Jacques Derrida - Die Todesstrafe I

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Für Jacques Derrida bildete die Tätigkeit als Lehrender zeitlebens eine Quelle seines Denkens und Schreibens. Mit Die Todesstrafe liegt nun ein weiteres der Seminare Derridas vor.
Reflexionen über das «Vergeben» und das «Nichtvergebbare» führen Derrida zur Befragung der Todesstrafe als irreversible Sanktion. Im Fokus stehen dabei vor allem drei Begriffe, die sich als problematisch erweisen: Souveränität, Ausnahme und Grausamkeit. Es stellt sich die Frage, warum internationale Konventionen die Abschaffung grausamer Strafen fordern, insbesondere der Todesstrafe, ohne die Staaten je dazu zu verpflichten – mit der Begründung, dass ihre Souveränität zu achten sei. Ausgehend von vier paradigmatischen Fällen zum Tode Verurteilter (Sokrates, Jesus, Al Halladsch, Jeanne d'Arc) wird anhand kanonischer Texte (Beccaria, Kant, Hugo, Camus, Genet, Badinter) und einschlägiger Rechtsdokumente die Logik und Rhetorik dieser Argumentation untersucht. Konkrete Bezugspunkte bilden dabei die Bewegungen zur Abschaffung der Todesstrafe in Frankreich und den USA.

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Um uns besser davon zu überzeugen, müssen wir auch hier der Metonymie und dem Zitat der Leinenbinden nachgehen. Deshalb insistiere ich so darauf. Die Leinenbinden umwickeln, befestigen, sie verbinden, aber sie lösen sich auch: sie lösen sich vom Leib. Wenn wir nun aber, in den Evangelien, das Theater der Leinenbinden aufmerksam betrachten, so sehen wir, wie sie, in dem Moment, da sie für sich allein gesehen werden, entbunden, losgelöst, fern vom Körper, auf dem Boden liegend, außer Gebrauch, [wie sie also] mindestens zwei Mal das Ende des Todes bedeuten, wenn ich so sagen kann, die Wiederauferstehung des Leibes, der sich vom Tod erhoben hat und aufrecht, erhoben, wieder auf- und nach oben gerichtet im Leben stand. Die Leinenbinden bedeuten den Tod, die Verurteilung zum Tode, wenn sie jedoch wieder fallen, außer Gebrauch gekommen, abgemacht, entbunden, losgelöst, signalisieren sie, bedeuten sie [ signifient ], wie ein losgelöster Signifikant, dass der Tote wiederauferstanden ist [ ressucité ], sich erhoben hat [ insurrectionné ], sich erhebend wiederauferstanden ist [ insurressucité 15], wenn ich so sagen kann, von neuem erhoben, wiedererhoben und aufgerichtet durch ein Wunder, ein göttliches Wunder oder ein poetisches Wunder. Das Wunder der Rose (1946, unmittelbar nach Notre-Dame-des-Fleurs ), Das Wunder der Rose , aus dem wir gleich ebenfalls die erste Seite lesen werden, ist im Übrigen auch ein Gesang an, ich zitiere, den „Tod auf dem Schafott, der unser Ruhm [ gloire ] ist“. 16

