Julia Neuberger - Antisemitismus

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Wenn sich Antisemitismus heutzutage in einer Gesellschaft mitten in Europa ausbreitet, ist es schlimm genug. Wenn selbst die linke politische Elite eines ­Landes hier voranmarschiert und Ressentiments schürt, wird es brandgefährlich. Julia ­Neuberger, britisch-deutsche ­Rabbinerin, berichtet mit vielen Beispielen aus jüngster Zeit genau davon aus ihrer Heimat. Und weil Antisemitismus so viele häss­liche Gesichter tragen kann, liefert sie historischen Hintergrund und erläutert, was Antisemitismus ist – und was nicht. Denn nur, wenn darüber Klarheit besteht, lässt er sich bekämpfen.
"Wenn ich auch nur einen Menschen dazu bewege, seine Meinung zu ändern, sei es in Deutschland oder in Großbritannien, bin ich schon zufrieden. Sind es mehrere, bin ich begeistert. Und wenn wir dieses Buch in zehn Jahren wegwerfen können, weil es nicht mehr ­gebraucht wird, werde ich völlig aus dem Häuschen sein."
Julia Neuberger

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Erst 2019, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, versuchte ein Attentäter, der 28-jährige Stephan Balliet, in Halle (Saale) die Synagoge zu stürmen. Die Tür war verbarrikadiert, und es gelang ihm nicht – weder mit Schüssen noch mit Molotowcocktails und Handgranaten –, in die Synagoge zu gelangen, sodass dort niemand verletzt wurde. Dann aber richtete er seine Waffe vermutlich aus Frustration auf eine Passantin und tötete sie, bevor er zu einem nahe gelegenen Dönerladen fuhr, Sprengsätze hineinwarf und einen 20-jährigen Mann erschoss.

Die meisten Deutschen waren entsetzt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reiste am Tag darauf nach Halle, um die Opfer zu würdigen, und sagte: »Wir müssen jüdisches Leben schützen.« 1Und es wird viel getan, auf politischer und gesellschaftlicher Ebene. Dennoch breiten sich in der bislang selbstbewussten jüdischen Gemeinde in Deutschland echte Sorgen und Ängste immer mehr aus. Nur wenige Länder sind vor dem zunehmenden Antisemitismus gefeit, aber mit Blick auf die Geschichte des Landes ist dieser Stimmungsumschwung unter einigen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in Deutschland sehr beunruhigend.

In Großbritannien ist Jeremy Corbyn, der als Vorsitzender der Labour Party die Ausbreitung von Antisemitismus in seiner Partei zuließ, unterdessen abgetreten. Sir Keir Starmer, der ihm folgte, stellte unter Beweis, dass er Antisemitismus nicht duldet, als er Rebecca Long-Bailey aus seinem Schattenkabinett entließ, nachdem sie einen antisemitischen Retweet nicht hatte löschen wollen. In der Twitter-Sphäre wimmelt es nur so von linken wie rechten antisemitischen Verschwörungstheorien, und die Denkweise, dass Meinungen wichtiger seien als Fakten, gewinnt an Boden. Die Labour Party wartet, da ich dies schreibe, auf den Bericht der britischen Equality and Human Rights Commission, die antisemitische Tendenzen in der Partei untersucht. Die Lage hat sich entspannt, doch es ist noch viel zu tun. Dasselbe gilt in Frankreich, Italien, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern. Antisemitismus hat einen sehr leichten Schlaf. Nun ist er wieder erwacht und findet bei den verschiedensten Gruppierungen und Ideologien einen fruchtbaren Nährboden, sei es, dass unbegründete Kritik an Israel grassiert (und oftmals ist Kritik an der israelischen Regierung absolut gerechtfertigt) oder dass alte Ammenmärchen über reiche und arglistige Juden kolportiert und aus überkommenen Klischees, nach denen Juden die Medien und die Hebel der Macht »kontrollieren«, neue antisemitische Ressentiments gestrickt werden. Die uralten Verschwörungstheorien sind wieder en vogue, obwohl die Protokolle der Weisen von Zion , auf die sie zurückgehen, schon vor hundert Jahren als Fälschung entlarvt wurden.

Wir müssen also weiter wachsam sein, vor allem aber müssen wir verstehen, was Antisemitismus ist, wo er begann, wie er sich verändert und warum er eine Rolle spielt. Das zu erklären versuche ich in diesem Buch. Wenn ich auch nur einen Menschen dazu bewege, seine Meinung zu ändern, sei es in Deutschland oder in Großbritannien, bin ich schon zufrieden. Sind es mehrere, bin ich begeistert. Und wenn wir dieses Buch in zehn Jahren wegwerfen können, weil es nicht mehr gebraucht wird, werde ich völlig aus dem Häuschen sein.

Einführung

In meiner Kindheit, die ich im Londoner Norden verbrachte, war Antisemitismus kein Thema. Falls er doch einmal zur Sprache kam, dann eher als Scherz: Wenn mein Vater uns in unserem alten Ford Popular durch die Stadt fuhr, beschimpfte er die Ampeln, die eine nach der anderen rot wurden, gern als antisemitisch. Aber damit hatte es sich auch.

