Ute Bales - Vom letzten Tag ein Stück

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In ihrem neuen Roman geht Ute Bales der Frage nach, wohin der Mensch gehört, wenn Heimat immer weniger greifbar wird, wenn sich Menschen immer mehr von ihren Landschaften entfernen, wenn sie diese Bindung verlieren und letztlich ihre Landschaften nicht mehr brauchen.
Hintergrund des Romans ist eine Umweltkatastrophe, die sich seit Jahrzehnten, unbemerkt von einer größeren Öffentlichkeit, vollzieht. Gemeint ist der Abbau der vulkanischen Berge der Eifel, deren Ausbeutung von Lava und Basalt für schnelles Geld und maximalen Profit.
Bales beschreibt ein traditionsbehütetes Dorf, arglose Bewohner, einen geplünderten Berg, die hilflosen Versuche eines jungen Mannes, der sich gegen diese Zerstörung wehrt und eine Ich-Erzählerin, die bei alldem zusieht.
Zentrale Figur der Erzählung ist Bertram, ein Aussteiger. Als in einem Frühjahr der Ginster nicht mehr blüht und er einen der vertrauten Bäche nicht mehr finden kann, verschwindet Bertram spurlos. Die einzige, die nach ihm sucht, ist die Ich-Erzählerin, die seine Geschichte rekonstruiert. Bertram, der Berg, die Tiere und Pflanzen stehen sozusagen symbolhaft für die vermisste Landschaft und so ist »Vom letzten Tag ein Stück« in der Spannung zwischen Untergang und Sehnsucht nach Verlorenem angesiedelt.

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Unabhängig wollte er sein, fuhr mit seinem Getreide zur Mühle, backte sein Brot selbst, räucherte Speck und Schinken, bewirtschaftete seinen Garten und die Felder, hielt neben allerhand Vieh schwarze Hühner und einen bunten Hahn, und war stolz, nicht viel hinzukaufen zu müssen.

Sein wertvollster Besitz war ein Grammophon. Es war ein schwarz lackierter Holzkasten mit einem Lautsprecherhorn und der Abbildung eines Hundes, dem die Schriftzeile »His masters voice« galt. An der Seite befand sich eine abnehmbare Kurbel zum Aufziehen der Feder des Antriebswerkes. Zum Grammophon gehörte eine Schallplattenkassette und eine Nadel, die einer speziellen Dose entnommen am Ende des Abtastarms eingesteckt und fest verschraubt wurde. Das Grammophon hatte er mit in die Ehe gebracht und es gehörte zu seinem Sonntagvormittag, wenn er sich in Opern und Operetten verlor, in Konzerten von Haydn und Strauss. Seine Grammophonstunde zelebrierte er ebenso wie die regelmäßige Lektüre der ›Meisterwerke der Dichtkunst‹, von denen er fünf Bände besaß. Gelegentlich holte er auch sein Schifferklavier aus einem eckigen, schwarzen Kasten, spielte Volkslieder, denen man den Norden und das Meer anhörte, ging damit durch die Stube, während seine Finger über die Tasten flogen. Fest hielt er das Instrument über der Brust gespannt, zog es auseinander, dass es mit seinem papierenen Balg Luft zog und sang: »Nimm uns mit, Kapitän, auf die Reise, nimm uns mit in die weite, weite Welt! Wohin geht, Kapitän, deine Reise? Bis zum Südpol, da langt unser Geld! …«4

Man kann sagen, dass Bertrams Vater ein musischer Mensch war. Sein Unwohlsein begann, als die Technik alles überrannte. Er sah keinen Fortschritt in modernen Maschinen und Ställen, verteufelte Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger und verzichtete auf höhere Erträge, die ihm diese Neuerungen versprachen. Er war sicher, dass man mit Grund und Boden nicht machen konnte, was man wollte. Es gäbe eine Verpflichtung der Menschen gegenüber ihrem Land und den Tieren. Dass uns das alles noch teuer zu stehen komme. Mit Argusaugen beobachtete er, wie mehr und immer größere Maschinen immer schneller Aussaat und Ernten übernahmen und viele der kleinen Bauern die Höfe aufgaben. Die moderne Tierhaltung war für ihn ein Verbrechen an der Kreatur. Er hasste die engen Legebatterien, in denen die Hühner sich nicht bewegen konnten. Er hasste Bauernhöfe, die zu Industriebetrieben geworden waren. Er hasste die Weizenfelder, von denen er meinte, dass jedem, der sie genauer betrachte, auffallen müsse, dass irgendwas nicht stimmte.

Bertrams Mutter hatte immer schon im Haus gewohnt, träumte allerdings von Amerika, von einer Farm irgendwo in den Südstaaten inmitten leuchtender Felder, im Herbst weiß von Baumwolle.

Sie war eine stille Frau, nickte zu allem, was ihr Mann sagte. Ich habe sie blass und unscheinbar in Erinnerung. Ihr reichten ein labberiger Pulli, Latzhose und Gummistiefel. Aber sie war eine gute Bäckerin. Dann und wann backte sie herzförmige Waffeln, die sie mit Puderzucker überstreute und Bertram stapelweise in die Schule mitgab, so, dass es für die halbe Klasse reichte.

Eigentlich hätte Bertram noch zwei Brüder haben sollen, Zwillinge. Beide waren noch im Säuglingsalter an einer seltenen Krankheit gestorben. Zeitlebens sehnte sich Bertram nach seinen Brüdern. Ein Lied hatte er für sie geschrieben mit einer Melodie aus Morgenlicht und Himmel.

