Tilman Allert - Der Mund ist aufgegangen

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Marcel Proust hat der Madeleine ein literarisches Denkmal gesetzt, Günther Grass die »Ahoj«-Brause in der »Blechtrommel« verewigt. Doch wer feiert heute noch den süßen Schmerz, den der Genuss eines Himbeerbonbons verursachte, wer erinnert sich an das Lässigkeitsversprechen des Kaugummis, dem heimlichen Verbündeten der Reeducation, wer gedenkt noch der giftgrünen Verheißung der »Götterspeise«?
Mit diesen überaus amüsanten Capriccios, in denen hie und da etwas Wehmut aufscheint, lässt Tilman Allert die Geschmäcker einer Kindheit in den frühen Jahren der Bundesrepublik aufleben: wie ein vorsorglich in der Hosentasche verstautes »Vivil« über die Befangenheit vor dem ersten Kuss hinweghalf, was der verlockend leuchtende Liebesapfel seinem Esser an Geschicklichkeit abverlangte, welcher Zungenakrobatik es bedurfte, um die Hostie vom Gaumen zu lösen und wie ein Kamillendampfbad dem Kranken alle Sinne gleichermaßen vernebelte – einfach unwiderstehlich und höchst amüsant.

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Für die Kinder musste es genügend Soße geben. Der Routine des Kochens ausgeliefert, taten sie, die im Einerlei des Hinzunehmenden mal Gourmands, mal Gourmets waren, im übrigen gut daran, sich in der Kunst des Herunterwürgens zu üben. Schmalhans war Küchenmeister – Fernsehköche oder Kochkurse gab es nicht. Das Gefühl für Gerechtigkeit entstand bei Tisch. Pedantisch wurde unter Geschwistern etwa darauf geachtet, dass bei den Buchstabenkeksen, Russisch Brot genannt, das »I« und das vielbeinige »M« oder »W« in gleichen Teilen auf die Teller verteilt wurde. Einzig das Weihnachtsfest und der Advent eröffneten mit »Apfel, Nuss und Mandelkern«, Datteln, Feigen und Pistazien eine heilige Zeit im Kalender, überwältigend opulent, als hätten die drei Könige aus dem Morgenland einen Zwischenstopp im Elternhaus eingelegt.

Dass auch unter den historisch besonderen Bedingungen der Kargheit ein Gespür für das Gute des Essens entstand, hat mit dem Wesen des Geschmacks zu tun. Er setzt nicht Theorie oder Belesenheit voraus, nicht Erkenntnis, sondern gründet in der erfahrungsgeschulten Klugheit des Empfindens. Nun liegt uns fern, diese Klugheit zu verklären. Eher sind wir bemüht, das geschmacklich Vertraute, das wir vergessen haben, von innen her zu verstehen, und vom Schicksal, Fetisch zu werden, zu befreien – eine gedankliche Bewegung, die gerade zugänglich ist, wem es gelungen ist, zu vergessen. Treue zur Kindheit bewahrt, wer vorm Erwachsensein nicht davonläuft und den frühen Erfahrungen nicht nachtrauert.

Die im folgenden versammelten Zugänge zum Erlebten stellen nicht mehr als einen Versuch dar. Unterschiedlich lassen sie sich lesen, als Propädeutikum für eine Phänomenologie der Geschmacksbildung, als Führer einer Bildungsreise zurück zu den Anfängen des eigenen sinnlichen Vermögens oder als Kommentar zu einer Soziologie der Mahlzeit. Wer nach einer Vorlage sucht, dem seien Robert Schumanns »Kinderszenen« empfohlen, um auf das einzustimmen, was den Leser an kulinarischen Causerien erwartet: eine Sammlung von Miniaturen oder, wie der Komponist selbst es formulierte, »Rückspiegelungen eines Älteren und für Ältere geschrieben«. An jeder Stelle läßt sich beginnen, und ähnlich wie das Essen und Trinken mit dem Atemholen in dynamischem Gleichgewicht erfolgt, so lädt das Lesen zum Verweilen ein. Innezuhalten mag auf den schönsten Schatz einstimmen, der im Oralen geborgen ist. Im überaus sensiblen Areal des Mundraums gewinnt die vokale Geste Kontur, entstehen Kraft und Klang der Stimme. In deren Resonanz spüren wir uns und werden unserer Gegenwärtigkeit gegenüber dem anderen gewahr, und ohne dass erinnerbar ist, wie sie ihren Weg zum Singen und Sprechen gefunden hat. Im Lallen und im Brüllen, im Krächzen und Grunzen, im Seufzen und Schnaufen zu einem unverwechselbaren Timbre geschult, in den hellen Koloraturen des Soprans ebenso wie, nach ihrem Bruch, im dunklen Ton des noch kaum vertrauten Bass, variantenreich und verspielt, im Wimmern wie im Jubel unverkennbar, ist die Stimme in allen Künsten der Verstellung zuhause und noch in der Vielfalt ihrer Variationen Zeuge eines unverwechselbaren Selbst.

Der Geschmack der Kindheit gibt Raum für das Atmosphärische, umspielt die Lust auf das Sprechen, das, zum Ruf und zur Kundgabe, zur Bitte und zum Dank verwandelt, das Draußen der Welt im Drinnen der Person zum Klingen bringt. Der Mund geht auf – den anderen zu erreichen, ist sein ewig strebender Wunsch.

