Jauchzend klammert sich Glitzer an Christkinds Kleid. Ein Gefühl wie beim Achterbahnfahren, gluckert in ihrem Bäuchlein. Als glitzernder Regenbogen wirbelt sie um die gläsernen Säulen des Himmelsgewölbes herum.
Aus der Backstube nebenan strömt ein köstlicher Duft herüber.
Es riecht herrlich nach Lebkuchen und Früchtebroten.
Vor Begeisterung schwirren dem Engelchen die kleinen Flügel.
Und weil jeder Flügelschlag einen eigenen Ton besitzt, erklingt eine feine Melodie.
Sie verändert sich je nach Stimmung.
Und Glitzers Flügelchen singen im Augenblick besonders herrlich vor Freude! So einzigartig … wie die erste fallende Schneeflocke, die du an kalten Wintertagen siehst. Richtig weihnachtlich wird ihr ums Herz.
Doch die Ankunft des Wichtels Brummi beendet das bunte Treiben.
Denn das Christkind, tief in Gedanken versunken, stolpert über den leise eintretenden Weihnachtswichtel.
Plumps , schlägt es einen Purzelbaum auf dem Wolkenboden.
Dann landet es mit Brummis Zipfelmütze im goldenen Schopf – Uff! – auf dem verdatterten Engel.
Der Saal glänzt sogleich vom verschütteten Engelsglanz, wie eine glitzernde Schneekugel. Doch das sieht das Christkind nicht. Seine nackten Füße zappeln in der Luft. Der blonde Schopf steckt fest im watteweichen Boden.
So fest, dass es ein leises – Plopp – gibt, als es sich befreit.
„Christkind“, stöhnt Glitzer. Tief in die Wolke gepresst, ist ihr zartes Stimmchen kaum zu hören. „Du liegst auf mir.“
Die Glitzerflügel versuchen den keuchenden Engel frei zu wedeln.
Dabei kitzeln sie das Christkind am Bäuchlein.
Das biegt und krümmt sich vor Lachen.
Schließlich kullert es weg.

Glitzer atmet auf. Sie strampelt mit den Beinen und flattert mit den Flügeln. Leider gerät sie so nur noch tiefer in die Wolke hinein.
Unterdessen fällt dem Christkind wieder ein, warum es sich so ärgert. Es hört auf zu kichern, springt auf die Beine und ruft im ernsten Ton: „Glitzer, Brummi!“
Folgsam trottet der pummelige Wichtel herbei. Im Vorbeigehen zieht er Glitzer – Plopp – aus der Wolke. Dann guckt er, die kurzen Arme in die Hüften gestemmt, zum Christkind auf.
„Was gibt es für ein Problem?“, fragt Brummi, während Glitzer sich Wolkenfäden aus dem glitzernden, fersenlangen Haar wedelt.
„Die Weihnachtswerkstatt arbeitet auf Hochtouren.
Alle deine Helferlein sind am Basteln.
Der Weihnachtsmann hat seinen Fahrplan. Nikolaus und der Krampus erledigen bereits die ersten Botengänge.“
Das Christkind nickt wissend.
„Das Problem liegt doch nicht bei uns“, stöhnt es und presst die Lippen aufeinander.
„Hier ist das Problem!“
Genervt hält es die lange Liste direkt vor die zarten Nasenspitzen seiner kleinen Helfer.
Glitzer und Brummi blinzeln irritiert.
„Christkind“, flötet Glitzer. „Ich versteh´ das nicht?“
Verunsichert streift sie durch ihr langes Haar.
„Sind Kinderwünsche nicht mehr erwünscht?“
Hilfesuchend blickt sie Brummi an. Der Wichtel zieht ein Monokel aus der Tasche, putzt es behutsam am grünen Rock. Dann zwickt er das runde Glas ins Auge und studiert die vergilbte Papierrolle:
Ein kleines Hündchen, Transformer, Brasilien-WM-Fußball…
Nachdenklich krault er seinen langen weißen Bart, sodass dieser das Glöckchen am gebogenen Wichtelschuh streift.
Kling! Kling! Klingeling! , schellt es.
„Hm? Eine gewöhnliche Wunschliste.“
Das Christkind guckt böse. Erneut putzt Brummi das Brillenglas. Womöglich übersieht er etwas? Prüfend zieht er an der Liste. Die rollt sich sofort quer über den langen Saal aus. Zum großen Tor hinaus, bis zur Backstube hinüber.
„Mal sehen. Ein kleines Hündchen, Transformer, Brasilien-WM-Fußball … Warum ärgert sich Christkind darüber?“
Brummi zuckt mit den Schultern.
„Gewöhnliche Kinderwünsche. Nichts weiter!“, brummt er.
„Bekommen wir jedes Jahr ganz viele.“
Das Christkind beginnt zu schimpfen.
„Nein. Eben nicht!“
Aufgebracht rauft es sein goldenes Haar. Dabei bemerkt es unter dem wackelnden Heiligenschein, Brummis rote Zipfelmütze.

„Dieses Jahr ist alles ganz anders.“
Frustriert stampft es mit einem Fuß auf. So fest, dass seine nackten Beine, bis zu den Knien im Wolkenboden einsinken.
„Ich weigere mich“, keucht das Christkind mit hochroten Ohrspitzen.
Es blickt in Wichtels verdutztes Gesicht, dem es nun direkt gegenüber steht.
„Ja, ich weigere mich!“
Es krabbelt aus der Wolke. Dann setzt es Brummi die Mütze wieder auf den kahlen Kopf.
„Ich weigere mich, diese Wünsche zu erfüllen! Und weder der Weihnachtsmann noch Väterchen Frost oder Santa Luzia sollen sich dieser dummen Wünsche annehmen!“
Ganz fest knüllt es die Liste zu einem dicken Ball.
Brummi sieht entsetzt zu.
„Aber, Christkind.“
Neben ihm sinkt Glitzer fassungslos in ein weiches Wolkenkissen.
Betroffen wickelt das Engelchen eine glitzernde Haarsträhne um den Finger. „Wer beschenkt denn dann die Kinder in diesem Jahr?“
Ärgerlich schüttelt das Christkind den Papierball. Solange, bis er ganz abgerollt ist und brüllt: „Das ist die Liste eines einzigen Kindes! – Peters Wünsche!“Christkinds blasses Gesicht färbt sich dabei rot. Wie eine überreife Tomatesieht es nun aus. Brummi tritt vor, um ihm einen neuen Wunschzettel zu überreichen. Als er den Schrei hört, verbirgt er die mitgebrachte Papierrolle lieber hinter dem Rücken und bleibt vorsorglich stumm.
Das Christkind tobt:
„Weihnachten fällt aus!“
„Das Christfest fällt aus?“, wiederholt Glitzer und stöhnt auf. Diese Neuigkeit ist zu viel für den zarten Engel.
Ganz schwindelig wird ihm. Erstmals soll auf der ganzen Welt das schöne glitzernde, funkelnde, keksduftigeWeihnachtsfest ausfallen?
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