Würden die von einer fortschrittlichen Politik erkämpften sozialen Freiräume von allen oder zumindest den meisten Menschen auf eine Weise genutzt, die nicht mehr vom Warenfetischismus bestimmt wäre, so wäre damit eine der Bedingungen erfüllt, unter denen schließlich einmal eine Gesellschaft entstehen könnte, die als wahrhaft versöhnte noch besser wäre als die soziale Marktwirtschaft.
Gestern die Gedichtsammlung „Morgue und andere Gedichte“ von Benn in einer Jubiläumsausgabe mit Zeichnungen von Georg Baselitz gelesen. Erstmals wurden diese expressionistischen Gedichte vor genau 100 Jahren in Form eines „Lyrischen Flugblatts“ veröffentlicht. Sie haben nichts an Modernität verloren.
Auch in diesen Gedichten wird ebenso wie in bestimmten Rilke-Gedichten die Entfremdung und Verdinglichung des Menschen deutlich kritisiert. Zwei Beispiele dafür:
- „Es wird nirgends so viel geschrien./ Es wird nirgends Schmerzen und Leid/ so ganz und gar nicht wie hier beachtet.“
- „Manchmal/ wäscht sie“ (d.h.: die Krebskranken) „die Schwester. Wie man Bänke wäscht.“
Die in den „Morgue“-Gedichten von Benn dargestellten brutalen Vorgänge weisen schon voraus auf die Barbarei der beiden folgenden Weltkriege.
Es ist mir heute wieder nicht gelungen, ein bestimmtes Gefühl in mir genau in Worte zu fassen. Warum ich es trotzdem weiter versuche? Weil ich weiß: mehr Klarheit bedeutet mehr Freiheit.
In der „FAZ“ die Rezension eines Bandes mit Briefen von Thomas Mann gelesen. Die meisten davon wurden in den zwanziger Jahren geschrieben. Sie zeigen: Thomas Mann hat sich schon früh gegen die Nazis gewandt.
Mir heute bei „Jokers“ das Buch „Mein Freund Neruda“ von Antonio Skármeta, einem chilenischen Autor, gekauft. Der zweite Teil des Buches enthält eine Auswahl von Gedichten Nerudas, die von Skármeta jeweils kurz kommentiert werden.
Konnte mich aus Zeitgründen noch nicht näher mit dem Buch von Skármeta befassen. Stattdessen am Abend in einer Sammlung von„Lesebissen“ („Sätze, Reflexionen, Verse und Prosastücke“) geblättert, die aus Werken von Fernando Pessoa ausgewählt wurden. Daraus drei Zitate:
- „Ich denke gerade an nichts, wie wohl das tut.“
- „Wenn das Herz denken könnte, stünde es still.“
- „Reisen? Existieren ist genug.“
Heute den zweiten Teil des Buches von Skármeta gelesen. Einige der dort abgedruckten Gedichte erinnern an eine Art Litanei. Die von Neruda in seinen Gedichten verwendeten sprachlichen Bilder lassen sich in der Regel vergleichsweise leicht deuten. Kennzeichnend für die von mir gelesenen Neruda-Gedichte ist auch, dass sie relativ lang sind. Habe mich bei einigen seiner Gedichte gefragt, ob nicht ein jeweils geringerer Umfang ihre Aussagekraft noch erhöht hätte. Wie dem auch sei, am besten hat mir jedenfalls Nerudas Ode an die Luft gefallen. Beindruckend aber ist auch das Gedicht “Delia II“, dem ich die folgenden drei Stellen entnehme:
- „dass die erloschene Liebe nicht der Tod,/ sondern eine bittere Form ist des/ Geborenwerdens“
- es hob die Liebe/ in mein Leben eine Welle, und ich ward/ ausgefüllt/ von Liebe, nur von Liebe,/ ohne jemanden den Kummer zuzudenken.“
- „Und nicht Abneigung ist es, was die Menschen/ trennt, sondern/das Wachstum“
Wäre ich früher auf diese Verse gestoßen, so hätte ich sie sicherlich K. gegenüber zitiert. Vielleicht hätten sie ihr geholfen, das Scheitern ihrer Ehe besser zu verkraften.
„Frohe Weihnachten!“ steht auf einem Blatt, das an einer Schaufensterscheibe befestigt wurde. Dahinter drei Puppen in Dessous. Auch Weihnachten muss heute noch sexy sein.
Gegen Abend plötzlich die Idee zu einem Objekt: Auf einer grauen Steinplatte eine durchsichtige Schnapsflasche. Aus deren Öffnung hängt der obere Teil einer schwarzen Kette heraus, der bis zur Mitte der Flasche reicht. Im Flascheninnern verläuft sie bis zum Boden, wo sie ein Stück weit spiralförmig aufeinanderliegt. Auf dem Etikett: „Alkoholiker“.
Duns Scotus (1266 – 1308): ein schottischer Philosoph und Theologe, Franziskaner, in Köln gestorben, Dr. subtilis genannt. Unterscheidet zwischen einem allgemeinen „Was“ („quiditas“, „Washeit“) und einer einmaligen, besonderen Form ( „“haecceitas“, „Diesheit“). So wird etwa Sokrates erst zu einem bestimmten Menschen, indem zur humanitas die socratitas hinzukommt. Das Individuelle ist für Scotus das Vollkommene. Es lässt sich nach ihm nur mithilfe der intuitiven Erkenntnis, also der unmittelbaren Anschauung erkennen.
Die Bedeutung, die das Individuelle bei Scotus hat, nimmt schon die Wertschätzung vorweg, die die Renaissance dem Individuum entgegenbringt. Darüber hinaus lässt sich Scotus‘ Auffassung über das Individuelle auch zu Nietzsche und Adorno in Beziehung setzen.
In Bezug auf Scotus‘ Begriff des Willens bietet sich dagegen eine gewisse Parallele zu Sartre an. Wie bei Sartre ist auch bei Scotus der Wille des Menschen frei. Dieser muss sich Scotus zufolge immer wieder entscheiden zwischen seiner Neigung zum Angenehmen und der Neigung zum Gerechten.
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