Paul Hermann - Könnenwollen I

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Nichts beeinflusst Schicksal tiefgreifender und nachhaltiger als Krankheit. Gelegentlich macht auch das Schicksal krank. Wie gehen Menschen damit um, und wer entscheidet, wann Gesundheit aufhört und Kranksein beginnt? Diese Frage beantwortet nicht alleine der Arzt, sondern auch der Patient selber. Der eine könnte noch, will aber nicht mehr. Sein Zipperlein weitet sich zum Leiden aus. Der andere kann nicht mehr richtig, müht sich aber redlich. Er will noch mit dazu gehören. Die hier präsentierten dreißig Episoden greifen dieses Spannungsfeld auf. Es geht um Leid und Wünsche, Geduld und Geld, um große und kleine Helden oder Schurken auf der Seite der Patienten, aber auch bei den Ärzten. Dr. K. ist ein Arzt, der den Zenit seiner beruflichen Karriere überschritten hat. Er befindet sich in einem Alter, in dem andere schon längst ihren Altersruhestand pflegen. Er hat den harten Praxisalltag hinter sich gelassen. Geblieben ist ihm der Gutachterjob. Jetzt steht ihm mehr Zeit denn je zur Verfügung, um ausführliche Anamnesen zu erheben. Dabei entdeckt er das eingehende Gespräch mit dem Patienten als Diagnoseinstrument für sich neu. Und es befallen ihn aber auch Zweifel, ob er mit seiner Einschätzung zum Könnenwollen immer ganz richtig liegt.

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„Das war sicherlich die extrakorporale Membranoxygenierung. Damit kann man den Körper mit Sauerstoff versorgen und das angefallene Kohlendioxid ableiten. Außerdem gelingt die langsame Steigerung der Körperkerntemperatur. Da haben Sie aber Glück gehabt, dass die in der Klinik eine solche Maschine parat hatten.“

„Ja, da habe ich großes Glück gehabt. Und dann hatte ich noch mal Glück. Als ich nach vier Tagen von der Intensivstation auf die normale Station verlegt wurde, sagten mir die Ärzte, dass mir wahrscheinlich beide Hände und beide Füße abgenommen werden müssten. Ich hatte mir Erfrierungen dritten Grades zugezogen. Die letzte Entscheidung bezüglich der Amputationen würde man aber gerne den Kollegen in der Klinik für Schwerbrandverletzte überlassen, sagten sie. Also wurde ich verlegt. In der Spezialklinik lag ich dann insgesamt zwei Monate.“

„Tja, das ist schon paradox, dass die Behandlungsmethoden von schweren Verbrennungen ähnlich denjenigen bei Erfrierungen sind.—Na, dann zeigen Sie doch mal, was da rausgekommen ist.“

Der Mann hatte große Mühe, die Handschuhe abzustreifen. Er arbeitete vorrangig mit den Daumen. Die Greiffunktion der Finger war stark eingeschränkt.

„Das sind speziell angefertigte Kompressionshandschuhe“, keuchte er. „Die habe ich auch noch in schwarz.“

Zum Vorschein kamen Finger mit Beuge- und Streckkontrakturen, teilweise ihrer Endglieder beraubt und mit unterschiedlich pigmentierten Hautarealen.

„Es musste Einiges amputiert werden. Es waren zahlreiche Spaltlappenübertragungen erforderlich. Die Haut haben sie am Oberschenkel abgehobelt.“

Er versuchte die Finger zu beugen und zu strecken. Das gelang nur gegen erhöhte innere Widerstände und verursachte offensichtlich Schmerzen. Der rechte Mittelfinger war am Kuppenstumpf prall aufgetrieben. Er drückte auf die Schwellung. Es entleerte sich gelblicher Eiter.

„Hier riechen Sie mal.“ Er hielt K. den Finger unter die Nase. „Stinkt, oder?“

„Da steckt eine Infektion drin. Da muss dringend was gemacht werden. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die Entzündung über die ganze Hand ausbreitet“, mahnte K. und wandte sich leicht angeekelt ab.

„Und das Schlimmste sind die Phantomschmerzen, teilweise schrill wie elektrischer Strom und dann wieder dumpf, wie ein Hammerschlag. Sie kommen immer dann besonders stark, wenn ich mich hinlege. Ich kann dann stundenlang nicht einschlafen. Einige Stellen sind auch weitgehend gefühllos.“

Er konnte für jeden einzelnen Abschnitt seiner malträtierten Finger einen sensorischen Zustandbericht abgeben. Endlich schlugen ihm die Aufmerksamkeit und Fürsorge entgegen, die er sich immer erträumt hatte. Man hörte ihm zu, der Physiotherapeut kümmerte sich zweimal die Woche um ihn, bei den Nachschauterminen in der Spezialklinik hatte der Chefarzt immer Zeit für ihn. In der Vorlesung über Wiederherstellungschirurgie war er ein Starpatient, den man gerne als Profiteur der modernen Medizin präsentierte.

„Und wie sehen die Füße aus?“, fragte K.

Es war ein Elend, ihn zu beobachten, wie er mit seinen starren und kraftlosen Fingern versuchte, die äußerst straff anliegenden Kompressionssocken abzustreifen.