Süßer Schmerz

Himbeerbonbons

Das Gute erscheint selten unmittelbar, es bevorzugt den Auftritt in der Verhüllung. Sie verzögert, erhöht die Erregung und kitzelt die Vorfreude. Nicht so beim Himbeerbonbon, lange Zeit ein Solitär unter den frühen Wonnen der Oralität. Verlockend war es aufgrund seiner Nähe zum schnellen Verzehr. Schnörkellos seine Präsenz, wurde es unter Hunderten seinesgleichen mit einem Griff aus dem bauchigen Glas geholt und direkt in die offene Hand gereicht wie die Scheibe Lyoner beim Metzger, als Geschenk beim Einkauf mit der Mutter oder auch schon mal gegen einen Pfennig eingetauscht. Umwege wie etwa beim Marzipan oder beim Karamelbonbon, die geschmacklich zu einer anderen Liga gehörten und deshalb zweifach akkurat und fein umhüllt waren, gab es beim Himbeerbonbon nicht: Unverpackt war es zum Klassiker geworden. Als Bonbon war es eine ehrliche Haut, sein plumpes Aussehen vertrauenerweckend – eine Kugel zwar, aber irgendwie ramponiert durch das Gedränge unter den vielen, mit denen zusammen es aufbewahrt wurde – und erst recht in dem Zustand, in dem es in der Tüte mit den hellblauen Sternchen als Wochenration tief unten in der Hosentasche sein Dasein fristete.

So herrlich es schmeckte, so prekär waren die ersten Minuten seines Auftritts, ein Gaumenschreck – in krassem Gegensatz zum fruchtigen Original vom Strauch, dem eher das Gelupft- als Gepflücktwerden würdig schien. Es dauerte eine Weile, bis das zuckrig Harte des Bonbons auf die Größe einer glatten Murmel abgeschmolzen war, die sich unterm Gaumen hin- und herrollen ließ oder der man großzügig Ausflüge in die entferntesten Winkel des Mundraums gestattete. Ja, im geduldigen Lutschen – was für ein Wort für die hohe Kunst des sublimierten Konsums – zollte man seiner Anwesenheit dadurch Respekt, dass man ihm gestattete, beim Sprechen zu lauschen. Diese Lässigkeit, es im Mund herumlungern zu lassen, hatte ihren Preis. Das Bonbon war geschickt, und je heimischer es wurde, desto tollkühner konnte es sich gebärden. Dabei passierte es manches Mal, dass es, eben noch hoch in der Gaumenkuppel turnend, plötzlich abstürzte und viel zu früh verschwand und dazu womöglich noch kaum verkleinert. Das Verschlucken: ein kleiner Weltuntergang! Einen Augenblick lang schaffte es das Bonbon, jede Aktivität zu stoppen, die einem kurz zuvor noch wichtig erschienen war. Sein Abgang in den Schlund entfaltete sich als verwirrend mühsam. Das rumpelnde Rumoren in der Herzgegend war noch zu spüren, wenn es längst den Magen erreicht hatte, und das Gefürchtete – die Blockade mit anschließender Ohnmacht und Ersticken – ausgeblieben war. Im Moment des Schreckens konnte das Wissen kaum beruhigen, dass neben der einen Röhre wohl noch eine weitere lag, die eine fürs Essen und Trinken zuständig war, während die andere sich aufs noch viel wichtigere Atmen spezialisiert hatte. Der Ärger darüber, dass sich das Bonbon in einem Akt der Dreistigkeit auf und davon gemacht hatte, lenkte schließlich von der nagenden Sorge ab, ob vom einst willkommenen Gast, der unvermittelt zu einem Fremdkörper im eigenen Leib geworden war, womöglich späterer Aufruhr zu gewärtigen sei.

Bis man der Verlockung erneut verfiel, dauerte es eine Weile.

Der Liebesapfel

Der Liebesapfel, wie alles Runde eine überwältigende Augenweide, eine funkelnde Versuchung, zum Greifen nahe, hatte auf der gläsernen Theke der Kirmesbude seinen glänzendsten Auftritt. Um von ihm verführt zu werden, brauchte es keine Schlange. Ähnlich wie bei der Zuckerwatte vom Stand nebenan, die in ihrer wolkigen Fülle darauf aus schien, ihren Besitzer in einen Kokon aus tausend süßen Fäden einzuspinnen, verlief auch beim Apfel der erste Kontakt nicht ohne Überraschungen. Sein unwiderstehlicher Prunk – mit der glänzenden Oberfläche einem kostbaren Porzellan zum Verwechseln ähnlich – erwies sich als eine Festung, uneinnehmbar, eine Provokation für das Mahlwerk des Mundes. Er stellte ein kompliziertes Unterfangen für den Unterkiefer dar, zum einen durch seine Größe und die dickwandige Glasur, zum anderen durch den dünnen Stift aus Holz, auf dem man ihn hielt, eine wackelige Angelegenheit von Anfang an.

Äußerste Vorsicht war somit angesagt, da der Apfel, der Schwerkraft gehorchend, jederzeit von seinem labilen Gestell wegkippen konnte. Forderte allein schon das Balancieren der begehrten Trophäe besonderes Geschick, auf das sich zu konzentrieren so lästig war, dass es den bevorstehenden Genuss zu vergällen drohte, so stellte sich mit der Frage, wie überhaupt vorzugehen, wie und an welcher Stelle mit dem Beißen zu beginnen sei, ein nächstes Problem. Viel weiter kam man auch dann nicht, nachdem man sich entschlossen hatte, die Wackelpartie mit dem lächerlichen Stift aufzugeben und den kandierten Apfel in beiden Händen zu halten, ihm in der Zwinge zu Leibe zu rücken.

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