Die Großmutter meines Vaters, Caroline Ellern, die in Amsterdam Zuflucht vor dem Nationalsozialismus gesucht hatte, war von dort nach Westerbork und weiter nach Sobibor deportiert worden, wo sie 1943 ermordet wurde. Die meisten meiner Angehörigen mütterlicherseits waren ermordet worden. Trotzdem bezogen wir zehn oder fünfzehn Jahre später den Begriff Antisemitismus scherzhaft auf Ampeln. Falls sich im Großbritannien der 1950er und 1960er Jahre Juden von Antisemitismus bedroht fühlten, so bekamen wir das jedenfalls nicht mit. Die grauenhaften Bilder von den Konzentrations- und Vernichtungslagern, die unmittelbar nach dem Krieg in den Wochenschauen gezeigt worden waren, hatten Menschen mit antisemitischen Ansichten zum Umdenken oder wenigstens zum Schweigen gebracht.

Über den Holocaust wurde in meiner Kindheit kaum gesprochen. Ich wuchs mit Menschen auf, die mit deutschem Akzent sprachen, meine Mutter eingeschlossen (obwohl mir das erst viel später bewusst wurde, wenn ich ihre Nachrichten auf dem Anrufbeantworter abhörte). Neben meiner Mutter waren auch viele Cousinen und Cousins, Onkel, Tanten, Freundinnen und Freunde aus Hitler-Deutschland geflohen. Doch in England, in Großbritannien fühlten wir uns sicher. Wir waren stolz, Briten zu sein, stolz, Juden zu sein, und wir spürten keinerlei Bedrohung.

In der Schule, wo ein Drittel der Klasse jüdisch war, fingen die Lehrer an hohen jüdischen Feiertagen im Unterricht kein neues Thema an. Das hätte auch keinen Sinn gehabt, weil zu viele von uns fehlten. Für die gemeinsame Andacht, in der wir einmal in der Woche alle zusammen englische Kirchenlieder sangen – ich liebe sie noch heute –, suchten wir mit Bedacht Lieder aus, die für alle geeignet waren. Im Zweifel fragten die zuständigen Lehrerinnen unsere Eltern oder jüdische Kollegen um Rat. Man war sensibel, aufgeschlossen und tolerant: Uns bereitete unser Judentum nie Probleme.

Ich werde nie erfahren, inwieweit ich dieses Gefühl der Geborgenheit meinen Eltern zu verdanken hatte, die meine Cousinen und Cousins und mich vor den Geschehnissen der Vergangenheit abschirmten. Meine Mutter hatte keine Ausbildung machen können. Ende der 1950er und in den 1960er Jahren standen meine Eltern mit dem deutschen Staat in Verhandlungen über Wiedergutmachungszahlungen, ohne dass ich davon viel mitbekam. Meine Großeltern, die praktisch mit leeren Händen geflohen waren, bauten die Entschädigungsforderung für ihr Haus Anfang der 1960er Jahre zu einer fast schon zwanghaften Vollzeitbeschäftigung aus. Doch wir Kinder waren ahnungslos und geborgen. Wir konnten unser Judentum frei praktizieren, am Purimfest in der bunten Tracht auf die Straße gehen, zu Chanukka die Glitzerschuhe tragen. Wir zündeten die Chanukka-Kerzen an und stellten sie ins Fenster. Niemand hatte daran etwas auszusetzen.

Auch als mir viel später in meiner Studienzeit und danach Antisemitismus in eher kleinen Dosen begegnete – meist entsprang er reinem Unverstand –, als Rechtsextreme prominenten Juden beleidigende Postkarten schickten, empfanden wir das nicht als gravierend. Der Runnymede Trust, der sich für die Gleichstellung gesellschaftlicher Minderheiten einsetzt, beschloss 1994, als Probelauf für eine Studie zur damals viel schwerwiegender erscheinenden Islamophobie die Häufigkeit antisemitischer Vorfälle zu untersuchen. Wir, die Kommission, glaubten damals nicht, dass viel dabei herauskommen, das Ergebnis sonderlich beunruhigend ausfallen würde. Unser Bericht mit dem vorausschauenden Titel »A Very Light Sleeper« (Ein sehr leichter Schlaf) verzeichnete frühe Fälle von Holocaustleugnung und besagte beleidigende Briefe und Postkarten. Er schilderte einige recht unschöne Beispiele und bot Anlass zur Besorgnis, doch insgesamt war der Antisemitismus damals nicht so ernst zu nehmen wie das wachsende Phänomen der Islamophobie. 2

Warum lohnt sich dann ein genauerer Blick? Die schlichte Antwort lautet: Weil sich die Lage verändert hat.

Dass Antisemitismus in Europa seit rund fünfzehn Jahren zunimmt und mancherorts mit Gewalt gegen Juden einhergeht, beunruhigt mich zutiefst. Auch antisemitische Verbalattacken häufen sich, und in manchen Kreisen sind mittlerweile Sprüche salonfähig, die früher als unerhört antisemitisch gegeißelt worden wären.

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