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Ich biege in meine Einfahrt. Während ich die Garage aufschließe, atme ich tief durch. Die klare Winterluft tut gut. Ich stelle meinen schwarzen Alfa Spider hinein und verabschiede mich von ihm. Dieses Auto liebe ich wie einen Freund. Ich weiß, dass mancher darüber grinsen würde, aber das versteht eben nur ein Alfa-Fan. Der Bewegungsmelder lässt die Gartenbeleuchtung aufleuchten. Ich gehe ins Haus. Meinen Mantel und die Tangoschuhe werfe ich noch beim Laufen auf die Treppe, und steure schnurstracks auf mein Arbeitszimmer zu. Der Mac ist noch am Netz.
Und tatsächlich, es liegt eine neue Mail von Robert vor.
»Wenn Sie schon nicht da sind, werde ich Ihnen erzählen, wie ich es mir vorstelle:
Wir treffen uns.
Sie sind zuerst da.
Sie tragen das besprochene Outfit.
Ich betrachte Sie in der Tür.
Wir betrachten uns.
Keiner sagt ein Wort.
Ich dränge an Ihnen vorbei.
Sie können mich spüren.
Sie riechen mich.
Ich rieche Sie.
Ich gehe hinein und setze mich auf einen Sessel.
Lehne mich zurück und warte darauf,
dass auch Sie in den Raum kommen.
Sie stöckeln in den Raum, schauen mich an.
Ich behalte meine Hände bei mir und befehle:
›Stöckeln Sie ein wenig auf und ab,
betrachten Sie mich dabei.‹
Sie sehen, dass Sie mir gefallen.
Die fantastischen hohen Schuhe,
Ihre nackten Füße darin,
Ihre roten Fußnägel,
der enge Rock,
Ihre enge weiße Bluse,
die Ahnung Ihrer Wäsche darunter.
›Stellen Sie sich gegen die Wand, mit dem Rücken zu mir,
spreizen Sie die Beine ein wenig,
schauen Sie mich über die Schulter an,
drücken Sie den Po raus.‹
Sie sehen, wie Sie mir gefallen.
Meine Hose ist prall.
›Drehen Sie sich um,
öffnen Sie einen weiteren Knopf Ihrer Bluse
und kommen Sie langsam auf mich zu,
langsam, stöckelnd, provokant.‹
Sie tun, wie befohlen.
Sie stehen vor mir.
Wir atmen beide schwerer vor Erregung.
›Knien Sie nieder und öffnen Sie meine Hose.
Nur die Hose öffnen, nicht mehr.‹
Sie tun wie befohlen.
Sie können mich riechen,
den Geruch nach Sex,
meinen Schwanz.
Ein angenehmer Geruch.
Sie bleiben knien.
Ich fasse in meine Hose
und packe meinen Schwanz.
Sie sehen ihn jetzt: groß, heiß, pulsierend.
Törnt Sie das an?
Gefällt Ihnen das?
Falls ja, antworten Sie, sobald Sie die Mail lesen
oder schicken Sie mir eine Nachricht.«
Ich bin beeindruckt. Seine direkte Anmache törnt mich tatsächlich an. Ich entschließe mich jedoch, nicht zu antworten. Das dürfte das Ganze noch interessanter machen und die Spannung erhöhen.
»Bitte«, schreibt er wieder, »falls Sie meine Nachricht heute Abend noch lesen, antworten Sie und lassen Sie uns weiterspielen. Es sei denn, Sie haben eine Nachricht erhalten, dass ich offline bin.«
Ich bleibe standhaft. Die Mail hat mich heiß gemacht und ich will jetzt allein sein.
Robert schreibt noch einmal. »So, gnädige Frau, ich fahr jetzt langsam heim. Es war mir ein Vergnügen, heute mit Ihnen diese Konversation führen zu dürfen. Sie sind eine Frau mit mehr Klasse und Stil, als man wünschen mag. Tragen Sie noch einmal zu meiner Erregung bei.
Bald.
Oder sogar heute Abend.
Heute Abend würde schon eine App von Ihnen reichen,
um mich sehr zu erregen.
Auf bald, in Verneigung.«
Ist das zu glauben? Diese Sprache, diese galante Masche. Er hat es voll drauf. Und bestimmt nicht zum ersten Mal. Ich stellte mich unter die heiße Dusche. Während ich den Tag noch einmal im Kopf Revue passieren lasse, tue ich mir Gutes. Ich schäume mich mit der neuen Vanille-Duschlotion ein, und streichele und massiere sanft meinen Körper. Kreisende Bewegungen mit wechselnd hartem oder weichem, warmen Wasserstrahl direkt auf mein Geschlecht, tun dann ein Übriges. Ich ergebe mich und komme heftig zuckend. Ich halte mich an der Duschstange fest, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Erschöpft und zufrieden hülle ich mich anschließend in meinen flauschigen, weißen Bademantel und lasse den Tag mit einem Glas spanischen Rotwein in meinem Lieblingssessel ausklingen. Die Beine hochgelegt, sinniere ich über mein Leben. Zurzeit bin ich mal wieder Single und niemandem verpflichtet. Mein Beruf füllt mich aus. Es geht mir gut.
