Ben Bova - Asteroidenfeuer

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Die nicht allzu ferne Zukunft: Martin Humphries, Erbe des milliardenschweren Humphries Trust, wähnt sich auf der Höhe seiner Macht. Er lebt in einer luxuriösen Idylle auf dem Mond, die er zu einer uneinnehmbaren Festung ausgebaut hat, und ein Asteroid nach dem anderen fällt ihm zu, so dass er seine Macht und sein Monopol in der Raumfahrt immer weiter ausbauen kann. Seinen Rivalen Lars Fuchs hat er nicht nur ausgeschaltet, sondern auch gedemütigt, indem er ihm seine Frau Amanda genommen und geheiratet hat. Sie bringt den ersehnten Sohn und Erben zur Welt. Doch noch immer genügt ihm das nicht: Er will Lars Fuchs beseitigt haben und hetzt einen bezahlten Killer auf ihn, der sich im Asteroidengürtel auf die Lauer legt. Aber Humphries ahnt nicht, dass ihm längst ein viel gefährlicherer Gegner erwachsen ist …
Mit diesem Buch beendet Ben Bova die faszinierende Geschichte, die mit »Der Asteroidenkrieg« begann und in »Asteroidensturm« fortgesetzt wurde.

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»Was soll das heißen, er ist weg?«, fragte Humphries unwirsch.

Grigor stand vor ihm wie ein dunkles Gespenst. »Fuchs ist verschwunden«, wiederholte er mit gesenktem Blick und einem Achselzucken.

Sie waren im Wohnzimmer von Humphries' Suite im Hotel Luna . Tatiana Oparin war diskret im Schlafzimmer geblieben, als Grigor eintraf — noch bevor der Zimmerservice das von Humphries bestellte Frühstück gebracht hatte.

»Er kann nicht weg sein!«, schrie Humphries und schlug auf die Kissen der Couch, auf der er saß. Er war nur mit einem seidenen Hotel-Morgenrock bekleidet; die dünnen, fast unbehaarten Beine erinnerten Grigor an die eines Huhns.

»Er war letzte Nacht in Selenes Gewahrsam im Krankenhaus«, meldete Grigor. Er stand vorm Sofa neben dem Kaffeetisch. »Und als wir ihn heute Morgen befragen wollten, waren er und seine Mannschaft verschwunden.«

»Verschwunden? Wie hätte er denn verschwinden sollen? Wie hätte er verschwinden sollen?«

»Sicherheitskräfte der Astro Corporation haben ihn kurz nach ein Uhr nachts aus dem Krankenhaus geholt«, erwiderte Grigor; seine Stimme war so monoton und leidenschaftslos wie eine Computerstimme. »Dann verliert sich seine Spur.«

Humphries sprang so abrupt auf, dass sich der kastanienbraune Morgenmantel öffnete und sein baumelndes Glied entblößte: »Finden Sie ihn!«, schrie er. »Suchen Sie jeden Zentimeter der Stadt ab und finden Sie ihn ! Sofort! Setzen Sie jeden Mann ein, den Sie haben.«

»Jawohl, Sir.«

»Stehen Sie nicht hier herum! Finden Sie ihn! «

Als Grigor sich zur Tür umdrehte, läutete das Telefon. Mit finsterem Blick identifizierte Humphries den Anrufer auf dem Wandbildschirm: Pancho Lane.

»Anruf beantworten«, blaffte er.

Panchos eckiges, hellbraunes Gesicht wurde überlebensgroß auf dem Wandbildschirm abgebildet.

»Martin, ich habe eine unangenehme Nachricht für Sie.«

Er schaute ihr Bild finster an und hüllte sich in den Morgenmantel.

»Lars Fuchs ist es irgendwie gelungen, unser neuestes Schiff zu stehlen. Er hat vor ein paar Stunden den Mondorbit verlassen und ist wahrscheinlich schon auf dem Flug zum Asteroidengürtel.«

»Er hat Ihnen ein Schiff gestohlen?«, fragte Humphries mit vor Sarkasmus triefender Stimme.

»Ja«, sagte Pancho. »Er ist den Sicherheitskräften entwischt, die ihn letzte Nacht aus dem Krankenhaus geholt hatten.«

Humphries hatte das Gefühl, kurz vor einer Explosion zu stehen. »Er scheint viel Hilfe gehabt zu haben, stimmt's?«

»Ja nun, er hat ein paar Freunde unter meinen Astro-Leuten«, sagte Pancho mit unbewegter Miene. »Wir kümmern uns darum.«

»Ich bin sicher, dass Sie das tun.«

Sie lächelte fast. »Ich sagte mir nur, das würde Sie vielleicht interessieren.«

»Danke, Pancho.«

»Jederzeit, Martin.« Der Bildschirm wurde dunkel.

Humphries ging zu dem kleinen Tisch am Ende der Couch, nahm die darauf stehende Lampe und schleuderte sie gegen den Wandbildschirm. Die Lampe prallte ab und fiel mit einem dumpfen Schlag auf den Teppich.

»Verdammtes Biest! Sie hat ihm bei der Flucht geholfen. Nun fliegt er in den Gürtel zurück, um sich bei seinen Felsenratten-Kumpels zu verstecken.«

»Wir könnten ihn abfangen«, sagte Grigor.

