Panitzsch verliert seine kommunale Selbstständigkeit
Trotz der Einsicht in die Notwendigkeit der Lösung von Verwaltungsaufgaben im Verbund mit Nachbarorten, wie z. B. Althen, Engelsdorf oder Taucha, fasste der Gemeinderat im Februar 1994 zunächst den Entschluss zum Erhalt der Eigenständigkeit des Ortes und kam damit den Wünschen der Panitzscher nach. Schon 1994 wurden erneut Diskussionen zur bevorstehenden Gemeindegebietsreform in Sachsen geführt. Dabei ging es immer wieder um die Frage, zu welchem Kreis Panitzsch künftig gehören würde, zum Landkreis Leipzig oder zum Muldentalkreis. Favorisiert wurde seit 1995 zunächst eine freiwillige Zusammenarbeit mit Borsdorf in einer Verwaltungsgemeinschaft, wobei Borsdorf als „erfüllende Gemeinde“ tätig werden sollte. Mit Wirkung vom 1. April 1996 genehmigte das Innenministerium des Freistaates Sachsen die Bildung der Verwaltungsgemeinschaft Borsdorf/ Panitzsch, allerdings mit dem Zusatz, dass dies „nur (als) ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Bildung einer Einheitsgemeinde“ zu sehen sei. Ab April 1996 wurde ein Teil der Borsdorfer und Panitzscher Verwaltungsaufgaben für nunmehr insgesamt fast 6.800 Einwohner gemeinsam geleistet. Dazu gehörte unter anderem die Zuständigkeit des Meldeamtes Borsdorf für die Panitzscher Bürger sowie die Bearbeitung von Aufgaben des Sozialamtes und des Gewerbeamtes im Rathaus Borsdorf. Der aus Vertretern beider Gemeinden gebildete Verwaltungsausschuss, dem beide Bürgermeister angehörten, prüfte in der Folgezeit die jeweiligen Gemeindesatzungen und bereitete den späteren Zusammenschluss vor.
Luftbild der Gemeinde Panitzsch, Ende der 1990er Jahre, rechts das neu erschlossene Wohngebiet Am Wiesenweg.
Auch wenn die Panitzscher Einwohner gern ihre Eigenständigkeit bewahrt hätten, führte an der Eingemeindung kein Weg mehr vorbei. Am 15. Dezember 1998 tagte der Gemeinderat Panitzsch zum letzten Mal als eigenständiges Gremium. Zum 1. Januar 1999 entstand die neue Gemeinde Borsdorf mit den Ortsteilen Borsdorf, Cunnersdorf, Panitzsch und Zweenfurth (nach Borsdorf eingemeindet per 1. Juni 1973). Durch die Eingemeindung nach Borsdorf wechselte Panitzsch gleichzeitig aus dem Landkreis Leipziger Land in den 1994 gebildeten Landkreis Muldental.
Zehn Panitzscher Gemeinderäte arbeiteten zunächst mit 15 Borsdorfer Vertretern in einem gemeinsamen Gemeinderat. Ansprechpartner, darunter der noch 1998 gewählte Ortsvorsteher, standen für die Panitzscher vor Ort weiter zur Verfügung. Da beide Bürgermeister bei der Zusammenlegung ihr Amt verloren, fand am Sonntag, dem 28. März 1999 die Neuwahl für das Bürgermeisteramt statt. Als neuer Bürgermeister für Borsdorf wurde Ludwig Martin gewählt, der dieses Amt seitdem ausübt.
Hatten die Panitzscher sich mittlerweile an die neuen Behördenwege beim Landratsamt in Grimma oder der Außenstellen in Wurzen gewöhnt, stand ihnen nochmals ein Veränderung bevor: Im Zuge der Verwaltungs- und Gebietsreform in Sachsen wurden mit Wirkung vom 1. August 2008 die ehemaligen Landkreise Muldentalkreis und Leipziger Land zum neuen Landkreis Leipzig vereinigt. Kreissitz wurde nunmehr Borna, wobei sich einige Verwaltungsstellen des Landratsamtes noch in Grimma befinden.
Durch Fusionen anderer Orte im Umfeld ist Borsdorf heute die flächenmäßig kleinste selbstständige Gemeinde im Landkreis Leipzig. Wenn aktuell zur Zeit keine weiteren Eingemeindungsverhandlungen auf der Tagesordnung stehen, zeichnet sich jedoch schon seit längerer Zeit ab, dass es erforderlich ist, die Verwaltungsaufgaben zukunftsfähig zu lösen und personelle und finanzielle Ressourcen zu bündeln. So wurden zum 1. Januar 2016 die Aufgaben des Standesamtes für Borsdorf an die Stadt Brandis, mit der auch eine Kehrmaschine gemeinsam genutzt wird, übertragen.
