Johannes J. Arens - Nachschlag Berlin

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Wer Berlin kulinarisch nur mit Eisbein und Sauerkohl gleichsetzt, vergisst, dass auch die
deutsche Hauptstadt seit Jahrhunderten ein Schmelztiegel der Kulturen ist, deren Rezepte und Traditionen ihre Spuren in den Ernährungsgewohnheiten der Metropole hinterlassen haben. Berliner Gerichte zeugen von Kriegen und fetten Jahren, von Hunger und Dekadenz. Die Epochen der Geschichte spiegeln sich im Essen der Menschen. Dieses reich bebilderte Sachbuch untersucht, wieso die Berliner und Berlinerinnen essen, was sie essen. Die Geschichte des Geschmacks einer Stadt- und ein Buch darüber, wie die Hauptstädter über das dachten und denken, was täglich auf ihren
Tisch kommt.

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Doch die Umsetzung dieser großspurigen Ankündigung erfolgte nicht an allen Orten mit dem gleichen Engagement. Ostberlin wurde, durch seine Zugänglichkeit für Bundesbürger und westliche Ausländer, zum ,Schaufenster des Sozialismus’. Die Mangelwirtschaft war hier nur in abgeschwächter Form zu spüren, seine Einwohner in vielerlei Hinsicht privilegiert. Auch außerhalb einer direkten Einflussnahme durch die Politik unterlag die Esskultur der DDR und im besonderen die ihres Aushängeschilds Ostberlin besonderen Bedingungen. Voigt spricht in ihren aufschlussreichen Schilderungen des Alltags von einer ,Diktatur der Kellner‘ . 27Die Bediensteten der Restaurants und Gaststätten und in einem vergleichbaren Maße auch die Verkäuferinnen und Verkäufer des staatlich gelenkten Lebensmittelhandels, wussten als Überbleibsel des überwundenen kapitalistischen Systems innerhalb einer sozialistischen Gesellschaft die Macht ihrer paradoxen Position zu nutzen. Einerseits ein Relikt einer ständischen Klassengesellschaft, andererseits die Speerspitze des neuen Deutschlands, hatte das Personal die Anweisung, den Kunden oder Gästen gleichberechtigt gegenüberzutreten, was sich in einer konstanten Bevormundung, Zurechtweisung und Erniedrigung des Gegenübers manifestierte. „Der Kunde duckte sich unter ihr Zepter, tanzte nach ihrer Pfeife,” schreibt Voigt: „Aufbegehren zog Liebesentzug nach sich.” 28

Minimalistischer Industriechic

20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist die Hauptstadt arm, aber sexy. Die Esskultur der Hauptstadt ist durch die Schere zwischen Elite und Prekariat, zwischen arm und reich geprägt. Die Ernährung unter so genannten Hartz IV-Verhältnissen wird dabei regelmäßig in den Medien thematisiert, von der Pseudodokumentation im Privatfernsehen bis zur politisch motivierten Berichterstattung in der ,taz’. Jedes dritte Kind in Berlin lebe in armen Verhältnissen, zitiert die Berliner Morgenpost im Juni 2010 die Antwort der Sozialsenatorin Carola Bluhm auf eine parlamentarische Anfrage. Programme wie der ,Aktionsplan plus‘ seien notwendig, um eine durchgehende Betreuung und eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten, so die Politikerin. Neukölln ist dabei der Bezirk, in dem mit 25.541 Kindern und Jugendlichen die meisten Minderjährigen auf staatliche Leistungen angewiesen sind. Der Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky bescheinigt seinem Krisenkiez im selben Artikel eine Verschlechterung der Situation innerhalb der vergangenen Jahre. Der Zustand Nordneuköllns werde keinesfalls verbessert durch den Zuzug des kreativen Milieus aus Kreuzberg und Friedrichshain, so der SPD-Politiker: „Leute, die um 22 Uhr kommen und bis sechs Uhr morgens Caipi trinken, ändern die Sozialstruktur dort nicht.” 29

Anders als im industrialisierten Berlin der Wende zum 20. Jahrhundert, als soziale Klassen, auch räumlich getrennt, im Alltag kaum miteinander in Berührung kamen, finden sich gegenwärtig Sozialfälle und Trendsetter Tür an Tür, so im Neuköllner Reuterkiez an der Sonnenallee. Während in Pannier- und Weserstraße in zahlreichen neu entstandenen Cafes, Bars und Restaurants spanische Tapas die Weinkarte ergänzen, wird nur eine Straße weiter, in der Fuldastraße, jeden Freitag eine kostenlose Mahlzeit für Bedürftige angeboten. Während frühmorgens Werbetexter und Filmemacher Caffe Latte Soja und ein Buttercroissant verzehren, versuchen schlecht ernährte Kinder mit dem Tempo ihrer eiligen Eltern mitzuhalten und gleichzeitig ihr aus einem Sesamkringel oder Rosinenbrötchen bestehendes Frühstück zu verzehren. Die vielfach prekäre finanzielle Situation Alleinerziehender wirke sich auch auf die Ernährung der Kinder aus, schrieb die ,taz‘ 2008 in einer Reportage über das Kinderrestaurant Kireli in Lichterfelde. Das Restaurant biete den Kindern die Chance, mittags gesund und genug zu essen, zitiert die Zeitung die Leiterin der Einrichtung. Man habe das Projekt ins Leben gerufen, weil viele Kinder ohne Mittagsessen aus der Schule ins Jugendzentrum gekommen seien, gerade aus Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind. Bei Alleinerziehenden komme oft erst abends etwas Warmes auf den Tisch. 30

