Ich sitze mit Emmy zusammen und rede mindestens zehn Minuten mit ihr über den kommenden Empfang. Wir warten darauf, dass sich der Stau auf dem Parkplatz auflöst, bevor wir zum Empfang fahren. Gleichzeitig versuche ich, die verächtlichen Blicke zu meiden, die aus dem Eingangsbereich der Kirche kommen. Ich kann die Blicke buchstäblich in dieser Sekunde auf mir spüren. Das ist vielleicht unheimlich.
Als ein Schatten auf mich fällt, bin ich bereit, mich umzudrehen und loszukeifen. Doch ich sehe in Gregs blaue Augen und schließe den Mund schnell wieder. Sein ohnehin attraktives Gesicht wird durch eine Miene voll Frieden und Glück noch anziehender. Ich spüre schon das erregende Prickeln in meinem Bauch.
„Soll ich dich mitnehmen, meine Schöne?“, fragt er mich und unterbricht damit meine innere Schlampe.
Seine Augen verdunkeln sich etwas und es ist klar, was er wirklich mit der Frage meint.
„Es kommt darauf an, wohin, du Hengst.“
Er lacht und selbst das klingt sexy. „Wenn ich glauben würde, dass du darauf eingehst, könnten wir sofort durchstarten, Babe.“
„Ihr beide solltet euch in der Beichtkabine einschließen und es einfach hinter euch bringen“, unterbricht Emmy uns.
Ich bitte sie mit einem Blick, die Klappe zu halten, bevor ich auf Gregs Bemerkung reagiere. „Okay, Babe , ich weiß zwar nicht, was du im Angebot hast, aber es sieht so aus, als würde es schon von jemand anderem in Anspruch genommen werden.“
„Was?“
Eins muss ich ihm lassen, er kann dieses Spiel spielen. Er sieht aufrichtig verwirrt aus, als hätten ihn meine Worte aus der Bahn geworfen.
„Deine Freundin von neulich Abend“, sage ich und zeige über seine Schulter zu der kleinen Tussi in der Ecke. Sein geschockter Gesichtsausdruck ist fast komisch. Er hat wirklich keine Ahnung gehabt, dass sie dort steht.
„Verflucht noch mal“, knurrt er leise. „Sie ist nicht mit mir hier. Komm, Schönheit, lass uns zusammen abhauen.“
Ich sehe ihm ein paar Sekunden in die Augen und versuche zu entscheiden, ob er es wirklich ernst meint. Dann beuge ich mich vor und lache so heftig, dass die übrig gebliebenen Leute im Eingangsbereich der Kirche mich ansehen, als hätte ich den Verstand verloren.
„Das war schrecklich. Wenn du etwas von mir willst, muss von dir schon mehr kommen als ein paar kitschige Sprüche.“
Ich nehme meine Clutch und stehe auf. Wieder einmal bin ich erstaunt, wie unheimlich groß dieser Mann ist. In meinen High Heels bin ich etwas über einsachtzig groß, aber er sieht noch auf mich herunter.
„Komm schon, Schöne. Nur eine Tour.“
„Vielleicht später, Hengst.“
„Du machst mich fertig“, sagt er dramatisch und fasst sich ans Herz.
„Hast du damit Erfolg bei den Damen?“, frage ich und lächele. Es ist eine Weile her, dass ich die Gesellschaft eines Mannes genossen habe.
„Keine Ahnung. Ich habe mir nie die Mühe gemacht, es zu versuchen. Ich reserviere mir für später einen Tanz, aber nur, wenn du mir sagst, wie du heißt.“
Bis zu diesem Moment war mir nicht klar, dass ich für diesen Mann eine völlig Fremde bin.
„Ich weiß nicht …“ Ich sehe zu Emmy hinüber, deren Blick auf die anderen Männer von Corps Security gerichtet ist, die im Eingangsbereich stehen. Die Fröhlichkeit ist aus ihrem Gesicht verschwunden. „Vielleicht später“, sage ich, schnappe Emmys Hand und ziehe sie durch die Lobby.
Kurz bevor wir um die Ecke biegen, um zu meinem Auto zu gehen, werfe ich einen Blick zurück und sehe Greg an. Er sieht nicht enttäuscht aus. Nein, er wirkt, als hätte ich ihm gerade eine höllische Herausforderung gestellt. Und er vorhätte, sie zu gewinnen.
Wie zur Hölle habe ich es mir wieder mit ihr verdorben? Seit ich sie in Izzys Umkleideraum gesehen habe, muss ich dem Drang widerstehen, sie mir über die Schulter zu werfen und wegzurennen. Die ganze Zeit, in der ich dort oben neben Axel stand, haben meine Blicke sie in der Menge gesucht. Es war nicht schwierig, sie zu finden, denn ihr rotes Kleid ist wie ein wedelndes Tuch, und ich bin der rasende Bulle. Es gibt jetzt keinen Zweifel mehr, dass ich sie will und nicht eher ruhen werde, bis ich sie habe.
