Verkehrswesen
Es gibt verschiedene Verkehrssysteme auf Metharia. Das individuellste und für Kurzstrecken am häufigsten angewandte besteht darin, dass sich der Mensch selbst mit Hilfe eines Antigravitationsgürtels in die Lüfte erhebt und im Schwebeflug sein Ziel erreicht. Diese Fortbewegungsmethode erfreut sich vor allem bei der Jugend allgemeiner Beliebtheit. Für größere Entfernungen benützt man entweder Schwebetaxis, die überall zur freien Benutzung zur Verfügung stehen, oder ein familiengerechtes Kleinstraumschiff, das meist für größere oder längere Besuchsreisen verwendet wird. Solche Kleinstraumschiffe besitzen alle Familien. Mit ihnen lassen sich auch Raumflüge in Planetennähe durchführen, was von der unternehmungslustigen jüngeren Generation besonders geschätzt wird. Für interplanetarische Raumreisen sind sie jedoch nicht geeignet, da ihnen die erforderlichen Schutzeinrichtungen fehlen. Als weiteres Verkehrsmittel ist noch eine Schwebebahn zu erwähnen, die durch die schönsten Landschaften des Kontinents verläuft. Ihr Antriebssystem beruht ebenfalls auf Antigravitation, deren Wirkungsgrad sich automatisch der jeweiligen Belastung angleicht; dadurch wird immer der gleiche Schwebeabstand vom Boden eingehalten. Dieser Abstand beträgt rund 10 cm. Die Bahntrasse besteht aus einem ebenen Streifen natürlichen Bodens von etwas mehr als einem Meter Breite. Die Seitenführung wird durch zwei stationäre Magnetfelder erreicht, die beidseits der Trasse in Leitschienen erzeugt werden. Diese fixieren zugleich den genauen seitlichen und höhenmäßigen Verlauf der gesamten Bahntrasse. Dadurch ist ein seitliches Abgleiten von der Trasse ausgeschlossen und eine sichere Spurhaltung auch bei hoher Geschwindigkeit, die bis zu 400 km/h betragen kann, gewährleistet. Ein unangenehmer Beschleunigungs- oder Verzögerungseffekt tritt nicht ein, da das eigene Schwerkraftfeld in gleicher Weise auch auf die Fahrgäste einwirkt. Diese Schwebebahn dient aber nicht nur der einheimischen Bevölkerung zu Vergnügungszwecken, sondern in besonderem Maße den Besuchern von anderen Wohnplaneten, damit sie durch eine solche Fahrt die Schönheiten und Sehenswürdigkeiten des Gastplaneten möglichst naturnah erleben können. Solche Besuche von anderen Planeten finden öfters statt. Die Santiner besuchen umgekehrt die Wohnplaneten in ihrer Nachbarschaft. Zur Betreuung der Gäste gibt es eine besondere Organisation. Ihr obliegt es, den Besuchern ein Gesamtbild von Kultur und Zivilisation ihres Gastplaneten zu vermitteln. Dazu dienen neben Besichtigungen aller Art auch Veranstaltungen, auf denen gemeinsam interessierende Fragen besprochen und Erfahrungen ausgetauscht werden, vor allem wenn auch kompetente Vertreter bestimmter Forschungsrichtungen anwesend sind. Natürlich kommen auch kulturelle Darbietungen der unterhaltenden Art nicht zu kurz. Den Abschluss solcher Veranstaltungen bilden ein gemeinsames Dankgebet und Worte des Segens für alle Sternengeschwister, die noch mit einer lichtlosen Kraft zu kämpfen haben. Wann werden wir wohl einmal als Gäste willkommen geheißen?
Straßen und Wege im irdischen Sinne sind auf Metharia unbekannt. Jede künstliche Verfestigung von Teilen der Landschaft würde als eine Zwangsmaßnahme gegen die Natur empfunden werden. Abgesehen davon besteht ja ohnehin kein Bedarf für solche Verkehrseinrichtungen, denn für alle Transporte und familiären Verkehrsbedürfnisse stehen Raumfahrzeuge und Schwebetaxis in genügender Anzahl zur Verfügung. Selbstverständlich bleibt es jedem Santiner unbenommen, Wegstrecken auch zu Fuß zurückzulegen. Und da das Wandern ebenso beliebt ist wie bei uns, besteht auch ein umfangreiches Netz von Wanderwegen. Um aber keine Schäden an der Natur entstehen zu lassen, sind diese Wege mit einem künstlich erzeugten Rasen belegt, der alle Eigenschaften des natürlichen Vorbildes besitzt, aber keiner Abnutzung unterliegt. Das ist die einzige Ausnahme, die als eine menschliche Korrektur der natürlichen Umwelt angesehen werden kann, ohne dass damit eine Beeinträchtigung der Pflanzen- und Tierwelt verbunden wäre.
