Ryoko Sekiguchi - Nagori

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Als Ryoko Sekiguchi den Küchenchef eines beliebten Bistros in einem Vorort von Tokio nach dem servierten Gemüse fragt, das schon nicht mehr zur Saison passen will, antwortet er: «Da ich sehr viel älter bin als Sie, weiß ich nicht, ob ich dieses Gemüse auch im nächsten Jahr noch genießen darf.»
Wie viele Jahreszeiten birgt ein Jahr, ein Leben, eine Küche? Was ist eine «sai­ sonale Frucht»? Hat auch ein Fisch «Saison»? Nagori, wörtlich «der Abdruck der Wellen», bezeichnet in Japan die Wehmut der Trennung im Vergehen der Jahreszeit, Wehmut nach diesem letzten Genuss am Ende der Saison. Der Geschmack von Nagori ist der des bevorstehenden Abschieds und der Sehn­sucht nach Wiederkehr. Dieses verblüffende und im Wortsinne geschmack­volle Buch ist nicht nur eine Einladung, die kunstvolle Poetik und Küche Japans zu entdecken. Es hinterfragt auch die unterschiedlichen, unser Leben bestimmenden Zeitlichkeiten und stellt uns die Lebensmittel als eigenstän­dige Wesen vor. Die literarische, kulinarische und kulturelle Reise von Japan über Rom nach Paris zu großartigen Köchen, köstlichen Gerichten und unbekannten Zutaten ist eine kurze Ästhetik über die flüchtige Handschrift von Geschmäckern und Aromen in unseren Körpern und die Erinnerung in den Landschaften und nicht zuletzt in der Literatur.

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Nagori wird nicht nur in einer bestimmten Situation verwendet; man kann es in Kombination mit dem Verb oshimu benutzen, nagori wo oshimu , »ein nagori bedauern«, im Sinne von »über die Trennung, das Vergehen traurig werden«, »sich schweren Herzens trennen«. Das Objekt des nagori kann dabei entweder ein Ort, eine Person oder eine Jahreszeit sein oder wiederum Dinge oder Handlungen, die an diese Objekte erinnern.

Im Japanischen sind unzählige idiomatische Wendungen mit nagori zu finden. Sie beschreiben zum einen ein konkretes Phänomen, das wider Erwarten über seine Zeit hinaus fortbesteht, wie in nagori no yuki , »der Nagori -Schnee«, nämlich: entweder der Schnee, der nach Frühlingsbeginn noch liegen bleibt, oder der Schnee, der im Frühling fällt; oder auch in nagori no tsuki , » Nagori -Mond«, der Mond, den man im Morgengrauen noch sieht.

Zum anderen können diese Wendungen eine Sehnsucht oder ein Bedauern ausdrücken, das sich in einem Gegenstand oder einer Landschaft widerspiegelt. So wie in der Formulierung nagori no sora , » Nagori -Himmel«, die nicht etwa den Sommerhimmel bezeichnet, der lange hell bleibt, sondern den Himmel, wie er sich darstellt, wenn man jemanden mit Bedauern verlässt, oder den Himmel in der Neujahrsnacht, den man mit dem Gefühl des zu Ende gehenden Jahres betrachtet. Nagori no sakazuki , »die Nagori -Trinkschale«, wiederum bezieht sich auf den Abschiedstrunk: Sie beschwört die Situation, »am Abend der Trennung, in einer melancholischen Stimmung, ein letztes Glas mit jemandem zu trinken«.

In der japanischen Teezeremonie gibt es ein konkretes, nagori no cha , » Nagori -Tee«, genanntes Ritual: Es handelt sich um die im Herbst, mit den Resten der Teeblätter aus dem Vorjahr, organisierte Teezeremonie. Der neue Tee wird erst von November an getrunken. Nagori no cha markiert also im Teezyklus das Ende des Tees aus dem laufenden Jahr, ehe man dann ein neues Jahr mit dem frischen Tee eröffnet. Der Monat Oktober wird deshalb »Monat des nagori « genannt, und man wählt für diese Zeremonie Geschirr, Ausstattung und Kleidung in einem schlichten Stil und für die Dekoration Blumen, die auch im nagori sind, also aus der vergangenen Jahreszeit übrig gebliebene Blumen.

In nagori vermischen sich Bindung, Sehnsucht und Zeitlichkeit.

Nagori verweist sowohl auf eine Sehnsucht in uns, nämlich die wehmütige Sehnsucht nach einer Sache, die uns verlässt oder die wir verlassen, als auch auf die Vorstellung von etwas, das die Jahreszeit leicht verzögert, als ob diese Sache selbst (zum Beispiel Blumen oder Schnee) nur mit Bedauern diese Welt und die ihr zugehörige Jahreszeit verließe. Es befinden sich also sowohl die Sache als auch die Person, die sie betrachtet, im Zustand des Abschiedsschmerzes. 4

Die Etymologie des Wortes verweist auf nami-makori , »Überbleibsel der Wellen«, was den von den Wellen hinterlassenen Abdruck bezeichnet, nachdem sie sich schon vom Strand zurückgezogen haben, die Spur der Wellen, diese flüchtigen, von den Wellen auf den Sand gezeichneten Furchen und zugleich die Algen, Muscheln, Holzstückchen und Kieselsteine, die mitangespült wurden und auf dem Strand zurückbleiben. Es gibt weder Sinn noch Verstand in dieser Ablagerung, aber wenn sie einmal da ist, lässt sie sich für eine kurze, vergängliche Zeit nieder.

