Robert Musil - Die Vollendung der Liebe

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Die Vollendung der Liebe: краткое содержание, описание и аннотация

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Sie lehnten sich hinein und suchten das Gestern zu erreichen; aber Claudine gewann davon bloß ein Bewußtsein, als trüge sie heimlich etwas Kostbares und Zartes. Und sie durfte es nicht verraten, weil die andern Menschen es nicht verstehen konnten und sie schwächer war und sich nicht zu verteidigen vermochte und sich fürchtete. Schmal und eingezogen ging sie zwischen ihnen, voll Hochmut, und zuckte zusammen, wenn ihr jemand zu nahe kam, und verbarg sich hinter einer bescheidenen Miene. Und fühlte dabei, heimlich entzückt, ihr Glück, wie es schöner wurde, wenn sie nachgab und sich dieser leise wirren Angst überließ.

Und daran erkannte sie es. Denn so war es damals; ihr kam plötzlich vor: einst, als sei sie lange anderswo und doch nie fern gewesen. Es war ein Dämmerndes um sie und Ungewisses wie das ängstliche Verbergen von Leidenschaften Kranker, ihr Tun riß sich in Stücken von ihr los und wurde von den Gedächtnissen fremder Menschen davongetragen, nichts hatte jenen Ansatz zur Frucht in ihr zurückgelassen, der eine Seele leise zu schwellen anfängt, wenn die andern glauben sie völlig entblättert zu haben und sich satt von ihr abwenden; . . und doch lag blaß bei allem, was sie litt, ein Schimmer wie von einer Krone, und in dem dumpfen, summenden Weh, das ihr Leben begleitete, zitterte ein Glanz. Zuweilen war ihr dann, als brennten ihre Schmerzen wie kleine Flammen in ihr, und irgend etwas trieb sie, ruhelos neue zu entzünden; sie glaubte dabei, einen schneidenden Reif um die Stirn zu fühlen, so unsichtbar und unwirklich wie aus Traum und Glas, und manchmal war es nur ein fernes kreisendes Singen in ihrem Kopf . . . .

Claudine saß reglos, während der Zug mit leisem Schütteln durch die Landschaft fuhr. Ihre Mitreisenden unterhielten sich, sie hörte es nur wie ein Rauschen. Und während sie jetzt an ihren Mann dachte und ihre Gedanken von einem weichen, müden Glück umschlossen waren wie von Schneeluft, war es doch bei aller Weichheit etwas, das fast am Bewegen hinderte oder wie wenn ein genesender, an das Zimmer gewöhnter Körper die ersten Schritte im Freien tun soll, ein Glück, das still stehen macht und beinahe weh tut; . . und dahinter rief noch immer dieser unbestimmt schwankende Ton, den sie nicht fassen konnte, fern, vergessen, wie ein Kinderlied, wie ein Schmerz, wie sie, . . in weiten schwankenden Kreisen zog er ihre Gedanken nach sich und sie konnten ihm nicht ins Gesicht sehn.

Sie lehnte sich zurück und blickte zum Fenster hinaus. Es erschöpfte sie, länger daran zu denken; ihre Sinne waren ganz wach und empfindlich, aber etwas hinter den Sinnen wollte still sein, sich dehnen, die Welt über sich hingleiten lassen. . . . Telegraphenstangen fielen schief vorbei, die Felder mit ihren schneefreien, dunkelbraunen Furchen wanden sich ab, Sträucher standen wie auf dem Kopf mit Hunderten gespreizter Beinchen da, an denen Tausende kleiner Glöckchen von Wasser hingen und fielen, liefen, blitzten und glitzerten, . . es war etwas Lustiges und Leichtes, ein Weitwerden, wie wenn Wände sich auftun, etwas Gelöstes und Entlastetes und ganz Zärtliches. Selbst von ihrem Körper hob sich die sanfte Schwere, in den Ohren ließ sie ein Gefühl wie von tauendem Schnee und allmählich nichts als ein beständiges lockeres Klingeln. Ihr war, als lebte sie mit ihrem Mann in der Welt wie in einer schäumenden Kugel voll Perlen und Blasen und federleichter, rauschender Wölkchen. Sie schloß die Augen und gab sich dem hin.

Aber nach einer Weile begann sie wieder zu denken. Das leichte, gleichmäßige Schwanken des Zugs, das Aufgelockerte, Tauende der Natur draußen, – es war als hätte sich ein Druck von Claudine gehoben, es fiel ihr plötzlich ein, daß sie allein war. Sie sah unwillkürlich auf; um ihre Sinne trieb es noch immer in leise rauschenden Wirbeln dahin; es war, wie wenn man eine Tür, deren man sich nie anders als geschlossen entsinnt, einmal offen findet. Vielleicht hatte sie den Wunsch danach schon lang empfunden, vielleicht hatte verborgen etwas hin und her geschwungen in der Liebe zwischen ihr und ihrem Mann, aber sie hatte nichts gewußt, als daß es sie immer fester wieder aneinanderzog, nun war ihr plötzlich, als hätte es heimlich etwas lange Geschlossenes in ihr zersprengt; es stiegen langsam wie aus einer kaum sichtbaren, aber bis an irgendeine Tiefe reichenden Wunde, in kleinen, unaufhörlichen Tropfen, daraus Gedanken und Gefühle empor und weiteten die Stelle.

