Emily ging zurück in die Küche. Daniel, Amy und Chantelle saßen immer noch am Küchentisch und unterhielten sich angeregt. Kein Zweifel, Amy nutzte ihren Geschäftssinn, um Daniel dazu zu zwingen, jedes Detail von Charlottes Geburt bis ins Kleinste zu planen, wobei sie die Art von organisierter Präzision anwandte, auf die Babys wenig Rücksicht nahmen.
„Da ist sie.“ Daniel strahlte, als er sie eintreten sah. „Ich habe Neuigkeiten.“
„Hast du?“, sagte Emily und setzte sich. „Aber ich war nur eine Minute weg.“
„Jack hat angerufen“, sagte Daniel und bezog sich auf seinen Chef in der Tischlerwerkstatt, in der er seit einem Jahr arbeitete.
„Oh? Und was hat er gesagt?“, fragte Emily neugierig.
„Er hat es wieder mit seinem Rücken“, sagte Daniel. Jack hatte sich vor nicht allzu langer Zeit bei der Arbeit verletzt und hatte sich seitdem noch nicht voll regeneriert. „Du weißt, dass der ihm Probleme bereitet. Nun, seine Frau hat es schließlich geschafft, ihn davon zu überzeugen, seine Arbeitszeit zu reduzieren. Sie hat etwas Geld geerbt und möchte, dass sie früh in Rente gehen, in der Karibik cruisen, so etwas.“
Emily runzelte die Stirn. „Deine aufregende Nachricht ist, dass Jack und seine Frau auf Kreuzfahrt gehen?“
Daniel lachte. „Ja!“
„Verstehe ich nicht“, fügte sie hinzu und blickte verwirrt auf Chantelles und Amys aufgeregte Mienen. „Und was ist daran so lustig? Habe ich etwas nicht mitbekommen?“
Daniel fuhr fort. „Denk darüber nach“, ermutigte er sie. „Er wird jemanden brauchen, der in seiner Abwesenheit die Holzwerkstatt führt. Jemand, der sich um den Laden kümmert.“
Emily keuchte. „Du meinst ... dich?“
Chantelle konnte es nicht mehr aushalten. Sie stieß einen Freudenschrei aus. „Papa wird befördert!“
Emily schlug sich die Hand vor den Mund. „Das ist erstaunlich!“ Sie jubelte. „Du hast es dir verdient.“
Sie konnte ihr Glück kaum fassen und hüpfte von ihrem Stuhl, stellte sich hinter Daniel und umarmte ihn fest.
Daniel errötete schüchtern. Er war keiner, der gut mit Komplimente umgehen konnte.
„Er wird mir eine Gehaltserhöhung und einen neuen Titel geben. Es wird jedoch eine längere Arbeitszeit erfordern“, fügte er hinzu und klang sehr ernst. „Ich muss der Erste sein, um zu öffnen, und ich muss abends der Letzte sein, um alles richtig abzuschließen. Da sind teure Ausrüstung und Produkte drin und Jack lässt nie einen anderen absperren, also ist es eine große Sache für ihn, die Zügel an dieser Front abzugeben. Mein Schichtplan wird dadurch wirklich merkwürdig sein. Jack macht es nichts aus, zu jeder Tages-und Nachtzeit zum Holzladen zu fahren, aber wenn es von mir erwartet wird, wird es etwas anderes sein.
Emily wollte noch nicht über mögliche Nachteile der guten Nachrichten nachdenken. Lange Schichten, zusätzliche Verantwortung für Sicherheit und der unvermeidliche Stress, der ihn verursachen würde, waren alles Dinge, mit denen sie sich zu gegebener Zeit befassen würde. Doch jetzt wollte sie sich über die guten Nachrichten freuen.
„Ich bin so stolz auf dich“, sagte sie und drückte einen Kuss auf seinen Scheitel.
„Ihr solltet das feiern“, sagte Amy von der anderen Seite der Frühstücksbar.
„Unbedingt“, stimmte Emily zu.
„Ich denke wir sollten runter zum Strand gehen!“, schlug Chantelle vor.
„Nun, da das Wetter so schön ist, sehe ich nicht, was dagegensprechen sollte“, sagte Emily. „Wir sollten es nicht verschwenden.“
Chantelle boxte in die Luft. Sie liebte den Strand. Überhaupt liebte sie es, im Freien zu sein. Jede Gelegenheit, in der Natur zu rennen und zu toben, nahm sie begierig an.