8.

Je älter wir wurden, desto ähnlicher wurde Bertram seinem Vater.

Er war es gewöhnt, seine Kleider aufzutragen, Essensreste wieder aufzuwärmen und jegliches zu verwerten. Dies nicht nur, wie bei uns, aus Gründen der Sparsamkeit. Bei ihm war es eher so etwas wie eine Lebenseinstellung.

Vom Sperrmüll schleppte er alles Mögliche nach Hause. Mit allem konnte er etwas anfangen oder er hob es auf, bis er es gebrauchen konnte. In seinem Schuppen türmten sich Dosen mit alten Schrauben, gefundenen Brettern und Werkzeug von der Mülldeponie.

Er war zwei Jahre älter als ich. Wir gingen beide aufs Gymnasium, von dem er meinte, dass es ihn von allen wichtigen Dingen abhielt. Pro Woche vier Stunden Englisch bei Fräulein Brämer, eine Doppelstunde Erdkunde bei Linnerth, den wir Schorsch nannten, vier Stunden Mathe bei Andersch und sechs Stunden Deutsch im Leistungskurs bei Noell. Die anderen Fächer waren zu vernachlässigen. Außer Kunst vielleicht, aber der Kunstlehrer mochte mich nicht, weil ich mal einen Franz Marc gefälscht und er mich beim Versuch, das Gemälde auf einem Flohmarkt als echt zu verkaufen, erwischt hatte.

Die Lektüren, die wir im Deutschunterricht lasen, interessierten uns. Effi Briest bewerteten wir als literarisch mäßig, Wilhelm Tell als unglaubwürdig, Maria Stuart als gute Story, aber leider passé. Der von Armut geplagte und von seinen Mitmenschen diskriminierte Franz Woyzeck hingegen war unser Held. Er löste Diskussionen aus. Wir zogen Parallelen zu den Ausgebeuteten von heute, kritisierten die Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt und endeten bei der Massentierhaltung. Das alles war für uns Franz Woyzeck.

So wie Bertram, so hasste auch ich die Physik- und Mathestunden. Lieber drehte ich mich zum Fenster, beobachtete, was auf dem Schulhof vor sich ging, folgte dem Lauf der Fliegen auf der Scheibe, las Comics unter der Bank oder kritzelte Pfeile, Zickzacklinien oder Frauengesichter mit schwarzen Augen auf die herausgerissenen Seiten meines Spiralblocks. Wichtig waren die Bücher, das Denken, das Schreiben und Bertrams Gitarre. Gedichte von Brinkmann verbinde ich mit dieser Zeit, von Paul Celan, Ingeborg Bachmann. Besonders aber Hesses Siddharta, die Geschichte eines indischen Brahmanen, der sein Leben der Suche nach Erleuchtung widmete, sich dazu in Meditationen versenkte und schließlich unter einem Feigenbaum begriff, was das Leben von ihm wollte. Das Buch beeindruckte uns zutiefst. Es stellte einige festgeschraubte Lehren in Frage. Viele Sätze unterstrichen wir. Etwa die Stelle, in der Siddharta lernte, auf einen Fluss zu hören und ihn zu beobachten, wobei er feststellte, dass sich der Fluss ständig wandelte und doch immer derselbe blieb.

Man kann sagen, dass Bertram seine Zeit oft mit Nichtigkeiten füllte. Überhaupt tat er kaum etwas, womit er jemandem genützt hätte und doch war er nicht müßig. Gerne lag er auf der Wiese in der Sonne, rauchte, hörte über sein Batterieradio den Pop Shop mit Frank Laufenberg oder kickte mit der Dorfjugend auf dem Bolzplatz.

Schon als Kind spielte er Gitarre und Klavier. Später gab er gelegentlich Musikstunden. Damit verdiente er so gut wie nichts, aber er brauchte auch nicht viel. Er fand, dass zwei Monate Arbeit im Jahr ausreichten, um über die Runden zu kommen und war sicher, dass niemand im Schweiße seines Angesichts seinen Unterhalt verdienen müsse. Wenn er über Arbeit sprach, hatte er immer einen leicht spöttischen Gesichtsausdruck. Auch zu Geld hatte er ein merkwürdiges Verhältnis. Ich fragte ihn einmal, ob er sich vorstellen könnte, ohne Geld zu leben. Da verzog er das Gesicht, meinte, dass man ohne Geld ständig etwas tauschen müsste, was aufwändig wäre, weswegen Geld also eine bequeme Sache sei, die andererseits, und das hielt er für fatal, alles auf diesem Globus bewege, da die Menschen sich immer nur nach Arbeit und Geld orientierten. Andererseits sei Geld ein Mittel der Toleranz, weshalb niemand darauf verzichten sollte. Geld sei nämlich toleranter als jede Kultur und jedes Gesetz. Es sei das einzige von Menschen geschaffene Mittel, das fast alle Kulturbarrieren überwinden könne und nicht nach Religion, Geschlecht und Rasse frage.

Hin und wieder half er auf dem Hof. Aber immer nur so, wie es ihm gefiel. Bertram war einer, dem man nichts aufzwingen konnte. Da war er einfach nicht zu greifen.

Druck hielt er nicht aus. Etwas zu müssen, lehnte er ab. Keiner muss etwas, davon war er überzeugt. Er ließe sich nicht verschlingen, von nichts und niemandem, weshalb er verachtete, was ihm von oben diktiert wurde. Du musst nichts, du kannst. Wer einer Herde hinterher läuft, läuft Ärschen hinterher. Das waren seine Sätze.

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