Humphries schaute seinen Sicherheitschef finster an. »Er wird lautlos fliegen. Sie würden das ganze Gebiet zwischen hier und dem Gürtel absuchen müssen. Es gibt nicht genug Schiffe …«

»Er wird irgendwo Vorräte bunkern müssen«, sagte Grigor. »Das Habitat Chrysallis bei Ceres ist der einzige Platz dafür.«

»Die werden ihn nicht reinlassen«, sagte Humphries mit grimmiger Miene. »Sie haben ihn vor Jahren verbannt.«

»Vielleicht«, entgegnete Grigor mit einem knappen Nicken. »Aber er wird sich mit einem Versorgungsschiff in diesem Gebiet in Verbindung setzen.«

»Oder eins kapern, der verdammte Pirat.«

»Wie auch immer, Chrysallis ist der Schlüssel zu seinem Überleben. Wenn wir das Habitat bei Ceres kontrollieren, werden wir ihn früher oder später erwischen.«

Humphries musterte seinen Sicherheitschef für eine Weile schweigend. »Ganz recht«, sagte er dann. »Sagen Sie unseren Leuten auf Vesta, sie sollen eine Einsatzgruppe nach Ceres schicken und die Kontrolle über Chrysallis übernehmen.«

Ein unglücklicher Ausdruck schlich sich in Grigors verdrießliches Gesicht. »Wir haben den Kontakt mit Vesta verloren«, sagte er, wobei er die Worte in einem Schwall ausstieß.

»Was?«

»Ich bin sicher, dass das nur vorübergehend ist.«

»Kontakt verloren?« Humphries' Stimme hob sich um eine Oktave.

»Es könnte der Sonnensturm sein«, sagte Grigor fast zu sich selbst, »obwohl die Wolke schor wieder aus dem Gürtel abgezogen ist.«

»Der Kontakt zum Stützpunkt ist abgebrochen?«, schrie Humphries. »Abgebrochen?«

»Seit mehr als zwölf Stunden«, gestand Grigor fast im Flüsterton.

Humphries wollte schreien. Und er tat es auch — so laut und hysterisch, dass Tatiana Oparin nun doch ins Wohnzimmer eilte. Als sie ihn nicht zu beruhigen vermochte, rief sie die medizinische Abteilung von HSS an und verständigte Humphries' Leibarzt.

Flaggschiff Samarkand

Harbin hasste diese Einweg-Nachrichten. Ich muss hier wie ein gehorsamer Hund sitzen, während mein Herrchen mit mir spricht, grämte er sich. Aber es gab keinen anderen Weg. Grigor war in Selene und Harbin in seiner privaten Kabine an Bord der Samarkand — so tief im Gürtel, dass das Licht mehr als eine Stunde brauchte, um die Entfernung zwischen ihnen zu bewältigen.

Grigors Gesicht auf dem Bildschirm wirkte noch mürrischer als sonst. Er ist besorgt, sagte Harbin sich. Geradezu verängstigt.

»… hat Humphries' Anwesen hier in Selene völlig zerstört und vier Wachen getötet«, sagte der Sicherheitschef, wobei er die Worte nervös hervorstieß. »Sie haben auch Humphries' persönliche Assistentin getötet, diese Ferrer. Der Angriff wurde von Lars Fuchs angeführt.«

Fuchs hat Humphries auf seinem eigenen Boden angegriffen, staunte Harbin. Er hegte eine gewisse Bewunderung für solche Kühnheit. Triff den Feind so hart wie möglich. Ziele auf sein Herz.

»Astro hat Fuchs anscheinend zur Flucht verholfen«, nölte Grigor weiter. »Höchstwahrscheinlich ist er auf dem Rückweg zum Gürtel. Er muss Freunde in Ceres haben, Verbündete, die ihn mit Vorräten versorgen und noch mehr Leute zur Verfügung stellen. Ihr Befehl lautet, Fuchs aufzuspüren und ihn zu töten. Alles andere ist sekundär. Bringen Sie Mr. Humphries den Kopf von Fuchs. Mit weniger wird er sich nicht zufrieden geben.«

Harbin nickte. Das ist nicht das erste Mal, dass Humphries Fuchs' Leben gefordert hat, rief er sich in Erinnerung. Aber das ist nun das letzte Mal. Endgültig. Fuchs hat Humphries Angst gemacht. Bisher hat Humphries diesen Krieg vom trauten Heim aus geführt. Doch nun hat Fuchs ihn bedroht und in Angst und Schrecken versetzt. Nun wird er Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um die Bedrohung zu eliminieren, die Fuchs verkörpert. Nun ist es Zeit für Fuchs zu sterben.

»Noch etwas«, fügte Grigor mit unstetem Blick hinzu. »Die Basis auf Vesta ist verstummt. Wir wissen nicht, wieso. Ich habe eins unserer Kampfschiffe zum Asteroiden geschickt, um nachzusehen. Sie halten sich aber von Vesta fern. Nehmen Sie direkt Kurs auf Ceres und das Habitat Chrysallis . Schnappen Sie sich Fuchs. Ich kümmere mich um Vesta.«

Das verdrossene Gesicht des Sicherheitschefs verschwand von Harbins Bildschirm. Er war wieder allein in der Kabine.

Er will sich um Vesta kümmern, ärgerte Harbin sich. Und was ist mit meinen Vorräten? Wo soll ich Treibstoff und Proviant für meine Mannschaft hernehmen? Wie soll ich es mit den paar Tropfen im Tank die ganze Strecke bis nach Ceres schaffen? Zumal ich das Schiff auch der Panzerung beraubt habe. Was, wenn ich auf ein Astro-Kampfschiff stoße? Das Arschloch kann leicht Befehle geben, wenn ich sie ausführen muss.

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