Auf Metharia gibt es Flugplätze für die größeren Schiffe, die innerhalb des heimatlichen Planetensystems Besuchsreisen unternehmen, sowie für den Pendelverkehr zwischen dem Planeten und den großen Mutterschiffen, deren Standort außerhalb des planetaren Schwerkraftfeldes eingerichtet wurde. Ihre Gravitationsenergie ist so stark, dass die Gefahr einer Störung der Planetenbahn bestehen würde. Aus diesem Grunde kann ein solches Schiff auch nicht auf der Erde landen. Große, interstellare und galaktische Raumreisen werden ausschließlich mit diesen Schiffen unternommen, deren Aktionsradius praktisch unbegrenzt ist. Es versteht sich von selbst, dass diese Landeplätze nur eine geringe Flächenausdehnung haben und keiner besonderen Befestigung bedürfen.
Architektur und Wohnkultur
Die Architektur unterscheidet sich grundsätzlich von der irdischen, denn sie ist nicht an feste Baustoffe gebunden, sondern bezieht ihre Gestaltungsmöglichkeiten aus kosmischer Quelle. Aus diesem Grund entfällt auch eine Herstellung und Lagerung von Baustoffen. Da die Materie gebundene Energie ist, liegt es nahe, dass sich auch der Architekt des Verfahrens der Konzentration und Verdichtung der freien kosmischen Energie bedient. Es genügt zunächst der geistige Entwurf des Hauses, der in ein Gedankenbild von natürlicher Größe umgewandelt wird. Das Gedankenbild wird dann auf ein Gerät übertragen, das man mit einem Projektor vergleichen könnte und die Eigenschaft hat, das dreidimensionale Bild am Entstehungsort des Hauses zu fixieren. Gleichzeitig dient es dazu, aus dem Kosmos Energie aufzunehmen und auf das Projektionsbild zu konzentrieren, so dass sich bald darauf der Übergang zu materieller Verdichtung einstellt. In diesem Zustand ist es noch möglich, falls notwendig, durch eine Veränderung des Projektionsbildes die Abmessungen des Hauses zu korrigieren. Der weitere Verdichtungsprozess bis zur materiellen Konsistenz geschieht durch ein zweites Gerät, das die Fertigungsprogramme für die einzelnen Teile des Hauses enthält, so dass sie genau den Wünschen der künftigen Bewohner nach Qualität und Form entsprechen. Dies trifft hauptsächlich auf die Inneneinrichtung zu, die in jedem Bauprojekt, das auf diese Weise entsteht, inbegriffen ist. Es handelt sich also um eine Fertigbauweise im vollendeten Sinne des Wortes. Wenn diese Art von Architektur auch jeder irdischen Vorstellung widersprechen mag, so ist sie doch eine Realität in einer Welt, in der es nie zu einem Abstieg auf eine grobmaterielle Daseinsstufe kam. Ein weiterer architektonischer Aspekt verdient noch besondere Beachtung: Alle Bauformen passen sich der umgebenden Landschaft harmonisch an. Einschneidende Kanten und hervorstehende Ecken würde man vergeblich suchen. Der Architekt ist sogar darauf bedacht, die natürliche Harmonie der Landschaft durch eine entsprechende Gestaltung des Bauwerks noch zu unterstreichen. Diese Art der Baukunst erfordert ein besonderes Einfühlungsvermögen in die Schöpfungsideen des ewig vorbildlichen ‚Architekten des Universums’. Eine Besonderheit der Wohnkultur soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Während des Verdichtungsvorganges ist es möglich, den ‚Baustoffen’ charakteristische Eigenschaften aufzuprägen, entsprechend den Wünschen der künftigen Hausbewohner. Zum Beispiel eine besondere Holzart für die Wandverkleidung, die einer eigenen Idee entstammt, sowie bestimmte Farben, die das Wohlbefinden positiv beeinflussen, und dergleichen mehr. Diese individuelle Eigenart, die diese Wohnungen ausstrahlen, wird verständlicherweise von den Besuchern besonders geschätzt. Sollte einmal ein Umstand eintreten, der den Abbruch eines Gebäudes erforderlich macht, dann ist auch dies kein großer Aufwand, sondern eine Umkehrung des Herstellungsverfahrens, das heißt die atomare Struktur der Materie wird durch eine Bestrahlung mit kosmischer Energie wieder gelockert. Dadurch werden die Atome in einen höheren Schwingungszustand versetzt, und durch weitere Bestrahlung wechseln die Urbausteine der Atome, die Elementarteilchen, wieder in den reinen Energiezustand über, in dem sie ihren Ursprung hatten.
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