Mehr Anregung auf unbewusster Ebene gibt die poetische Version:
»Sie sind ganz in Ihrer Ruhe … und … Ihnen ist bewusst wie nie zuvor:
Ich erlaube mir, diesen Lebensabschnitt zu genießen …
und lass mich überraschen, wie …
ich bin die schöne Kriegerin …
Stabilität … Kraft … Zuversicht … sind meine drei treuen Begleiter.«
( Die schöne Kriegerin )
In Hypnose hören wir anders als im Wachbewusstsein. Worte werden direkt rezipiert und »übersetzt«. Sie gehen unter die Haut. Ja, sie werden real, zeitnah und vital:
»Ich fühle meinen Körper herrlich schweben …
und meine Seele lustvoll schwingen … denn …
ich tanze auf dem Berg … ausgelassen … heiter … frei …
die Stimmung ist wundervoll … und alles spielt sich von alleine ab …
oben auf dem Berg … und unten im Tal … in der Tiefe …
ich tanze mich fröhlich frei … und erlebe, wie herrlich anders es ist!
ich werde davon träumen … und in den Träumen lernen …
und mich in den Träumen freisprechen … freileben … und freilieben …
und es wird einfacher sein, als ich denke …
ich tanze mich einfach frei …«
( Ich tanze mich frei )
Weiter unten in diesem Text erhält das Unbewusste durch sensible Formulierung vollkommen freie Hand:
»Unten im Tal … ist mein Unbewusstes tätig … hält alte Szenen an …
spult sie zurück … spielt sie in neuer Version … in einer guten, neuen Aufführung …
… lustvoll … spannend … frei … spontan …
… löst die Nebel auf …«
( Ich tanze mich frei )
Um Hypnose zu verstehen, muss sie erfahren werden. Um Hypnosetexte wirklich zu erfassen, sollten sie im veränderten Bewusstseinszustand der Trance aufgenommen werden. So ist es von Vorteil, die Beispiele in diesem Kapitel nicht nur durch normales Lesen aufzunehmen, sondern in leichter Trance oder zumindest mit geschlossenen Augen zu vernehmen und dabei selbst zu testen, wie unterschiedlich die zwei Versionen jeweils wirken. Dafür kann man die Sätze laut sprechen und dann noch mal mit geschlossenen Augen wiederholen. Oder man lässt sich die Textstellen von einer anderen Person vorlesen. In diesem Sinne setze ich auf implizites Lernen, Lernen durch Erleben und Verinnerlichen.
Deshalb sind die Erläuterungen zum Spektrum und zur Struktur der poetischen Hypnose eher knapp gehalten, dafür aber an einer großen Anzahl an beispielhaften Textfragmenten aus den Hypnosen in Teil 3verdeutlicht. Lassen Sie sich diese Textstellen auf der Zunge zergehen, schließen Sie die Augen, lassen sie nachklingen und genießen einfach!
Eine weitere Möglichkeit, meine in Teil 3präsentierten Hypnosetexte intensiv zu erleben, ist das Hören der zahlreichen von mir gesprochenen und im Carl-Auer Verlag veröffentlichten CDs. (Siehe dazu die vollständige Liste im Anhang.) Diese erweisen sich nicht nur als erfolgreich in der Anwendung der Hypnose in Eigenregie, sondern bieten im Zusammenhang mit dem vorliegenden Buch reiches Lehrmaterial bezüglich der hypnotischen Sprachtechnik und Sprachgestaltung bezüglich Intonation, Sprachfluss, Sprachmelodie, Lautstärke, Timing (Pausen) und Untermalung. Bei guter Artikulation der Laute lässt sich durch ein einzelnes Wort spontan ein Gefühl oder ein Bild erzeugen. Kleines Beispiel: Wenn Sie »Luft« mit einem sehr luftigen f sprechen, ist tatsächlich ein leichter Wind zu spüren.
2Der in Klammern angeführte Name jeweils am Ende des Auszugs verweist auf den (Haupt-)Titel des zugehörigen vollständigen Trancetexts in Teil 3.
Das Spektrum der poetischen Hypnose
Eine gute, poetische Hypnoseanleitung ist die Komposition aus 21 verschiedenen Elementen, die ich Ihnen in diesem Kapitel vor Augen führen möchte.