„Amy?“, fragte Emily. „Kommst du mit uns?“
Amy schaute auf ihre Uhr. „Eigentlich sollte ich Harry bald treffen, also werde ich keine Zeit haben.“
Emily war sich nicht sicher, aber sie glaubte einen Unterton in der Stimme ihrer Freundin zu hören, eine Art Bitterkeit. Sie fragte sich, ob es ein Problem zwischen ihr und Harry gab.
Aber es war im Augenblick keine Zeit, das zu diskutieren. Die Morey-Familie war im Aktions-Modus: Chantelle war auf der Suche nach den Hundeleinen, Daniel riss Schränke auf und holte Taschen, Saftkartons und Snacks heraus.
Emily berührte Amys Hand über den Tresen. „Wir reden später“, sagte sie.
Amy nickte und wirkte ein wenig niedergeschlagen. Dann wurde Emily in das Chaos ihrer Familie hineingezogen, als ob sich ein Tornado um sie drehte und sie hineinzog.
„Lasst uns gehen! Auf zum Strand!“
Der Strand war atemberaubend schön in der Sonne. Emily konnte kaum glauben, dass es zu dieser Jahreszeit so sonnig war. Es war so warm und hell wie an einem fantastischen Sommertag.
Sie schlenderten zusammen und ließen die Hunde von ihren Leinen, damit sie vorauseilen und die brechenden Wellen anbellen konnten.
Sobald sie einen guten Platz gefunden hatten, um sich niederzulassen, half Daniel Emily zu Boden. Sie saß mit gekreuzten Beinen da, ihr schwangerer Bauch ruhte bequem auf ihren Beinen. Chantelle hüpfte herum, voller Überschwang für das, was sich wie die letzte Chance anfühlte, den Strand in diesem Jahr zu genießen.
Daniel griff nach Emilys Hand und streichelte sie zärtlich.
„Was meinst du zu meiner Beförderung?“, wollte er wissen. „Machst du dir Sorgen wegen der zusätzlichen Stunden, die ich nicht zu Hause sein werde?“
„Nun, über wieviel Zeit reden wir?“, fragte Emily. Sie war jetzt bereit, mehr über die Einzelheiten zu erfahren, um die Herausforderungen betrachten zu können, denen sie sich würde stellen müssen.
„Jack öffnet den Laden um acht“, begann er. „Das ist kein Problem, nicht wirklich. Ich bin an frühe Anfangszeiten gewöhnt und es wird zum Schulbeginn passen. Es ist die Holzwerkstatt, die das größere Problem ist. Es gibt Zeiten, in denen wir einen großen Auftrag bekommen und nicht viel Zeit dafür haben. Früher, als ich nur ein Arbeiter war, war ich einer von vielen und musste jeden Tag höchstens ein oder zwei Stunden dranhängen. Wir konnten uns die Last teilen. Aber da ich nun derjenige bin, der die Ausrüstung kontrolliert und allein für die Qualitätssicherung verantwortlich ist, muss ich bei jeder Bestellung vor Ort sein und alles bis zur Fertigstellung überprüfen, genau wie Jack bisher. Du weißt, wie lange so etwas dauern kann. Nun, ich werde nicht mehr Teil des Schichtplans sein. Ich werde für alles verantwortlich sein und während der arbeitsreichsten Zeiten dort sein müssen.“
Je mehr Daniel darüber sprach, desto stärker spürte Emily, wie ihre Angst wuchs. Die Beförderung kam zu einem ziemlich schlechten Zeitpunkt. Der Gedanke daran, dass Daniel nicht da sein könnte, wenn bei ihr die Wehen losgingen, machte ihr Sorgen. Und was ist mit dem Vaterschaftsurlaub? Würde er überhaupt welchen bekommen?
Aber trotz ihrer Befürchtungen barst sie nur so vor Glück. Sie war auch extrem stolz auf Daniel und wollte seine Laune in keinster Weise trüben. Er hatte so viel erreicht seit sie ihn kannte. Und außerdem hatte sie Amy hier, die einspringen konnte, wenn Not am Mann war.
„Ich freu mich so sehr für dich“, sagte sie. „Du verdienst es, nach all deiner harten Arbeit.“
„Wir könnten sicherlich auch die Gehaltserhöhung gebrauchen“, antwortete Daniel, seine freie Hand berührte sanft Emilys Bauch. „Da wir bald mehr Mäuler zu stopfen haben werden.“
Emily lächelte und seufzte zufrieden. Trotz der Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert war, freute sie sich immer noch auf die Zukunft, auf Baby Charlotte.
Als Daniel wieder sprach, klang er ein wenig melancholisch. „Mehr Verantwortung bedeutet mehr Stress. Ich hoffe, ich habe dann noch genug Energie, um Zeit mit den Kindern zu verbringen.“
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