Bereits mit dem Gedichtband „Von Schwelle zu Schwelle“ beginnt Celans ästhetische Umorientierung, während er sich von den neoromantisch oder surrealistisch geprägten Bildstrukturen seiner frühen Gedichte allmählich entfernt, um eine neue — viel sachlichere und nüchternere — poetische Sprache zu finden. Das hängt mit der emotionalen und gedanklichen Verarbeitung geschichtlicher Prozesse der neuesten Zeit zusammen, vor allem mit der Erfahrung des Holocaust und der Veränderung seiner Vorstellungen über Wesen und Form der Dichtung „nach Auschwitz“. Die Konfrontation mit dieser schmerzhaften Problematik lässt ihn nicht nur thematische Richtungslinien und den bildlichen Charakter seiner lyrischen Texte neu gestalten, sondern auch seine sprachlichen und stilistischen Mittel stark reduzieren. Auf der Suche nach adäquater Sprache seiner Dichtung verwirft er überlieferte Modelle der rein ästhetischen Aussage zugunsten der poetischen Wirklichkeit, die sich nicht mehr in schönem Bild und harmonischem Klang, sondern im Wahren als Maß des Poetischen verwurzelt weiß. Das war aber ein langwieriger Prozess, der auch in den nächsten Cedichtbänden seine Fortsetzung haben sollte. „In diesen Jahren — schreibt dazu Wolfgang Emmerich — war der Rückzug ins Schweigen zwar eine Erwägung, aber er fand nicht statt. Vielmehr entwarf Paul Celan eine Poetik der Dichtung, die einerseits eine Absage an sein eigenes bisheriges Ideal des schönen Gedichts bedeutete und andererseits ein Weitersprechen auch angesichts von Schinderohren und falschen Lobgesängen ermöglichte“ [11] Emmerich Wolfgang. Paul Celan. — Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 1999, S. 96–97.
. Natürlich musste es auch die Veränderung der äußeren Gestalt, der Architektonik des Gedichts nach sich ziehen — sie werden nun knapper, straffer und inhaltlich dichter an Substanz.
Der neue Gedichtband Celans entstand noch aus der geborgenen Atmosphäre der jungen Liebe und enger Freundschaften, was nicht nur in der Widmung des Buches an seine Frau, sondern auch in den Zueignungen einzelner Gedichte an die nächsten Freunde des Dichters seinen Ausdruck fand. So sind einige wichtige Texte Hannah und Hermann Lenz („Nächtlich geschürzt“), Rene Char („Argumentum e silentio“) oder Nani und Klaus Demus („Die Winzer“) gewidmet. Ein anderes wichtiges poetologisches Gedicht trägt den Titel „In memoriam Paul Eluard“. Damit werden auch der damalige Freundeskreis Celans und seine ästhetischen Präferenzen umrissen, was für die Geschichte der Entstehung des Bandes nicht ohne Relevanz ist.
Eine treffende Charakteristik dieser poetischen Leistung gibt in einem seiner Briefe an Celan sein Stuttgarter Dichterfreund Hermann Lenz, indem er den neuen Band mit Celans poetischem Debütbuch vergleicht und ihn nicht nur als eine biographische und wirklichkeitsbezogene Einheit wahrnimmt, sondern auch als den Weg von der Einsamkeit zur Utopie der menschlichen Solidarität beschreibt: „Der Band erscheint mir geschlossener als „Mohn und Gedächtnis“, obwohl ich — und das ist mir bei Gedichten immer besonders wichtig — dort die Stationen Deines Weges zu erkennen glaube. Die neuen Gedichte zeigen eine Konzentration auf das Wesentliche, und ich beneide Dich um die Sicherheit, mit der Du Deinen Weg fortgesetzt hast“. Und weiter heißt es: „In „Von Schwelle zu Schwelle“ ist eine große Einsamkeit zu spüren, das Buch ist ein Brevier für alle „Nachtgewiegten“, die durch weiße Fäden miteinander verbunden sind. Einen besseren Titel konntest Du für dieses Buch nicht finden“ [12] Paul Celan — Hanne und Hermann Lenz. Briefwechsel, S. 30.
. Diese Worte könnten als Antwort an jene Kritiker und Rezensenten adressiert sein, die in Celans Gedichten wieder zu willkürliche Metaphern und den Mangel an Wirklichkeitsbezug feststellten und von den surrealistischen Anklängen oder gar epigonalen Zügen sprachen. Heute erscheinen solche Anschuldigungen als grundlos, überholt und wissenschaftlich unproduktiv.
Celans zweiter Gedichtband bestätigte den Vektor seiner poetischen Entwicklung, der in „Mohn und Gedächtnis“ angebahnt wurde. Durch die Vertiefung und Weiterentwicklung seiner durchgehenden Bilder und Leitmotive (Liebe und Tod, Dichtung und Sprache, Totengedenken und menschliche Solidarität.), durch die dialogische Struktur seiner Gedichte, den regen Appell an den Anderen, erkämpfte sich dieser Band einen festen Platz in der deutschen Nachkriegslyrik als poetisches Buch von seltener Eindringlichkeit und tiefstem Wahrheitsgehalt.
Petro Rychlo
Поетична збірка Пауля Целана «Від порога до порога»
Через три роки після появи дебютної збірки віршів «Мак і пам’ять» (1952) у штуттґартському видавництві «Дойче Ферлаґсанштальт» вийшла нова поетична книжка Пауля Целана «Від порога до порога» (1955). Якщо вірші першої збірки виникали ще в різних місцях — у Чернівцях, Бухаресті, Відні та Парижі, то «Від порога до порога» охоплює тільки поетичні здобутки паризького часу. Біографічно ці три роки означали для Целана період важкої інтеграції у французьке суспільство, яка інтенсивно тривала як у публічній, так і в приватній сфері. 23-го грудня 1952 року він одружується з французькою художницею Жизель де Летранж. У серпні 1953 року Клер Ґолль розсилає німецьким критикам, радіожурналістам та видавцям свої перші безпідставні звинувачення, згідно з якими Целан начебто вдався до плагіату віршів її чоловіка, німецько-французького поета Івана Голля. 7-го жовтня 1953 року в молодого подружжя народжується їхній первісток Франсуа, який вже через два дні помирає. В 1953 році у гамбурзькому видавництві «Ровольт-Ферлаґ» виходить друком целанівський переклад філософського твору Еміля Чорана «Вчення про розпад», а роком пізніше в цюрихському видавництві «Архе» — переклад драми Пабло Пікассо «Як ловити за хвіст бажання». 6-го червня 1955 року народжується син Ерік, а через кілька днів Целан офіційно отримує французьке громадянство. 23-го червня 1955 року з’являються перші примірники збірки «Від порога до порога».
Таким було біографічне тло, на якому виникли 47 віршів нової поетичної книги. Деякі з перелічених подій знайшли тут своє відчутне поетичне відображення. Вони маркують найважливіші віхи Целанового життя в 1952–1955 роках і є переконливим доказом того, як тісно була пов'язана його поезія з реальністю. «Я ніколи не написав жодного рядка, який би не стосувався мого власного буття» [13] Einhorn: du weißt um die Steine… Paul Celan — Erich Einhorn. Briefwechsel. Hrsg. u. kommentiert von Marina Dmitrieva-Einhorn. — Berlin: Friedenauer Presse 2001, S. 6.
, — напише згодом Целан у листі до свого друга юності Еріха Айнгорна.
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