Wenn du selbstbewusst bist, dann kannst du dich wehren, unberechtigte Forderungen ablehnen, Wünsche und Bedürfnisse äußern. Du machst dir weniger Stress und Sorgen, was andere von dir denken könnten. Du kannst besser mit Konflikten umgehen.
Du fühlst dich freier und lebst selbstbestimmt.
Du fühlst dich weniger hilflos und anderen ausgeliefert. Du lässt dich nicht mehr ausnutzen. Du hast das Gefühl, dein Leben im Griff zu haben. Das schenkt dir das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. Du kannst gelassener durchs Leben gehen. Du kannst freier entscheiden, was du willst und was nicht.
Deine Selbstachtung wird gestärkt.
Wenn du selbstbewusst handelst, dann bist du auf dich stolz, bist mit dir und deinem Leben zufriedener – das wirkt sich positiv auf dein Selbstwertgefühl aus.
Sind es dir diese Vorteile wert, selbstsicherer zu werden?
Lohnt es sich für diese Vorteile, ein wenig Zeit und Energie zu investieren?
Hast du gerade genickt und ja gesagt? Prima. Los geht’s.
Im nächsten Kapitel schauen wir uns an, warum wir Hemmungen haben und uns schwertun, selbstbewusst aufzutreten.
2Warum sind wir schüchtern und unsicher?
Unersättliche Sehnsucht nach Anerkennung macht dich von der Anerkennung anderer abhängig .
Ist dir schon einmal aufgefallen, mit welcher Selbstverständlichkeit, Natürlichkeit und Unbefangenheit viele kleine Kinder auf andere Menschen zugehen, diese anlächeln oder ein Gespräch beginnen? Ein kleines Kind fällt nicht in eine Depression, wenn ein anderes Kind nicht mit ihm spielen will. Es ärgert sich nicht tagelang über etwas. In Sekundenschnelle hat es den Vorfall vergessen und ist wieder mit etwas anderem beschäftigt. Es ist nicht nachtragend, wenn ihm ein Erwachsener etwas abschlägt.
Und wie geht es uns Erwachsenen? Was für ein Drama machen wir, wenn ein anderer uns ablehnt. Wie oft laufen wir tagelang mit einem langen Gesicht herum, wenn uns eine Laus über die Leber gelaufen ist. Wie schwer tun wir uns, auf andere zuzugehen, diese anzulächeln und anzusprechen. Wie viele Ängste und Skrupel haben wir bei dem Gedanken, jemandem eine Bitte abzuschlagen oder jemanden um etwas zu bitten? Wie lange zögern wir, bis wir endlich unsere Meinung äußern?
Warum sind wir so geworden? Wo sind die Unbefangenheit und die Natürlichkeit geblieben, mit denen wir uns früher so unbeschwert und selbstsicher bewegt haben? Welche Erfahrungen haben dein und mein einstmals natürliches Selbstbewusstsein zerstört und uns in unsichere und schüchterne Menschen verwandelt? Die Antwort lautet: Wir sind schüchtern, weil wir als Kinder öfter durch Androhung von Liebesentzug eingeschüchtert wurden. Dadurch haben wir eine Angst vor Ablehnung entwickelt.
Durch diese Angst lassen sich Menschen davon abhalten, selbstsicher aufzutreten. Würden wir der Angst, abgelehnt zu werden, nicht erlauben, uns einzuschränken, dann könnten wir uns frei entfalten und ein erfülltes Leben führen.
Beachte bitte:Ich sage nicht, dass diese Angst dafür verantwortlich ist, dass wir Hemmungen haben. Es ist vielmehr so, dass wir uns durch diese Angst lähmen lassen und ihr erlauben, über unser Verhalten zu bestimmen. „Was wird er/sie von mir denken?“ Diese Frage beschäftigt Tag für Tag Millionen Menschen. Diese Frage und die unausgesprochene Antwort darauf hält uns oftmals davon ab, selbstsicher aufzutreten und unsere Bedürfnisse und Wünsche anderen mitzuteilen. „Was wird sie von mir denken, wenn ich sie anspreche?“ „Was wird er von mir denken, wenn ich ihm sage, dass ich keine Lust habe, mit ihm auszugehen?“ Was wird die Verkäuferin von mir denken, wenn ich, ohne etwas zu kaufen, wieder gehe?“ „Was wird der Chef von mir denken, wenn ich ihm sage, dass ich keine Überstunden machen will?“ „Was wird der Kellner denken, wenn ich ihm sage, dass es nicht geschmeckt hat?“ „Was wird der Bekannte von mir denken, wenn ich nicht zu seinem Fest gehe?“ „Was wird mein Freund von mir denken, wenn ich ihm kein Geld leihe?“ Die Antwort auf diese Fragen ist immer: „Sie (die anderen) werden schreckliche Dinge über mich denken, und das wäre furchtbar. Das könnte ich nicht ertragen.“
Hinter diesen Fragen steckt also die Angst, von anderen abgelehnt zu werden bzw. die Angst, dass diese Ablehnung schlimme Folgen für uns haben könnte.