Es gibt so viele Fragen in dem Verhältnis zu geliebten Menschen, über die der Bau des gemeinsamen Lebens hinausgeführt werden muß, bevor sie zu Ende gedacht sind, und später läßt das Gewordene keine Kraft mehr frei, um es sich anders auch nur vorzustellen. Dann steht wohl irgendwo am Weg ein sonderbarer Pfahl, ein Gesicht, säumt ein Duft, verläuft in Gras und Steinen ein nie betretener Pfad, man weiß, man müßte zurückkehren, sehen, aber alles drängt vorwärts, nur wie Spinnwebfaden, Träume, ein raschelnder Ast zögert etwas am Schritt und von einem nicht gewordenen Gedanken strahlt eine stille Lähmung aus. In der letzten Zeit, manchmal, vielleicht etwas häufiger, war dieses Zurücksehen, ein stärkeres Sichzurückbiegen nach der Vergangenheit. Claudinens Treue lehnte sich dagegen auf, gerade weil sie keine Ruhe, sondern ein Kräftefreimachen war, ein gegenseitiges Einanderstützen, ein Gleichgewicht durch die beständige Bewegung nach vorwärts. Ein Hand in Hand laufen, aber manchmal kam, mitten darin, doch, plötzlich, diese Versuchung stehenzubleiben, ganz allein stehenzubleiben und um sich zu sehn. Sie fühlte dann ihre Leidenschaft wie etwas Zwingendes, Nötigendes, Fortreißendes; und noch wenn es überwunden war und sie Reue fühlte und das Bewußtsein von der Schönheit ihrer Liebe sie von neuem überkam, war das starr und schwer wie ein Rausch und sie begriff entzückt und ängstlich jede ihrer Bewegungen so groß und steif darin wie in goldenen Brokat verschnürt; irgendwo aber lockte etwas und lag still und bleich wie Märzsonnenschatten auf frühlingswunder Erde.

Claudine wurde auch in ihrem Glück zuweilen von dem Bewußtsein einer bloßen Tatsächlichkeit, fast seines Zufalls befallen; sie dachte manchmal, es müßte noch eine andere, ferne Art des Lebens für sie bestimmt sein. Es war das vielleicht nur die Form eines Gedankens, die von früher in ihr zurückgeblieben war, nicht ein wirklich gemeinter Gedanke, sondern nur ein Gefühl, wie es ihn einst begleitet haben mochte, eine leere, unaufhörliche Bewegung des Spähens und Hinaussehens, die – zurückweichend und nie zu erfüllend – ihren Inhalt längst verloren hatte und wie die Öffnung eines dunklen Gangs in ihren Träumen lag.

Vielleicht war es aber ein einsames Glück, viel wunderbarer als alles. Etwas Lockeres, Bewegliches und dunkel Empfindsames an einer Stelle ihres Verhältnisses, wo in der Liebe anderer Menschen nur knöchern und seelenlos das feste Traggerüst liegt. Eine leise Unruhe war in ihr, ein fast krankhaftes Sich nach äußerster Gespanntheit sehnen, die Ahnung einer letzten Steigerung. Und manchmal war es, als sei sie einem ungekannten Liebesleid bestimmt.

Zuweilen wenn sie Musik hörte, berührte diese Ahnung ihre Seele, heimlich, weit draußen, irgendwo . .; sie erschrak dann darüber, dort, im Unkenntlichen plötzlich noch ihre Seele zu spüren. Jedes Jahr aber kam eine Zeit, in der Winterwende, wo sie sich diesen äußersten Grenzen näher fühlte als sonst. In diesen nackten, entkräftet zwischen Leben und Tod hängenden Tagen empfand sie eine Wehmut, die nicht die des gewöhnlichen Verlangens nach Liebe sein konnte, sondern fast eine Sehnsucht, diese große Liebe, die sie besaß, zu verlassen, als dämmerte vor ihr der Weg einer letzten Verkettung und führte sie nicht mehr zum Geliebten hin, sondern fort und schutzlos in die weiche, trockene Welkheit einer schmerzhaften Weite. Und sie merkte, daß das von einer fernen Stelle kam, wo ihre Liebe nicht mehr bloß etwas zwischen ihnen allein war, sondern in blassen Wurzeln unsicher an der Welt hing.

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