Wer zum Opfer eines oder mehrerer Betrüger wurde, profitiert von diesem Buch. Ein Hauptanliegen dieses Buches ist es, Betrugsopfern Orientierung zu bieten, so dass sie wieder normal leben können. Je besser sie die Zusammenhänge verstehen, desto größer die Chance. Betrugsopfer sind verstummt. Zumindest im Bezug auf das Elend ihres Betrugs-erlebens. Dies Buch ist die Stimme der Verstummten.
2. Potentielle Betrugsopfer, also jedeR
Jede und jeder kann zum Opfer eines Betrügers werden. Dies Buch kann vor manchem Betrug schützen; sicher nicht vor jedem. Mit dem Wissen um das Betrugsgeschehen kann mancher Betrugsversuch eher erkannt werden.
3. Unerkannte Betrugsopfer, möglicherweise sehr viele
Manche Menschen wissen nicht, warum sie viel oder alles verloren haben. Manche dieser Menschen werden durch dieses Buch ihr eigenes Schicksal besser verstehen können.
Manche Menschen haben aktuell einen Betrüger in ihrem Leben und werden von ihm manipuliert. Das können sie nicht merken. Dieses Buch wird Erkenntnisprozesse in Gang setzen und sensibilisieren.
Viele Menschen leben in hierarchischen Systemen, deren Strukturen durch Betrüger geprägt sind. Ehrliche Menschen sind damit sehr unglücklich. Dieses Buch wird zum Verständnis größerer Zusammenhänge beitragen und neue Perspektiven eröffnen.
4. Soziales Umfeld von Betrugsopfern
Weiter ist oft ist ein soziales Umfeld mit betroffen: Familien, Freunde, Nachbarn, Geschäftspartner, Bekannte, Arbeits- und Vereinskollegen. Viele gehen auf Distanz. Auch sie verstehen die Zusammenhänge nicht. Dieser Personenkreis benötigt dringend fundierte Information zum Betrugsgeschehen! Denn Betrug zerstört immer auch wertvolle soziale Beziehungen. Dies Buch wird zum Verständnis beitragen und in Einzelfällen sogar eine entscheidende Hilfe zur Heilung von Beziehungen sein.
5. Berufsgruppen, die mit Betrugsopfern zu tun haben
Fachleute benötigen dringend Fortbildung. Obwohl das Thema „Betrug“ in die Bereiche Wirtschaft, Jura, Psychologie, Soziologie, Medizin, Psychiatrie, Psychotherapie gehört, beschäftigt sich keine Disziplin damit. Zumindest nicht mit der Realität des Betrugs.
JuristInnen haben mit Betrugsopfern zu tun. JuristInnen, die diese Opfer ernst nehmen, benötigen dringend Fortbildung. Dieses Buch vermittelt das nötige Wissen.
Das gleiche gilt für SozialarbeiterInnen, SozialpädagogInnen, PsychologInnen, PsychotherapeutInnen, PsychiaterInnen, PsychiatriepflegerInnen usw. Mit dem Wissen aus diesem Buch wird ihre Arbeit mit einigen PatiententInnen und KlientInnen um vielfaches effektiver sein.
6. Berufsgruppen, die mit Betrügern zu tun haben
Hier meine ich nicht alle möglichen Berufe, in denen ein Betrüger betrügen kann. Hier geht es um verurteilte Betrüger. Davon gibt es zwar nicht viele, aber das schätzungsweise eine Prozent findet sich im Gefängnis, manchmal in der Sicherheits-verwahrung und auch in der Psychiatrie, oft der Forensik. Sämtliche MitarbeiterInnen, ob Wachpersonal oder Reinigungskräfte, aber auch PsychologInnen, Sozialarbeiter-Innen, SeelsorgerInnen können selbst hier zu Opfern dieser Betrüger werden, weil sie die Zusammenhänge nicht wirklich begreifen. Je besser sie wissen, was in diesem Buch steht, desto größer ist die Chance, dass sie das Geschehen eher, gründlicher und klarer durchschauen und sich von den Betrügern weniger manipulieren und missbrauchen lassen.
