Die Ursachenforschung zur Arthrose ist noch nicht abgeschlossen. Bei der primären oder auch ideopathischen genannten Arthrose sind die Ursachen noch nicht vollständig bekannt. Es spielen biologische und konstitutionelle Faktoren eine Rolle, wie angeborene Fehlstellungen der Gelenke z. B. X- oder O-Beine, und auch die Gene scheinen einen Einfluss zu nehmen.
Meist lässt sich aber eine spezifische Ursache für die Knorpelzerstörung identifizieren, dann spricht man von einer sekundären Arthrose. Hier lassen sich zahlreiche Auslösefaktoren und Risikofaktoren nennen, die von Verletzungen, Über- und Fehlbelastungen, bestimmten Grunderkrankungen wie
z. B. Rheuma bis hin zu Bewegungsmangel und Übergewicht reichen.
Faktoren für die Entstehung einer Arthrose:
Alter: Die Elastizität des Knorpels nimmt mit dem Alter ab. Bereits ab dem 35. Lebensjahr kann man bei jedem zweiten Menschen erste Verschleißerscheinungen des Knorpels nachweisen. Ab dem 70. Lebensjahr hat praktisch jeder Mensch Einbußen am Knorpel hinzunehmen. Diese sind aber nicht immer mit der Krankheit Arthrose gleichzusetzen, da die wenigsten sichtbaren Veränderungen auch zu Symptomen führen.
Angeborene Fehlstellungen von Gelenken: Angeborene Fehlstellungen wie X- oder O-Beine (= Genu valgum, Genu varum), Hüftgelenksdysplasie (eine Fehlstellung der Hüfte), starke Beinlängenunterschiede oder auch Wirbelsäulenverkrümmungen und Fußdeformitäten verändern die Belastungsverhältnisse für den Knorpel. Unser Körper ist so meisterhaft konstruiert, dass unsere Gelenke bei richtigem Gebrauch gleichmäßig belastet werden. Damit verteilt sich der Druck auf die Gesamtfläche des Knorpels. Liegt eine Fehlstellung vor, ändert sich dies: die Gelenke werden nicht mehr axial belastet und es entstehen in Teilbereichen des Knorpels Spitzenbelastungen. Das führt auf die Dauer zwangsläufig zu Schädigungen. Fehlstellungen sollten deshalb frühzeitig korrigiert werden. Dies kann durch orthopädische Hilfsmittel oder auch bei schweren Fehlstellungen durch eine Operation erreicht werden.
Über- und Fehlbelastungen der Gelenke durch Beruf, Alltag oder Sport: Auch Über- und Fehlbelastungen der Gelenke durch Beruf, Alltag oder Sport können zu einem frühzeitigen Knorpelverschleiß führen. So leiden häufig Leistungssportler an einer Arthrose, da sie konstant hohen und oft einseitigen Belastungen ausgesetzt sind. Aber auch im normalen Alltag können wir unseren Gelenken schaden, wenn wir dauerhaft in falscher Haltung verweilen. Eine korrekte Haltung, ergonomische Arbeitsbedingungen und ein gesunder Wechsel von Be- und Entlastung sind daher Voraussetzung für lebenslang gesunde Gelenke.
Bewegungsmangel: Unser Knorpel wird nicht wie viele andere Organe über das Blutsystem ernährt. Die Nahrung erhält der Knorpel aus der Gelenkschmiere. Diese gelangt nur dann in den Knorpel, wenn wir uns bewegen - man kann sich das vorstellen wie beim Einwalken von Zutaten in einen Teig. Bewegen wir uns zu wenig, hungert der Knorpel langsam aus, wird immer poröser und damit verletzungsanfälliger. „Wer rastet, der rostet“ – der bekannte Spruch trifft zu. Will man seinen Gelenken also etwas Gutes tun, sollte man sich ausreichend bewegen, ohne dabei aber die Gelenke zu überlasten.
Übergewicht: Es ist einleuchtend, dass Übergewicht eine erhebliche Mehrbelastung für die Gelenke bedeutet. So erhöht jedes Pfund, das Sie zunehmen, den Druck auf die Kniegelenke um drei Pfund, an der Hüfte vervielfältigt sich die Belastung sogar um das Sechsfache. Will man also einer Arthrose vorbeugen oder den Verlauf verlangsamen, ist ein gesundes Körpergewicht hilfreich.