„Dir ist klar, dass sich dein kleines Spielzeug in eine unheimliche Stalkerin verwandelt, oder?“
Beck lehnt sich neben mir an die Wand, während ich beobachte, wie Emmy und meine mysteriöse Frau zu einem ziemlich alten Auto gehen. Sie dreht sich noch mal um und wirft mir einen weiteren lüsternen, vielversprechenden Blick zu, bevor sie auf der Fahrerseite einsteigt.
„Du hast da echten Scheiß am Hals, aber wenn diese Titten aus der Nähe so gut aussehen wie von Weitem, würde ich dir nur zu gern aushelfen. Du weißt schon, ich opfere mich für die Gemeinschaft.“
„Verdammt, halt die Klappe, Coop.“
„Gibt es ein Problem?“, fragt Locke, der sich zu uns gesellt. Sein Date für den Abend, eine attraktive Blondine, steht etwas abseits und sieht gelangweilt aus.
„Nichts, womit ich nicht fertig werde.“
„Klar. Darum verfolgt dich die Barbie mit den dicken Titten die ganze Zeit wie ein krankes Hündchen.“
„Eher wie ein gestörtes Miststück“, murmele ich. „Ich habe alles unter Kontrolle. Fährt einer von euch mit mir rüber zu Axel?“
„Nur ich und Coop.“
Ich sehe zu Locke und er bestätigt Becks Worte mit einem Nicken.
„Okay. Ich bringe nur den Müll raus, dann bin ich soweit.“
Ich muss mich innerlich ermahnen, mein Temperament unter Kontrolle zu halten. Beherrschung. Ich muss den Drang unterdrücken, auf sie loszugehen und völlig auszuflippen. Ich stehe nicht auf klammernde Frauen. Himmel noch mal, ich habe seit Jahren nicht mehrmals mit derselben Frau geschlafen. Als ich sie traf, war sie ein Mittel zum Zweck, eine Möglichkeit zu vermeiden, dass mir der Schwanz platzt. Ich habe ihr von Anfang an gesagt, dass es zwischen uns nie mehr als Sex geben wird. Keine Verabredungen, keine Treffen mit Freunden und kein Verhalten, als wäre ich ihr Eigentum.
Mandy kann auf keinen Fall normal sein, so wie sie da steht, bereit, sich mit mir anzulegen. Auf gar keinen Fall. Sie hat die Dreistigkeit, auf einer Hochzeit meiner Familie uneingeladen aufzutauchen und ihren Scheiß abzuziehen. Dazu hat sie kein Recht. Es ist höchste Zeit, dass ich die Sache mit ihr beende.
„Amanda.“
Sie zuckt bei dem harten Ton, mit dem ich ihren vollen Namen sage, zusammen. Ich spucke ihren Namen buchstäblich mit nichts als Verachtung aus. Ich packe sie am Ellbogen und führe sie in einen seitlichen Flur, weg von den lauschenden Ohren.
„Würdest du mir bitte verraten, warum zur Hölle du hier bist?“
„Weil ich wusste, dass du diesen besonderen Tag mit mir teilen willst, Baby.“
Man muss ihr lassen, dass sie diesen Blödsinn wirklich glaubt. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glauben, dass sie tatsächlich hier sein will. Aber ich weiß es besser. Hinter dieser Ausrede verbirgt sich nichts anderes als berechnende, durchgeknallte Planung. Was zur Hölle soll das?
„Bist du dumm? Bitte sag mir, dass dir nur die Botschaft entgangen ist, dass du nichts weiter als ein warmer Körper warst?“ Sie zuckt zurück, aber nicht genug. Offensichtlich braucht sie wesentlich mehr als eine normale Abfuhr. Das führt zu nichts. Scheiße.
„Sei nicht albern, Greg.“ Sie lacht leise und legt ihre Hand auf meine, aber ich weiche zurück und ihr Arm sinkt schlaff herab.
„Hör mir zu, hör mir gut zu, Amanda. Ich werde das nicht wiederholen. Die Sache zwischen dir und mir ist vorbei. Komplett, es wird nie wieder passieren. Das letzte Mal, dass du meinen Schwanz gekriegt hast, war gestern Abend. Was immer du auch glaubst, was zwischen uns ist, gibt es nicht. Ich werde nie mit dir zusammen sein und auch nie wieder mit dir schlafen. Hörst du – es ist vorbei.“
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