch geschürt durch die Moralvorstellungen der Würdenträger unserer Weltreligionen. Besonders hervorzuheben unsere katholisch-christliche Kirche, die ja nicht bloß die harmlose Geschichte vom Leben Jesu predigt, sondern seit hunderten von Jahren Einfluss auf das Moralverständnis der Menschen ausübt, um diese in bestimmte als richtig dargestellte Lebensweisen zu zwängen. Jesus hat das so übrigens nie getan. Im Gegenteil war seine einzig bekannte Liebschaft (Maria Magdalena) nach Meinung vieler moderner Bibelforscher selbst eine Hure. Sie ist übrigens auch die Schutzpatronin unserer Zunft. Natürlich nur interessant für die unter euch, die sich gern mit Religion beschäftigen oder Schutzheilige anbeten. Um das hier noch klarer zu stellen: Ich verurteile niemanden, der gläubig ist. Ich bin es selbst auch! Aber ich verurteile aufs schärfste alle diejenigen, die versuchen, uns ihren Willen aufzuzwingen und sich anmaßen, sie wüssten Bescheid, was richtig oder falsch sein soll. Namentlich von Dingen, die sie nicht kennen oder nur vom Hörensagen zu kennen glauben. Das ist nämlich alles absolute Ansichtssache. Denn ebenso wie Meinungen und Moralvorstellungen, gibt es auch gen au so viele Religionen wie es Menschen gibt.
Das private Umfeld – wie man es meistert
Ich weiß, dass es meistens nicht möglich sein wird, mit dem im vorangegangenen Kapitel Gesagten in seinem privaten Umfeld hausieren zu gehen und dennoch in Ruhe weiter leben zu können. Man könnte hier seitenweise Argumente finden, es würde niemals ausreichen, manchen Eltern, Freunden und Bekannten die anstehende oder bereits getroffene Berufswahl zu erklären. Es würde in vielen Fällen nichts nützen. Die meisten Menschen haben einmal getroffene grundsätzliche Ansichten derart verinnerlicht, dass sie für keinerlei Argumente mehr offen sein können. Das würde ihr Weltbild zerstören. Glaubt mir, ich kenne das Problem aus meiner eigenen Familie nur zu gut.
Oft ist es auch einfach nur die Angst, was denn die anderen denken könnten. Dass es eine Schande oder Blamage sei, eine Hure in der Familie zu haben und so weiter. Natürlich ist es absoluter Blödsinn, Wert darauf zu legen, was Herr Schmitz aus dem Kegelklub denkt. Herr Schmitz kauft euch ja schließlich nichts zu Essen, bezahlt eure Miete nicht und er spart auch nicht für das Auto, das ihr gern haben möchtet. Im Gegenteil, Herr Schmitz ist der Erste, der über euch lästert, wenn ihr vom Amt lebt, der Erste, der euch auslacht, wenn ihr zu Fuß geht und der Erste, der euch besucht, wenn ihr als Hure arbeitet. Es ist Herr Schmitz, der euer neues Auto bestaunt und zu seiner Frau sagt: „Schau mal an Gisela! Unsere Nachbarstochter ..., die hat es aber mal geschafft. Ich wusste doch schon immer, dass aus der mal was wird. Die war ja als Kind schon so talentiert ...“, usw. Geht es euch nämlich gut und ihr schafft es, ein entsprechendes Gerücht zu streuen, dass ihr irgendwo einen tollen Job oder einen reichen Mann gefunden habt, werdet ihr von allen Schmitzens nur noch bewundert. Und auf einmal fragt auch niemand mehr so genau nach. Sollte Herr Schmitz tatsächlich einmal auf deiner Arbeitsstelle erscheinen, so ist er fortan keine Gefahr mehr. Er wird im Gegenteil dein treuester Geheimnisbewahrer sein und dich immer nett grüßen. Er ist nämlich um seinen Ruf bei anderen Schmitzens wesentlich besorgter als du. Schlimmer noch, er fühlt sich erpressbar. Und das ist auch gut so.
Es ist also, wie schon angedeutet, meist besser, die Unwahrheit zu sagen. Allenfalls kann man einige sehr nahe stehende Menschen einweihen, wenn man denn unbedingt will. Aber vorsichtig!!! Man unterschätze niemals die Geschwätzigkeit der Leute. Auch wenn es schade ist. Aber ihr seid definitiv nicht die Einzigen, die ein Geheimnis bewahren müssen. Kaum ein vermögender Mensch hat sein Geld nur durch seinen eigentlichen, offiziell bekannten Beruf verdient. Ein Zitat aus Mario Puzos Mafiaepos „Der Pate“ lautet sinngemäß: „Hinter jedem Vermögen steht ein Verbrechen“. Aber das muss Herr Schmitz ja nicht unbedingt wissen ...
Wie baut man also eine solche Fassade? Den Nachbarn und Bekannten gegenüber braucht man ja nur oberflächlich eine Geschichte zu erzählen. Das ist einfach. Nur sollte die Geschichte so knapp wie möglich sein. Niemals ins Detail gehen. Sonst läuft man Gefahr, sich zu verplappern und erzählt beim nächsten Mal eben diese Details ein wenig anders, und schon werden Leute misstrauisch. Es ist auch gar nicht nötig, soweit auszuholen. Im Grunde interessieren diese Leute sich sowieso nur für sich selbst. Seien wir doch mal ehrlich, von wie vielen Personen wisst ihr wirklich mehr als „Der ist Einzelhandelskaufmann beim Saturn“ – „Die ist Stewardess bei der LTU“ – „Der macht was mit Versicherungen“ – „Der ist Mechaniker, irgendwo ...“? Also immer nur soviel wie nötig erzählen. Bei den Eltern und Verwandten wird es etwas schwerer. Es muss auf jeden Fall so schnell wie möglich eine eigene Wohnung her. Wer die hier aufgeführten Tipps in dem später folgenden Praxisteil beherzigt, der kann sich eine eigene Wohnung sicher in wenigen Wochen Arbeit locker leisten.
Die eigene Wohnung macht unabhängiger und schwerer kontrollierbar. Die Eltern sind ein Stück weit machtloser in ihrem Einfluss und gerade ein hartes Elternpaar hat eher Angst, den Kontakt zur geliebten Tochter aufgrund der Strenge in der Erziehung dann ganz zu verlieren. Denn ihr wisst ja: „Solange du deine Füße unter unseren Tisch stellst...“ zieht ja nun nicht mehr!!! Zudem kann man bei ganz misstrauischen Eltern einen Arbeitsvertrag versehentlich in der Diele liegen lassen, wenn man nach Hause kommt. Professionelle Exemplare bekommt man bei jedem Steuerberater oder Anwalt als fertige Vordrucke. Einfach nett fragen und ein paar Euro in die Kaffeekasse für Druckertinte und Papier genügen in der Regel. Es würde auch im Traum niemand vermuten, was du damit anfangen willst. Solche Verträge braucht schließlich jeder.
Wichtig ist, dass das Feld mit dem monatlichen Gehalt eine für dich richtige Summe aufweist. Bitte nicht übertreiben! Macht euch vorher schlau, was einer mit dem Job wie ihr ihn vorgebt zu haben verdient! Es muss natürlich für ein vernünftiges Leben mit eigener Wohnung ausreichen. Die Arbeitszeiten können ruhig etwas unangenehm und übermäßig erscheinen. Das zeigt euren Fleiß und verschafft zeitlichen Spielraum.
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