Sind die Ortsteile der Gemeinde Borsdorf inzwischen vor allem durch die Parthenfeste näher zueinander gerückt, werden sich trotzdem Traditionen und regionale Besonderheiten nach wie vor nicht verlieren. Zum gegenseitigen Miteinander trägt das gemeinsame Begehen der Ortsjubiläum 2014 in Zweenfurth sowie 2017 anlässlich der urkundlichen Ersterwähnungen von Panitzsch und Borsdorf vor 750 Jahren sicher bei.
Ein besonders Dankeschön geht an Frau Angela Neubert für die vielfältige Unterstützung bei den Recherchen!
Werbung zur 750-Jahrfeier im Dorfteich an der Hauptstraße.
Aktuelle Informationen wie den Behördenwegweiser oder Grunddaten zur Gemeinde und ihren Ortsteilen kann man der Internetseite der Gemeinde ( www.borsdorf.eu) entnehmen.
Quellen und Literatur
Archive und Sammlungen
Stadtarchiv Leipzig: Ratslandstube/Ratslandgericht; Güteramt; Akten der Stadtverordneten; Akten des Rates der Stadt Leipzig (Kapitelakten).
Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig: 20009 Amt Leipzig; 20028 Amtshauptmannschaft Leipzig; 20234 Kreistag und Kreisrat Leipzig.
Kreisarchiv des Landkreises Leipzig: Gemeindeverwaltung Panitzsch (vor und nach 1945); Kreistag und Rat des Landkreises Leipzig.
Gemeinde Borsdorf, Akten der Gemeindeverwaltung.
Unterlagen des Heimatvereins Borsdorf e. V.
Werner Emmerich: Der ländliche Besitz des Leipziger Rates. [...], Leipzig 1936.
Eberhard Fischer: Der Bürgermeister und seine Stellvertreter in Panitzsch von 1920–1945. In: Vor Ort, Borsdorfer Amtsblatt mit Kirchennachrichten, 16. Jg. Nr. 1, März 2005. S. 26–30.
Ders.: Eine Episode aus dem „Nachkriegs-Panitzsch“. In: Vor Ort, Blatt für Borsdorf, Panitzsch und Zweenfurth, 14. Jg. Nr. 3, Juli 2003, S. 12–14.
Ders.: Daten aus der Ortsgeschichte Panitzsch und Cunnersdorf. In: Vor Ort, Blatt für Borsdorf, Panitzsch und Zweenfurth, 14. Jg. Nr. 6, Dezember 2003, S. 9–12.
Ders.: Das Café „Zur Mühle“. In: Vor Ort, Blatt für Borsdorf, Panitzsch und Zweenfurth, 14. Jg. Nr. 4, September 2003, S.16–19.
Harro Gehse: Panitzsch vor 150 Jahren.Ein Ortsstatur tritt in Kraft. In: Vor Ort, Blatt für Borsdorf, Panitzsch und Zweenfurth, 10. Jg. Nr. 5, November 1999, S. 3–7.
Bernd Haube: Altes Panitzsch – alte Panitzscher. Posthalter, Gutsbesitzer, Jagdpächter. Gutsbesitzer Heinrich Julius Jaeger. In: Vor Ort, Blatt für Borsdorf, Panitzsch und Zweenfurth, 12. Jg. Nr. 6, Weihnachten 2001, S. 9–15.
Ders.: Gestüt mit Reitbahn. (Julius Heinrich Jaeger). In: Vor Ort, Blatt für Borsdorf, Panitzsch und Zweenfurth, 13. Jg. Nr. 4, September 2002, S. 7–11.
Ders.: Altes Panitzsch – alte Panitzscher. Zur Geschichte eines Pferdnergutes. In: Vor Ort, Blatt für Borsdorf, Panitzsch und Zweenfurth, 13. Jg. Nr. 5, November 2002, S. 3.
Lutz Heydick: Der Landkreis Leipzig. Historischer Führer, Beucha 2004.
Heinz Quirin: Panitzsch. Eine Heimatgeschichte. (Nachdruck in: Lutz Heydick, Uwe Schirmer, Markus Cottin [Hrsg.]: Zur Kirchen- und Siedlungsgeschichte des Leipziger Raumes 2/2002, S. 181–234, Beucha 2001.
Vollständiges Staats-Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen, verfasst von August Schumann, Achter Band, Zwickau 1821.
Handbücher der Amtshauptmannschaft Leipzig.
Gemeinde-und Ortsverzeichnis für das Königreich Sachen, Dresden 1904 (Zahlen der Volkszählung 1904).
1267–1967. 700 Jahre Panitzsch. Hrsg. vom Rat der Gemeinde Panitzsch. Panitzsch 1966
Digitales historisches Ortsverzeichnis von Sachsen: http.//hov.isgv.de/Panitzsch bzw. Cunnersdorf
wikipedia: https://de.wikipedia.org
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