Zusammen mit Frédéric Lepage vertrauten wir ihm mehrere GoPro-Kameras an, damit er seine Expedition zum Ende der Welt filmen kann.
Zwar würde seine Route hie und da die einheimischer Fischer kreuzen, aber seine einzige Gesellschaft an Bord würden die Hühner sein.
Bei seiner Rückkehr sprechen die Bilder für sich. Wir hatten nicht erwartet, was dieses zehnstündige Bildmaterial über Corentins »Leben als Abenteurer« so echt und mit so viel Emotion vermittelt. Der Film, der daraus entstand, ist verzaubernd, verblüffend, mitreißend und anrührend.
Aus diesem ersten Ausflug zur See ist Corentins großes Projekt entstanden: die NOMADE DES MERS – ein Katamaran, ausgerüstet für eine Weltreise, die originell, genial und ein wenig durchgeknallt sein würde. An Bord befindet sich außer der Spezies Mensch überwiegend Low-Tech: ganz simple Systeme, die leicht herzustellen und zu reparieren und auf die alltäglichen Bedürfnisse abgestimmt sind – Konzepte, die Corentin kostenlos mit jedem teilen möchte.
Sehr schnell wird das Boot zum schwimmenden Labor. Das Vorschiff wird zum Gewächshaus. Auf der Brücke vorn findet ein Solarofen seinen Platz; hinten liefern Hühner täglich zwei, drei Eier, und eine der Kabinen beherbergt Insekten: Sie sind es, die später die Crew mit den Proteinen versorgen sollen, die sie braucht.
Nachdem das Boot 2016 in Concarneau abgelegt hat, geht die Fahrt zunächst über zahlreiche Etappen nach Indonesien. Von dort aus setzt die NOMADE DES MERS Ende 2018 ihre Reise in Richtung Pazifik fort.
Diese Etappen und Überfahrten haben den Stoff zu 15 Filmen geliefert. Sie bezeugen die Entschlossenheit, mit der Corentin sein Projekt bis zum Ende verfolgt. Ich bin stolz auf ihn und – ja, ich bewundere ihn.
Wenn die NOMADE DES MERS ihre Segel setzt, um wieder in See zu stechen, werde ich dabei sein. Zusammen werden wir weitere Filme machen – noch schönere, noch spannendere.
Bis zu dem Tag, an dem die Bucht von Concarneau nur noch wenige Seemeilen entfernt ist und es Zeit wird, zu sagen: »Mission erfüllt« … Aber dieser Tag kann gern noch etwas auf sich warten lassen. 
Grégory Schnebelen,Produzent
1.FRANKREICH, CONCARNEAU
2.MAROKKO, AGADIR
3.SENEGAL, DAKAR – TUBAKUTA
4.KAP VERDE, PRAIA
5.BRASILIEN, RECIFE – RIO DE JANEIRO
6.MADAGASKAR, TOLIARA
7.SEYCHELLEN, VICTORIA
8.INDIEN, CHENNAI – AUROVILLE
9.SRI LANKA, TRINCONMALEE
10. THAILAND, PHUKET – THALANG
11. INDONESIEN, MEDAN
SACHREGISTER
QUELLEN/
BILDNACHWEIS
LOW-TECH – BZW. BASISTECHNIK – GREIFT IM GEGENSATZ ZU HIGH-TECH AUF SIMPLE SYSTEME ZURÜCK: DAS IST PRAKTISCH, PREISWERT, LEICHT ZUGÄNGLICH UND NACHHALTIG. MIT DEM BEGRIFF LÄSST SICH ALSO EIN SYSTEM DEFINIEREN. GLEICHZEITIG LÄDT ER ZU INNOVATIVEM VORGEHEN EIN, DAS SOWOHL DEN MENSCHEN ALS AUCH DEN PLANETEN ACHTET.
