Interview: Arme Ritter und Spiegelei
Arme Ritter und Spiegelei
Das 2009 von der Illustratorin Kitty Kahane in Kooperation mit ihrer Schwester, der Autorin Brit Hartmann, veröffentlichte ,Kittys Berlin-Kochbuch’ ist eine Ausnahme unter den Kochbüchern mit Hauptstadtschwerpunkt. Denn die Rezeptsammlung der beiden gebürtigen Berlinerinnen umfasst neben den Klassikern auch etliche Rezepte und Geschichten aus der eigenen Familientraditon.
Kitty, wie ist das Buch entstanden?
Das Buch ist ein Familienprojekt, Brit und ich haben sehr eng zusammengearbeitet und mein Mann hat die Gestaltung übernommen. Meine Schwester hat die Texte geschrieben, sie ist eine hervorragende Köchin und hat alles sehr sorgfältig durchgekocht.
Wo kommen die Rezepte her?
Ein Teil stammt von unserer Mutter, die aus Thüringen stammt, immer ganz hervorragend gekocht hat und uns sehr frühzeitig ans Kochen herangeführt hat. Der Rest ist eigene Erfahrung und sehr genaue Recherche meiner Schwester. Ich bin eine gute Köchin, würde ich sagen, aber meine Schwester ist da noch sehr viel raffinierter. Das Buch ist also persönlich und in jedem Fall authentisch.
Was unterscheidet ,Kittys Berlin Kochbuch‘ von den anderen Berlin-Kochbüchern?
Wir wollten kein reines Kochbuch machen, sondern die Kultur der Berliner Küche darstellen und auch die Umgebung mit einbeziehen. Modern, aber unter der Berücksichtigung traditioneller Einflüsse, wie beispielsweise die aus Osteuropa.
Was kam rein und was nicht?
Wir wollten eine leichte und vor allem auch nachvollziehbare Küche präsentieren. Eben nicht mehr nur die schweren, deftigen Sachen. Wir haben dann überlegt, was typisch für Berlin ist und was uns selber am Herzen liegt, was wir selber gerne essen. Ein paar Rezepte, wie beispielsweise die Quarkzigarren, sind aber auch eigene Erfindungen.
Was ist denn typisch für Berlin?
Die arme Küche ist typisch - aus Nichts viel machen, wie zum Beispiel mit Armen Rittern und Spiegeleiern. Picknick machen ist auch wieder ein Thema für die ganzen Berliner Familien mit Kindern, die jetzt einen Schrebergarten haben und am Wochenende nach draußen fahren.
Sind das auch eigene Erinnerungen?
Ja, wir sind früher immer mit dem alten Skoda in die Kiefernwälder gefahren. Die Nadeln auf dem Boden, eine karierte Decke und kalte Küche – das gehört zu meiner Kindheit dazu. Das Umland spielt überhaupt eine große Rolle.
Welche Rezepte stammen denn aus Ihren Kindertagen?
Senfeier zum Beispiel. Wir haben die geliebt, wenn meine Mutter die gekocht hat. Oder Quarkkeulchen, da habe ich den Geruch noch in der Nase. Meine Mutter hatte im Keller so eine Casserole, wo das Kokosfett drin war. Ein Highlight war sicher auch Hühnerfrikassee. Da haben wir Kinder uns fast um das letzte Grießklößchen geprügelt. Das war schon was Besonderes.
Kittys Berlin-Kochbuch Kitty Kahane und Brit Hartmann Jacoby & Stuart 2009
Ist Ihr Buch auch ein Ostberliner Buch?
Wir sind ja beide Berlinerinnen, die im Osten aufgewachsen sind. Insofern ist schon einiges an ,Ost‘ im Buch zu finden – das wollten wir in keinem Fall ausklammern.
Was waren die Inspirationen für die Illustrationen?
Meine Schwester hat mir die Liste der Texte gegeben und ich konnte dann entscheiden, wie dicht ich an der Vorlage dranbleiben wollte. Es werden ja nicht immer nur die Zutaten gezeigt, sondern auch kleine Geschichten erzählt. Insofern konnte ich meine eigenen Ideen da einfließen lassen.
Also keine klassische Kochbuchbebilderung ?
Nein, wir haben das teilweise etwas anders gelöst. Für den Falschen Hasen habe ich ein Gedicht von Christian Morgenstern eingebaut, das passt hervorragend. Normalerweise würde ein Illustrator ja einfach die Speise abbilden, oder ein Foto vom Essen zeigen.
Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft der Berliner Küche aus?
Regionale Küche ist für die jungen Berliner wieder enorm wichtig. Lokale Produkte spielen wieder eine Rolle. Wir hatten früher einen Garten und es wurde ganz selbstverständlich immer darauf geachtet, dass nach der Saison gekocht wurde. Essen hat in unserer Kindheit immer eine große Rolle gespielt und das sehe ich in der Generation meines Sohnes wieder zurückkommen.
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