Zur Allgemeinbildung jedes Menschen auf diesem Globus sollte das Wissen um Betrugsgeschehen gehören. Denn jedeN kann Betrug treffen, und manche sind vielleicht gerade unbemerkt mitten drin. Vor allem aber sind die negativen gesellschaftlichen Entwicklungen, die wir alle irgendwie wahrnehmen, den be-trügerische Elementen zuzurechnen, die unsere gesellschaft-lichen Strukturen durchziehen und prägen. Je mehr Menschen eine klare Wahrnehmung dafür haben, desto größer ist die Chance auf Veränderungen in eine positive Richtung.
Für wen ich dieses Buch nicht schreibe
Ich schreibe dieses Buch nicht für Betrüger aller Art. Leider werden auch sie es lesen und missbrauchen. Das kann schlimme, zerstörerische Folgen haben. Aus diesem Grund habe ich sehr gezögert, es zu schreiben, und die Vor- und Nachteile sorgsam gegeneinander abgewogen. Dann kam ich doch zu der Überzeu-gung, dass die Vorteile überwiegen. Denn Wahrheit hat prinzipiell ein großes Befreiungs- und Heilungspotential – trotz aller Missbrauchsmöglichkeiten!
Vorsicht – Triggerwarnung!
Ich will vermitteln, was ich erlebt habe.
Ich will vermitteln, was ich verstanden habe.
Ich will es möglichst verständlich vermitteln.
Aber es handelt sich um ein traumatisierendes Geschehen.
Wenn es mir gelingt, LeserInnen wirklich mit hinein zu nehmen, wird es sich dann nicht sekundär traumatisierend auswirken?
Ich will niemanden traumatisieren. Auf keinen Fall will ich die endlosen schlaflosen schmerzreichen Folternächte weiter geben, die ich jahrelang erleben musste. Auf keinen Fall will ich diese bodenlosen Abgründe an Verzweiflung in finsterster Einsamkeit weiter geben, die Betrugsopfer erleben müssen.
Nein, im Gegenteil, davor möchte ich bewahren, indem ich schreibe!
Ich habe viel „Mist“ erlebt. Das kann ich nicht ändern. Die Jahre des „Mist-Erlebens“ haben mich geprägt. Der Misthaufen ist mir, bildlich gesprochen, über den Kopf gewachsen und ich wäre beinahe daran erstickt. Inzwischen ist es mir gelungen, Nase und Mund und Hände wieder frei zu bekommen.
Der Misthaufen ist da. Ich kann ihn nicht web-beamen. Was mache ich also damit? Nun, ich mache Dünger daraus. Für mein Leben und für andere Menschen. Jeden Tag ein wenig. Ob ich den „Mistberg“ bis ans Ende meines Lebens „versetzt“ haben werde? Keine Ahnung – ich mache einfach jeden Tag weiter, so gut es geht.
...dies Buch
ist der Versuch
aus „viel Mist“
viel „guten Dünger“
zu machen !
1. Betrugsopfer • besondere Spezies Mensch ?
Wird ein Mensch zum Opfer eines Betrügers, folgen unaus-weichlich Kommentare aus der Umgebung wie: “irgend was müssen sie doch alle gemeinsam haben, die Opfer - naiv, sie wollten es so…“, „vielleicht selbstzerstörerische Tendenzen?” oder “kein Wunder - er / sie wirkt so eingeschüchtert, da musste ja…” Das ist “blaming the victim”, also die Schuldzuweisung an das Opfer, und gehört zu den ältesten “Tricks” der Täter. Realität ist:
Ja, sie haben alle etwas gemeinsam, und zwar: ein Betrüger hat sie zerstört.
Ja, sie wirken eingeschüchtert. Denn ein Betrüger hat sie zerstört. Das ist der Grund für ihren eingeschüchterten Zustand.
Konkret wird Betrugsopfern gewöhnlich unterstellt:
Gier
Unmäßigkeit
Dummheit
Naivität
Bequemlichkeit
„die Alte wollt' halt mal wieder 'n Kerl im Bett haben“
Helfersyndrom
...
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Die meisten dieser Zuschreibungen sind die hervorstechenden Eigenschaften der Täter! Die Täter sind unmäßig, gierig und sexsüchtig. Die Täter scheuen ehrliche, harte Arbeit. Naja, dumm sind sie nicht. Sonst hätten sie ja keinen Erfolg.
Aber focussieren wir einmal den Vorwurf der „Dummheit“. Muss das Leben weniger intelligenter Menschen tatsächlich zerstört werden? Ich dachte immer, dass sie besonders geschützt werden sollten.
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