Sea Launch verfügt über zwei Schiffe und eine sehr bewegte Geschichte. Zum einen die Sea Launch Commander, das Kommandoschiff. Ein großes Schiff mit einer Länge von 203 Metern, einer Breite von 32 Metern und einem Tiefgang von acht Metern und einer Bruttoraumzahl von 50.023. Sie nimmt neben der Schiffsbesatzung, dem technischen Personal der Zenit-Raketen und der Startkontrollcrew auch noch zwei Zenit-Raketen auf, die erst im Startgebiet auf die Odyssey-Startplattform transferiert werden. Das Schiff verfügt über eine Höchstgeschwindigkeit von etwas über 19 Knoten (36 Kilometer pro Stunde). Das andere „Schiff“, die Odyssey, war ursprünglich eine Erdölplattform bevor es zur mobilen Startplattform für die Zenit 3SL Raketen umgebaut wurde. Sie verfügt über einen eigenen Antrieb, ist 137 Meter hoch und 67 Meter breit. Sie kann um 35 Meter in das Wasser abgesenkt werden, und bildet dann eine sehr stabile Plattform für die Durchführung der Starts. Im Normalbetrieb sind 68 Besatzungsmitglieder an Bord, die für einen Start allesamt auf die Sea Launch Commander evakuiert werden. Das Schicksal von Sea Launch ist ungewiss. Der letzte Start von dort erfolgte im Jahr 2007. Nach mehreren Besitzerwechseln liegen derzeit beide Schiffe in einem Hafen bei Wladiwostok und harren einer ungewissen Zukunft.
Die zahlenmäßig bei weitem größte Seeflotte setzt derzeit SpaceX ein. Nicht weniger als 10 Schiffe fahren unter der Flagge dieser Firma. Was darauf beruht, dass das Unternehmen als derzeit einziges weltweit nicht nur die ersten Stufen ihrer Trägerraketen, sondern die Nutzlastverkleidungen birgt, um sie wiederzuverwenden und obendrein noch eine enorme Startfrequenz hat. Nur beim Start sehr leichter Nutzlasten ist es der Erststufe möglich, wieder zum Startort zurückzufliegen. Bei allen anderen muss zwangsläufig eine parabelförmige Bahn in Flugrichtung abgeflogen werden. Die Landung erfolgt dann auf einem Schiff, denn alle Starts, sei es von Cape Canaveral aus oder von der Luftwaffenbasis Vandenberg, führen über Wasser. Bei den Nutzlastverkleidungen ist es sogar niemals möglich, sie wieder zum Festland zurück zu bringen. Sie müssen immer auf der offenen See geborgen werden. Heimathafen all dieser Schiffe ist Port Canaveral in Florida. Die „werkseigene“ Flotte von SpaceX umfasst zwei sogenannte „Droneships“, die „Of course I still love you“(häufig als OCISLY abgekürzt) und die „Just read the instructions“ (JRTI). Beide Namen sind der Science-Fiction-Story „Das Spiel Azad“ des schottischen Autors Iain Banks entnommen. Droneships werden sie deswegen genannt, weil sie zur Zeit ihres Einsatzes, also wenn sie eine Raketenstufe erwarten, autonom und ohne Besatzung arbeiten. Sie halten in dieser Phase ihre Position dann automatisch auf den Zentimeter genau. Die Droneships können nur kurze Distanzen selbst fahren. Ihre vier 300 PS-Motoren sind hauptsächlich zum Halten einer Position vorgesehen. Um in das Zielgebiet zu kommen benötigen sie Schlepper. In der Regel verlassen sie Port Canaveral fünf bis sieben Tage vor einem Start und begeben sich in das zwischen 600 und 1.250 Kilometer entfernte Zielgebiet. Nach der Bergung einer Stufe brauchen sie ähnlich lange wieder zurück. Bedenkt man, dass die genauen Starttermine aus den unterschiedlichsten Gründen häufig nicht eingehalten werden können, kommen leicht Aufenthaltsdauern auf See von drei Wochen oder mehr zusammen. Auf den