Hanne-Vibeke Holst - Seine Frau
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Ich schlage den Pelzkragen hoch und ziehe die Handschuhe an. »Ewig besitzt man nur das Verlorene«, flüstert mir einer der Kämpfer mit feierlichem Pathos zu. Ja, daran hätte er früher denken sollen. Da hat Thad Jones’ Motto schon mehr zu bieten: Live Life This Day. In meinem überspannten Gehirn wird diese Ermahnung zu einem Trompetensolo für Frauen, die – Friedhöfe – zu sehr lieben, und ich eile hastig weiter zum Ausgang bei der Kapelle, während ich, ohne stehen zu bleiben, die Zigaretten aus der Tasche fische. Ich höre Stimmen. Bin verrückt, wie er sagt. Doch die Schneeflocken, die langsam auf mich herunterfallen, als ich den ersten Zug nehme, sind wirklich. Und so, wie mein Leben sich entwickelt hat, sind selbst ein paar Schneeflocken zwei Tage vor Weihnachten ein gutes Zeichen. Etwas, das mich fröhlich macht und zum Lächeln bringt, einfach so.
Es ist seine verdammte Schüchternheit, die ihn zögern lässt. Als er sich endlich zusammenreißt, um ihren Namen zu rufen, ist sie in einem Schneeschleier verschwunden. Dafür weiß er jetzt, wo er sie mit langen, wiegenden Schritten Richtung Kapelle gehen sieht, endgültig, dass es wirklich Linda war, die er vorhin im Urnenhain gesehen hat. Seine Linda von damals. Linda Lykke, die Glückliche, an die er jedes Mal denkt, wenn er die Grabstätte ihrer Familie in Ordnung bringt und sie nahezu aus den Gräbern zu ihm herauszuspringen scheinen. Lebendig. Sonny und Max. Sonny auf seinem Motorrad, mit dem Stahlkamm, der aus der Tasche seiner Lederjacken guckt, und Max, warum auch immer, mit einem Würfelbecher in der Hand unten im Las Vegas sitzend. Eigentlich ungerecht, dass gerade dieses Bild hängen geblieben ist. Denn so oft ist er nicht ins Wirtshaus gegangen, der alte Max, und so viel gewürfelt hat er auch nicht. Aber er muss in diesem Moment etwas Lustiges gesagt haben, da er ihm so in Erinnerung geblieben ist. Vielleicht war es aber auch Linda, die die Zeit hat stillstehen lassen. Vielleicht hat sie gerade eine ihrer gescheiten Bemerkungen von sich gegeben. Vielleicht hat sie genau in diesem Augenblick fest seinen Oberschenkel gedrückt oder die Beule in seiner Hose mit ihren langen, schnellen Fingern unter dem Tisch gestreift, die überall und nirgends zugleich sein konnten.
Bjarne war verrückt nach Linda, wer war das nicht. Der ganze Südhafen konkurrierte darum, Linda ins Enghave-Kino einzuladen, bei der Tombola auf dem Mozarts Plads Rosetten für sie zu schießen, sie auf getunten Mopeds zur Bavnehøj-Schule zu bringen oder abzuholen und ihr in der Engelbert-Petersen-Konditorei Kuchen zu kaufen. Die Frühreifsten luden sie sogar in den Vergnügungspark Bakken ein oder – was auch vorkam – ins feine Tivoli. Doch der Unterschied zwischen Bjarne und den anderen Jünglingen war der, dass er sie geliebt hat. Alles an ihr hat er geliebt. Ihr lautes Lachen, ihr schiefes Lächeln und ihre Tollkühnheit. Er hat sie geliebt, weil sie ein kluger Kopf war. Weil sie dem Teufel ein Ohr abquatschen und wiederum ganz still sein konnte. Weil sie ihn, Bjarne, verstand, obwohl er sich nicht richtig ausdrücken konnte. Jedenfalls nicht mit Worten. Er hat sie geliebt, weil sie Sonnys kleine Schwester war. Na schön, auch weil sie eine flotte Biene war und keine Angst hatte, das zu zeigen. Seit er zwölf war, hat er sie heiraten wollen, und seit er siebzehn war, waren sie zusammen. Ein Jahr oder zwei war er im siebten Himmel, wie man so sagt. Aber dann ... ja, was dann? Das ist die LP, die sich seitdem auf seinem Plattenteller dreht, mit dem Tonabnehmer immer in derselben Rille. Was ist da passiert? Warum hat er sie verloren?