Die kommende Woche werde ich beruflich auf der Berlinale verbringen. Täglich kann man meine Beiträge im Radio verfolgen. Jeden Abend hetze ich von Party zu Party. Stars und Sternchen feiern sich hier. C-Promis huschen über den Laufsteg der Eitelkeiten in der irrigen Hoffnung, einen Job zu ergattern. Den Mittwochabend habe ich mir für die Tangonacht im »Roten Salon« in Berlin Mitte reserviert.
Als ich den Laptop schließen will, höre ich das kleine »Pling« des Posteingangsgeräusches. – Robert.
Mein Herz klopft.
»Sind Sie online?«, fragt er.
»Ja.«
»Gut. Ich will mit Ihnen spielen.«
»Ich weiß nicht, ob ich heute mitspiele.«
»Verstehe. Ich gefalle Ihnen nicht? Sie haben anderes zu tun?«
»Ich bin nicht so gut drauf.«
»Das ist ein Argument. Dann tröstet Sie vielleicht meine Verehrung. Ich habe selten virtuell eine so interessante, begehrenswerte Frau kennengelernt, wie Sie es zu sein scheinen. Sie gefallen mir. Alles, was ich bisher weiß, gefällt mir und zeigt mir, dass Sie eine Frau von Stil und Geschmack sind. Eine, nach der sich Mann und Frau umdrehen, wenn Sie vorbeigehen. Sie verstehen zu spielen und Sie beherrschen die Sprache als Instrument. All das führt dazu, dass ich Sie sehr verehre und sehr begehre.«
»Herzlichen Dank für das Kompliment. Und Sie haben recht. Nur ist es ein Unterschied, begehrliche Blicke zu registrieren oder Begehren verbalisiert zu bekommen. Sie verstehen, Ihre gute Erziehung und Ihren Charme einzusetzen.«
»Das ist mir ein großes Vergnügen und ein Bedürfnis. Sie sind eine Frau, die ein Mann von Klasse jeden Tag mit Komplimenten bedenken sollte. Frauen wie Sie sind ein guter Grund, ein Mann sein zu wollen. Ich hoffe, ich habe Sie beim Verbalisieren nicht verletzt oder bedrängt. Es ist ein absolutes Muss, einer Dame wie Ihnen mit Charme und wohlerzogen zu begegnen. Und seit Sie es so schön beschrieben, hab ich in bestimmten Situationen immer dieses Bild von Ihnen im schmalen engen Rock, der engen weißen Bluse und den hohen offenen Schuhen vor Augen ...«
Ich lächle in mich hinein. Er hat sich an diesem Outfit festgebissen. Warum steht er ausgerechnet auf unschuldiges Weiß? Zu viele Fragen. Ich will jetzt nichts analysieren. Deshalb schreibe ich zurück: »Nicht viele beherrschen die Klaviatur, auf der Sie zu spielen verstehen. Bravo.«
»Wissen Sie was? Noch nie bekam ich ein schmeichelhafteres Kompliment, das mir so viel bedeutet. Vielen Dank. Das erhöht meine Verehrung und mein Begehren. Eine andere Frage: Ich hab Ihnen neulich eine Kontaktanfrage im Forum gesendet. Mögen Sie diese bestätigen? Sie sähen mich glücklich.«
»Ist geschehen.«
»Ich bin glücklich, entzückt und geschmeichelt.«
»Bitte nicht übertreiben, das steht Ihnen nicht.«
»Ich übertreibe nicht. Ich schrieb Ihnen ja schon, was ich von Ihnen halte. Und wenn ich mich zu Ihren Kontakten zählen darf, dann ist das für mich eine Auszeichnung. Ich glaube, Sie unterschätzen, wie sehr Sie, jedenfalls aus meinem bisherigen Blickwinkel, aus der Menge herausstechen.«
»Das ist mir bewusst. Ich arbeite hart. Neider gibt es viele. Was immer ich tue, wird kritisch kommentiert. Aber Sie meinten wahrscheinlich weniger den Job?«
»Ich meine beides. Auch, und grade die Kombination. Im Job, aber jetzt auch insgesamt für mich. Wie Sie sehen ... Mich haben Sie schon wahnsinnig angemacht.«
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