Zwei Beispiele also, in den Evangelien, der Szene mit den Leinenbinden. Zunächst die Passion (Verurteilung zum Tode, Kreuzigung und Grablegung). Es handelt sich um jene Passage, die ich vorhin vorgelesen hatte (Joh 19,40): „Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist.“ 17(Jesus wird wie/als [ comme ] ein Jude begraben, genau deshalb habe ich ihn neulich, so viel sei zur Erinnerung gesagt, bei meiner Klassifikation der paradigmatischen Figuren unseres Theaters der Todesstrafe, als eine Art Juden definiert 18). Hier aber nun die zweite Zeit/Phase [ temps ] und das zweite Beispiel, die zweite Erscheinung der Leinenbinden. Die Leinenbinden erscheinen in der Tat, sie treten plötzlich in Erscheinung [ apparition ], sie tauchen im Licht auf: Es handelt sich um eine Erscheinung [ phénomène ], die zu bedeuten [ signifier ] scheint, die ein Zeichen gibt [ fait signe ], wie in einer Vision. Die Zeit dieser Erscheinung der Leinenbinden, ihr Augenblick in der Erzählung und im Prozess ist sehr bemerkenswert (und wenn wir die Muße dazu hätten, wenn das das Thema des Seminars wäre, würden wir hier tiefer nachsinnen über diese Zeit der Leinenbinden als Herberge, vorbereitet für die Literatur, für einen Aufstieg ohne Himmelfahrt, eine Erhebung ohne Erhöhung 19, eine unmittelbar bevorstehende Wiederauferstehung, die aber noch nicht vollbracht ist, usw.). Und zwar deshalb, weil diese Leinenbinden, wie Sie hören werden, dieses zweite Erscheinen der Leinenbinden, der losgelösten, zurückgelassenen Leinenbinden am Grab Christi, bedeuten wird, dass Christus nicht tot ist, dass er nicht mehr tot ist: Er wird tot gewesen sein, gewiss, er starb, aber er ist noch nicht wiederauferstanden, noch nicht erhöht: Er ist immer noch da, unten auf Erden, um die anderen anzublicken, zuallererst Maria: Er betrachtet sie, wie sie seine Abwesenheit betrachtet, er betrachtet sie, wie sie ihn weder tot noch lebendig sieht, und vor allem: das geschieht unmittelbar vor dem noli me tangere („Rühre mich nicht an!“ 20[einzigartiges Beispiel; das Berühren kommentieren, Jesus berührend berührt, außer in Johannes 20,17] + 21). Ich werde diese wohlbekannte Passage vorlesen und Ihre Aufmerksamkeit, unter anderem, auf jenen Moment lenken, da die Tränen Marias angesichts der Leinenbinden die Trauer zum Ausdruck bringen, die nicht ausagiert wird, die nicht arbeiten kann, weil das, was Maria angesichts der Leinenbinden beweint, nicht nur der Tod des begrabenen Jesus ist, sondern auch das Verschwinden seines aus dem Grab verschwundenen 22Leichnams. Jesus ist nicht nur tot, dieser zum Tode Verurteilte ist zuallererst ein Verschwundener 23, sein Leichnam ist verschwunden (ebendies bedeuten die entbundenen Leinenbinden zunächst). Der zum Tode Verurteilte ist nicht nur exekutiert worden, der Tote ist ein Verschwundener, außerhalb des Grabes, und der Schmerz ist schlimmer, untröstlicher, das ist der Schmerz der Frau, die nicht in der Lage ist, den Leichnam des Geliebten zu beweinen, nicht in der Lage, ihre Trauerarbeit zu verrichten, wie man so sagt. Ein wenig wie die Antigone, von der wir vor einigen Jahren sprachen 24, und die weniger den Tod ihres Vaters beweint, diesmal, nicht ihres Sohnes, als vielmehr die Abwesenheit eines lokalisierbaren Grabmals – und die auf diese Weise beweint, ihre Trauer nicht vor einem Leichnam, einem anwesenden Leichnam ausweinen zu können. Das erinnert auch an den Text aus den Nomoi über den Entzug des Begräbnisses/Grabmals [ sépulture ], den ich bereits vorgelesen habe. 25Im Fall Christi, in jenem Moment des Evangeliums, gibt es < ein > Begräbnis/ Grabmal, was jedoch auf eine Art Abwesenheit von Grabmal hinausläuft, es gibt auch < ein > Kenotaph, < ein > leeres Grab [ tombeau ] und Leinenbinden, die die Abwesenheit des Leichnams signieren. Man könnte, ohne allzu viel Pathos, sagen, dass Maria in jenem Moment, als sie angesichts der Leinenbinden den Engeln gegenüber klagt, nicht mehr zu wissen, „wohin sie ihn gelegt haben“, den Leichnam Jesu, eine Präfiguration des Unglücks, der Klage und des Zorns sämtlicher Frauen, Mütter, Töchter und Schwestern der „Verschwundenen unserer Zeit“ darstellt, die, auf den Straßen Chiles, Argentiniens oder Südafrikas, ebenfalls Anklage erheben, die jene anprangern, die Schlimmeres getan haben als ihre Männer zu foltern und zu töten, denn sie haben sie verschwinden lassen, in einem Verschwinden, das bisweilen schlimmer erscheint als der Tod.

Ich lese jetzt in einem Zug den Abschnitt Johannes 20,1-18:

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.

Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.

Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab;

sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab.

Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein.

Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein.

Er sah die Leinenbinden liegen

Und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.

Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.

Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse.

Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.

Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.

Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst Du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.

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