Einladung zum gemeinsamen Essen auf der Straße im Neuköllner Reuterkiez Die - фото 14

Einladung zum gemeinsamen Essen auf der Straße im Neuköllner Reuterkiez

Die Restaurantkritik, ein anderer Bereich der öffentlichen Auseinandersetzung mit Ernährung, bewegt sich auf einem weitaus höheren Niveau, wie ein Blick in die Stadtmagazine ,tip‘ oder ,zitty‘ deutlich macht. Der Besuch eines Restaurants ist für viele nach wie vor eine Sache des Sozialprestiges, die verzehrten Lebensmittel bleiben weiterhin eher nebensächlich, doch eine, zumindest vordergründig kompetente Kritik an Material, Zubereitung oder Service erhöht unter Umständen das eigene Ansehen. Ein Besucher des hochpreisigen ,Borchardt‘ in Mitte habe sich über den Service beschwert heißt es im ,tip’, die Zeitschrift sei der Sache nachgegangen. „Das Team vom Borchardt wollte sich als Entschädigung etwas überlegen, doch bis heute ist nichts passiert. Blöd gelaufen!” 31Im Widerspruch gegen die Behauptung, im ,Grill Royal‘ würde Fertigware verwendet, mag man noch eine Spur einer konkreten Restaurantkritik entdecken. Doch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die bloße Nennung solcher Kritik an teuren Institutionen der kulinarischen Elite wichtiger ist als der tatsächliche Erkenntnisgewinn der Leser.

Restaurant Borchardt Französische Straße in Mitte DiscounterFiliale auf der - фото 15

Restaurant Borchardt, Französische Straße in Mitte

DiscounterFiliale auf der Sonnenallee in Neukölln Dass Geschmack und Qualität - фото 16

Discounter-Filiale auf der Sonnenallee in Neukölln

Dass Geschmack und Qualität der angebotenen Lebensmittel vielfach in den Hintergrund treten, zeigt die Aufmerksamkeit, die in den Restaurantkritiken der innenarchitektonischen Ausstattung der Lokale zukommt. Sei es der fachkundige Blick für einen Tresen aus Nussbaum auf einem Fundament aus unbehandeltem Nadelholz 32oder die Schilderung des Werkstoffs Beton, die in einer fast karikaturhaften Beschreibung urbaner Inszenierung von Ernährung gipfelt: „In dem minimalistischen Industrieschick zieht sich die Mittagspause der medienkreativen Nachbarschaft schon mal in den frühen Abend.” 33Dass Essen und Trinken, oder um präziser zu sein, die Qualität von Essen und Trinken, in diesem Kontext erst einmal eine untergeordnete Rolle spielen, ist nicht nur in Berlin eine Tatsache. Während die arrivierten Trendsetter der ,Generation Golf‘ den Wert gemeinsamer Mahlzeiten wieder entdeckt haben, muss, allen Bio- und Ökosiegeln zum Trotz, die Güte des Essens und Trinkens nach wie vor oft hinten anstehen. Diese Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu überwinden ist eine Aufgabe, an der jedoch kein Weg vorbeiführt, um sowohl die gesundheitlichen als auch die ökonomischen Folgen von Übergewicht und Fehlernährung zumindest ansatzweise eindämmen zu können.

Soweit ein zugegebenermaßen düsterer deutschlandweiter Befund. Berlin ist in dieser Beziehung keine Ausnahme. Im Gegenteil: Essen und Trinken scheinen in der Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands unter verschärften Bedingungen stattzufinden. Das Publikum scheint noch anspruchsloser zu sein, das Angebot noch industrieller und der Service noch eine Spur unfreundlicher als im Rest der Republik. Berlin ist auch in kulinarischer Hinsicht eine Stadt der Extreme - die Differenz zwischen hochpreisigen HighEnd-Restaurants in Berlin-Mitte und einer Imbissbude in Moabit, zwischen der Feinkostabteilung des KaDeWe in Schöneberg und dem Angebot einer Aldi-Nord-Filiale in Neukölln könnte größer nicht sein. Die Stadt gewährt in diesem Fall, wie es als Hauptstadt zu ihren Aufgaben gehört, sowohl in ihrem kreativen Potential als auch in ihrer finanziellen Misere einen Blick in gesellschaftliche Tendenzen der Zukunft.

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