Rheumatische Erkrankungen: hierbei handelt es sich um eine ganze Gruppe entzündlicher Gelenkerkrankungen (= Rheumatoide Arthritis), die zu einer Arthrose führen können. Die bedeutendste Form der rheumatischen Erkrankungen für die Entwicklung einer Arthrose ist die Polyarthritis, eine
entzündliche Erkrankung gleich mehrerer Gelenke. Bei der Polyarthritis handelt es sich um eine Erkrankung, die auf einer Autoimmunreaktion basiert, d. h. es entstehen Abwehrmechanismen gegen den eigenen Körper. Dadurch kommt es zu teilweise massiven Entzündungsreaktionen und Schwellungen, die den Knorpel angreifen und zu Verformungen der Gelenke führen.
Verletzungen und Frakturen: Bei einem Bruch der gelenkbildenden Knochenanteile (=Gelenkfraktur) wird zwangsläufig oft der Knorpel gequetscht und zerrissen, das Gelenk geschädigt und eine Arthose begünstigt. Es können sich Unregelmäßigkeiten bilden, die das Gelenk nicht mehr reibungslos ineinander gleiten lassen und einen degenerativen Prozess auslösen. Kleine Knorpelstückchen können abreißen und wirken dann wie „Sand im Getriebe“. Auch biochemische Prozesse werden in Gang gesetzt, die zu einer Gelenkentzündung führen können. Bei einer Meniskusverletzung müssen oft abgerissene Meniskusteile operativ entfernt werden (=Meniskusresektion). Manche Knochenbrüche wie z.B. Frakturen des Oberarmkopfes oder des Oberschenkelknochen (Oberschenkelhalsbruch) führen zu schweren Beschädigungen des Gelenkes. Insbesondere bei älteren Menschen zählen Oberschenkelhalsbrüche zu den häufigsten Verletzungen. Werden bei einem Oberschenkelhalsbruch die den Hüftkopf versorgenden Blutgefäße zerstört, geht in einigen Fällen der knöcherne Hüftkopf zugrunde (= Hüftkopfnekrose)und wird vollständig zerstört. Eine derartige Nekrose führt zu einer deutlichen Arthrose, so dass oft sofort ein künstlicher Gelenkersatz eingesetzt wird.
Vererbung: Auch die Gene spielen eine Rolle bei der Entwicklung der Arthrose. Eine familiäre Disposition erhöht das Risiko, eine Arthrose zu bekommen, es ist aber kein zwangsläufiges Schicksal.
Viele Menschen leben viele Jahre mit einer Arthrose, ohne Beschwerden zu haben. Die Arthrose ist ein schleichender Prozess, der sich meist
beschwerdefrei über viele Jahre hinzieht. Beschwerden werden in der Regel erst dann verspürt, wenn die Schäden am Knorpel bereits massiv sind. Dies ist problematisch, da ein möglichst frühzeitiger Behandlungsbeginn die Prognose für den Verlauf der Erkrankung entscheidend verbessert. Zwar kann man die Arthrose bisher noch nicht heilen, es gibt aber mittlerweile sehr gute Therapien, die den Prozess aufhalten können und vor allem die Symptome Schmerz, Bewegungseinschränkungen und Schwellungen entscheidend lindern, wenn nicht sogar völlig nehmen können.
Diese Therapiemöglichkeiten sollten Sie vollständig ausgeschöpft haben, bevor Sie sich für einen künstlichen Gelenkersatz entscheiden. Der künstliche Gelenkersatz ist die letzte Option. Da künstliche Gelenke immer noch nur begrenzt halten, sollten Sie versuchen, die Operation so weit wie möglich hinauszuschieben (aber auch nicht zu lange).
Wir wollen uns nun den möglichen Therapien zuwenden, die Sie versucht haben sollten, bevor Sie sich für einen künstlichen Ersatz Ihres Gelenkes entscheiden.
Therapien der Arthrose
Ein künstliches Gelenk ist wirklich die letzte Stufe im Kampf gegen die Arthrose
– wenn auch eine sehr wirkungsvolle. Gehen Sie mit Ihrem Arzt alle Möglichkeiten durch und überlegen Sie gemeinsam, welche für Sie geeignet sind, und ob Sie wirklich alles versucht haben. Arthrose bedeutet nicht, mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen leben zu müssen. Es gibt mittlerweile sehr wirksame Therapien, die die Symptome nachhaltig lindern und den fortschreitenden Verlauf aufhalten können. Ihr Arzt wird mit Ihnen gemeinsam ein individuelles Behandlungskonzept entwickeln, das auf Ihr individuelles Krankheitsbild und Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Die nicht-medikamentöse Therapie spielt eine bedeutende Rolle in der Arthrosetherapie. Dazu zählen:
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