Heutzutage buchstabiert man das Wort na-gori , »der Name, der bleibt«. Auch wenn sie nicht den Ursprung des Wortes widerspiegeln, scheinen mir diese Buchstaben ein ebenso anschauliches Bild von nagori zu erschaffen.

Unsere Emotionen bewegen sich nicht so einfach von der Stelle. Wie lebendig und reaktiv sie auch sein mögen, sind sie doch viel langsamer als unser Körper, wenn es darum geht, sich von einem Wesen oder einem Ort zu verabschieden. Sie laufen uns immer hinterher, sind stets ein paar Schritte zurück.

Dieses komplexe und delikate Konzept hat sich in der Kunst weitgehend durchgesetzt, ebenso in der Dichtung wie im Essay und Roman oder auch in der Malerei und im Theater. Es ist ein bisschen unsere japanische Saudade 5, nur dass die damit verbundene Emotion doch eine andere ist. Sie trägt eine Art Resignation in sich, die Idee eines Schicksals, das man nicht beeinflussen kann. Man gibt einen Teil seiner selbst hin, an die Sache, die Welt, die Schönheit und das Herz des geliebten Wesens. Das Herz, das nagori erfährt, ist ein großzügiges, ja ein mutiges Herz: Es hat keine Angst, sich selbst diesen winzigen, nicht unbedingt dramatischen, aber sehr zerbrechlichen und zarten Dingen hinzugeben, aus denen unser Leben sich zusammensetzt.

Es versteht sich von selbst, dass nagori auch den Bereich erfasst, um den es mir hier geht: die Nahrung, so eng mit der Natur und den Jahreszeiten verbunden.

Wenn wir nagori für eine saisonale Frucht verwenden, dann betrauern wir die zu Ende gehende Jahreszeit, und der Geschmack der Frucht spiegelt uns diese wider, verkörpert sie sogar oder, genauer ausgedrückt, die Jahreszeit »am Lebensende«. Auf der Schwelle der Jahreszeiten, oder aber wenn die nächste Jahreszeit schon begonnen hat, verbringen wir noch einen Augenblick mit dieser übrig gebliebenen Frucht und denken, noch im Abschiednehmen, an die vergangene Jahreszeit zurück, während die Wehmut uns schon die Kehle zuschnürt.

Mag die Nagori -Frucht auch nicht mehr so saftig sein wie die Sakari -Frucht, auch nicht so knackig wie die frühe, die Hashiri -Frucht, so hat sie dafür an Reife und an Tiefe gewonnen. Im System der vier Jahreszeiten, das, wie im Westen auch, häufig als Allegorie des menschlichen Lebens interpretiert wird, hat jede Jahreszeit ihr eigenes Leben. Nagori kommt am Ende der Jahreszeit, am Lebensende der Jahreszeit.

In einem Nagori -Gericht kommt durch die Verbindung mit den Produkten der Natur etwas ins Spiel, das nicht einfach nur dem Geschmack zuzurechnen ist. Wir werden zum Gegenüber der Jahreszeit, die sich von uns verabschiedet oder die wir unsererseits verlassen, und mit jedem Bissen lagern sich die Spuren des Erinnerns ab, wie Wellen am Strand.

1 Die japanischen wie auch die anderssprachigen Begriffe werden entsprechend ihrer Originalschreibweise klein geschrieben, außer in den deutschen Komposita, in der Menüfolge oder wenn diese Begriffe bereits ins Deutsche eingeführt sind. A. d. Ü.

2 Der Titel des Buches von Kazuo Ishiguro, The Remains of the Day (auf Deutsch: Was vom Tage übrig blieb ), lautet in der japanischen Übersetzung Hi no nagori ( nagori des Tages).

3 Um diese Bedeutung auszudrücken, gibt es noch einen anderen Begriff: katami , was so viel heißt wie »das, an was uns die Person (das Gesicht: kata ) erinnert, wenn man sie betrachtet ( mi )«.

4 Kokoro-nokori , »sein Herz verlieren«, der Ausdruck, der das Bedauern bezeichnet, lässt sich hingegen nicht auf Dinge oder Naturphänomene beziehen; sein Sinn ist grundsätzlich homozentristisch und viel enger gefasst.

5 Saudade steht für eine spezifisch portugiesische Form des Weltschmerzes und lässt sich mit »Traurigkeit«, »Wehmut«, »Sehnsucht« oder »Melancholie« nur annähernd übersetzen. Sie drückt das Gefühl aus, etwas Geliebtes verloren zu haben, die unstillbare Sehnsucht nach dem nicht Wiederkehrenden. Saudade ist dabei keine per se negativ bewertete Stimmung, sondern wird im Fado herbeigesehnt. Sie hat vor allem in der Musik eine weltweite Verbreitung gefunden, und das Wort Saudade wurde zu einem der schönsten Wörter der Welt gekürt. A. d. Ü.

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