Ryoko Sekiguchi - Nagori

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Als Ryoko Sekiguchi den Küchenchef eines beliebten Bistros in einem Vorort von Tokio nach dem servierten Gemüse fragt, das schon nicht mehr zur Saison passen will, antwortet er: «Da ich sehr viel älter bin als Sie, weiß ich nicht, ob ich dieses Gemüse auch im nächsten Jahr noch genießen darf.»
Wie viele Jahreszeiten birgt ein Jahr, ein Leben, eine Küche? Was ist eine «sai­ sonale Frucht»? Hat auch ein Fisch «Saison»? Nagori, wörtlich «der Abdruck der Wellen», bezeichnet in Japan die Wehmut der Trennung im Vergehen der Jahreszeit, Wehmut nach diesem letzten Genuss am Ende der Saison. Der Geschmack von Nagori ist der des bevorstehenden Abschieds und der Sehn­sucht nach Wiederkehr. Dieses verblüffende und im Wortsinne geschmack­volle Buch ist nicht nur eine Einladung, die kunstvolle Poetik und Küche Japans zu entdecken. Es hinterfragt auch die unterschiedlichen, unser Leben bestimmenden Zeitlichkeiten und stellt uns die Lebensmittel als eigenstän­dige Wesen vor. Die literarische, kulinarische und kulturelle Reise von Japan über Rom nach Paris zu großartigen Köchen, köstlichen Gerichten und unbekannten Zutaten ist eine kurze Ästhetik über die flüchtige Handschrift von Geschmäckern und Aromen in unseren Körpern und die Erinnerung in den Landschaften und nicht zuletzt in der Literatur.

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Von diesem Moment an lässt sich die ganze Welt nach Jahreszeiten ordnen: Pflanzen, Fische, Tiere, Klimata, aber auch Rituale und, heutzutage, Höhepunkte des schulischen oder beruflichen Kalenders (so wird die »Demonstration zum 1. Mai« als »Frühlingswort« eingestuft). Kleidung und verschiedenste Accessoires, saisonbedingte Krankheiten, Sportkämpfe … alles lässt sich nach seiner eigenen, spezifischen Saison einordnen. Sogar die »Gespenster« sind demnach, wegen des Festes für die verstorbenen Seelen der Ahnen, als »Sommerwörter« klassifiziert, und man kann in einem Haiku den »14. Juli« (genannt »Pariser Fest«) als »Sommerwort« einsetzen.

Seine außerordentliche Beliebtheit verdankt das Haiku der Einfachheit seiner Form: In Japan kann ein jeder Haikus dichten. Insofern seine Verfasser sich desselben kodifizierten Vokabulars bedienen, hat sich daraus ein ganz erstaunliches Universum saisonaler Sprache entwickelt. Und in diesem Sinne lässt sich eindeutig sagen, die Japaner verfügten über eine »besondere Sensibilität für Jahreszeiten«. Sie sind es gewohnt, die Wörter mit einer bestimmten Jahreszeit 2zu verbinden, auch wenn es schlicht und ergreifend ein Tick sein sollte. Wir müssen dabei berücksichtigen, dass dieses Vokabular dem Bereich der kollektiven Vorstellung von »vier Jahreszeiten« entspricht und die klimatischen Unterschiede zwischen den einzelnen japanischen Regionen nicht einbezieht. Es liegt an jedem Einzelnen, sein Vokabular entsprechend der eigenen Sensibilität und der jeweiligen klimatischen Gegebenheit selbst zu erstellen und anzupassen. 3

In allen Kulturen erschafft die Literatur einen Wortschatz, um eine gewisse Sensibilität für die am jeweiligen Ort zu erlebenden Jahreszeiten auszudrücken. Die Anzahl der Jahreszeiten spielt in dieser Hinsicht keine Rolle: Selbst für Bewohner von Regionen, die im Lauf des Jahres nur eine einzige Jahreszeit kennen, und vielleicht insbesondere für sie, muss es möglich sein, ihre Sensibilität für die noch so kleinen Schwankungen der Umwelt zu schärfen.

Mehr noch als das kann man von einem jahreszeitlichen Universum inspiriert sein, das der umgebenden Wirklichkeit nicht entspricht. Viele frankofone Autoren, die in Übersee aufgewachsen sind, unterrichtet in französischen Schulen mit aus dem Hexagon stammenden Schulbüchern, erzählen von ihrer Faszination, wenn sie als Kind vom Herbstlaub oder vom Schnee lasen, die es in ihrem Land gar nicht gibt. Wie konnte so etwas überhaupt existieren, solche seltsamen Kügelchen aus weißen Flocken, die sich eiskalt anfühlen, an Sorbets erinnern und vom Himmel fallen? Die Jahreszeiten, die man real nicht erlebt, lassen sich sehr wohl in Worten erleben.

1 Dieses System war in Japan über viele Jahrhunderte hinweg eingeführt und einst allen Japanern vertraut, doch seit seiner Wiederentdeckung vor weniger als zehn Jahren hat es sich zu einem regelrechten Glossar für Bestseller entwickelt. Man muss sich nur die rasante Vermehrung der Publikationen zu diesem Thema ansehen: Das Leben nach dem alten Kalender, Die Küche der vierundzwanzig Jahreszeiten. Genuss und Belebung für Ihren Körper, Der Kalender der zweiundsiebzig Jahreszeiten, um die Fülle der Jahreszeiten zu genießen, Das Buch der vierundzwanzig oder zweiundsiebzig Jahreszeiten, um die Schönheit Japans kennenzulernen, Die vierundzwanzig Jahreszeiten malen , bis hin zum Titel Vierundzwanzig Jahreszeiten in Bildern für Kinder! Diese Welle verrät zum einen eine gewisse nostalgische Sehnsucht nach dem früheren Japan (eine Tendenz, die ganz allgemein Aufwind zu haben scheint), als ob man die Augen verschließen wolle vor dem heutigen, müden und schwer angeschlagenen Japan; und zum anderen den Wunsch, eine gestörte saisonale Ordnung wiederherzustellen. Sie lässt einen Rückzug befürchten, der mittels »Neuerfindung« eigener Werte den Nationalstolz, zu Lasten anderer Kulturen, weckt und stärkt.