Bjarne holt eine senffarbene Schnupftabakdose aus der Außentasche seines Blaumanns und klemmt sich einen Klumpen Schnupftabak unter die Oberlippe. Eine Angewohnheit, die er aus den nordschwedischen Wäldern mitgebracht hat, in denen er als Waldarbeiter gearbeitet und sich allzu viele Jahre Gedanken gemacht hat, ohne der Antwort sonderlich näher gekommen zu sein. War es Sonny oder war es die Abtreibung? Dass diese beiden Dinge nicht voneinander getrennt werden können und entweder zusammen oder jedes für sich entscheidend waren, das hat er längst begriffen. Doch obwohl er das Rechenexempel immer wieder und aus immer wieder unterschiedlichen Perspektiven aufmacht, kommt er nie zu einem Schluss, an den er selbst glauben kann. Alles ist leicht und unkompliziert bis zu diesem Augusttag 1966, an dem Sonny gegen einen Laternenpfahl fährt. Er und Linda sind zusammen; sie sitzt hinten auf seinem Motorrad und schmiegt sich eng an ihn, die Arme um seine Taille, während er, Sonny und die anderen Jungen am Samstagabend ihre Paradefahrt die Vesterbrogade auf und ab machen. Lindas Röcke werden immer kürzer, ihre Haare immer länger und seine Lust auf sie immer größer. Doch obwohl sie so kess tut und ihn absichtlich scharf macht, darf er nicht. Nicht »das Freche«. Sie tauscht gern Zungenküsse mit ihm und tanzt eng mit ihm und lässt ihn seinen Unterleib gegen ihren pressen, wenn sie zu Are you Lonesome Tonight knutschen, doch obwohl er sich ein Jahr lang mit Haken und Hüfthalter abmüht, hält sie die Beine fest geschlossen. Sehr viel fester, als manche meinen. Denn der ganze Südhafen glaubt, dass er es von morgens bis abends mit Linda treibt. Und sie lässt sie natürlich in dem Glauben, aber eigentlich macht das alles nur noch schlimmer. Zuletzt ist er so verzweifelt, dass er ihr einen Antrag macht. Ihr vorschlägt, sich mit ihm zu verloben. Falls es das ist. Doch das will sie auch nicht. Sie lacht nur und sagt, dass er die Ruhe bewahren soll.
Sonny, dem er als Einzigem seine Qualen anvertraut, lacht ihn aus und sagt, dass ihr Lindamädchen eben nicht »so eine« ist. Denn Linda ist schlau. Im Gegensatz zu so vielen anderen ist sie sich durchaus darüber im Klaren, was es für den Marktwert bedeutet, einen Ruf als »abgelutschtes Bonbon« zu haben. Außerdem ist sie nicht der Typ, der mit sechzehn schwanger wird. Linda hat Mumm, sie wird studieren und all das. Sonny sagt das nicht direkt. Aber auf die eine oder andere Weise schwingt eine Warnung in dem kameradschaftlichen Lachen mit. Wie ein im Stahlkamm verstecktes Sprungmesser. Er darf nicht zu weit gehen mit Linda. Sie ist ihr Mädchen. Sonnys und Max’.
So wartet er diesen ganzen Sommer, ohne zu wissen worauf. Darauf, dass Linda erwachsen wird, vielleicht. Sie braucht nur noch ein Jahr bis zum Realschulabschluss, und ein Jahr hat schließlich nur dreihundertfünfundsechzig Tage – und Nächte! –, sagt er sich. Aber was, wenn sie bis zum Abitur warten will? Das sind noch weitere drei Jahre! Und wem sie da alles begegnen kann! Auf so einem Gymnasium. Wird sie ihn überhaupt noch beachten, wenn sie erst so weit gekommen ist? Obwohl er seine Lehre als Schlosser bald beendet und einen festen Job bei B&W hat?
