Ich hoffe liebe Kinder, euch hat das kleine Ratespiel gefallen und lasst euch auch die anderen Geschichten in diesem Band vorlesen. Extra für euch, erdachte ich mir auch all die anderen Geschichten, die euch hoffentlich auch gefallen!
Kapitel 5Kasperle und der Eierdieb
Kennt ihr noch Ferli, die Kasperpuppe? Bestimmt erinnert ihr euch noch, wie beide, Ferli und Pluzzo gemeinsam Musik machten? Auch heute ist Ferli wieder unterwegs, aber bis jetzt, noch ohne den Narr Pluzzo. Unsere kleine Kasperpuppe hat nämlich Hunger bekommen und will einkaufen gehen.
Gerade betritt Ferli einen großen Laden und wundert sich über die vielen Menschen, die hier sind. „ Ob die auch Hunger haben und einkaufen?“, fragt sich Kasperle. Nur sind die Leute sehr groß und Ferli hat Mühe, etwas zu sehen. Aber pfiffig wie er ist, kroch er durch die Beine der Menschen. Noch weiß Ferli nicht, was er eigentlich kaufen will und überlegt. Um nicht gestört zu werden, klettert er in ein Brotregal, das fast leer gekauft ist. „ Toll, von hier aus kann ich ja alles sehen“, denkt Ferli. Von seinem Platz aus sieht er auf der anderen Seite ein Fach, indem größere und kleinere Pappschachteln aufgebaut sind. „ Ob man die essen kann?, fragt sich die kleine Kasperpuppe. Neugier will Ferli ausprobieren, wie so ein komisches Teil schmeckt. Denn das Brotfach ist fast leer und so richtig Appetit hat er auch nicht auf Brot.
Gerade steht er vor dem Stapel Pappschachteln, hört er etwas, dass sich wie ein Glöckchen anhört. Ferli lauscht, aber hören kann er jetzt nichts mehr. „ So was hab ich doch schon einmal gehört?“, überlegt Ferli und schaut auf der anderen Seite des Stapels nach. Aber dann muss er nicht mehr überlegen, denn da lacht ihn der Narr Pluzzo von oben herunter an. Beide liegen sich in den Armen und freuen sich auf dieses Wiedersehen.
„Hast du auch Hunger oder warum bist du hier Pluzzo?“
„Nein Ferli, aber bei dem Puppentheater gestern, hörte ich ein Kind sagen, es würde gerne ein Ei essen. Aber ein anderes meinte, das geht nicht, weil da kleine Hühner drin sind.“
„Und da wolltest du nachsehen, ob das auch stimmt?“, fragte Ferli und sah Pluzzo auf eine Antwort wartend an.
„Ja, aber wenn du es besser weißt, können wir ja rausgehen und draußen spielen. So wie beim letzten Mal, weißt du es noch?“
„Ach nein, ich möchte zu gerne wissen, ob da wirklich ein Hühnchen drin ist. Komm, kaufen wir uns ein Ei, dann können wir draußen nachsehen!“
„Kaufen, wie die Menschen? Dann brauchst du aber Geld. Ich habe so was nicht, aber wenn du welches hast?“ Ferli sah seinen Freund verlegen an: „Geld, was ist das?“ Unsere kleine Kasperpuppe kannte leider das Wort Geld nur aus den Gesprächen der Menschen. Aber ihr liebe Kinder wisst was Geld ist und was man damit macht, oder? Leider hatten und kannten unsere Freunde kein Geld und überlegten, wie sie zu ihrem Ei kommen könnten. Pluzzo, der immer noch auf dem Stapel mit Eiern saß, hatte eine Idee.
„Weißt du Ferli, hier in dem Karton sind doch so viele Eier drin, lass uns da mal ein Ei raus nehmen und nachsehen.“ Ferli fand Pluzzos Idee gut und öffnete gleich eine Packung, in der die Eier sein mussten. Pluzzo sprang zu Ferli hinab und beide sahen in die Packung.
„Wenn da wirklich ein Hühnchen drin ist, müsste man es doch auch hören“, meinte Pluzzo. „Komm, halte mal dein Ohr an so einem Ei!“ Enttäuscht, meinte Ferli: „Also ich höre nichts! Mach mal deinen Mantel auf und verstecke das ein Ei! Lass uns draußen nachsehen, vielleicht schläft das Hühnchen!“
Gerade wollten beide mit dem Ei das Geschäft verlassen, als eine Frau Ferli aus Versehen anstieß. Der schüttelte sich, als an ihm eine gelbe, glitschige Masse herunter lief. Während der Ladenbesitzer auf die Eierdiebe schimpfte, hatte Ferli andere Sorgen. Auch er schimpfte als er die Bescherung sah. „Habe ich mir doch gleich gedacht, da ist kein Hühnchen drin! Und wie bekomme ich das wieder sauber?“
„Naja, jetzt wissen wir wenigstens was da drin ist. Aber noch einmal machen wir das nicht, verstanden Ferli?“ Jetzt wussten beide was in einem Ei ist. Ich denke liebe Kinder, ihr wusstet das schon immer. Aber auch, dass es sich nie lohnt, etwas ohne zu bezahlen mit zu nehmen.