551.695 KM 267,1 MILLIONEN EINWOHNER 117,8 EINWOHNER/KM 2
IM FOKUS
• 5. Mai 2018: Frankreich erreicht seinen »Überlastungstag«: Wenn die gesamte Menschheit wie die Franzosen lebte, hätte sie seit dem 1. Januar 2018 nun die Menge an Ressourcen verbraucht, die die Erde in einem Jahr generieren kann.
• Ein Franzose produziert durchschnittlich 590 Kilogramm Abfälle pro Jahr. 50 Prozent davon werden als Hausmüll entsorgt, also nicht recycelt. Sie landen auf der Müllkippe oder in der Müllverbrennungsanlage.
• Durchschnittlich 140 Tonnen Eisen, aber auch 16 Tonnen Aluminium, 680 Kilogramm Kupfer, 360 Kilogramm Blei und 343 Kilogramm Zink verbraucht ein Europäer in seinem Leben.
Hauptstadt:Paris
Bedeutende Städte:Marseille, Lyon, Toulouse, Nizza, Nantes, Straßburg, Montpellier, Bordeaux
Amtssprache:Französisch
»ICH HEISSE CORENTIN UND BIN INGENIEUR. MEIN TEAM UND ICH, WIR MÖCHTEN DANK LOW-TECH VÖLLIG AUTARK AN BORD UNSERES BOOTES LEBEN KÖNNEN. LOW-TECH, DAS SIND DIE SIMPLEN VORRICHTUNGEN, DIE MAN ÜBERALL HERSTELLEN UND REPARIEREN KANN. NUN FAHREN WIR ALSO LOS, UM RUND UM DEN ERDBALL DIE KÖPFE ZU TREFFEN, DIE SIE ERFINDEN – WENN DIESE BEKANNTER WÄREN, KÖNNTEN SIE DIE WELT VERÄNDERN.«
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2013 testete Corentin die GOLD OF BENGAL aus Harz und Jute sechs Monate lang zwischen Bangladesch und Malaysia .
Concarneau ist ein mittelalterliches Städtchen in der Bretagne, das schon mehr als einen Piraten beherbergt hat. Heutzutage gibt es hier vor allem Kouign-amann, meinen Lieblingskuchen. Es ist außerdem der Heimathafen der NOMADE DES MERS, eines Katamarans, der schon sämtliche Weltmeere durchfahren und dabei Wind und Riesenwellen, peitschender Gischt und rollender Brandung getrotzt hat – kurz gesagt: Es gab einiges trocken zu wischen. Sie hätte wirklich einen ruhigen Lebensabend unter bretonischer Sonne verdient, aber so schnell wird das nicht gehen. Ich rüste sie für ein neues Abenteuer aus. Bald wird die NOMADE DES MERS bereit sein für eine Weltreise mit meinem Team und eine Erfahrung machen, wie sie noch keinem anderen Boot widerfahren ist: den Versuch, auf See autark zu leben, dank genialer Erfindungen, die ganz einfach und allen zugänglich sind.
»Um seine Widerstandsfähigkeit zu testen, befuhr ich in sechs Monaten ganz allein das Meer von Bangladesch nach Malaysia mit nur einem Ziel: autark zu leben. Dabei habe ich mit Technik experimentiert, die mich seit Langem fasziniert: Low-Tech, also geniale Systeme, die leicht herzustellen und zu reparieren sind und die die Grundbedürfnisse decken.«
Die Idee stammt aus der Zeit, in der ich in Bangladesch lebte. Als frischgebackener Ingenieur habe ich dort unten ein paar Jahre auf einer Werft gearbeitet und die Eigenschaften der Jutefaser erkundet – einer Pflanze, die es im Gangesdelta in Hülle und Fülle gibt. Ich dachte damals, dass diese Naturfaser die Glasfaser im Bootsbau ersetzen könnte, denn das wäre sowohl auf ökologischer Ebene (Glasfaser lässt sich nicht recyceln und verbraucht viel Energie bei der Herstellung) als auch für die lokale Wirtschaft von Vorteil.
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