2 So heißt die Frühlingsdorade zum Beispiel sakura-dai , »Dorade mit Kirschblüten«, und ein Gericht, das geriebene Radieschen enthält, wird im Winter mizore-ae , »Nassschnee-Gemisch«, genannt, im Frühling hingegen kasumi-ae , »Nebel-Gemisch«.

3 In Okinawa, wo sich das Klima stark von dem der Hauptinsel unterscheidet, ist in diesem Jahr eine Sammlung okinawesischer »Jahreszeitenwörter« erschienen. Über dreizehn Jahre lang hatte die Gesellschaft für zeitgenössische Haikus von Okinawa 2 800, dem Klima der Insel entsprechende, »Jahreszeitenwörter« zusammengetragen. In einem Artikel der Tageszeitung Nikkei vom 25. August 2017 stellt ein Dichter als Beispiel ein Haiku vor, in dem er die Klarheit des nächtlichen Himmels beschreibt, an dem ein Cumulonimbus zu sehen ist. Bei seinem Erscheinen in einer westjapanischen Haikuzeitschrift hatten die anderen Dichter das Bild als unrealistisch bewertet, obwohl es die okinawesische Landschaft treffend widerspiegelt.

2

Alles Fließende, alles Blühende hinterlässt den Abdruck seiner Wellen

Die Japaner pflegen eine besondere Beziehung zu den Jahreszeiten, das ist allgemein bekannt, selbst in Frankreich, und es lassen sich zahlreiche Texte zu diesem Thema finden. Weniger bekannt hingegen ist eine Vorstellung, die es wert ist, näher betrachtet zu werden, und die sich mit »Leben einer Jahreszeit« umschreiben ließe. Damit ist nicht nur das Jahr mit dem Zyklus der vier Jahreszeiten gemeint, das mit dem Verlauf eines Menschenlebens verglichen wird; vielmehr enthält jede Jahreszeit für sich ein ganzes Leben, das von verschiedenen Lebewesen durchquert wird, die ihrerseits wiederum mit einem eigenen Leben ausgestattet sind.

So gibt es drei verschiedene Begriffe, um die saisonale Eigenschaft eines Lebensmittels zu beschreiben: hashiri , sakari und nagori . 1Sie bezeichnen in etwa die »Frühsaison«, die »Hauptsaison« und der letzte, nagori , die Nachsaison, genauer »die Sehnsucht nach der von uns gegangenen Jahreszeit«.

Die beiden ersten Begriffe sind leicht zu verstehen: die Eröffnung der Saison und die Akme, ihr Höhepunkt, sind wahrscheinlich Vorstellungen, die in vielen Kulturen geteilt werden. Es ist schwieriger, eine Entsprechung für den letzten Begriff zu finden: nagori . Eine Nagori -Frucht zum Beispiel ist eine Frucht am Ende der Saison, die überreife Frucht. Sie verabschiedet sich von uns bis zum nächsten Jahr, und wehmütig sehnst du dich schon nach ihr zurück.

Neben der Saisonalität von Lebensmitteln erstrecken sich diese drei Wörter auch auf andere Bereiche. So bezeichnet hashiri , die substantivierte Form des Verbs hashiru , »rennen«, sowohl den Akt des Laufens als auch etwas, das gleitet, aber auch etwas, das als »Vorreiter« fungiert, woraus sich seine Bedeutung als »Vorbote« der Jahreszeit oder als »Saisonbeginn« herleitet. Sakari bedeutet »die Akme«, »den Höhepunkt«, oder auch die Brunftzeit der Tiere. Die in diesen beiden Begriffen mitschwingenden Konnotationen lassen sich mühelos erfassen.

Nagori hingegen hat eine viel weitreichendere Bedeutung. Es steht vor allem für die Spur, die Anwesenheit, die Atmosphäre einer vergangenen Sache, einer Sache, die nicht mehr da ist. Man würde in diesem Sinn von einer Stadt sprechen, die sich ein mittelalterliches Flair erhalten hat, oder von einem Haus, in dem noch der Geschmack und die Atmosphäre der einstigen Bewohner zu spüren sind. 2Auch die Auswirkungen, Schäden, Folgen eines Ereignisses nennt man nagori , wie zum Beispiel das nagori eines Erdbebens oder einer Krankheit.

Weiter gefasst kann nagori auch das bezeichnen, was »bleibt« – ob eine Person oder Sache –, das, was auf der Welt an Ort und Stelle einer verstorbenen Person zurückbleibt, wie etwa ein Kind all jene an seine verstorbenen Eltern erinnert, die sie zu Lebzeiten gekannt haben. 3Es kann sich zudem auf den Augenblick einer Trennung oder den des Sterbens beziehen. Oder auf den Zustand dessen, was fortdauert, wie jene vereinzelten Blüten, die am Saisonende an den Ästen der Bäume zurückbleiben.

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