Malerische Namen geben der Hypnose ihr Gesicht
Hypnosen sollten ein Unikat sein, entworfen in einer einmaligen Situation mit einem und für einen einmaligen Menschen. Hypnosen mit einem individuellen Titel oder Namen bahnen sofort Assoziationen und nehmen in der Fantasie Gestalt an. Welche Bilder und Assoziationen kommen Ihnen beim Lesen folgender Titel?
Aphrodite
Eiswürfel & Wassermelone
Ein herrlich grauer Novembertag
Einfach mal chillen
Die nachtblauen Samtvorhänge
Die Insel der Selbstklarheit
Der Ressourcentank
Der Lindenbaum
Die weiße Taube
Der Schlafkokon
Die lachenden Träume
Die venezianische Maske
Paradise is now
Wie eine Möwe im Aufwind
Die Nikolaushypnose
Aufrecht wie eine Zypresse
Erdbeeren, sinnlich und süß
Das Seepferdchen
Stimmt! Sie sind auf dem richtigen Pfad!
Einprägsame Reime hallen im Gedächtnis nach
Reime wickeln ein, bleiben hängen und verselbständigen sich auf hübsch-abenteuerliche Weise. Lassen Sie sich doch mal ein wenig einwickeln!
»Die Arbeit geht gut voran …
kaum begonnen ist sie getan …«
( Das Seepferdchen – beim Zahnarzt entspannt am Strand )
»Nun … wenn Sie denn mögen, schlummern Sie selig davon …
Ihre lachenden Träume erwarten Sie schon …«
( Die lachenden Träume )
»… mit guten Träumen … die Ihren Kopf aufräumen …«
( Eine kleine Nachthypnose )
»… immer im Sinn … die schöne Kriegerin …«
( Die schöne Kriegerin )
»… im Kopf die Devise: ›Siehe … rieche … schmecke … genieße!‹«
( Zu viel Gewicht? Steig heraus! )
»Gönnen Sie sich viel Zeit …
um das Neue im Traum zu erahnen …
und so für das Morgen zu bahnen …«
( Die Giraffe )
»Und Ihr Apfel macht Sie so …
apfelmunter … apfelfroh …
apfelsatt … und apfelrund …
apfelfit … und kerngesund …«
( Die Apfelhypnose )
»Meine Seele … gelöst … und frei …
meine Stimmung … heiter … und leicht …
ich lebe mich schon ein …
in mein neues Sein …«
( Mein Körper von morgen )
»Ihr flexibles Gehirn weiß, wo es steht …
Ihr kreatives Unbewusstes weiß, wie es geht …«
( Wie eine Möwe )
»Und das, was aus dem Ruder gelaufen ist …
weil alles viel … und zu groß die Not …
das regelt sich wieder ein … kommt wieder ins Lot …«
( Rückfall? Reset in die Ressourcen! )
»Das ist die … Wassermelone … fein püriert …
in grüner Limette keck garniert …
mit frischer Minze dekoriert …
von Rosenwasser parfümiert …
und auf zerstoss’nem Eis serviert«
( Eiswürfel & Wassermelone )
Von besonderem Tiefgang sind verständlicherweise Reime, die jemand für sich selbst findet. Nach einer lebensbedrohenden Erkrankung fand ein junger Mann für seine große Reise dieses Motto:
»Ich bin nicht Eilender, sondern reisend Heilender.«
Gezielte Wiederholungen vertiefen die Trance
Wiederholungen potenzieren die suggestive Wirkung der Worte. Zum diesem Thema haben Bärbel und Walter Bongartz langjährige Forschung betrieben. Wie Ihre Studien ergaben – und in bestimmten Details die Ergebnisse anderer Studien bestätigte –, hat unter anderem das sogenannte Blending (engl. to blend , dt. »mischen«) eine wichtige Funktion. Dabei handelt es sich um leichte Veränderungen im Wortlaut der Wiederholung, die eine komplexere neuronale Verschaltung und somit tiefere Einprägung des Gesagten hervorruft (Bongartz u. Bongartz 2019).
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