Vermutlich erinnert er sich falsch, doch in seiner Erinnerung ist es ein besonders warmer und schwüler Sommer, in dem der süßliche Gestank des Hopfens über der Brauerei hängt. Sie hat einen Sommerjob drüben bei Carlsberg bekommen, arbeitet im Dreischichtbetrieb in einer der neuen Kolonnen in der neuen Zapfhalle, wo sowohl seine wie auch ihre Mutter die Bierkästen kontrollieren. Doch während die älteren Frauen immer müde sind und sich grau und erhitzt aus dem Tor schleppen, ist Linda verblüffend frisch, ob er sie nun um sechs nach der Nachtschicht abholt oder nach der Abendschicht um zweiundzwanzig Uhr. Nachmittags ist er selbst auf der Arbeit und kann nicht da sein. Aber ansonsten ist er zur Stelle, sowohl was das Bringen als auch was das Abholen angeht. Jedes Mal schwillt er vor Stolz an, sodass er aus seinen eigentlich durchschnittlichen Dimensionen herauswächst und sich wie ein amerikanischer Filmheld fühlt, wenn sie ihm winkend entgegengelaufen kommt und ihre langen Beine vor den Augen von Hunderten schwitzender Männer über den Sattel schwingt, die sich alle wünschen, dass sie so ein Motorrad hätten und Linda ihr Mädchen wäre. Dieses verliebte Ziehen im Bauch hat er seitdem nie mehr erlebt, und so war dieser Sommer – schwindelerregend, erregend. Trotzdem hat er die ganze Zeit diesen unheilverkündenden Druck empfunden, gespürt, dass die Wolken sich zusammenzogen und der Himmel bald von Blitzen zerrissen sein und das Unwetter losbrechen würde. Über seinem sündigen Haupt, denn seine Gedanken kreisten unentwegt um die fleischliche Vereinigung mit Linda, nach der er sich so sehr sehnte. Und das Unwetter kam. An einem Samstag im August wurde die Hitzewelle, die, auch nachdem sie wieder mit der Schule begonnen hatte, weiter anhielt, jäh von einem plötzlichen Wolkenbruch abgelöst, der alle überraschte. Unter anderem die Campingtouristen auf dem Tomtelli-Campingplatz am Mosede-Strand, zu dem die ganze Bande regelmäßig fuhr, um von Samstag auf Sonntag zu zelten, Bier zu trinken und laute Rockmusik auf den mitgebrachten Koffergrammofonen zu spielen. Es waren immer viele Mädchen da draußen, doch Linda bekam nur selten die Erlaubnis mitzufahren. Und an jenem Wochenende musste sie einen Aufsatz schreiben und ihrer Mutter bei der Wäsche helfen, und deshalb hatte er auch keine Lust zu fahren. Aber Sonny fuhr. Dieser Junge war, um es mit Max’ Worten zu sagen, mit einer hohen Oktanzahl im Blut geboren, sein Motto lautete leb intensiv, stirb jung , und deshalb schwang er sich gleich nach Feierabend in der Autowerkstatt, in der er gerade eine Lehre als Mechaniker gemacht hatte, auf seine Yamaha YDS3 und preschte dröhnend davon. Eine Stunde später als die Kameraden, weil die Werkstatt einen Wagen des Taxiunternehmens Sydhavnsbiler hereinbekommen hatte, bei dem hier und jetzt der Kühler abgedichtet werden musste. Doch er holte schnell einen Teil der Verspätung ein, denn man konnte rekonstruieren, dass er die Strecke von der Bådehavnsgade bis zum Kilometerstein 24 bei Tomtelli in weniger als zwanzig Minuten zurückgelegt hatte. Was bei dem Wetter viel, viel zu schnell war. Mithilfe schockierter Zeugen und der Polizei konnte man auch rekonstruieren, was passiert war. Sonny war im strömenden Regen, der die ohnehin schlechten Sichtverhältnisse noch weiter verschlechterte, mit hoher Geschwindigkeit den Gl. Køge Landevej entlanggerast, der auch die Landstraße des Todes genannt wurde. Deshalb hat er den ihm entgegenkommenden Lieferwagen nicht gesehen, der in dem Augenblick den Hügel herunterkam, in dem er sich angeberisch in die Kurve legte, um nach links auf den Campingplatz abzubiegen, ein Kunststück, das dazu gedacht war, den Eisessern am Kiosk zu imponieren. Im Übrigen umsonst, weil an diesem Tag niemand dort stand. Alle hatten vor dem Regen Schutz gesucht. Um einen Zusammenstoß zu vermeiden, bremst er gewaltig, doch wie jeder Motorradfahrer weiß, ist es fast unmöglich, eine jähe Bremsung auf einer regennassen Fahrbahn vorzunehmen, ohne die Gewalt über die Maschine zu verlieren. Er kommt ins Rutschen und wird in die Luft geworfen und direkt gegen einen Laternenpfahl geschleudert, der erst Jahre später entfernt wird. Es zertrümmert ihm die Schädeldecke; Helme sind etwas für Schlappschwänze.
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