Viele Äpfel hingen in diesem Jahr an dem Augustapfelbaum. Die meisten waren gesund und appetitlich. Nur wenige, die von Maden besetzt waren, lagen auf dem Boden. Eine Meise sah, wie es sich in einem Apfel bewegte, und flog heran, um der Sache nachzugehen.
Auch ein Spatz hatte Interesse an dem Apfel und gönnte der Meise den nicht. Sich neben der Meise auf den Boden setzend, versuchte er schimpfend den anderen Vogel zu vertreiben. Die Meise aber war nicht dumm, sie wusste gleich was der Spatz wollte. Laut stritten sich beide Vögel um den Apfel, so laut, dass es der Made in dem zu dumm wurde.
„Was soll das da draußen, kann man noch nicht einmal in Ruhe frühstücken?“, schrie die Made beide Vögel an. „Wartet bis ich fertig bin, dann könnt ihr den Apfel haben!“ Spatz und Meise sahen sich verblüfft an, war die Made nur frech, oder ahnte die nichts von ihrem Vorhaben?
Ein Star, der wenige Meter daneben auf einem Ast saß, verstand beide Vögel nicht. Den frechen Schrei aus dem Apfel hatte selbst er gehört, waren Meise und Spatz taub? Er wollte sich die fette Beute nicht entgehen lassen und vertrieb Spatz und Meise von seinem Leckerbissen , wie er glaubte. Nur wenige Meter zur Seite fliegend, gönnten die beiden dem Star seine Beute nicht. Sein Versuch den ganzen Apfel am Stiel davon zu tragen, belohnten sie mit Lachen, da dem Star der doch viel zu schwere Apfel aus dem Schnabel fiel.
Gerade wollte der Star sich wieder an den Apfel machen, brüllte ihn aus dessen Inneren jemand an: „Mach das nicht noch einmal, dann werde ich wütend! Hab gerade erst eine Gehirnerschütterung überstanden, als der Apfel vom Baum fiel!“ Während Spatz und Meise sich ein Lachen verkneifen mussten, flog der Star erschreckt zu einem Ast in seiner Nähe. Als könne er nicht glauben, was er da aus der Frucht hörte, stierte er die verblüfft von oben an.
Als die Made den Apfel verließ, verstand weder der Star noch Spatz und Meise die. Wollte die sich umbringen lassen? Sich fröhlich aus dem Apfel windend, schien die sich keiner Gefahr bewusst zu sein. Sofort waren alle drei Vögel zur Stelle, ein jeder wollte die Made für sich haben. Während die Drei sich stritten, verschwand die aber in einem anderen Apfel, der dicht daneben lag. Nur die Vögel waren so in ihrem Streit vertieft, dass sie das Verschwinden der Made nicht bemerkten.
Endlich war es dem Star gelungen seine Konkurrenten zu vertreiben, suchte er die Made, um die man sich gestritten hatte. Aber wo war die, etwa wieder in deren Apfel? Mit seinem spitzen Schnabel öffnete er die Frucht und sah verblüfft keine Made. Verwundert setzte sich der Star wieder auf den Ast, auf den er zu vor saß. Da Spatz und Meise immer noch in geringer Entfernung saßen und ihn auslachten, glaubte der Star von beiden betrogen worden zu sein. Laut schimpfte er die Zwei aus, worüber Spatz und Meise so sehr lachten, dass der Spatz fast von seinem Zweig gefallen wäre.
Plötzlich verging dem Star das Schimpfen und Spatz und Meise das Lachen. Ein Apfel rollte an ihnen vorbei und jemand schimpfte daraus: „Ihr Dummköpfe, anstatt den Apfel zu essen den ich euch gab, habt ihr den kaputt gemacht! Den hier bekommt ihr nicht, der gehört mir!“
Die Vögel glaubten nicht, was sie da hörten. Sollte tatsächlich die gesuchte Made aus dem Apfel, ihnen diese dummen Worte entgegen gerufen haben? Hatte die immer noch nicht begriffen, dass man sie und nicht den Apfel haben wollte? Schnell waren die Drei bei der vorbeirollenden Frucht und stoppten die. Obwohl alle drei das gleiche Ziel hatten, stritten die weiter, als der Apfel nicht weiter rollte. Weder die Meise noch der Spatz wollten dem Star den Apfel mit der Made überlassen.
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