Wenn du vor jemandem Angst hast ,
dann gibst du ihm Macht .
Gefühlsmäßig empfinden wir eine Ablehnung als ein Todesurteil. Wir fühlen uns so, als wäre eine Ablehnung gleichbedeutend mit einem vernichtenden Urteil über unser Leben, so, als wäre das unser Ende. Wir tun so, als könnten wir nicht mit einer Ablehnung und Zurückweisung leben. Dieses Gefühl, eine Ablehnung nicht überleben zu können, rührt von unserer Kindheit her, in der die Ablehnung durch unsere Eltern tatsächlich etwas sehr Bedrohliches war. Wir waren damals nicht in der Lage, ohne unsere Eltern leben zu können. Wir waren auf sie angewiesen und darauf, dass sie für uns sorgten.
Wie entsteht die Angst vor Ablehnung?
Von klein auf machen wir Tag für Tag eine Menge Erfahrungen, die unser Denken, Fühlen und Handeln prägen. Versetzen wir uns einmal in die Lage, als wir zwei, drei oder fünf Jahre alt waren. Konnten wir in diesem Alter bereits für uns sorgen? Waren wir in der Lage, ohne unsere Eltern zu überleben? Nein! In den ersten Jahren sind wir in hohem Maße von unseren Eltern abhängig. Wir wissen in diesem Alter instinktiv, dass wir unsere Eltern brauchen, um leben, ja, überleben zu können. Nichts ist für uns schrecklicher gewesen als die Androhung unserer Eltern, sie würden uns nicht mehr lieb haben. Nichts versetzte uns mehr in Angst als die Drohung, sich von uns abzuwenden. Jeden strafenden Blick und jede Zurechtweisung empfanden wir damals als Gefahr, als eine „tödliche“ Gefahr. Diese Hilflosigkeit und Unselbständigkeit machten sich unsere Eltern zunutze – in der besten Absicht, aber leider zu unserem Nachteil. Sie machten ihre Liebe zu uns von der Erfüllung bestimmter Bedingungen abhängig. Vielleicht hast du dir in deiner Kindheit oft anhören müssen: „Ich mag dich nicht, wenn du so unartig bist.“, „Solange du dir deine Haare nicht schneiden lässt, bist du bei mir unten durch.“, „Ich habe dich lieb, wenn du deine Schulaufgaben machst.“
Durch solche Worte entwickeln wir die Einstellung: „Nur wenn ich so bin, wie andere mich haben wollen, dann bin ich liebenswert und bekomme deren Liebe und Anerkennung. Tue ich, was ich möchte, dann muss ich Angst haben, dass das den anderen nicht gefällt. Und wenn den anderen nicht gefällt, was ich mache, dann lassen sie mich vielleicht im Stich, und das wäre mein Ende.“ Was blieb uns anderes übrig, als brav zu sein, wenn wir nicht die Liebe unserer Eltern verlieren wollten? Wir hatten keine andere Wahl, als ein braver Junge oder ein liebes Mädchen zu sein. Nun sollte man meinen, dass sich die Angst, verlassen oder nicht mehr gemocht zu werden, verliert, wenn wir älter werden. Denn schließlich sind wir als Erwachsene in der Lage, für uns selbst zu sorgen. Wir sind anderen nicht mehr auf Gedeih und Verderben ausgeliefert.
Doch weit gefehlt. Das Kind von damals und seine Ängste wohnen immer noch in uns. Wir tragen immer noch die Zwangsjacke des Nett-Sein-Müssens und Andere-Nicht-Enttäuschen-Dürfens und trauen uns nicht, sie auszuziehen. Wir tun vieles nur, um andere zufriedenzustellen und bei diesen anzukommen.
Tun wir, was wir möchten und für richtig halten, und jemand sagt uns, wir seien egoistisch, dann haben wir Schuldgefühle und fühlen uns wie ein Schwerverbrecher. Dies war jedoch nicht die einzige Lektion, die uns unsere Eltern – wohlgemerkt in den besten Absichten – verpassten.
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