Ein Mann mit bislang erfolgreicher Karriere wurde plötzlich arbeitslos. Er sah sich nach einer neuen Stelle um. Aber die Wochen gingen ins Land und er fand nichts. Stück für Stück verlor er das Vertrauen in sich selbst und in seine Fähigkeiten. Daheim blieb er geschäftig, aber er fühlte sich als Verlierer. Er wurde das Gefühl nicht los, dass niemand ihn haben wolle und er für nichts tauge. So versank er in Entmutigung und Traurigkeit. Er hatte das Gefühl, alles Leben sei aus ihm gewichen .
Ist das die gleiche Leere, nur tiefer, die eine Frau empfindet, deren Mann bei einem Unfall ums Leben gekommen ist? Beide waren in der Liebe und im Leben eins gewesen. Und plötzlich ist er verschwunden und das Herz der Frau ist gebrochen. Sie hat allen Grund zum Weiterleben verloren. Sie empfindet nicht nur den Tod ihres Mannes, sondern auch ihr eigenes inneres Totsein. Sie ist in einem Zustand der Trauer.
Wenn eine Tätigkeit oder ein Mensch unser Leben ausfüllt, uns inspiriert oder uns Freude am Leben schenkt, diese Tätigkeit oder dieser Mensch dann aber plötzlich wegfällt, kann uns das in ein Gefühl totaler Leere stürzen. Wir durchleben dann eine Art von innerem Sterben. In uns fließt kein Leben mehr. Wir sind vom Gefühl des Verlusts und der Trauer erfüllt; etwas Schweres lastet auf unserem ganzen Wesen, das der Depression gleicht. Dieser Schmerz und dieses Schwere sind keine Krankheit, sondern eine normale, natürliche Reaktion auf einen Verlust, der an den innersten Sinn unseres Lebens rührt.
Wer diese Art von Trauer durchmacht, braucht Zeit, um nach und nach wieder andere Gründe entdecken zu können, die das Leben lebenswert machen. Im Lauf der Zeit und vielleicht mit Hilfe anderer findet der Mann, der seine Stelle verloren hat, womöglich eine andere interessante Tätigkeit. Der junge Mann lernt hoffentlich eine andere junge Frau kennen. Der Frau, die unter der mangelnden Liebe ihres Mannes leidet, erschließt sich vielleicht ein tieferes spirituelles Leben oder sie findet Freunde und neue Aktivitäten, die ihr helfen, aus ihrer lähmenden Traurigkeit herauszukommen.
Die Gefahr für Menschen in diesem Zustand liegt darin, dass sie sich weigern, sich nach Hilfe umzusehen. Dann ziehen sie sich in ihre Traurigkeit zurück, sehen sich als Opfer und behaupten ständig, nichts und niemand könne ihnen helfen.
Damit solche Menschen aus diesem Zustand des Verlusts und der Trauer herauskommen und ein neues Leben anfangen können, brauchen sie nicht in erster Linie einen Therapeuten, sondern vor allem Freunde, die bereit sind, ein Stück ihres Weges mit ihnen zu gehen. Diese Freunde können und sollten nicht versuchen, ihnen ihre Traurigkeit zu nehmen; sie sollten sie einfach gemeinsam mit ihnen annehmen. Der Trauerprozess nimmt in jedem Menschen seinen ganz eigenen Verlauf. Man muss ihm Zeit lassen. Folglich sollten wir nicht versuchen, ihn mit künstlichen Mitteln und Zerstreuungen rasch verschwinden zu lassen. Manche Menschen brauchen es, dass sie weinen, schreien und ihren Schmerz, ihre Wut und Frustration laut von sich geben. Dann können sie nach und nach von ihrem Schmerz loskommen und neues Leben finden.
Aber es gibt auch eine tiefere Traurigkeit. Sie äußert sich so, dass ein Mensch sich frustriert oder verletzt fühlt; oder er oder sie erfährt in unerträglichem Maß einen Rückschlag, eine emotionale Krise, große Spannung, einen Konflikt oder etwas sehr Trauriges. Dieser Mensch fühlt sich dann von Traurigkeit überwältigt; aus den Tiefen seines Seins steigt ein innerer Tod auf. In ihm und um ihn fließt kein Leben mehr. Alle seine Energie ist ausgelaugt, seine ganze Freude am Leben ist ihm verloren gegangen. Dieser Energieverlust gleicht anfangs dem oben beschriebenen Trauerprozess. Aber allem Anschein nach stehen dieser Schmerz und dieses Traurigsein in keinem Verhältnis zu dem Ereignis, wovon sie ausgelöst wurden. Im Unterschied zu üblichen Zeiten der Trauer lässt hier die Traurigkeit im Lauf der Zeit oder dank neuer Aktivitäten nicht nach; im Gegenteil, die innere Lähmung scheint zuzunehmen. Der betreffende Mensch hat dann das Gefühl, in einer Welt der Finsternis gefangen zu sitzen und von allen anderen Menschen völlig abgeschnitten zu sein.
Depression ist eine Krankheit, die wir nicht selbst behandeln können. Um davon zu genesen, brauchen wir Hilfe.
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