„Die Zehen hat es nicht so stark erwischt. Es mussten nur die Endglieder an den beiden Großzehen abgenommen werden. Auch die Beweglichkeit aller Zehen ist deutlich besser, als an den Fingern.“

„Okay, dann können Sie Strümpfe und Handschuhe wieder anziehen.“

„Die Socken kriege ich hier nicht an. Das geht zu Hause nur an einer ganz bestimmten Stelle, wo ich die Füße hoch setzen kann.“

„Wie sieht es denn mit Schreiben aus?“

„Das geht nur schwer.“

„Hier haben Sie Papier und Kugelschreiber. Schreiben Sie: Ich kann nur schwer schreiben.“

Er fasste den Kuli nur mit Daumen und Zeigefinger, sondern er setzte alle Finger der rechten Hand ein. Schwerfällig führte er das Schreibgerät über das Papier und bekam nur eine krakelige, kaum lesbare Schrift hin.

„Und wie steht es mit der Bedienung der PC-Tastatur? Als IT-Systemberater ist das Ihr Instrument, was Sie vorrangig bespielen müssen.“

„Das geht nur mit den Daumen.“

„Und dann gibt es da—verzeihen Sie, aber auch darüber müssen wir reden—ästhetische Vorbehalte. Wenn Sie mit Ihren blauen oder schwarzen Handschuhen auftreten, wird sich jeder fragen, was der zu verbergen hat. Und wenn Sie die Handschuhe ausziehen, dann assoziiert man die Verunstaltungen Ihrer Finger mit Krankheit und Verfall, wie bei einem Leprakranken. Bei jedem Bewerbungsgespräch werden Ihre Hände im Mittelpunkt stehen. 70 Prozent der zwischenmenschlichen Kommunikation verlaufen nonverbal. Mimik und Gestik und hier wiederum die Hände bestimmen den Informationsaustausch.“

„Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht.“

„Klar, verstehe ich, momentan sind Sie noch voll und ganz damit beschäftigt, den entstandenen Körperschaden wieder einigermaßen zu beheben. Aber Sie sind jetzt 53 Jahre. Das ist ein Alter, in dem man in Ihrer Branche bereits zum alten Eisen zählt.“

Er hatte seine Firma aufgeben müssen. Die Auftragslage hatte sich miserabel entwickelt. Nicht, dass es in seinem Geschäftsfeld nicht genug zu tun gegeben hätte, aber gegenüber den großen IT-Beratungsfirmen verlor er immer mehr Land. Die Lösungen wurden immer komplexer und es wurde überregionale Präsenz gefordert. Da konnte er nicht mehr mithalten und schmiss hin. Froh war er gewesen, als er nur wenige Wochen später bei einem der Großen in der Branche eine Anstellung fand.

Doch Fortuna war ihm nicht lange hold. Er faxte seiner privaten Krankenversicherung ein Attest seines Hausarztes, in dem eine Erkrankung nach dem ICD-Code mit F 32.2 verschlüsselt worden war. Dummerweise verwendete er dazu das Faxgerät in der Firma. Irgendwie fiel das in einem Faxprotokoll auf und sein Vorgesetzter entschlüsselte den Code. Der stand für eine depressive Episode mit Verlust des Selbstwertgefühls sowie Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld mit häufig auftretenden Suizidhandlungen. Noch in der Probezeit wurde ihm gekündigt. Vorgeworfen wurde ihm Untreue gegenüber dem Arbeitgeber. Der eigentliche Kündigungsgrund aber war natürlich die fatale Diagnose. So einer macht auf Dauer nur Probleme. Tatsächlich war bei ihm in Zusammenhang mit seinem vorangegangenen beruflichen Crash ein depressiver Schub aufgetreten. Sein Vater hatte sich mit Anfang vierzig umgebracht. Da bestand wohl eine familiäre Prädisposition.

Erschwerend kam hinzu, dass seine Ehe schon lange kaputt war. Zunächst wahrte man die heile Fassade noch, wegen der schulpflichtigen Kinder. Doch als die aus dem Haus waren, brachen die Dämme und die jahrelang angestaute Beziehungsgülle ergoss sich in ihre bürgerliche Idylle. Darüber hinaus hatte ihn die erst sechs Monate alte Hündin gebissen. Ein unglücklicher Zufall, sicherlich keine böse Absicht. Es passte aber in die anschwellende Negativstimmung.

Seine Frau hatte ihm mitgeteilt, dass da ein anderer Mann in ihrem Leben existieren würde. Sie wolle sich scheiden lassen. Er hatte diese Botschaft in Demut entgegen genommen. Er war nicht ausgerastet, sondern hatte ihr mit knappen Worten mitgeteilt, dass er das schon länger wüsste. Sie war froh, dass es nicht den großen Eklat gegeben hatte und ging darauf hin sofort schlafen.

Es war gegen Mitternacht. Er ging zur Vitrine und holte die Flasche mit dem Pflaumenschnaps raus. Sein Berufsleben und sein Privatleben waren ein Scherbenhaufen. Er trank aus der Flasche, bis die leer war. Es war tatsächlich die kälteste Nacht des Jahres. Das Außenthermometer zeigte minus 21 Grad. Das verhängnisvolle Zusammenspiel zwischen Suff und Kälte war ihm sehr wohl bekannt. Immer wieder hatte er sich mit Methoden des Suizids auseinandergesetzt. Die eiskalte Nacht war da wie ein Wink des Schicksals, grausam schön.

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