Droneships gibt es Vorrichtungen, welche die gelandete Stufe auf Deck fixieren. Sie wurde konstruiert nachdem es einen Fall gab, bei der eine zuvor sicher gelandete Stufe einige Tage später beim Rücktransport nach Port Canaveral auf hoher See bei schwerem Seegang über Bord ging. Diese Vorrichtung wird „Octograbber“ genannt. Die beiden Droneships sind Umbauten der Marmac 303 (JRTI) und 304 (OCISLY) die 2013 von der Signal International Werft hergestellt worden sind. Sie sind jeweils 91 Meter lang und 52 Meter breit. Die Spannweite der Landebeine einer Falcon 9 beträgt 18 Meter. Für die Bergung der Nutzlastverkleidungen gibt es die GO Ms. Tree und die GO Ms. Chief. Gut erkennbar sind sie an den riesigen Netzen mit denen sie im günstigsten Fall die an einem Flächenfallschirm herabschwebenden Fairings aus der Luft auffangen. Aber auch aus dem Wasser gefischte Nutzlastverkleidungen werden wiederverwendet, vorausgesetzt sie bleiben unbeschädigt. Die Schiffe sind mit 63 Meter Länge und elf Metern Breite sehr schlank. Die Bruttoraumzahl beträgt etwa 500. Der Tiefgang beträgt etwa zwei Meter und die Höchstgeschwindigkeit etwa 25 Knoten. Für Unterstützungszwecke gibt es die GO Quest und die NRC Quest. Sie dienen dazu, Ausrüstung und Personal für die Droneships bereit zu halten. Auf dieses Schiff wechseln die Besatzungen der Drone Ships vor einer Bergungsaktion. In der Regel brechen diese Schiffe erst etwa ein bis zwei Tage nach den Drone-Ships auf, denn sie sind wesentlich schneller als die von Schleppern gezogenen Barken. Die GO Quest und die NRC Quest sind 52 Meter lang und 12 Meter breit. Für die Zwecke der Bergung der bemannten Crew Dragon Kapseln und der unbemannten Dragon Cargo Einheiten gibt es die GO Searcher und die GO Navigator. Sie sind ähnlich groß wie die GO Quest und die NRC Quest, haben aber ganz andere Aufbauten. Unter anderem eine Hubschrauber-Landeplattform, die fast 40 Prozent der Größe des Schiffes einnimmt. Gelegentlich hilft die GO Navigator bei der Bergung von Nutzlastverkleidungen aus. Und schließlich gibt es noch zwei gut motorisierte Schlepper, die „Finn Falgout“ und die „Lauren Foss“, mit denen die Droneships in das Zielgebiet und wieder zurück geschleppt werden. Die beiden sind jeweils etwa 45 Meter lang und 12 Meter breit mit einer Brutto-Raumzahl von 930 und 820. Die Finn Falgout ist übrigens bereits 45 Jahre alt, die Lauren Foss ist dagegen erst 17.
Blue Origin Landing Platform
Das Blue Origin „Landing Platform Ship“, oder kurz LPS, wird derzeit als schwimmende Landeplattform für die Erststufe der New Glenn-Rakete ausgebaut. Ursprünglich war es ein Ro-Ro-Schiff der Stena-Linie, die es im Jahre 2007 in Betrieb nahm. Dort lief es bis 2018 in einer bewegten Geschichte und unter wechselnden Namen, bis es schließlich von Blue Origin für den genannten Zweck gekauft und seither modifiziert wird.
Das Schiff ist, verglichen mit den Landeplattformen die SpaceX verwendet, sehr groß. Es ist 183 Meter lang, 26 Meter breit und hat voll beladen einen Tiefgang von 7,4 Metern. Die Bruttoraumzahl beträgt 21.100. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 40 Kilometer pro Stunde. Neben den insgesamt sieben Antriebs- und Stromgeneratoren an Bord gibt es noch ein System von vier Schubdüsen und Propellern, mit denen das Schiff bei Landungen präzise auf der Stelle gehalten werden kann.
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